Kolumne: It’s Entertainment #5: Wieviel Gage bekommt ein Pro Wrestler? (13.04.2021)

Pro Wrestler verdienen Geld mit ihren Auftritten. Doch wieviel Geld bekommt ein Berufsringkämpfer pro Wrestling-Veranstaltung in Deutschland? Wonach richtet sich die Gage? Oder gibt es sowas wie eine einheitliche Bezahlung im Pro Wrestling nicht? Komparsen, die keine eigene schauspielerische Leistung erbringen, erhalten in Deutschland für nationale Fernsehauftritte gewöhnlich nach Tarif etwa 100 Euro Bruttogage für einen 8-stündigen Drehtag. Langjährig ausgebildete Pro Wrestler unterliegen keinem Tarifvertrag, und müssen sich mit der Entlohnung ihrer Arbeit im Ring selbst auseinandersetzen!

Hotdogs und ein warmer Handschlag
In Wrestling-Deutschland können Wir grob zwischen zwei Wrestler-Typen unterscheiden: Die, die Wrestling als Hobby haben, und die, die darin eine berufliche Perspektive sehen. Die erste Kategorie von Wrestlern verhandelt ihre Gage nicht (selbst) oder sieht die Verhandlung eher als Spiel. Auch bekommen Hobby-Wrestler, und auch fast alle Beginner, keine Gagen, sondern kleine Aufwandsentschädigungen, die bis zu einem gewissen Grad keine steuerliche Erwähnung finden müssen. In Deutschland hat sich der Witz „Für 20 Euro Essengeld arbeiten.“ etabliert. Was in etwas das deutsche Pendant zur amerikanischen Stichelei „Du hast für einen Hotdog und einen warmen Handschlag gekämpft.“ ist. Zu viele Scherze würde ich darüber aber nicht machen, denn ein Hotdog ist ein Hotdog, ist ein Hotdog…

Die zweite Kategorie von Wrestlern, die Pro Wrestling als Beruf verstehen – und vom Status soweit sind – handeln ihre Gage mit dem Booker einer Wrestling-Promotion selbst aus. Zur Gagenaushandlung gehört aber weitaus mehr als die monetäre Entlohnung für den Kampf: Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung, Betreuung, Merchandising und Ausschüttungen von Einnahmen durch Verwertungsrechte gehören ebenfalls zur professionellen Frage der Gage.

Grundsätze zur Gage
Es gibt keine festgesetzten Standart-Gagen! Jeder Pro Wrestler muss für sich selbst festlegen was er wert ist. Andererseits sollte man aber auch die Gagen der Anderen kennen, und den Wert der eigenen Arbeit im Bezug zu dem Wert der Arbeit Anderer für den Promoter abschätzen lernen. Eine zentrale Frage könnte sein: Bin ich Teil des Paketes (Wrestling) – wo die Zuschauer Tickets für die Marke Wrestling an sich kaufen – oder kommen die Zuschauer nur wegen mir und kaufen nur wegen mir Tickets? Und wenn sie nur wegen mir kommen, wieviel Gewinn(!) macht dadurch der Promoter mit mir?

Ein weiteres Prinzip ist „Bares ist des armen Mannes Geld!“ – D.h. oft kann es dazu führen, dass wenn man weniger oder keine Gage für einen Auftritt nimmt, dass sich später besonders auszahlt. Man investiert! Ich kann z.B. auf die Gage für einen Kampf verzichten, wenn ich weiß, dass ich durch diesen Kampf drei weitere Auftritte bekomme, wo ich jeweils die doppelte Summe verdiene. Aber Vorsicht! Promoter bezahlen Dich gerne für Deine Arbeit mit Arbeit! Und können Dich anschließend geschickt an für Dich entschiedener Stelle fallenlassen.

Ein Grundsatz für das Bestimmen der eigenen Gage ist auch die Polenz der jeweiligen Promotion. Es macht wenig Sinn eine riesige Gage bei Promotions mit nur 50 Zuschauer pro Event zu fordern, wo ein finanzarmer Verein gerade so die Show zusammengeschustert hat. Andererseits kann man bei einer gut laufenden Promotion, wo viel eingenommen wird und viel Geld im Hintergrund die Struktur des Veranstalters stützt, etwas mehr Gage als üblich nehmen bzw. mehr seiner Rechte wahrnehmen.

Weitere Punkte für die Abwägung der Gage sind bspw. die investierte Zeit, die zurückgelegte Distanz zum Veranstaltungsort, spezielle Matcharten oder Scripts/Geschichten. Dies alles kann die Höhe der Gage beeinflussen oder sogar multiplizieren. In Acht nehmen sollte man sich vor sogenannten Charity-Events, durch denen die eigene Gage kaputt gemacht werden kann.

Höhe der Gagen in Deutschland
Aber nun mal „Butter bei die Fische!“, wie hoch sind denn nun die Gagen für Pro Wrestler in Deutschland? Die einfache Antwort ist: Wenn es „Butter bei die Kühe!“ heißen würde, würde es „Butter bei die Kühe heißen!“. 😉

By Slinky

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