Fynn Freyhart im WrestlingFever.de Interview (21.11.2020)

WF: Wir freuen uns Euch ein weiteres Interview vorstellen zu dürfen, heute mit „Fynn Freyhart“. Schön, dass Du Zeit gefunden hast!

FF: Danke, dass du mich dabeihaben willst.

WF: Aktuell hat die Corona Pandemie die Welt im Griff, wie sehr beeinflusst Dich das Ganze, privat wie auch beruflich, sehen wir vom Wrestling ab?!

FF: Naja, da ich Wrestling als meinen Hauptberuf bzw. Berufung bezeichne, läufts beruflich dementsprechend mies. Allerdings arbeite ich außerhalb des Wrestlings daran, mich als Personal Trainer selbstständig zu machen. So versuche ich meine drei Lieblingsbeschäftigungen zum ertragreichen Beruf zu machen. Von irgendwas muss man ja leben als Künstler. 😉
Privat kann ich mich nicht beklagen. Da stört mich die Pandemie als auch der Lockdown nicht. Ich bin seit einem knappen Jahr mit einer ganz tollen Frau zusammen, hab viel Freizeit und kann Zeit für mich finden.

WF: Wie kann ich mir das vorstellen, ein selbstständiger Personal Trainer, arbeitest Du dann mit einem oder in einem Studio? Musst dann eigene Räume haben oder fährst Du zum Kunden?

FF: Also am Anfang wird das erstmal Mobil bleiben, das heißt ich fahre zum Kunden. Allerdings wird es in Zukunft auch ein kleines PT Studio geben. Darauf soll es hinauslaufen. Da ich wie immer nicht nach Standard und Schema-F arbeiten will, habe ich auch ein eigenes Trainingskonzept entwickelt.

WF: Da wünsche ich dir auf alle Fälle viel Erfolg dabei! Dein Charakter ist ein „Rocker“ ein Musiker also. Mir wurde gesagt, dass Du auch privat wirklich musizierst, welche Instrumente spielst Du, gab oder gibt es evtl. auch eine Band, Produktionen?

FF: Ja das stimmt! Ich spiele heutzutage am meisten Gitarre und singe. Allerdings hat sich über die Jahre, angefangen hat es Mitte der 90er, einiges angesammelt. Ich spiel da noch Didgeridoo, Trommeln die man mit der Hand spielt, also sowas wie Djembe, Conga, Bongo usw., ich „beatboxe“ und beim Capoeira hab ich noch Berimbau spielen gelernt. Und gaaaanz ganz früher noch Keyboard gelernt und gespielt. So richtig auf einer Musikschule.
Eine Band habe ich leider noch nicht, wenn aber noch eine Band einen Frontmann sucht?!

WF: Also ist Dein Charakter durch deine Leidenschaft zur Musik entstanden, gab es noch andere Idee und Optionen wie diesen Rockstar?

FF: Oh bevor ich wirklich das Gimmick gefunden hatte, ging mir vieles durch den Kopf. Vom BMXer über einen Anwalt bzw. so einen Mr. Moneymaker und was weiß ich noch. Anfangs, noch bevor ich mein In-Ring Debut gab, war Freyhart, damals noch Mason Case 😂, auch mehr ein etwas gothiger Rebel without a cause.
Zum Rockstar wurde es dann im Gimmick Training mit Tarkan Aslan. Er hat durch die Runde gefragt wer schon ein Gimmick hat, und da ich nicht ewig lang mein Gimmick erklären wollte, weil das braucht man bei einem guten Gimmick eigentlich nicht, wurde mir beigebracht, hab ich „Rockstar“ gesagt. Dann wurde daraus abgefuckter Rockstar und das Spiel nahm seinen Lauf.

WF: Wie sieht so ein „Gimmick Training“ aus, jeder Charakter muss doch seine Eigenarten haben, auch ein „abgefuckter Rockstar“, was schon ziemlich kaputt klingt

FF: Ja na klar, das ist im Endeffekt Wrestling Training mit Schauspielunterricht. Gerade wenn man ganz frisch mit einem Gimmick arbeitet, muss man es auch verinnerlichen, das kann ein erfahrener Worker natürlich schneller und weiß worauf er achten muss. Rookies lernen das im Training nicht nur auf die Spots zu achten, sondern das Publikum zu unterhalten und das geht mit dem Gimmick.

