Kolumne: Rising Sun #1 (24.03.2016 – By Alpha Female)

Hallo Liebe Leser von WrestlingFever,

es ist eine Weile her, dass Ihr von mir gelesen habt, aber ich denke, einige von euch erinnern sich noch an meine Kolumne „One Way Ticket„. Es hat richtig Spass gemacht diese zu schreiben und als WrestlingFever erneut gefragt hat, ob ich nicht mal wieder etwas schreiben möchte, habe ich gleich ja gesagt! Ich hoffe ich werde aber auch die Zeit finden! So wie der Titel schon verrät bin ich wieder in Japan angekommen!

Das letzte mal, das ich in Japan für Stardom gearbeitet habe ist allerdings schon 19 Monate her! Seitdem hat sich eine ganze Menge geändert und ich möchte Euch davon berichten, von den guten und den schlechten Veränderungen und auch von den Dingen die gleich geblieben sind!

Sicher brennt es einigen auf der Seele zu fragen warum ich den solange nicht mehr in Japan gearbeitet habe und die Frage ist nur Teilweise zu beantworten, weil es auch private Gründe gibt. Der Hauptgrund war es aber, weil ich mich nach zwei Jahren wirklich harter Arbeit in Japan, wir reden hier von bis zu 8 Stunden täglichem hartem Training, wöchentlichen Shows mit kleineren bis größeren Verletzungen wie Trommelfellbruch, Gehirnerschütterungen, Zerrungen und Verstauchungen. Ich brauchte einfach eine Pause! Von allem, der harte Umgang mit mir und den Mädchen die einen Traum hatten und der eher zu einem Albtraum wurde, hat mich seelisch sehr angeschlagen und ich musste meine Leidenschaft wieder finden!

Während meiner Auszeit von Japan habe ich dennoch nie den Blick auf Stardom verloren und mich immer informiert was den so abläuft. Jedes Mal wenn sich ein Mädchen verletzt hat (was sehr oft vorkam) war ich unendlich traurig. Wenn eine neue Wrestlerin rein kam war ich sehr Neugierig, was bringt sie und wie lange wird sie durchhalten. Dann war ja der große Yoshiko Vorfall (wer davon noch nichts gehört hat, sollte es googeln, schreckliche Sache, riesen Thema in Japan, auch in den Mainstream Medien) und alles hat sich geändert!

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Alpha Female 2016

Stardom hat sich getrennt von den, wie soll ich es am besten beschreiben, „Old School“ Einstellung Veteranen, die uns ja die Freude am Pro Wrestling genommen hatten.
Es war sehr interessant zu sehen, die Entwicklung von Stardom. Stardom hat Zukunftsdenken bewiesen! Sie arbeiten mehr auf dem internationalen Markt, haben ein englisch sprachiges Social Media aufgebaut, einen Youtube Channel wo man weltweit drauf zugreifen kann mit Matches aber auch Insider Videos, die die Stardom Mädels auch mal nicht so aggressiv zeigt und ihr werden es erstaunlich finden, wie süß diese Mädels eigentlich sein können!

Es gibt ein Team das nennt sich „World Selection“ die besten Wrestlerinnen der Welt werden dort mit aufgenommen und beweisen sich gegen die japanischen Stardom Mädchen im fairen Wettkampf. Es ist einfach eine Freude das zu sehen, vor allem, weil auch wirklich jedes Land vertreten ist und gerade sehr Europa.
Also ich damals vor genau 3 Jahren dort angefangen habe, waren es immer nur maximal 3 von Übersee und alle waren sehr verschlossen den Ausländern gegenüber! Für mich war es auch am Anfang ein wenig schwer zu akzeptieren, weil man sich wirklich hart erarbeiten musste bei Stardom zu arbeiten und mittlerweile ist es sehr einfach zu Stardom zu kommen.

