James Mason im WrestlingFever.de Interview (Deutsch, 13.06.2015)

WF: Danke für die Zusage!

JM: Ich habe zu danken

WF: Wie viele andere auch, um nicht zu sagen sogar die meisten, warst Du Pro Wrestling Fan bevor Du selber in den Ring gestiegen bist. Wenn man Wikipedia Glauben schenken mag warst Du von „Big Daddy“ begeistert. Wer war dieser Mann und was machte ihn so besonders für Dich?

JM: Ja ich war ein großer Fan von „Big Daddy“ und auch von „Giant Haystacks“. Diese 2 Stars waren wahrscheinlich die größten Namen im Wrestling der späten 70er und 80er Jahre. Sie waren nicht unbedingt die besten Wrestler, aber ihre Darstellung als „überlebensgroße Charaktere“ war das aufregendste für mich. Sogar jetzt wenn ich mir Youtube anschaue genieße ich es immer noch diese zwei Stars zu gucken.
Als ich so etwa 10 Jahre alt war begann ich das Wrestling mehr zu verstehen und konnte Wrestler wie Steve Grey, Mal Sanders, Rollerball Rocco und Fit Finlay immer mehr schätzen.

WF: Catchen/Wrestling ist ein Sport mit Tradition, wir konnten Dich regelmäßig bei der POW auf dem legendären Schützenplatz hier in Deutschland sehen. Was denkst Du über Traditionen, Ringer Paraden und über die gelben/roten Karten?

JM: Ich liebe Tradition, vor allem im Wrestling. Wenn es nach mir ginge wäre es immer noch so wie in den 80ern und frühen 90ern. Es ist nichts falsch am heutigen Wrestling aber ich fühle einfach das die Verbindung zum Publikum nicht mehr so stark ist wie damals. Zu den Turnieren in Deutschland… Ich liebte das alte Konzept mit den Paraden und den gelben/roten Karten. Ich war sehr glücklich an einigen Turnieren teilnehmen zu können, mein längster Aufenthalt auf dem Schützenplatz dauerte 60 Tage und ich kann ehrlich sagen dass es die beste Zeit war, die ich jemals im Beruf hatte. Sogar jetzt wenn ich nach Deutschland zurückkehre (besonders nach Hannover zur POW) ist es immer noch das Highlight des Jahres für mich!

WF: Power of Wrestling veranstaltet regelmäßig Events im traditionellen Rahmen. Zelt für mehrere Tage und an einer legendären Austragungsstätte. Wie magst Du dieses Konzept heute? Ist es vielleicht eine erfolgreiche Alternative zum aktuellen Produkt?

JM: Ja ich liebe das heutige Konzept aber ich verstehe total dass sich der Job im Laufe der Jahre geändert hat, von daher bezweifle ich das es möglich wäre zurück zu springen und damit auch einen finanziellen Erfolg verbuchen zu können. Die Zeiten der monatelangen Turniere sind vorbei, doch sollten sie jemals wieder kommen wäre ich so gerne dabei.

WF: Besonders Dan Collins ist auch in Deutschland ein Name. Er war einer Deiner Trainer. Wie können wir uns das Training mit Collins in den frühen 90ern vorstellen? Noch alles sehr „oldschoolmäßig“?

JM: Danny Collins trainierte mich nicht wirklich. Als ich anfing gab es keine Wrestling Schulen in der Umgebung, ich konnte nicht wirklich viel trainieren. Als ich 13 war begann ich einem alten Ringrichter beim Ringaufbau zu helfen, so konnte ich vor den Shows mir selber das Bumpen beibringen und wie man in die Seile läuft ohne sich selbst zu sehr zu verletzen. Nachdem ich das ein paar Wochen tat, würden mir die Wrestler 5 Minuten ihrer Zeit opfern um mir etwas zu helfen. Danny Collins war einer von ihnen. Ich hatte mein erstes Match am 29.Juli in Worthing und trat gegen Darren Walsh (Thunder) an. Das Match dauerte nicht lange, aber ich denke ich erledigte es ganz ordentlich. Von da an wollte ich Vollzeit Wrestler werden. Ich denke das war mein Training, 4 bis 5 Nächte in der Woche gegen einige der besten Wrestler der damaligen Zeit anzutreten. Danny Collins, Steve Grey, Mal Sanders, Richie Brooks waren alles Wrestler die mir zum Anfang meiner Karriere sehr geholfen haben.