WF: Welche Songs kamen für Dich als Entrance Theme in Frage und was wurde es letztendlich?

FF: Ein Song muss zum Gimmick passen und nicht zwangsweise dem Catcher selbst gefallen. Anfangs wars noch Marilyn Manson mit „This is the new shit“, dann viel gesucht bis Heiko Steffen irgendwann mit dem aktuellen Song um die Ecke kam. „From Ashes to new“ – Downfall. Und der ist bis jetzt geblieben. Es ist aber an der Zeit mal was Neues zu machen, findest du nicht auch?

WF: Absolut. Du trittst meist als „Heel“ auf, nutzt Du als Face ein anderes Theme, so etwas wie Journey „Don`t stop believin`?“ oder gibt es Fynn als „Face“ nicht?

FF: Bis jetzt meistens als Heel, ja, außer bei Kombat Pro Wrestling in Gdynia, Polen. Da bin ich Face und wenn Corona das Jahr nicht so in A ge-efft hätte, dann wäre ich noch als Face woanders zu sehen gewesen. Bei der aufgenommenen Oktober Show der POW war ich z.B. auch Face. Das soll sich, zumindest im Singles Bereich, in Wrestling Deutschland auch so entwickeln überall.
In der wXw Academy war ich eine Zeit lang Face und kam da mit „Airborne – Too much, too young, too fast“ raus. Das hatten wir als „Rock n Roll Radicalz“ mit Tim Karstens auch als Face Theme.
Im Endeffekt ist Downfall ja noch das Theme der Rock n Roll Radicalz. Und ja, es wird in Zukunft für Freyhart als Face ein anderes Theme geben. Das ist aber alles noch 🤫

WF: Was hörst Du privat so?

FF: Was ich gerne höre ist Rob Zombie, Marilyn Manson, den 90er Seattle Grunge Kram, besonders Mother Love Bone. Dann aber auch bluesigere Rocktöne wie Rival Sons, Dorothy u d vor kurzem wen neues gefunden. The Bastard Suns. Auch sehr cool.
Und im 90er Hiphop kenn ich mich auch noch ganz gut aus 😅

WF: Apropos Schauspielunterricht, den hattest Du ja bereits außerhalb des Wrestling Zirkus. Gab es da schon Produktionen, wo Du mitgewirkt hast?

FF: Ja, ich habe die Freie-Schauspielschule-Hamburg abgeschlossen.
Ich spiele zwar heutzutage nicht mehr, das lässt sich mit Wrestling zeittechnisch einfach nicht vereinbaren, aber ich habe in einigen Kurzfilmproduktionen mitgespielt und in Lübeck am Volkstheater Geisler und für das Theater Combinale gespielt.

WF: Musik spielt eine große Rolle in deinem Leben, wann erschien Wrestling auf deinem Radar?

FF: Wrestling habe ich Anfang der 90er kennengelernt. Wir sind 89 aus Zwickau nach Brandenburg/Havel gezogen. Dort hatte ich einen Kumpel, als ich mal bei ihm zu Hause war, lief Wrestling und er hat mir davon erzählt. Was genau da lief weiß ich nicht. Meine Eltern waren davon nicht begeistert und deshalb war es für mich etwas schwierig das zu gucken. Sammelkarten, Actionfiguren etc. hatte ich trotzdem. Auch regelmäßig Infos aus der „Limit“. Das war früher so die Wendy für Jungs.

Jahre später habe ich wieder versucht zu gucken und hab die Post – DX Era verfolgt. Die Fehde zwischen Triple H und The Rock hat mich damals begeistert. Dann gab’s wieder längere Zeit Pause, weil mein Fokus mit 14/15/16 sich dann auf andere Dinge gelegt hat. Erst 2007 hat ein Kommilitone auf der Schauspielschule wieder darauf gebracht. Und seitdem hats mich auch nicht mehr losgelassen, bis ich irgendwann es selbst machen wollte. Das will ich meistens mit allem was ich angucke.

