Glacier im WrestlingFever.de Interview (09.01.2014)

Glacier war in den 90ern einer der Schillernsten Charaktere in der WCW. Ein Kampfsportler dessen Debüt lange gehypt wurde, bis er endlich im TV zu sehen war. Ray Lloyd erzählt uns im exklusiven WrestlingFever Interview aus dieser Zeit, über seinen Charakter, Goldberg, Bischoff, nWo, Dusty Rhodes, Chuck Norris, DDP Yoga & vieles mehr.
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WF: Zuerst einmal danke für die Zusage zu diesem Interview, wir freuen uns! Wie geht es Dir aktuell?

G: Mir geht es im Moment sehr gut, ich lebe in Orlando Florida und strebe eine Schauspielkarriere an. Es läuft gut, ich habe Rollen für zwei Filme, die dieses Jahr rauskommen. Die Filme heißen „The Morningside Monster“ und „A Free Bird“.

WF: Ich frage mich warum es so viele Footballer sind, die zum Pro Wrestler werden – hast Du evtl. eine Antwort für mich?

G: Es ist lustig, aber gut dass du diese Frage stellst. Ich beantworte sie damit, eine kleine Geschichte zu erzählen, die ich oft jungen Pro Wrestlern erzähle, die den selben Traum verfolgen wie ich in früher. Ich sage ihnen stets „Sag mir GEZIELT warum du ein Profi-Wrestler sein willst, und sag mir nicht, es ist schon dein Traum gewesen als du ein Kind warst.“ Weißt du, wir könnten alle dies sagen, und jeder hochqualifizierte Talentscout der sich für dich interessieren könnte hat diese Antwort bestimmt schon eine Million Mal gehört. Sei ANDERS! Sei BESONDERS!

Also, nachdem ich einen jungen Wrestler das mal gefragt habe, schaute er mich an und fragte mich dieselbe Frage. Die Antwort die ich ihm gab, war wie folgt: „Ich habe Football gespielt, und es auf dem Highschool-Level geliebt. Auch auf College-Level habe ich Football geliebt, jedoch hauptsächlich, weil mir diese „Contact and Collision“-Sportarten so gut gefallen haben. Als meine College-Karriere vorbei war wollte ich eine andere Beschäftigung finden, die mir erlauben würde, genau das weiter zu verfolgen, und Pro Wrestling hat mir genau das gegeben wonach ich gesucht habe.

Während meines Senior-Jahres hab ich mich mit einem sehr talentierten Pro-Westler namens Fred Avery angefreundet. Er lebte in der gleichen Stadt in der ich aufs College ging und besaß auch einen Ring. Er hat mich eingeladen, bei ihm zu trainieren. Zunächst hab ich einfach abgelehnt weil ich mir nicht sicher war, ob ich tough genug bin, es im Pro Wrestling zu versuchen. Aber als ich dann das erste Mal im Ring stand, wusste ich dass es GENAU DAS war, was ich machen wollte. I LOVED IT!”

WF: Wie bist du damals zum Wrestling gekommen? Deine Anfänge stammen ja auch aus dem Mixed Martial Arts Bereich?

G: Das meiste wurde schon in der letzten Frage beantwortet, aber ich bin zudem als großer Fan des Pro Wrestlings aufgewachsen. Meine Heimatstadt war Brunswick, Georgia und wir hatten das Glück „NWA Florida Championship Wrestling“ jeden Samstagmorgen, und „NWA Georgia Championship Wrestling“ jeden Samstagabend im Fernsehen zu empfangen. Ich hatte somit die Möglichkeit, viel von dieser großartigen Sportart sehen zu können.

Ich begann dann Martial Arts zu lernen als ich ungefähr 15 Jahre alt war. Ich war dort gut, aber die Faszination für das Wrestling ist nie abgerissen. Ich glaube sogar, die Faszination fürs Wrestling war auch deshalb da, weil ich es für mich mit Martial Arts verbinden konnte.

WF: War die Umstellung schwer für dich, auf einmal „safe“ schlagen und kicken?

