WF: Hallo Chris, wir freuen uns dich kennen zu lernen.
Chris: Ganz meinerseits.
WF: Du bist die letzten Wochen mit Fozzy durch Europa auf Reisen. Wie
war die Tour bis jetzt? Wir haben gehört, dass euer Tourbus gestern
einen Unfall hatte.
Chris: Ja, unser Tourbus hatte gestern einen Unfall auf der Autobahn,
weil einer unserer Fahrer eingeschlafen ist. Der Bus ist in die
Leitplanke geknallt und für ungefähr 5 Meter nur auf zwei Reifen
gefahren. Die Vordertür ist abgerissen und die Frontscheibe ist komplett
ruiniert. Ich danke Gott dafür, dass keinem etwas passiert ist.
Glücklicherweise saß ich im Bus von Anthrax. Wir mussten unsere Show
gestern in Dänemark absagen und einen Tag in Hannover auf unseren
Ersatzbus warten. Es war also alles auf die letzte Minute und wir haben
nur unsere Sachen in den Bus geworfen um uns auf den Weg nach Hamburg zu
machen.
WF: Nachdem Fozzy als Coverband angefangen hat, spielt ihr mittlerweile
eure eigenen Songs. Wie siehst du anderweitig die bisherige
Weiterentwicklung der Band.
Chris: Also ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben die Band 1999
gegründet, das ist so verrückt darüber nachzudenken, dass es
mittlerweile 12 Jahre her ist. Wir haben als Coverband angefangen und
wurden von Megaforce Records unter Vertrag genommen. Megaforce hat 1993
auch Metallica unter Vertrag genommen, Anthrax auch. Uns haben sie als
Coverband einen Vertag angeboten, was ein bisschen ungewöhnlich, fast
schon kurios ist, aber wir haben gesagt „Okay, wir machens“. Wenn du
anfängst Musik zu machen willst du irgendwann deine eigenen Songs
spielen. Also haben wir gesagt, dass Covers zwar lustig sind, aber wir
anfangen sollten unser eigenes Zeug aufzunehmen. Nachdem wir 2010
„Chasing the Grail“ veröffentlicht haben, hat es so fantastische
Reaktionen gegeben. Seitdem sind wir durch 13 Länder getourt und touren
immer noch mit „Chasing the Grail“ und immer wieder erschließen sich
neue Märkte für uns. Es ist großartig zu sehen, wie diese Band sich
entwickelt. Wir haben auf dem Sonisphere in England gespielt, touren mit
Anthrax und jetzt sind wir gerade dabei in Deutschland Fuß zu fassen.
Wir haben dieses Jahr auf dem RockHarz und dem Reload Festival in
Ballenstedt gespielt. Wir haben weltweit eine so große Fanbasis, dass es
so scheint als würden sich immer mehr Länder für uns erschließen. In
Deutschland sehe ich großes Potential, so dass wir häufiger hier her
kommen werden um unsere Fanbase weiter aufzubauen. Wir wollen die Welt
übernehmen, ein Land nach dem anderen.
WF: Gibt es schon Pläne für eine neue CD oder eine DVD Veröffentlichung?
Chris: Jetzt gerade haben wir eine neue CD – „Remains Alive“, raus
gebracht. Sie ist eine Kombination aus einem Livealbum, welches wir vor
einigen Jahren aufgenommen haben und einer Neuveröffentlichung von
„Chasing the Grail“. Das ist eine großartige Möglichkeit den Fans die
Zeit zwischen zwei Alben zu versüßen oder für die, die „Chasing the
Grail“ oder was wir sonst so machen noch nicht gehört haben. Es ist so
als wenn du sagst „Du willst was über Fozzy erfahren? – hier hast du es,
unsere komplette Karriere“. Für das neue Album sind alle Texte schon
geschrieben und jetzt hat Rich Ward gerade angefangen an den Riffs und
der Musik zu arbeiten. Ich denke im August oder September werden wir ins
Studio gehen und ich hoffe wir haben Anfang nächstes Jahr etwas fertig.
WF: Wir haben das Gerücht gehört, dass Fozzy im November wieder durch
Europa tourt. Werdet ihr auch in Deutschland spielen und dieses Mal
evtl. die ganze Tour headlinen?