Irgendwann reicht es mir nicht mehr Fan bzw. Zuschauer zu sein. Ich muss es selber machen um das komplette Erlebnis zu haben. Und sowieso bin ich nie ein typischer Fan von irgendwas, in dem Sinne, dass man sich Collectibles und sowas irgendwo hinstellt oder ganz viel Merch von irgendwas hat. Das Einzige wovon ich etwas mehr Merch habe, ist Rick & Morty 😜 ist aber selbsterklärend warum.

Was mich am Wrestling selber immer fasziniert hat ist die Reaktion des Publikums. Wie ein Mensch es schaffen kann, 20.000 Menschen extatisch zu machen oder so auf die Palme bringen kann. Klar sind die akrobatischen Einlagen, unter uns das sog. Highflying, cool und ich mach die auch gerne. Das Publikum nur durch die eigene Anwesenheit zum Grölen zu bringen, ist noch ein ganz anderer Schnack. Das können nicht viele.

WF: Du hattest zu Beginn Deiner Karriere eine eher normale Figur, das hat sich inzwischen geändert. Liegt das am Training und Deinem Alter oder hast Du da auch die Ernährung angepasst? Gab es da evtl. auch Tipps von Kollegen oder Trainern?

FF: Als ich mit dem Wrestling Training angefangen habe wog ich über 90kg und das war keine Muskelmasse. Sobald ich aber den Vertrag bei der MWA in Lübeck unterschrieben hatte, war die nächste Unterschrift unter dem Fitnessstudio Vertrag. Erstes Ziel war Kraft, Muskeln und Ausdauer aufzubauen. Ich war ja damals schon kein Sportlegastheniker, Sportabi 😂, und konnte mir viel Wissen tatsächlich aus dem Internet zusammensuchen.

In Unterhaltungen mit Trainern, erfahrenen Kollegen und Trainierenden kam dann noch mehr dazu. Von allem habe ich einiges dann übernommen, anderes verworfen. Was halt gut und gesund funktioniert hat. Klar habe ich dann auch meine Ernährung angepasst. Zuerst auf extrem Low Carb. Maximal 50g Kohlenhydrate am Tag hatte ich gegessen, wenn überhaupt. Mittlerweile esse ich vegan. Dies ist aber nicht dem Training geschuldet. Find ich für mich einfach besser.

WF: WoW, vegan kann ich mir gar nicht vorstellen, wie leicht ist/ war das für Dich? Vegan bedeutet ja wirklich auch keinen Fisch oder tierische Produkte wie Eier, Milch etc.?!

FF: Ich war seit 2016 schon Vegetarier. So war Fleisch und Fisch eh schon kein Thema mehr für mich. Eier weg zu lassen ist auch nicht schwierig. Zu wissen in welchen Produkten sich Ei bereits befindet bzw. drauf zu achten ist schwieriger. Besonders wenn man es vorher als Vegetarier gegessen hat. Da kommt aber eine Routine rein, nach einiger Zeit.

Man muss halt öfters die Packung umdrehen und lesen. Das war am Anfang 2016 noch anstrengender. Besonders weil ich da noch zusätzlich auf die Menge der Makros, also Kohlenhydrate, Fett und Protein geachtet habe. Was immer schwer ist und ich tatsächlich etwas vermisse ist Käse. Wenn es endlich, geilen Fake-Bergkäse gibt bin ich glücklich. Ich muss aber auch sagen, dass sich heutzutage vegan zu ernähren unglaublich einfacher ist als noch vor 10 Jahren. Ich kann jetzt als Veganer mit Bratwurst und Hacksteak zum Grillabend kommen. Natürlich fake, schmeckt für mich aber fast gleich. Was einem mundet muss man selbst für sich rausfinden. Da gibt’s sehr viele Angebote.

WF: Du lebst im Norden Deutschlands und bist deutschlandweit schon aufgetreten, wie oben erwähnt auch in Polen. Wie sieht die Wrestling Szene bzw. sehen die Shows/ Talente in Polen aus?