G: Am Anfang war es extrem schwer, aber an einem Punkt habe ich dann herausgefunden wie ich Kontrolle über meine Bewegungsabläufe bekomme. Eine der größten Hürden für mich, als ich als Glacier in die WCW gekommen bin, war weil Eric Bischoff mir geraten hatte, die Kicks voll durchzuziehen, egal gegen wen ich antrete. Aber wie gesagt: Er war ja dann nicht derjenige, der dann wieder in den Lockerroom zurückgeht und dort nach dem Match auch wieder auf den Anderen trifft. Ergo, ich musste nicht nur lernen, wie ich die bestmögliche Kontrolle in meine Moves bekomme, sondern auch denjenigen, der diese Moves einstecken sollte, zu überzeugen, dass meine Chops und Kicks nicht fahrlässig und sorglos ausgeführt werden.

Das hat etwas Zeit gebraucht, aber irgendwann hatten dann alle begriffen, dass ich meine Moves unter Kontrolle habe. Ich möchte gerne noch anmerken, dass ich alle meine Moves dennoch hart durchgezogen habe, aber während des Wrestling-Trainings wird einem ja auch beigebracht, dass man die „sicheren“ Zonen am Körper bearbeiten soll bzw. es einfach von einem erwartet wird, Aktionen auf diese Zonen auszuhalten.

Pro Wrestling ist ein hartes Geschäft, ich glaube, das ist heutzutage vielen jungen Wrestlern nicht klar. Sie werden etwas hart getroffen und schon beschweren sie sich dass diese Aktionen zu „stiff“ gewesen wären. Es ist eben ein toughes Business, wohl eines der härtesten in der man sich eine Karriere erträumen kann, und wenn du selbst nicht hart genug bist, dann solltest du dir etwas anderes suchen, Härte wird nämlich immer Teil dieses Geschäfts sein. Wenn du ein Teil davon werden willst, musst du einstecken können, VIEL einstecken können!

WF: Was viele nicht wissen, Glacier war nicht dein erster Auftritt in der WCW bzw. NWA, du hast Jahre vorher bereits als „Sugar Ray“ Lloyd dort gearbeitet. Ich habe gelesen, den Namen hast du „von Tommy Rich bekommen.“ Wie ist dies zu verstehen?

G: Das ist richtig. Ich bin 1987 ins Wrestling eingestiegen und hab in meinem ersten Jahr Tommy getroffen, als ich für einen großartigen Promoter namens Ben Masters gearbeitet habe, der „Peach State Wrestling“ leitete. Ben brachte immer hochkarätige Talente wie Tommy auf die Card und ich hatte das Glück, dass er mich in ein paar Eröffnungsmatches gebucht hat, wo ich eine Menge an alteingesessenen Veteranen kennen gelernt habe, auch Tommy.

Ben ist eine großartige Person und immer noch ein guter Freund von mir bis zum heutigen Tag. Wie auch immer, Tommy sah mich im Ring, dachte sich, ich hätte Potenzial und sprach mich an, ob ich nicht ein paar Matches für TV Tapings der NWA in Atlanta machen möchte bzw. auch für eine damals neue Promotion namens Southern Championship Wrestling (SCW) aus der Atlanta-Region, geleitet von Jerry Blackwell, arbeiten möchte.

Tja, ich glaube es ist wichtig zu erwähnen, dass ich an diesem Punkt meiner Karriere immer noch ein wenig das Gefühl hatte, keine Ahnung zu haben was ich im Ring mache, diese Reaktion war überwältigend für mich. Aber ich habe Tommys Meinung vertraut, und so versuchte ich es einfach um zusehen was rauskommt.

