Kim Ray im WrestlingFever.de Interview (12.08.2015)

WF: Vielen Dank für Deine Zusage Kim, auch wenn Du nicht erst seit gestern dabei bist, möchten wir Dich gerne den Fans etwas näher vorstellen.

KR: Hallo, aber gern doch. Danke für die Anfrage

WF: Du bist neben Toby Blunt ein wichtiger Bestandteil der wXw, welche Aufgaben hast Du denn „hinter den Kulissen“?

KR: Ich bin hinter den Kulissen als Trainer des Westside Dojos tätig gewesen. Seit ca. 2012 habe ich im Wechsel mit Toby Blunt den Anfängerkurs geleitet. Zusammen haben wir auch die Tryouts des Dojos durchgeführt. Darunter waren unter anderem Kevin Roadster, Die Schilds, The Rotation, Marius van Beethoven und die zuletzt beim Tattoo Brawl 2015 debütierten Michael De Marc und Francis Kaspin.

WF: Auch Du bist jemand der auch außerhalb des Rings viel für den Körper tut. Man kann deutlich sehen, dass Du ordentlich Gewicht verloren hast…

KR: Ja das stimmt. Als ich damals mit 13 Jahren mit dem Taekwondo angefangen habe, wog ich noch 145 kg! Ich hatte mich aber so sehr in diese Kampfkunst verliebt, das ich so gut wie möglich werden wollte. Und das bedeutete, das ich Gewicht verlieren musste. Ich bin damals neben dem Taekwondo Training noch Joggen gegangen und habe selbst Zuhause in der Garage trainiert. Mir war egal was ich tun musste solange ich an mein Ziel komme.

Nach meiner 4. Korea Reise (2009) wog ich dann nur noch 85 Kg. Ich muss dazu sagen, das ich nichts über Ernährung wusste. Jetzt weiß ich, das es total ungesund war, was ich da durchgezogen habe. Ich habe kaum etwas gegessen und jeden Tag mehrere Stunden trainiert. Meine körperliche Leistungsfähigkeit war jenseits von dem was ich eigentlich mit guter Ernährung hätte erreichen können. Aber zu der Zeit war mir das nicht bewusst. Das hat sich danach allerdings Schlagartig geändert.

Heutzutage, bin weitestgehend das, was man als Gymrat bezeichnen kann. Ich trainiere 7 mal die Woche. Ob im Gym, auf der Matte oder im Ring. Selbst on the Road versuche ich vor den Events, wenn es nur irgendwie geht, ein Studio aufzusuchen. Ohne könnte ich gar nicht. Wenn ich mal nichts machen kann (was sehr selten vorkommt) dann macht mich das verrückt. Natürlich spielt auch die Ernährung eine sehr wichtige Rolle. Ich versuche sie natürlich auch so weit es geht meiner Zielsetzung anzupassen. Das hört sich vielleicht ziemlich krass an, aber es macht mir einfach Spaß.

WF: Nun bist Du weitgehend fit, besonders Deine Arme sind beeindruckend. Wie lange dauerte es denn, bis Du als Trainer bei wXw fungieren durftest und wer bildete dich aus?

KR: Danke. Das witzige ist, das die Arme die einzige Körperpartie ist, die ich nicht gezielt trainiere. Ich war früher als Taekwondo Trainer tätig. Ich habe eigene Gruppen geleitet. Daher war ich schon recht erfahren was das „Trainer sein“ anging. Im Dojo wurde ich die erste Zeit von John Klinger trainiert. Er war auch derjenige des den meisten Einfluss direkt am Anfang auf mich hatte. Er hat meinen Kopf direkt vom ersten Tag an in die richtige Richtung gedreht. Das ist etwas was viele Students leider erst recht spät lernen. Auch Christian Jakobi hat das Training zu der Zeit sehr oft geleitet. Ob man es glaubt oder nicht Christian ist ein sehr guter Lehrer, der einem die Basics wahnsinnig gut beibringen kann. Und das ohne jahrelange In-Ring Karriere. Nach 3,5 Jahren im Westside Dojo habe ich dann selbst die ersten Anfängerkurse geleitet.

WF: Wie lange musstest Du trainieren, bist Du selbst Dein erstes Match bestreiten durftest – Dein Kampfsporthintergrund war Dir sicherlich hilfreich, auch wenn Du lernen musst „safe“ zu schlagen, oder?

