Johnny Rancid im WrestlingFever.de Interview (29.11.2015)

WF: Hallo Johnny, vielen Dank für Deine Zusage!

JR: Hallo! Kein Problem!

WF: Du hast bei Ecki Eckstein und Leon v. Gasteren trainiert. Könnte man sagen, dass Du eine „Oldschool Ausbildung“ genossen hast?

JR: Also ich würde sagen, ich hatte das Privileg von zwei Wrestlern trainiert wurden zu sein, die sich perfekt ergänzen. Leon hat uns vor Allem in Sachen Ausdauer, Fitness und Geschwindigkeit sehr viel mitgegeben. Bei ihm haben wir dann auch zum Großteil gelernt mit den Ecken zu arbeiten. Man kann eben sagen, der fliegende Holländer hat uns das Fliegen beigebracht. Bei Ecki haben wir sehr viel gerungen, Griffe und Würfe trainiert. Vor Allem aber haben wir bei ihm gelernt, dass Wrestling sehr wohl echt ist. Ich bin manchmal dreieinhalb Stunden mit dem Auto zum Training gefahren um schlichtweg gechoppt zu werden und zu choppen, Clotheslines zu schlagen und abzukriegen, Shoulderblocks, Elbows – was man sich vorstellen kann. Meine Haut war danach rot und blau – aber ich war glücklich und einen ganzen Schritt weiter.

Viele übersehen, glaube ich, bei der ganzen Härte, die die „alten Hasen“ an den Tag legen, dass es gut ist etwas einstecken zu können. Wrestling ist kein Sport bei dem der Kampf beendet ist, wenn man ausgeknocked ist, oder etwas gerissen ist. Der Kampf wird fortgeführt – und da ist es nur gut zu lernen hart im Nehmen zu sein.

Ecki hat uns aber nicht nur in die Mangel genommen. Er hat uns absolut großartige, Augenöffnende Seminare bei Leuten wie Fit Finlay, Robbie Brookside, Lance Storm, Doug Williams, Cannonball Grizzly und ganz vielen anderen Genies dieses Sports ermöglicht. Er hat auch für unsere ersten Bookings außerhalb der EWP gesorgt. Letztendlich bin ich dank ihm nach England gekommen. Wo er kann unterstützt er uns – und oft habe ich das Gefühl zu wenig dankbar zu sein.

WF: Gibt es noch Länder wo Du unbedingt mal auftreten oder auch trainieren möchtest?

JR: Puh. Da gibt es natürlich einige. Zuerst natürlich die üblichen Verdächtigen: USA, Japan und Kanada. Aber auch Finnland und die Schweiz würden mich reizen. Da war ja auch vor Kurzem Marius. Ja das wären Länder die mich interessieren, aber ich denke ich würde generell keine neue Erfahrung ausschlagen, egal wo.

WF: Wrestling spielt bei den meisten Wrestlern im deutschsprachigem Raum eine eher kleine Rolle im Alltag. Kaum einer kann davon leben. Was machst „Johnny Rancid“ außerhalb des Rings?

JR: Naja Wrestling-Shows, Party & Bullshit! Also neben Wrestling: Party und solchen Sachen wie Arbeit, Fitness-Studio, Boxen und Brazilian Jiu Jitsu. Ab und zu nehm ich auch mal die Gitarre in die Hand und tue so, als wären die drei Akkorde, die ich spielen kann supertoll. Im Prinzip steht Wrestling schon im Mittelpunkt meines Alltags – man kann ja auch außerhalb des Rings an seinen Fähigkeiten feilen.

WF: Wie denkst Du hat sich das Wrestling in den letzten Jahren entwickelt, auch im deutschsprachigen Raum?

JR: JR: Das kommt drauf an, woran man es misst. Ich denke insgesamt hat sich Wrestling schon ganz gut entwickelt in den letzten Jahren. Wenn man sieht, dass WWE und TNA im Free TV zu sehen sind, dann zeugt das schon davon, dass definitiv ein großes Interesse an dem Sport da ist. Die Hallen bei den Shows in Deutschland sind auch fast immer gut gefüllt oder ausverkauft. Zu anderen Entwicklungen, wie z.B. Wrestlern, die nicht ordentlich ausgebildet wurden, oder „Promoter“ die mehr WWE spielen, statt professionelles Wrestling zu präsentieren sage ich jetzt mal nichts.

Mir wurde nämlich mal beigebracht: „Wenn du über etwas nichts Gutes sagen kannst, dann sag gar nichts!“ – aber ja nicht alles ist Friede, Freude, Eierkuchen. Es ist ein langer Weg zu gehen und es sind viele Fehler auszubügeln, bis Wrestling da ist wo es hin gehört. Aber die Shows, die ich miterleben darf zeigen mir, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und von daher bin ich optimistisch, was die Zukunft von Pro-Wrestling angeht in Deutschland angeht.