Die eine Sache jedoch, die ich hiermit klarstellen möchte ist, dass ich nie den Namen „Sugar“ Ray Lloyd im TV bei der NWA benutzt habe, ich war einfach Ray Lloyd, der gesichtslose Gegner. LOL. Tommy gab mir den Namen „Sugar“ Ray Lloyd für die Shows der SCW und für alle anderen Matches im Independent Circuit. Das lustige ist, dass alle, die mich von damals noch kennen, wie „Bullet“ Bob Armstrong und seine Söhne, mich immer noch „Sugar“ Ray nennen. Irgendwie gefällt mir das. 😀

WF: Auf Empfehlung von Great Muta, was ja fast einem Ritterschlag gleich kommt, wurdest du kurz darauf als Gaijin in Japan (UWFI) gebucht. Wie kam der Kontakt zustande und was sind deine Erinnerungen an Japan?

G: Eigentlich, soweit ich noch weiß, hatte dies überhaupt nichts mit dem Great Muta zu tun. Ich glaube diese Geschichte ist in den Jahren einfach angewachsen, wobei es natürlich sehr schön gewesen wäre, diese Zustimmung von ihm erfahren zu haben. Meine Verbindung mit der UWFI kam eigentlich durch einen großen Manager des Business zustande namens Ronnie P. Gossett, der einen großen Run damals in Memphis während des Höhepunkts von Jerry Lawlers Mid South Championship Wrestling-Tagen hatte.

Ronnie arbeitete auch für Peach State Wrestling und hatte irgendwie eine Verbindung zur UWFI. Er traf sich mit mir und fragte mich, ob ich interessiert wäre, mit dem Scout der UWFI zu sprechen, es ginge um ein Engagement in Japan. Ich habe mir ein Video mit Matches des japanischen Stils angesehen, und war zunächst nicht sicher ob ich schon dorthin passen würde, weil die Matches dort extrem körperbetont sind, viel mehr als sie es ohnehin schon in den Staaten sind, aber ich habe dann tief eingeatmet und gesagt „Sicher, lass uns ihn treffen, ich würde mich freuen.“. Und genau so ging es vonstatten.

WF: Der erneute Kontakt zur WCW kam dann durch Diamond Dallas Page zustande, ich schließe daraus, dass euch beide eine Freundschaft verbindet. Kann es sein, dass ich dich auch einmal in einem DDP-Yoga-Video gesehen habe?

G: Oh ja, Page ist wie ein Bruder für mich, wir waren schon gute Freunde Jahre vor meinen WCW-Tagen. Und ja, Page war verantwortlich dafür, dass ich ein Treffen mit Eric Bischoff im Januar 1996 hatte. Er hat hier wirklich „den Ball für mich geschlagen“, und ich danke ihm auch heute noch dafür, dass er mir über viele Jahre geholfen hat, im Business Fuß zu fassen.

Ich bin auch sehr überzeugt von DDP-Yoga, und ja, es kann sein dass man mich in einem der Videos gesehen hat. DDP Yoga ist fantastisch und jede Person, die durchs Leben geht und sich als Pro-Wrestler bezeichnet, sollte es machen. Jedem Wrestler auf den ich treffe sage ich „Denk darüber nach, es wurde entwickelt von einem der größten Namen des Business und hilft deinem Körper, zu heilen – Also gib mir einen Grund warum du das nicht machen willst!“

DDP Yoga gab mir eine Lebensqualität zurück, die ich aufgrund ein paar alter Verletzungen verloren hatte. Und ich plage mich gerade mit voll entfalteter Arthritis auf meiner linken Hüftseite rum und muss mich sehr bald an den Gedanken einer künstlichen Hüfte gewöhnen. Mein Orthopäde hat mir geraten, DDP Yoga fortzusetzen, so dass ich nicht meinen Bewegungsradius verliere.

WF: Du warst auch ein regelmäßiger Bestandteil der Streak-Storyline von Goldberg, mehrfach hattet ihr in dieser Zeit Matches gegeneinander. Was sind deine Erinnerungen an diese Matches?