KR: Mein Kampfsporthintergrund hat mir nicht nur Technisch sehr geholfen. Körperkoordination ist in jeder Kampfsportart sehr wichtig und wenn man schon mal was gemacht hat, hat man sicherlich große Vorteile im Wrestling. Mein Debüt kam sehr unerwartet. Ein jemand ist ausgefallen und zack war ich drin. Aber ich muss dazu sagen, das es viel zu früh war. Ich war noch lange nicht bereit in den Ring zu steigen. Ich war vielleicht soweit wie unsere Students die frisch aus dem Grundkurs kommen. Damals war das alles noch etwas anders.

WF: Wie lange bist Du nun dabei und wie kamst Du zur wXw?

Ich bin Wrestling verrückt seit ich 3 oder 4 war. Mein erstes Match das ich je gesehen habe bzw. Mich dran erinnern kann war das Title vs. Title Match zwischen Hulk Hogan und dem Ultimate Warrior. Danach war es um mich geschehen. Ich wollte unbedingt Wrestler werden. Ich habe Hemden zerissen und Entrances nach gespielt. Als ich dann etwas älter wurde und realisiert habe , das die kleinsten Wrestler bei der WWE knapp über 180cm groß sind hab ich mir keine großen chancen ausgerechnet und so hab ich meinen Traum erstmal verdrängt. Bis ich ende 2008 auf die Website der wXw gestossen bin.

Dort haben sie ein Anfängerseminar mit Bad Bones John Klinger angeboten. Und da habe ich beschlossen das ich es wenigstens mal versuchen möchte. Im März 2009 war es dann soweit. Mein erstes Wrestlingtraining. Wir waren 10 Mann und von der ersten Sekunde an, in der ich in Ring stand, fühlte ich mich wie zuhause und alle meine Träume und wünsche wurden in diesem Moment wieder erweckt und naja… der Rest ist Geschichte. Von den 10 Mann war ich übrigens der einzige der dabei geblieben ist bzw. überhaupt ein 2. Mal auftauchte.

WF: Gibt es so etwas wie Idole für Dich?

KR: Ich habe Menschen die mich inspirieren. Deren Einstellung zum Training oder allgemein zum Leben mir einfach gefallen. Menschen die ihr Leben anpacken und das erreichen was sie erreichen wollen. Ganz vorn dabei ist der kürzlich verstorbene Greg Plitt.

WF: Wie erinnerst Du Dich an dieses Seminar, war es evtl. härter als heute oder sind die heutigen Talente verbissener – Kannst Du Dich noch an das Feedback von Bones nach dem ersten Training erinnern?

KR: An ein Feedback kann ich mich nach den Jahren nicht mehr erinnern. An die Schmerzen im Nacken sehr wohl! Ich weiß noch das ich auf dem Rückweg nicht mehr in der Lage war meinen Kopf aufrecht zu halten. So schwer war er. Ich wollte mein Buch Weiterlesen und mir blieb nichts anderes übrig als es einfach unter meinen hängenden Kopf zu schieben. Auf herkömmlichem Wege ging es einfach nicht.

Und der Muskelkater danach war die Hölle. Das Training mit John ist immer Knüppel hart. So auch an diesem Tag. Das Conditioning im Wrestling ist immer eine Sache für sich. Mit Freizeitsport hat das nichts zutun. Egal wie fit man ist. Spätestens nach der Fallschule geht man am Stock, wenn man es nicht gewohnt ist. An diesem Tag haben wir von allem etwas gemacht. Conditioning, Fallschule und Grundlegende Techniken. Ich kann nicht sagen, das die Students heute oder früher verbissener oder fitter als früher sind. Es gibt in jeder Generation immer wieder 1-3 die sich durchsetzen. Von 10 Students landen am Ende 3 im Ring. Und wer sich bis zum Debut durchgekämpft hat, bleibt auch fast immer dabei.

WF: Irgendwann sah man Dich auch im Ring, natürlich warst Du nicht von Anfang an so gut wie heute. Wenn ich auf die „Keel Holding“ anspreche, an was denkst Du da – Sicherlich hast Du da gerade bei den Fans Eindruck hinterlassen.

KR: Wenn ich an die Keel Holding denke, denke ich an viel Spaß und großartige Chemie im Ring und in Shotgun. Ich glaube jeder von uns hat durch die Mitgliedschaft in der Holding profitiert und konnte sich so weiterentwickeln. Wir haben die Bühne bekommen, die wir gebraucht haben um unsere Geschichte zu erzählen und die Leute haben es geliebt. Jetzt wo die Holding nicht mehr ist und jeder seinen eigenen Weg geht, auf seine Art, können wir alle nur gespannt sein wie es mit jeden Einzelnen weitergeht. Ich bin froh Teil der Holding gewesen zu sein, freue mich aber sehr auf die neue Herausforderung die mir bevorsteht.