WF: Mittlerweile steigst Du seit über 20 Jahren in den Ring, das muss man sich mal vor Augen halten. Du bist um die 30 Jahre alt und besitzt eine große Erfahrung. Gibt es ein persönliches Highlight Deiner Karriere, eventuell auch auf der emotionalen Ebene?

JM: Ich werde bald 36 und wrestle seit 22 Jahren. Ich erlebte viele Höhen im Job, es ist schwer sich da was heraus zu picken. Ich denke das das 60 tägige Turnier in Hannover eins dieser Highlights ist, auch meine Japan Touren. Ich tourte auch durch Kanada für eine Fernsehsendung namens „Wrestling Reality“, das war wahrscheinlich meine schönste Zeit im Beruf.

Nicht wirklich für das Wrestling, aber für die guten Zeiten die ich während meines Aufenthaltes dort hatte. Ein großartiger Trip mit einem Bündel von tollen Kerlen. Brody Steel war einer der Organisatoren dieser Reise und ich bin sehr dankbar dass ich dabei war. Ich habe auch ein denkwürdiges Match in Erinnerung, 1994 im Hasting White Rock Theater. Es war ein Tag Team Match, Robbie Brookside und ich gegen Karl Kramer und Giant Haystacks. Eine unglaubliche Differenz was Größe angeht, aber es war super da involviert zu sein. Den Big Elbow von Giant Haystacks zu kassieren war ohne Zweifel die schrecklichste Erfahrung meines Lebens im Wrestling!!!

WF: Viele junge Wrestler träumen davon einmal in Japan oder Mexico aufzutreten. Du warst mehrere Male dort, was macht diese Länder für Dich so besonders?

JM: Es war der Unterschied zu den heutigen Wrestlingshows was es so besonders machte. Jeder Wrestler, ganz gleich ob männlich oder weiblich, war fantastisch. Jedes Match war superb. Ich liebe es diese Matches zu schauen bei Shows an denen ich selber wrestle. Es war einfach großartig die Show zu verfolgen und selber anzutreten. Ich war sehr glücklich, alles was sie von mir wollten war der pure, britische Wrestler. Es war super das zu tun was ich am besten kann. Ich war für eine längere Zeit nicht mehr im Ring und hörte dass sich die Szene mittlerweile etwas geändert hat, aber ich kann immer noch sagen dass wenn dir irgendjemand die Möglichkeit anbietet in Japan zu wrestlen, dann nutze sie.

WF: Wie kamst bzw wie kommst Du mit der japanischen Kultur klar? Zum Beispiel ist es dort nicht erlaubt sich die Nase am Tisch zu putzen, stimmt das?

JM: Mir wurde erzählt dass die eine ziemlich ausgeprägte Kultur haben bzw. hatten, aber glücklicherweise stört es mich nicht wirklich die Schuhe auszuziehen, bevor ich bestimmte Gebäude betrete. Das Essen war auf meiner ersten Reise schon ein kleiner Schock, doch seit dem zweiten Trip liebe ich die Mahlzeiten.

WF: Wie kamst Du von „Jesse James“ zu „James Mason“, also warum „Jesse James“ und jetzt „Mason“? Gibt es dazu eine Geschichte?

JM: Ich arbeitete für Orig Williams in Irland als er mir zuerst sagte „Dein Name ist übel! James Mason heißt ein schrecklich langweiliger britischer Schauspieler, deshalb werde ich dich diese Woche Jesse James nennen.“ Ich war 14 und nur happy für Orig zu arbeiten, so kam ich darauf klar. Orig Williams war ein toller Mannn und ich sehr glücklich viel für ihn arbeiten zu können, ich liebte jede Sekunde.

WF: Wir konnten Dich unter anderem sehen wie Du 2004 am TNA World X Cup teilgenommen hast. Wie erinnerst Du Dich an diese Zeit und um ehrlich zu sein, gab es kein großes Interesse Dich zu verpflichten?