G: Es war toll mit Bill zu arbeiten. Er hat unglaubliches Talent und ist ein noch besserer Mensch. Wir hatten 4 Matches im TV, zwei bei Thunder und zwei bei Nitro, einer war sogar ein Main Event, das war ziemlich cool. Es ist lustig wie viele Leute mich heute noch zu diesen Matches befragen. Ich kann absolut nichts gegen Bill sagen, er ist ein toller Typ aber sobald er vor das Publikum tritt, glaubte niemand mehr an „Bill Goldberg“ als Bill Goldberg selbst, weil er einfach von seiner Intensität lebte, glaub mir, die war sehr real!

Wann auch immer Leute mich fragen wie es war einen Spear von Goldberg einzustecken, gebe ich immer dieselbe Antwort: „Empfehlen würde ich es keinem…“ LOL

Ich bin sehr glücklich darüber, in der Position gewesen zu sein, auf solch einer großen Bühne gegen Bill gearbeitet zu haben, während einer der größten Zeitperioden des professionellen Wrestlings, einfach JEDER hat es damals geschaut.

WF: Vor kurzem hatte ich ein deutschsprachiges Talent als Interviewgast der von einem Training mit Dir schwärmte. Er sagte dass dieses Training anspruchsvoll war aber die Geschichten die Du erzählt hattest (besonders die von Goldberg) bis heute unvergessen sind. Welche Erinnerung mit oder an Goldberg kannst Du mit uns teilen?

G: Ich hätte mehrere auf Lager, aber ich erzähle mal meine Lieblingsstory. Vor ca. 14 Jahren habe ich eine Benefiz-Show in meiner Heimatstadt veranstaltet, um Geld für einen Jungen zu sammeln, der mit einem körperlichen Handicap zu kämpfen hatte. Eines Tages fragte ich Bill ob er nicht bei dieser Show einen Auftritt machen wolle. Man muss sich vorstellen, dass dies zu einer Zeit war, als Bill am Höhepunkt seiner Popularität war, er war einer der bekanntesten Athleten auf der Welt.

Er sagte mir, er würde sich freuen vorbeizukommen, wenn es sein Terminplan erlaubt. Nun, er sollte an diesem Tag in Jacksonville Florida sein um das Wolfson Childrens Hospital am Tag der Show zu besuchen, was ca. 80 Meilen von meiner Heimatstadt entfernt war. Kurz gesagt, Bill stimmte zu, kurzfristig in einen Flieger zu steigen nach seinem Besuch bei den Kindern, und flog schnell nach Brunswick Georgia um es zur Show zu schaffen. Man muss noch wissen, dass Eric Bischoff uns beiden im Vorfeld klargemacht hat, dass Bill NUR einen Auftritt machen und er keinesfalls körperlich agieren sollte, weil es sich die WCW nicht leisten konnte, dass er sich bei einer kleinen Benefiz-Show verletzt.

Nun, die Halle ist mit Leuten vollgepackt bis unters Dach und diese wollten offensichtlich nur auf Bill warten, der irgendwann bei der Show auftauchen sollte. Als Bill letztendlich ankommt, haben wir alle erleichtert aufgeseufzt, weil wir uns nicht sicher waren, ob er es rechtzeitig schafft.

Also, ich habe einen Kampf gegen Disco Inferno und zum Ende des Matches kommt Big Ron Reese (von Ravens Flock) raus und interfered. Ron ist ca. 7-2” groß und wog ca. 400 Pfund zu diesem Zeitpunkt. An dem Punkt, wo beide Double-Team-Aktionen gegen mich zeigen, rannte nach wenigen Minuten Bill zum Ring um den Save zu machen. Logischerweise explodiert die Halle in diesem Moment. Disco und Reese sollten eigentlich aus dem Ring flüchten und Bill und ich sollten am Ende im Ring stehen.

Nun, Bill schreit Reese an, er soll in den Ring kommen. Letztendlich ging Reese die Stufen der Ringtreppe hinauf und Bill sagt mir ich soll raus aus dem Ring, was ich natürlich tat. Reese rennt in die Seile um ihm eine Clothesline zu verpassen, Bill duckt sich ab und speart Reese! Die Halle verlor jegliche Kontrolle. Dann nahm er Reese hoch, arbeitet mit der Crowd für eine Sekunde und verpasst ihm den Jackhammer. Diese Aktion hat buchstäblich das Dach weggeblasen.