WF: Du hast „Shotgun“ angesprochen, du trägst diesen Titel nun einige Zeit. Für die Fans die wXw nicht verfolgen: Was ist „Shotgun“ und welche Bedeutung/ Aufgabe hat dieser Belt?

KR: Der Shotgun Championship ist einer der 3 Gürtel den man in der wXw erringen kann. Das besondere bei diesem Gürtel ist, das die Matches um diesen Gürtel im gleichnamigen wöchentlich erscheinenden Online Magazin “ Shotgun“ auf wxw-wrestling.com zu sehen sein werden. Das heißt, es ist für jeden Wrestler ein zusätzlicher Anreiz grade diesen Gürtel zu tragen weil man so noch etwas mehr in der Öffentlichkeit steht als es die anderen Champions tun. Und wer von außen mal einen Blick auf die wXw wirft, sieht als erstes ein Match des Shotgun Champions. Das ist ein Privileg und gleichzeitig große Verantwortung in einem.

WF: Du genießt somit große Anerkennung beim wXw Office, es ist eine Wertschätzung für Deine Arbeit und dein Engagement. Wenn Du auf ehem. Schüler von Dir zurückblickst, gibt es da jemanden der Dich mit besonderem Stolz erfüllt?

KR: Gerade weil so wenige den Sprung in den Ring schaffen, macht mich jeder einzelne von ihnen Stolz. Jeder hat seine Stärken und Schwächen gehabt. An letzterem musste mal besonders arbeiten. Jetzt stehen sie neben mir im Ring und konnten das tun was Sie lieben. Und ich konnte einen kleinen Teil dazu beitragen. Das ist ein tolles Gefühl. So geht es sicherlich auch Toby, Christian und allen die dazu beigetragen haben.

WF: Wurde Dir die Rolle des Heels auf den Leib geschrieben, man könnte meinen, es ist genau das, was zu dir passt, optisch wie charakterlich 🙂

KR: Ich bin sehr zufrieden in meiner Jetzigen Rolle bzw. Position. Im Wrestling improvisiert und reagiert man. Eine Rolle spielen ist da sehr schwierig. Wenn man mich im Ring sieht, erlebt man eine Extremform von meinem tatsächlichen Charakter. Klar sind einige Charakterzüge extrem überspitzt, während andere nur angedeutet werden.

WF: Was fällt Dir zu „alle außer Kim“ ein?

KR: Das ist der Chant der letzten 2 Jahre. Ich bin immer wieder baff das, egal wo man hinkommt, jeder diesen Chant kennt. Meiner Meinung nach ist die Aussage aber falsch. Richtig heißt es eigentlich „Keiner außer Kim!“

Entstanden ist der Chant glaube ich bei einer Matchserie gegen Hot & Spicy. Ich bin mit den unterschiedlichsten Partnern an meiner Seite gegen sie angetreten. Darunter auch beliebte US Indy Wrestler. Und als wir mal zu 4. im Ring standen und die Leute ihre Begeisterung für alle außer mich ausdrücken wollten, ist der Chant entstanden.

WF: Wie gehst Du mit Kritik um, holst Du Dir noch Tipps von den Veteranen?

KR: Ich mag konstruktive Kritik. Im Wrestling lernt man nie aus. Es gibt immer und überall etwas zu lernen. Ich lerne z.B.: sehr viel wenn ich Training gebe. Daher macht mir das besonders Spaß. Ich versuche so oft wie möglich Feedback einzuholen. Und das nicht nur von den Leuten die länger dabei sind als ich. Ich will die Meinung von jedem wissen. Ich glaube so lernt man am meisten.

WF: Was hat sich im wesentlichen für Dich verändert, vom Fan, der Du damals warst zum heutigen „Kim Ray“ Charakter – oder bist Du auch heute noch „Fan“?

KR: Es hat sich so gut wie alles verändert. Man sieht das Wrestling mit ganz anderen Augen. Man schaut nicht mehr nur aus Entertainment Gründen. So wie ein Architekt nicht einfach durch ein Gebäude gehen kann, ohne sich den schön geschwungenen Torbogen genauer anzuschauen. Natürlich macht das schauen noch Spaß, aber die Sicht erweitert sich einfach.

WF: Vielen Dank für Deine Zeit!

KR: Immer wieder gern, Markus!

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