Kolumne: Doors Open #3 – By Pete Bouncer (01.03.2016)

Doors Open #3: Let’s get ready to rumble…

Eigentlich war es nie mein Plan, in meiner Kolumne chronologisch vorzugehen, immerhin soll das ja keine verfrühte Autobiografie werden. Ich denke aber, gerade für die ersten Schritte, die ich im und um den Ring gemacht habe, bietet es sich an. Was läge nun also näher, als über mein erstes Match zu berichten?

Ich hatte also meine ersten Trainingseinheiten im Ring absolviert. Im Fokus stand hier natürlich vor Allem der Umgang mit dem zukünftigen „Arbeitsgerät“: Wie laufe ich sicher in die Seile, ohne mir den Hals zu brechen? Wie stehe ich auf dem dritten Seil, ohne mir den Hals zu brechen? Wenn ich mal nach draußen geworfen werde, wie lande ich, ohne mir den Hals zu brechen? Ich denke, der Kerngedanke ist klar.
Nachdem also die absoluten Grundlagen geschaffen waren, wurde es etwas komplizierter. Wenn man nämlich erst mal in der Lage ist, sicher auf dem dritten Seil zu stehen, kommt der Sprung in den Ring. Die Hauptherausforderung ist hier, den eigenen Instinkt zu überwinden, aus dieser Höhe auf den Füßen landen zu wollen, sich also bereit zu machen für diese extreme Erschütterung, die sich durch die komplette Knochenstruktur zieht. Man stelle sich vor, man springe aus einer Höhe von schätzungsweise 1,40m (je nach Ring) mit dem Gesicht voran auf eine Konstruktion aus Holz und Metall, gepolstert durch eine Matte, die den Namen nicht verdient.
Nachdem also auch diese Hürde überwunden ist, kommt die nächste große Herausforderung: Ringübersicht. Hierzu kann ich jedem nur sagen: Egal wie hart Du trainiert hast, egal wie genau du im Training wusstest,in welcher Ecke du zu welchem Zeitpunkt warst… Im ersten Kampf wirst du die Orientierung definitiv verlieren!
Es ist wahrscheinlich schwer vorstellbar, was ein paar Rollen, Hiptosses und Bodyslams mit dem Gleichgewichtssinn anstellen können. Hinzu kommt die unglaubliche Nervosität im ersten Match. In meiner Rolle als Türsteher wurde es mir bei meinem Debüt nicht gerade leichter gemacht. Ich hatte das Match nach der Pause, also bot es sich an, nicht etwa wie jeder Andere auch hinter demVorhang zu warten, bis meine Musik ertönt. Stattdessen musste ich bereits zu Beginn der Pause nach draußen, um ganz security-typisch VOR dem Vorhang zu stehen, als sei ich für die Sicherung des Entrance-Bereiches zuständig.
Doch auch das war nicht alles! Kurz vor Ende der Pause kamen zwei maskierte Fans (die zu den treuesten, lautesten und kreativsten Anhängern der GWF gehören) auf mich zu. Ihnen sei ein Plakat unter die Tribüne gefallen, ob ich nicht helfen könne, es wieder hervor zu holen. Sie konnten natürlich nicht wissen, dass ich ein Wrestler kurz vor seinem Debüt war und waren entsprechend missmutig, dass ich sie abwimmelte. Verständlich! Wer allerdings durchaus wissen konnte, wer ich war und dass ich gleich mein Debüt hatte, war der Security-Mitarbeiter, der tatsächlich für die Sicherung des Entrance-Bereiches zusändig war. Er war nämlich ebenfalls Trainee aus unserer Wrestling-Schule und kannte die Card genau. Statt mir aber zu helfen und sich um die Belange unserer Stammfans zu kümmern, stand er nur regungslos da, ignorierte meinen hilfesuchenden Blick und glotzte mich mit leeren Augen an. Aus Gründen des Anstandes spare ich mir die Namensnennung an dieser Stelle, grüße aber herzlich.

Innerhalb des Matches selbst passierte dann genau das, was ich oben beschrieben habe. Innerhalb von 30 Sekunden hatte ich nicht die geringste Ahnung, wo im Ring ich mich befand, wo die Kamera stand, wo die Fotografen oder die Kommentatorentische waren. Hinterher erhielt ich sehr viel Lob von allen Seiten, gehe aber bis heute davon aus, dass das einfach gut gemeint war. Wenn ich mir nämlich meine Leistung noch mal auf Video zu Gemüte führe, kriege ich das kalte Grausen.

Sei’s drum! Mein Debüt habe ich überlebt und ich glaube, kaum jemand ist wirklich mit seinem ersten Kampf zufrieden. Mein Trainer und Freund Crazy Sexy Mike wiederholt regelmäßig einen Spruch, den er seinen Schülern einbläut und der eigentlich von Oliver Kahn stammt: „Wer glaubt jemand zu sein, hört auf jemand zu werden.“ Ich finde, das ist ein schönes Schlusswort!

Pete Bouncer

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