Erinnert euch… Bill hatte die strikte Order von Bischoff KEINESFALLS einzugreifen! Als wir dann letztendlich wieder backstage waren und dort auch alle nur noch diese Aktion feierten, umarmte ich ihn und sagte „Warum hast du das gemacht?“ und Bill sagte mit einem leichten Grinsen „Ach… ich hab mich ein wenig mitreißen lassen.“

Auf keinen Fall hätte Bill das tun müssen… aber er hat es getan. Alles nur dafür, mir zu helfen und den Fans eine Erfahrung zu geben, die sie niemals mehr vergessen. Ziemlich coole Sache!

WF: Bevor Du damals Dein Debüt gefeiert hast, zeigte man fast ein halbes Jahr Vignetten um das Debüt zu hypen. Weißt Du noch warum das so lange dauerte bzw. ausgestrahlt wurde und gab es evtl. jemand anderen der diesen Charakter hätte verkörpern sollen?

G: Soweit ich noch weiß waren die vielen Vignetten Eric’s Idee. Er wollte wissen, wie lange man bei WCW Vorfreude auf den neuen Glacier-Charakter erzeugen konnte. Ich glaube nicht, dass es ihnen schon am Anfang bewusst war, dass es so lange dauern würde. Aber fürs Protokoll: Sogar mir wurde es irgendwann langweilig, die Vignetten anzuschauen, ich wollte endlich raus und worken.

WF: Wie entstand Glacier, das Gimmick, die Gear und der Entrance um Dich? Wurde der Erfinder von Mortal Kombat vorher gefragt, ob man ein Sub-Zero-artiges Gimmick im TV zeigen darf?

G: Eric’s Vision war es, 4 Hauptcharaktere zu entwickeln und zu sehen, wie sie ankommen. Dies waren Glacier, Mortis, Wrath und „The Cat“ Ernest Miller. Soweit ich weiß, glaube ich nicht, dass man sich vorab mit den Entwicklern von Mortal Kombat in Verbindung setzte. Ich glaube, sie sahen einfach die Möglichkeit, die Popularität dessen auszuspielen, so wie man es im Pro Wrestling immer macht wenn es einen neuen Trend gibt.

Eine Special-Effect-Firma wurde angeheuert um dieses und die anderen Gimmicks zu professionalisieren, und wir Vier hatten alle die Möglichkeit, Input zu geben, wie das Gimmick geformt wurde, weil wir auch zufrieden sein sollen mit dem was wir tun, um so überzeugend wie möglich zu sein.

WF: Hattest Du Mitspracherecht und warst Du mit Deinem Charakter zufrieden oder hättest Du etwas anders machen wollen?

G: Wie bereits erwähnt, hatte ich viel mit der Entwicklung von Glacier zu tun. Was ich damit sagen will ist, dass Glacier nicht allzu weit weg von mir selbst sein sollte und wie ich mich selbst gebe. Ich nahm einfach ein paar meiner Angewohnheiten und Fähigkeiten von meinem Martial Arts-Training und fragte mich „Wenn ich ein Charakter aus dieser Welt wäre, wie würde ich mich selbst sehen?“ Es war noch viel mehr, aber dies alles war die Basis dafür, dass ich Glacier wurde.

WF: Warum wurde deiner Meinung nach die „Blood Runs Cold-Storyline“ fallengelassen?

G: Nun, kurz zusammengefasst, als die NWO auftauchte und „explodierte“ auf die Art wie sie es tat… nahmen alle Anderen der Company auf den hinteren Sitzen Platz. War das nötig? Nein, ich glaube nicht. Aber wir haben ein paar Jahre später alle herausgefunden, dass das Booking-Komitee nicht wirklich wusste, was es mit uns anfangen sollte bzw. wohin mit uns nach unserem ersten Run. Obwohl wir ständig neue Ideen und Konzepte präsentiert haben, ist damals alles auf taube Ohren gestoßen. Es ist noch viel mehr hinter dieser Geschichte aber ich lass das erst einmal so.