Chris: Normalerweise machen wir das. Aber diese Tour war anders, denn
wenn man auf Festivals spielt muss man die anderen Shows so nehmen wie
sie kommen. Die ersten 4 Shows haben wir geheadlined und seitdem nicht
mehr, weil wir mit Anthrax unterwegs waren oder auf Festivals gespielt
haben, die für uns auch sehr wichtig sind. Die Festivals helfen uns
dabei uns beispielsweise in Deutschland oder der Schweiz zu etablieren,
was wir vorher noch nicht geschafft haben, so können uns neue Fans
sehen. Und es funktioniert – wir hatten ein Konzert mit Ill Nino in
Düsseldorf und als wir fertig gespielt hatten und Ill Nino angekündigt
haben, haben die Leute angefangen zu buhen. Um ehrlich zu sein, war das
die beste Show der Tour, das ist einfach großartig und genau so musst du
es machen. Die Leute hören lassen was du machst, ihnen die Show zeigen
und so eine Fanbase bilden. Wir wollen schnell wieder nach Deutschland
zurückkommen, ihr wisst schon, um uns weiter in die Köpfe hinein zu
hämmern.
WF: Wenn wir gerade über die Band sprechen, was inspiriert euch? Andere Bands, Musikrichtungen, persönliche Erfahrungen?
Chris: Ich liebe die Beatles, sie sind meine absolute Lieblingsband. Und
Rich liebt die Bands der 70´er, wie z.B. Journey und Stixx. Fozzy hat
viel Melodie, was viele andere Metalbands nicht haben. Natürlich noch
Metallica, meine zweite Lieblingsband und Iron Maiden, meine Dritte. Ich
liebe sogar Helloween, eine Band aus Hamburg die zu meinen
Lieblingsbands gehört. Ich liebe die Stimme von Michael Kiske.
Wir vereinen bei uns also eine sehr harte Seite mit viel Melodie. Und
ich denke dass das momentan nicht viele Bands machen. Sie haben ziemlich
harsche Stimmen – wir haben das nicht. Das ist einer der Gründe warum
wir denken, dass wir uns eine große Fanbase aufbauen können, weil wir
uns ein bisschen von dem was sonst so abgeht unterscheiden.
WF: Wo wir gerade beim Thema Musik sind, gibt es einen Song den du den
ganzen Tag hören könntest und welches ist deine Lieblingssong von dir
selber?
Chris: Wenn ich heiß werden will, wenn ich mich pushen will höre ich
„Battery“ von Metallica. Das ist der Song der mich jedes Mal pusht, wenn
ich ihn höre. Ich bin ein großer Fan von Cliff Burton, ich liebe die
Baselines, dass ist der Song, den ich wirklich liebe. Und von unseren
eigenen Tracks liebe ich es „Paraskavedakatriaphobia – Friday the 13th“,
ein guter Song. Das ist wahrscheinlich mein Lieblingssong um ihn live
zu performen, das macht jedes Mal Spaß. „God pounds his Nails“ macht
auch immer Spaß. Was ich live auch jedes Mal liebe ist „Enemy“ vom Album
„All that Remains“ – das sind ein paar Songs an denen ich immer Spaß
habe. „Under Blackend Skies“ ist auch noch einer.
WF: Du warst ein paar Mal in Hamburg. Vor 6 Jahren habt ihr auch hier im
Logo schon mal gespielt. Außerdem hast du wegen deiner
Wrestlingkarriere, für einige Wochen hier gelebt. Gibt es ein paar
Erinnerungen, ob gut oder schlecht, die du mit uns teilen möchtest?
Chris: Ja, 1993 bin ich nach Hamburg gekommen und habe hier 6 Wochen
gewohnt. Ich wohnte im Hotel „Rheinland“, direkt an der Reeperbahn.
Existiert es noch? Da war ein Mc Donald´s, ein Stripclub und die Docks –
das Dreieck der schlechten Nachrichten. Also ernsthaft, ich war 22
Jahre alt und es war einfach verblüffend das erste Mal in Europa zu sein
und es gab so viele große Shows die ich zu sehen bekam. Ich habe Gamma
Ray, Accept, Manowar, Saxon, Green Jelly, Morbid Angel gesehen – es war
so als würde jede Woche jemand vorbei kommen. Das wird immer eine
großartige Erinnerung meines Lebens sein und ja, wir sind voller
Erwartungen heute im Logo zu spielen. Als wir heute hier angekommen sind
habe ich mich an diesen Ort erinnert, aber ich erinnere mich nicht mehr
an die Show. Ich bin aufgeregt vor heute Abend und es ist lustig, weil
wir lieben es zu spielen. Einige Shows sind kleiner, andere größer – Das
heute ist eine der kleineren Shows, aber das ist in Ordnung, denn es
ist sehr intim, das macht Spaß, wir werden eine gute Zeit haben.
WF: Gibt es ein deutsches Wort was dir in den Kopf kommt, wenn du an diese Erinnerungen denkst?
Chris: Ich erinnere mich an „Su-ga-be“, das bedeutet so viel wie „Wir
wollen mehr“ oder irgendwie so etwas. Und warum ich mich daran erinnere
ist – Das wurde ein paar Mal bei einem Wrestlingmatch gerufen. Ich
glaube es war jetzt beim Reload Festival, die Leute haben es wieder
gerufen „Su-ga-be, Su-ga-be“ und ich hab gedacht „Hey das kennst du, das
ist cool. Die wollen mehr“.