FF: Die Szene in Polen ist ein schwieriges Thema. Ohne jetzt die Geschichte des polnischen Wrestlings zu erzählen, die kann jeder im Internet selber rausfinden, gibt es in Polen derzeit 2 nennenswerte Promotions bzw. Federations, wie sie in Polen genannt werden. Kombat Pro Wrestling im Norden, in der „Tri-City“ und „Maniac Zone Wrestling“ weiter südlich in Breslau. Die KPW ist die ältere von beiden, allerdings habe ich noch keins der Talente in Deutschland sehen können. Wobei mir ein paar Namen definitiv sofort einfallen würden, die man auf jeder Card einsetzen könnte wie z.B. Robert Star, Piekny Kawaler, Boski 2.0 und Dawid Oliwa der aktuell bei Michael Kovac in Österreich trainiert.
Von der MZW sieht man ja öfters wen auf Shows der BCW, Next Step Wrestling damals, Unlimited usw. Das sind auch klasse Jungs die ich letztens bei der BCW besser kennenlernen konnte.

WF: Wie entstand Dein aktueller Ring Name, welche Geschichte hast Du dazu?

FF: Boah mein Ring Name kam so Stumpf wie nur möglich zusammen. „Wat bin ick“? „Frei und Hart“, there you go! 😀
Und Fynn fand ich immer schon einen schönen Namen!

WF: Wow, ich bin echt erstaunt, wie sehr Du Dir da Gedanken gemacht hast, ABER ich muss Dich hier auch mal loben. Du bist einer der wenigen Wrestler in Deutschland die gute, professionelle Promo Fotos von sich haben, mehrere inkl. Kurzbiografie (mehrsprachig), da können sich manche langjährigen Profis eine Scheibe abschneiden!
Fynn, wie sieht deine Wrestling Zukunft idealweiser aus?

FF: Dankeschön ☺️ Tatsächlich ist das aber nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich habe einfach das umgesetzt was Christian Michael Jakobi mir beigebracht hat.
Naja, ich habe ja erst angefangen. 5 Jahre im „Business“ sind ja mal nicht viel. Mein nächstes Ziel ist es aber Fuß auf den Inseln, also in UK und Irland, zu fassen. Wann und wie das aber in der momentanen Lage sein wird, keine Ahnung.

WF: Ich selbst habe seine „ASK CMJ“ immer gerne gesehen und mag seine Ansichten. Ich hoffe er holt sich von seinem angeblichen Burnout. Wenn wir schon dabei sind, wer hat Dich sonst noch geformt und trainiert?

FF: Das sehe ich exakt wie du. Christian hatte immer ein offenes Ohr und einen smarten Rat für uns Rookies. Ich hatte ja schon weiter oben Tarkan Aslan erwähnt. Zusätzlich hatte ich auch André Trucker als Trainer von dem ich ebenfalls unglaublich viel gelernt habe. Meine ersten Bumps habe ich bei Karsten Kretschmer im NFC gemacht, bevor ich dann in Lübeck angefangen habe. Da hat mir in den ersten Monaten Felix, auch bekannt als „Felix Amocs“ oder Green Ranger Felix die Basics und ersten Würfe beigebracht.

Und da du sie schon erwähntest, hast du ja bestimmt auch reingeguckt in meine Kurzbio und konntest noch den Haufen Seminare und verschiedene Trainer sehen die ich bei Seminaren bzw. mehrtägigen Camps so hatte. Z.B.: Ultimo Dragon, Bad Bones, Doug Williams um nur ein paar zu nennen. Vieles wurde durch die wXw Academy möglich. Naja und bei der MWA wurde ich auch noch von Michael Knight trainiert, der mittlerweile einer meiner besten Freunde ist.

WF: Dann grüße mir bitte Michel Knight. Ich wünsche Dir vor allem, dass Du gesund bleibst und danke für dieses interessante Interview!

FF: Das wünsche ich dir auch. Es hat mir viel Spaß gebracht:D

WF: DU willst mehr Fynn Freihart? Bitteschön:

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