Ich sage nur das: Schaut euch einfach das letzte Match von uns 4 an, was wir miteinander gearbeitet haben (Bash at the Beach 97), und schaut wie gut dieses Match war, es war eines der, wenn nicht das beste Match des PPVs an diesem Abend. Aber danach ist leider nichts mehr gekommen. Es ist schade, weil wir alle so hart daran gearbeitet haben etwas Spezielles zu machen, das den Fans richtig gefällt.

WF: In dieser Storyline hattest du mit einem damaligen WWF-Outkast (Bryan Clarke), einem von Smoky Mountain Wrestling erfahrenen Manager (James Vandenberg), sowie mit Ernest Miller und Chris Kanyon 2 Wrestler bzw. Neulinge in ihrer ersten größeren Rolle zu tun. Haben du und Clarke als die Erfahrensten der Gruppe den Rest unterstützt oder waren alle mehr oder weniger auf sich allein gestellt?

G: Ehrlich gesagt haben wir alle gleichstark gearbeitet um es so erfolgreich wie möglich zu gestalten. An dem Punkt seiner Karriere, war Kanyon ein phänomenaler Wrestler, er wurde jedoch einfach nicht als solcher anerkannt. Und Ernest machte einen großartigen Job, indem er lernte auf Top-Level zu performen in einer nur sehr kurzen Zeit.

WF: Nach dem Ende des Glacier-Gimmicks hast du nach einigen Monaten als „Coach“ Buzz Stern debütiert. Wie kam es dazu, dass du auf einmal eine Managerrolle eingenommen hast?

G: Das war ein Charakter, den ich eigentlich schon im Independent Ciruit performt habe, noch weit vor den Glacier-Tagen. Ich hatte viel Spaß dabei, weil ich tatsächlich mal Lehrer und Trainer war, also habe ich für dieses Gimmick einfach diese Erfahrungen in überzogener Weise dargestellt. Ich hatte viel Material gesammelt, daher machte es viel Spaß, Buzz Stern zu sein. Ich wünschte, man hätte mehr daraus gemacht.

WF: Im Jahre 1999, dem Jahr der Massen-Entlassungen bei WCW, traf es leider auch dich. Im Jahre 2001 hattest du als „Beschützer“ von Norman Smiley dein Comeback. Wie kam es zum erneuten Kontakt?

G: Es war die Idee von Terry Taylor. Er war zu dieser Zeit im Booking Komitee, und schlug mich vor. Ich habe Terry’s Meinung immer geschätzt und er hat mir auch über die Jahre geholfen, over zu werden, besonders in meiner Zeit bei WCW. Wir hatten viel Spaß dabei. Norman ist ein toller Kerl und es war mir eine Freude, mit ihm arbeiten zu dürfen. Obwohl dieser Angle nicht lange gedauert hat, erinnern sich noch viele daran, das erheitert mich sehr.

WF: Wie war deine Reaktion darauf, dein eigenes Gimmick damit zu parodieren?

G: Ich habe die Idee gemocht, weil durch die Popularität der NWO die Linie zwischen Performance und Realität in den Augen der Fans verschwamm. Also hatte ich das Gefühl, es würde Spaß machen, etwas in Richtung „verrückt sein“ und eine Art „meinen eigenen Hype für voll nehmen“ zu machen. Terry sagte mir einfach „Geh da raus und lass Alle glauben, dass DU davon überzeugt bist, eine Art Superheld zu sein.“ Es war eine tolle Zeit und ich hatte sehr viel Spaß dabei… aber ich glaube, den Fans hat es auch gefallen.

WF: In der Zwischenzeit hast du deine eigene Promotion namens Turnbuckle Championship Wrestling zusammen mit Dusty Rhodes gegründet, diese Liga hat auch stets ehemalige WCW-Worker gebucht. War es schon immer dein Traum, eine eigene Promotion zu leiten, oder war es mehr eine Trotzreaktion nach den Massenentlassungen?