Außerdem kann ich auf deutsch immer noch bis 10 zählen.
(Anmerkung: Chris meinte das Wort “Zugabe” und beim zweiten Versuch auf Deutsch bis 10 zu zählen, hat es auch geklappt)
WF: Du hattest eine Menge verschiedener Projekte in der Vergangenheit.
Du hast Filme gedreht, eine Gameshow moderiert sogar Theater gespielt.
Als letztes warst du ein Teil von Dancing with the Stars, bist du mit
der Platzierung die du erreicht hast zufrieden? Stehen in nächster Zeit
noch weitere Projekte dieser Art an?
Chris: Ich habe die Zeit bei Dancing with the Stars wirklich genossen
weil ich vorher noch nie getanzt habe. Ich wusste nur das ich ein Athlet
bin, dass ich ein Musiker bin der gute Musik macht und das ich weiß wie
ich eine Verbindung zu den Fans aufbauen kann.
Das Training war hart, sehr sehr hart aber ich hatte Spaß. Ich war
sieben Wochen dabei, vielleicht hätten es ein paar mehr werden können.
Alles in allem habe ich es genossen. Es war großartig für mich und
großartig um neue Fans zu gewinnen. Leute die keine Ahnung haben von der
WWE oder von Fozzy, das ist das Schöne. Es ist immer gut wenn man so
was kann. Es sind immer Sachen in Planung aber im Moment liebe ich es
mit Fozzy zu arbeiten. Ich möchte so viel wie möglich tun mit der Band
und uns vorbereiten auf ein neues Album.
WF: Noch mal kurz zurück zu deiner Zeit in Hamburg, du hast hier
gewrestlet für eine kurze Zeit. Natürlich gibt es viele Unterschiede
zwischen den europäischen Indyligen und den großen Ligen in Amerika.
Gibt es irgendwas das du den Indyligen bevorzugen würdest im Vergleich
zur WWE?
Chris: Die Sache die ich an den Indyligen immer mochte ist das es die
Zeit war in der ich mich auf dem Weg nach oben befand. Es war ein
einziges Abenteuer. Ich war 22 als ich nach Hamburg kam. Ich schrieb
einen Brief an den Veranstalter. Es gab noch keine Handys, kein Internet
es ist einfach unglaublich wenn man bedenkt das das gerade mal 20 Jahre
her ist. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an aber es war ein
komplett anderer Planet. Es ist lustig ich habe einmal ein Interview mit
Gene Simmons gelesen. Dort wurde er gefragt welche Zeit er mit Kiss am
meisten mochte und er sagte die Anfangsjahre. Du bist auf dem Weg nach
oben, alles ist neu, jedes Erlebnis ist einfach nur fantastisch. Das ist
es was ich an meiner Zeit in den Indys immer mochte.
Ich find es fast schade, dass die jüngeren es nicht mehr machen, nicht
mehr machen müssen. Ich musste arbeiten um mein Ziel zu erreichen aber
so ist es einfach nicht mehr. Heutzutage werden die jungen ins FCW-
System eingeschleust und ein, zwei Jahre später kommen sie direkt in die
WWE. Ich habe fast 9 Jahre die Welt bereist, für verschiedene Ligen
gearbeitet bis ich mein Ziel erreichte. Als ich es erreichte, hatte ich
all diese Erfahrungen, auf die ich zurückgreifen konnte um noch besser
zu werden. Das ist der Grund warum so schwer ist die Jungen over zu
bringen, sie wissen einfach nicht wie sie es machen sollen aber das ist
ja nicht nur ihre Schuld. Erfahrung kann man keinem beibringen.
WF: Was hältst du von der jugendfreien Orientierung der WWE im Vergleich
vielleicht zur Attitude Aera? Denkst du, dass diese Richtung für das
Wrestlingbuisness im Allgemeinen positiv ist?
Chris: Ich hab kein Problem damit. Ich weiß es gibt viele Menschen die
versuchen diese Politik schlecht zu machen. Ich denke es ist schlicht
und einfach egal. Wenn man ein guter Performer, ein großartiger
Performer ist muss man mit allem Regel die einem gegeben werden
arbeiten.
Ich hatte nie ein Problem jugendfrei zu sein. Du musst nur aufhören `you
dumb asshole`, `shut the hell up` oder was auch immer zu sagen. Man
muss ja nicht aufhören Englisch zu reden, man muss einfach intelligenter
sein. Anstatt das Publikum `assholes` zu nennen bezeichnet man sie als
`parasites` oder `hypocrites`. Wenn man intelligent ist kann man unter
jeden Umständen arbeiten.