WF: Welche Ziele hast Du Dir gesteckt, außer NATÜRLICH gesund zu bleiben – Könntest Du Dir vorstellen „hauptberuflich“ als Wrestler zu agieren, gäbe es die Möglichkeit?

JR: Ich plane wenig, ich versuche einfach nur das Beste aus mir zu machen. Wenn ich dadurch irgendwann die Chance kriege, hauptberuflich Wrestler zu sein, dann werde ich diese natürlich nutzen.

WF: Wie hast Du zum Pro Wrestling gefunden?

JR: Ich war Fan und arrogant wie sau und habe gesagt: Das kann ich auch! Da habe ich mich im Internet kundig gemacht und bin auf die Seite der European Wrestling Promotion gestoßen. Ich kam zu meinem ersten Training und mir wurde klar: Okay – ich kann das bestimmt irgendwann – aber das ist doch sauschwer! Seitdem nie wieder zurück geschaut und ich genieße es jeden Tag zu lernen und an mir zu arbeiten.

WF: Was hat dich daran so fasziniert, gefesselt?

JR: Einfach dieser Mix aus allem Möglichen: Man muss kreativ sein, man muss über gute Körperkontrolle verfügen, man muss kämpfen können und man muss den Leuten einen ansprechenden Charakter präsentieren. Ich liebe alles was dazu gehört – ob ich zehntausend mal vom Seil springen kann oder zwei Stunden nur am Boden ringe. Es ist wirklich wie viele sagen: Ein Wrestler zu sein ist eine Art Real-Life-Superhero- oder Villain zu sein.

Noch dazu trete ich, seit ich denken kann, einfach gerne vor Publikum auf. Und nichts finde ich cooler, als das Publikum richtig mitzureißen. Wenn jemand mir puren Hass entgegen kommen lässt, dann macht mich das stolz, weil ich meinen Job gut gemacht habe.

WF: Gab oder gibt es so etwas wie Idole, Vorbilder?

JR: So einige… Allen voran Dan Collins, Robbie Brookside und Fit Finlay. Aber auch solche Leute wie Austin Aries, Brian Danielson, Nigel McGuinness, Roderick Strong und Samoa Joe haben mich inspiriert.

WF: Hattest Du schon einmal die Möglichkeit mit oder gegen einer Deiner Idole im Ring zu stehen?

JR: Ganz am Anfang hatte ich mal ein Tag-Team-Match bei dem ich an der Seite von Michael Kovac gegen Maxi Schneider und Robbie Brookside kämpfen durfte. Ich habe von dem Match unglaublich viel gelernt und vor allem habe ich da endlich angefangen zu verstehen, worum es im Wrestling wirklich geht. Jemandem von diesem Kaliber gegenüber zu stehen und mit ihm zu arbeiten ist einfach unbeschreiblich. Man lernt so viel in so wenig Zeit.

WF: Du hast einige Tattoos, kannst und möchtest Du uns dazu etwas erzählen?

JR: Im Prinzip haben alle Tattoos mehr oder weniger Bedeutung. Aber das Meiste kann man getrost als „Jugendsünde“ abstempeln. Ich bin auch noch lange nicht fertig mit Tattoos – die wirklich Wichtigen sind noch gar nicht auf der Haut. Das vielleicht bedeutungsvollste, das ich habe ist „Alex“ von Clockwork Orange auf meinem Ellbogen. Einfach nur, weil ich diesen Film und seine Message liebe.

Wer den Film nicht kennt, sollte ihn unbedingt anschauen, auch wenn er schon sehr alt ist. Der Rest meiner Tattoos hat mit meiner Kindheit und mit meiner Jugend zu tun.

WF: Welches ist der wohl (für Dich) wichtigste Tipp, der Dir je gegeben wurde?

JR: Ruhig bleiben, zuhören & zuschauen!

WF: Findest Du Ringerparaden, gelbe sowie rote Karten noch zeitgemäß oder siehst Du das eben als Tradition?

JR: Ich finde Ringerparaden und Karten natürlich noch zeitgemäß, da man genau damit eine gute Geschichte erzählen kann und die Leute, die beim zum ersten Mal beim Wrestling sind, verstehen so schnell die Regeln. Und die Ringerparade gibt dem Publikum auch immer eine gute Idee davon, wen sie bejubeln wollen und wen sie ausbuhen wollen.

WF: Gibt es so etwas wie Wunsch- oder Traumgegner für dich ?

JR: Also derzeit wünsche ich mir nichts sehnlicher, als Rache an Ecki zu nehmen, der mich brutal mit einem Besenstiel bei der letzten Breakthrough Show attackierte. Das nagt seit Monaten an mir. Also ja, das ist mein Wunschgegner derzeit.

WF: Wir wünschen Dir viel Erfolg, Gesundheit und danken für Deine zeit!

JR: Ich habe zu danken.

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