G: Hier möchte ich klarstellen, ich war nie involviert in der Gründung der TCW, das war zu 100% Dusty Rhodes. Aber: Dusty heuerte mich an (zusammen mit vielen anderen talentierten Leuten), mitzumachen und die Promotion aufzubauen, was eine große Ehre für mich war. Ich habe bei fast jeder Show gewrestlet und habe auch in deren Wrestlingschule das Training geleitet bzw. hatte immer ein Auge auf die TCW-Talente bei den Shows. Es war eine tolle Zeit in der TCW. Es war manchmal ziemlich abgefahren und verrückt, aber hey… das ist eben das Wrestling Business.

WF: Gab es Charaktere mit denen Du nichts anfangen konntest und die Du als komisch empfandst?

G: Ich glaube, ich habe ein wenig davon am Anfang meiner Karriere erfahren, aber ich habe diese Denkweise schnell ausgeblendet. Danach hat es mich stets gefreut, wenn ich die Möglichkeit hatte, mit jemandem in den Ring zu steigen, der ein seltsames Gimmick hat, ich sehe das immer als Herausforderung.

WF: Gab es jemals Kontakt zu WWE?

G: Sie haben mich kontaktiert nach meiner Entlassung von der WCW, und wir haben einige Möglichkeiten diskutiert, aber schlussendlich sind wir nie zu einer Übereinstimmung gekommen. Ein Hauptgrund dafür, das Angebot nicht anzunehmen, war, dass ich so glücklich über meine Arbeit bei TCW zu der Zeit, und weil wir in der Gegend von Atlanta angesiedelt waren. Ich wollte damals nur noch bei Shows arbeiten, die nah an meiner Heimat waren, zudem war ich an diesem Punkt meiner Karriere durch die lange Zeit „on the Road“ etwas ausgebrannt. Dusty wusste das und hat mir bei meinem Terminplan geholfen, dass ich nicht mehr so weit reisen musste.

WF: Während es früher viele versch. Charaktere und Stile gab, gibt es heute bei WWE beispielsweise immer mehr Charakter die ähnlich sind und fast nur noch die gleichen Moves – siehst Du das auch so?

G: Ehrlich gesagt, verfolge ich das heutige Pro-Wrestling heute nicht mehr so oft. Ich wünschte, ich wäre motivierter, dies mehr zu tun, aber viel was ich sehe, ähnelt einander, Match auf Match. Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich an das klassische „Good guys & Bad Guys“-Prinzip“ glaube. Warum? Weil klar definierte Charaktere immer „ziehen“ werden. Ich könnte ewig über dieses Thema reden aber zugegeben, meine Finger sind müde vom vielen tippen. LOL

WF: Du wurdest auch mehrere Male von Pro Wrestling CHIKARA gebucht, eine Liga, die noch mit absolutem Kayfabe arbeitet. Was sind deine Erinnerungen an diese Bookings?

G: Es war eine absolut tolle Erfahrung für CHIKARA zu worken! Sie haben gute, engagierte Leute, die eine solide Marke im Business erschaffen haben, und genau deshalb haben sie auch eine treue Fanszene. Ich würde IMMER für sie arbeiten wenn sie mich haben wollen.

WF: Wie unterscheiden sich die TV Matches von den Houseshow Matches?

G: Einfach ausgedrückt, bei TV-Matches hast du die Herausforderung, mit zwei Arten von Publikum zu spielen – Das Live-Publikum und die TV-Zuschauer. Du hast außerdem zeitliche Beschränkungen, die du für dich abstecken musst, und du musst wissen, wo jede Kamera steht und welche gerade aufzeichnet, damit du nicht etwas vor laufender Kamera machst, was der Zuschauer nicht sehen soll oder umgekehrt.