Die Attitude Aera war großartig aber last uns ehrlich sein, es ist ein
großes Buisness. Man muss sich attraktiv machen für verschiedene
Sponsoren und verschiedene Märkte, Sachen die helfen mit der Firma mehr
Geld zu verdienen. Wenn das bedeutet jugendfrei zu sein, dann ist es
halt so. Als Angestellter der WWE muss man mit allen Regeln die dir der
Chef auferlegt arbeiten und zwar so, das es funktioniert.
Ich habe nichts dagegen, ich weiß noch nicht mal was jugendfrei
bedeutet. In der letzten RAW Sendung hat Vince, Punk als `son of a
bitch` bezeichnet also was heißt es eigentlich? Ich hatte nie ein
Problem damit und um ehrlich zu sein hab ich auch nie wirklich darüber
nachgedacht.
WF: Wo wir gerade über deine Wrestlingkarriere sprechen, was war dein
Lieblingsmatch und gibt es einen Gegner gegen du schon immer einmal in
den Ring steigen wolltest?
Chris: Shawn Michaels war mein Lieblingsgegner, wahrscheinlich ist es
sogar eins meiner Lieblingsmatches, Wrestlemania 19. Der PPV, das
Leitermatch um den Worldtitle, die ganze Geschichte war einfach
unglaublich sie ging fast über sieben Monate. Ich liebte es mit Mysterio
zu arbeiten, mit The Rock oder mit Cena. Es gibt eine Menge gute
Worker.
Ich hatte leider nie die Möglichkeit mit Bret oder Owen Hart zu
arbeiten, beides aus verschiedenen Gründen. Ich bin mir aber sicher,
dass es fantastische Matches geworden wären. Abgesehen davon konnte ich
aber mit jedem arbeiten mit dem ich arbeiten wollte.
WF: Kommen wir jetzt zu dem Thema der letzten Wochen, CM Punk. Was
denkst du über seine aktuelle Situation und vor allem über seine
Aussagen?
Chris: Es ist offensichtlich das, dass Teil der Story ist. Wird sind
Schauspieler, dass müsst ihr verstehen. Das brilliante daran ist das
nicht weiss wie viel davon wahr ist und wie viel ist nur Show. Das
letzte woran ich mich erinnern kann wo das funktionierte war die Jericho
vs Shawn Michaels Storyline. Die wo ich seine Frau hasste und all das.
Die Fans wussten es war was anderes als nur in einem Wrestlingring zu
stehen vor Publikum. Das ist gerade das geniale an der Punk, Vince, Cena
Storyline. Man weiß einfach nicht was ist wahr und was nicht.
Das ist das großartige an der WWE, das großartige an Vince Mc Mahon. Er
lernt von Dingen und entscheidet sich für einen Weg der wird dann aber
auch gegangen.
WF: Das ist jetzt auch schon die letzte Frage und ich denke das du weißt
was jetzt kommen wird. Gibt es ein Chance das dich deine Fans bald
wieder in einem Wrestlingring sehen werden?
Chris: Es gibt immer eine Chance. Ich denke immer die Leute sind böse
auf mich wenn ich sage das ich keine Pläne habe zurück zu kehren. Ich
weiß es nicht. Im Moment genieße ich die Zeit mit Fozzy. Was viele nicht
verstehen oder einfach nicht wissen ist das Musik mache seit dem ich 12
Jahre alt bin. Ich war Musiker lange bevor ich Wrestler war. Ich hatte
immer zwei Träume in meinem Leben, einer war es in einer Rockband zu
spielen der andere ein Wrestler zu werden. Der mit dem Wrestling ist als
erster wahr geworden, aber trotzdem habe ich immer weiter gespielt,
Demos aufgenommen, Musik gemacht. Jetzt wo es mit Fozzy so gut läuft,
wir solche Reaktionen bekommen bin ich wirklich glücklich.
Ich hab nicht nur einen Traum der wahr geworden ist, nein gleich zwei.
Ich wäre verrückt nicht alles für die Band zu tun was ich tun kann und
sie so weit zu bringen wie es nur geht. Besonders wenn den Leuten die
Musik gefällt, wir sind großartig live. Wir hatten noch nie eine Show wo
das Publikum uns nicht mochte. Wir haben vor ACDC, Guardians, Slayer
oder Maiden gespielt. Dem härtesten Publikum in der Welt und ich wette
darauf dass die Menge reagiert auf das was wir machen. Wir verstehen
das.
Ich weiß wirklich nicht ob ich zurückkehren werde, vielleicht aber so lange bin ich glücklich mit dem was ich tue.
WF: Ok, danke das du dir für uns Zeit genommen hast.
Chris: Ich danke Euch
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