JM: Es war eine tolle Zeit für mich. Noch einmal nicht wegen dem Wrestling, sondern weil ich 2 Wochen in der Sonne in Nashville verbringen konnte und eine schöne Zeit dort hatte. In den zwei Wochen wrestleten wir nur zwei Mal, ich hatte also jede Menge Zeit zum Entspannen und mich selbst zu genießen. Ich verbrachte diese Zeit mit meinem Wrestler Kollegen Frankie Sloan, wir wurden die dicksten Freunde und sind es noch heute. Nein, ich hatte niemals Pläne zu TNA zurück zu kehren. Ich habe immer eine gute, regelmäßige Arbeit in den UK und habe nicht vor daran was zu ändern. Heutzutage liefere ich den Ring zu fast allen Shows, was bedeutet dassich ein gutes Leben vom Wrestling innerhalb dieses Landes führen kann.

WF: Deine Wege kreuzten sich wiederholt mit Veteranen und anerkannten Profis wie zum Beispiel Doug Williams, Drew Mc Donald (RIP) und Robbie Brookside. Wie erinnerst Du Dich an diese Begegnungen und an die Menschen selbst?

JM: Ich war sehr glücklich dass sich meine Wege oft mit denen vieler großartiger Wrestler aus den UK und dem Ausland kreuzten. Ich ringe immer noch regelmäßig mit Doug. Auch mit Robbie bevor er in die USA zog und sogar Drew auch bevor er unglücklicherweise verstarb. Jede Begegnung mit den oben genannten Wrestlern war immer toll. Besonders schön waren die großen Matches mit Robbie. Von Grund auf solide Matches mit einer besonderen Chemie. Ich vermisse diese Arten von Matches die wir hatten. Einige meiner Lieblingsmatches der Gegenwart sind die gegen einen walisischen Wrestler, der Mean Tommy Dean genannt wird. Meiner Meinung nach einer der besten Bösewichte im britischen Wrestling.

WF: Wie bereits erwähnt verlor Drew seinen Kampf gegen den Krebs, die ganze weite Wrestling Welt war richtig traurig und demonstrierte ihre Anteilnahme. Hast Du eine Geschichte über Drew parat, die eventuell auch ein bisschen seinen Charakter beschreibt?

JM: Wenn Leute mich nach Geschichten über Drew fragen ist es immer hart sie nieder zu schreiben. Drew war eine unglaublich tolle Person, mit der ich einige meiner besten Zeiten im Job verbringen durfte. Ich und einige andere auch haben einige Geschichten mit Drew, aber ich kann die weder erzählen noch schreiben. Alles was ich sagen kann ist: „Was immer man über Drew hörte ist die nackte Wahrheit. Sein echter Charakter und sein absolut brillantes Können werden wirklich vermisst von der Wrestling Welt. Ich glaube ich trat so oft wie niemand anderer innerhalb seiner letzten 5 oder 6 Jahre gegen Drew an, freue mich es getan zu haben.

WF: Es gibt Gerüchte das Du auch Erfahrungen mit dem Wrestlen unter einer Maske hast. Wie schwer ist es so zu arbeiten? Kann mir vorstellen dass die Sicht beschränkt ist und dass die Atmung erschwert wird….

JM: Gerüchte, Gerüchte! Kann mir ebenfalls das maskierte Wrestlen schwierig vorstellen.

WF: Siehst Du das Internet als Fluch oder Segen für das Wrestling Business an?

JM: Es ist ein Fluch weil ich nicht gut mit dem Computer und dem Internet umgehen kann. Wenn ich es verstehen würde, würde ich es auch öfter nutzen. Das Internet richtet viel mit dem Geschäft an, Gutes und Schechtes.

WF: Was für Ziele hast Du noch, wäre ein fetter Vertrag für Dich noch interessant oder fühlst Du Dich im Indy Circus wohl?

JM: Meine Hauptziele waren es in Japan und Deutschland zu wrestlen. Ich bin sehr zufrieden dass es klappte und ich ab und an immer noch in Deutschland auftreten kann. Ein anderes Ziel war es vom Wrestling leben zu können, was mir für einen Zeitraum von 22 Jahren auch gelang. Das Wrestling in den UK ist immer noch gut, ich hoffe es entwickelt sich so weiter. Wenn ich älter werde würde ich gerne ein paar Shows mehr promoten und einfach weiter gut vom Wrestling leben können.

WF: Vielen Dank für Deine Zeit!

JM: Ich habe zu danken.

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