Houseshows sind für gewöhnlich mehr relaxed und haben einen langsameren Ablauf, was aber nicht für jede Houseshow gilt. Ich erkläre jungen Talenten stets, dass sie sich darauf konzentrieren sollen, zu lernen wie man ein wirklich gutes House Show Match workt. Man sollte sich nicht darauf konzentrieren, was man im TV sieht, weil 95% aller deiner Matches im Indy-Level werden nicht mit einer TV-Kamera aufgezeichnet.

Wenn man das Talent hat, auf die nächste Ebene zu kommen, und da könnt ihr mir vertrauen, wird dir gezeigt, wie man ein TV-Match richtig workt.

WF: Du warst auch hinter den Kulissen von TNA tätig. Wie erinnerst Du Dich an diese Zeit, verfolgst Du das aktuelle Produkt?

G: Ha, hab ich bereits beantwortet. LOL Mir hat die Zeit bei TNA gefallen, Dusty war damals der Booker und brachte mich rein, also war das cool. Auch hat mir sehr gefallen, die andere Seite der Produktion zu sehen, es war eine tolle Ausbildung, die mir wahnsinnig viel für die kommenden Jahre gebracht und geholfen hat. Ich hatte die Chance, viel zu lernen über die „inneren Abläufe“ des Pro-Wrestling-Business von Leuten wie Mr. Jerry Jarrett, diese Erfahrung war einfach unbezahlbar.

WF: Gibt es in Deinen Augen Ähnlichkeiten zwischen TNA & WCW?

G: Oh natürlich, aber sie sind so offensichtlich (gut wie schlecht) dass ich mir sicher bin, dass du nicht mich brauchst, um sie herauszufinden.

WF: In der WCW gab es viele große Egos. Gibt es Freunde aus dieser Zeit mit denen Du heute noch Kontakt pflegst?

G: Es gibt eine Menge an großen Egos im Wrestling, aber auf der anderen Seite ein paar richtig tolle Menschen. Ich bin immer noch befreundet mit vielen Leuten der ehem. WCW. Wie gesagt, DDP und ich stehen uns nah, Luther Biggs von der Zeit des Buzz Stern-Gimmicks ist einer meiner besten Freunde, und viele mehr die ich nur von Zeit zu Zeit sehe.

WF: Du warst auch Teil der „Walker Texas Ranger“ Serie. Wie erinnerst Du Dich an den Dreh und vor allem den legendären Chuck Norris?

G: Auch hier glaube ich, dies ist eine Story, die irgendwann gewachsen ist, aus etwas, was ich einst in einem Interview sagte. Tatsächlich war ich nie in der Sendung zu sehen. Ich habe vorgesprochen für die Rolle eines neuen Charakters der fest in die Show eingeführt werden sollte, ich habe es durch die ersten Auswahlverfahren geschafft, aber am Ende ging die Rolle an jemand Anderen. Mir wurde später gesagt dass ich ein wenig zu groß war für die Rolle. Das ist, was wirklich passiert ist.

WF: Was machst Du heute?

G: Ich verfolge eine Schauspielkarriere und arbeite bei einer großartigen Talentagentur hier in Orlando namens „The Paradym Group“. Wir unterstützen auch ein paar Projekte, die wir für gut befinden.

WF: Gibt Dir Wrestling noch was oder hast Du damit abgeschlossen?

G: Ich werde das Wrestling-Business immer lieben und bin mir sicher, dass ich immer etwas damit zu tun haben werde, egal in welcher Form.

WF: Du setzt Dich auch für karitative Zwecke ein, bitte erzähle uns davon!

G: Ich engagiere mich für verschiedene Organisationen, aber mein Lieblingsprojekt sind die Special Olympics. Als ich noch Lehrer war, habe ich viel mit Kindern, die ein Handicap haben, gearbeitet. Es ist etwas, das mir sehr am Herzen liegt.

WF: Wirst Du noch von Fans erkannt und angesprochen?

G: Sicher. Es passiert heute nicht mehr so oft, aber immer noch und es gefällt mir sehr.

WF: Wir danken für Deine Zeit!

G: Vielen Dank, ich habe die Zeit genossen!

Wir würden uns über Dein Feedback zum Interview freuen!

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