Veränderungen haben ja immer seine Vor und Nachteile, aber bei Stardom kann man mit Sicherheit sagen, dass diese Veränderungen bis jetzt nur Vorteile haben. Sie haben mehr Fans, die Japaner nehmen die neue Richtung sehr gut an, Stardom macht weltweite Tourneen, erst waren sie in den USA und kommen im Mai nach Europa für 3 Shows (Paris, Barcelona, London), sie haben sich eine weltweite Fanbase aufgebaut und der Style ist mehr amerikanisiert worden, dass bedeutet weniger verrückt und mehr Unterhaltung.

Mit all diesen Veränderungen war ich sehr glücklich, als mich der Präsident von Stardom angerufen hat und gefragt hat ob ich wieder nach Japan kommen möchte. Ich wusste, dass er eines Tages anrufen würde, daher habe ich einfach nur hart gearbeitet an meiner Erscheinung, meinem Wrestlingstil und meinem Social media. Natürlich hätte ich auch eher zurück kehren können, wenn ich mein eigenes Flugticket bezahlt hätte, so wie es einige gemacht haben, die einfach nicht bereit für eine Liga wie Stardom sind. Ich habe auch nicht jeden Tag oder jeden Monat zu Stardom geschrieben, ich wusste, dass meine Fans eine Stimme haben und ihr Ruf wurde erhört! Ich habe auch genug Selbstbewusstsein um zu sagen, dass meine Arbeit gut ist, sonst wäre ich nicht so weit gekommen. Man muss immer wissen wo man steht und mit einem realistischem Bewusstsein voran schreiten. das hilft einem auch bei den Vertragsverhandlungen. Ich werde immer traurig, wenn ich höre wie manche Wrestler/innen ausgebeutet werden. Aber das ist wohl in jedem Bereich wo man seine Leidenschaft ausleben möchte!

Nun lasst uns zum heute kommen, ok mehr zum gestern, als meine Reise losging! Mal wieder viel zu viel im Gepäck, diesmal Geschenke für alle die mein Koffer so schwer machten. 3 Kg drüber aber es war mein Glückstag, die Frau am Schalter hat mich nicht mal drauf angesprochen, 90 € gespart! Erst ging es von Hamburg nach Warschau, und von Warschau nach Tokyo. Insgesamt betrug die Reise 17 Std. Der Flug nach Japan im direkt Flug dauert eigentlich nur 11 Std. von Deutschland aus, obwohl man hier von „nur“ nicht reden kann. Es ist schon echt ne Qual! Ich habe mir drei Filme angesehen. Creed, Everest und ein japanischen Film der echt unterhaltsam war! Neben mir saß ein junge mit der Riesen Blase, er musste nicht einmal auf die Toilette obwohl er ganze 2 Liter!!! Wasser getrunken hatte. Er hatte ein Kindle mit sich und das Buch was er gelesen hat war super spannend (hab heimlich mitgelesen haha).

Alles ging sehr reibungslos, ein gutes Zeichen für zwei tolle Monate in Japan.
Am Flughafen wurde ich dann vom Stardom Präsidenten Mr. Ogawa persönlich abgeholt, das obligatorische Foto mit dem Kommentar „WoW, you are so much bigger“ und hab in den Stardom Van. Es war als wäre ich nie weg gewesen, was für ein merkwürdiges Gefühl! Mr. Ogawa und ich haben uns richtig gut unterhalten, sein englisch ist so viel besser geworden und als ich am Appartement ankam, sagte er noch „Willkommen zurück zu Hause“ (welcome back home). Das Appartement ist das selbe wie damals, aber es sind jetzt viel mehr Dinge drin. Eine Waschmaschine, ein Kühlschrank, Sofa, TV, Spiegel und Matratzen.

Ja ich war da ohne all dem, da wir damals dahin neu umgezogen sind und nachdem die Kaution und Miete gezahlt war, kein Geld für all das übrig war und Kris Wolf und ich haben uns damals von unserem eigenem Geld Luftbetten geholt. Unvergessliche Zeit! Es gibt drei Zimmer im Haus und es waren schon zwei Mädels da. Viper aus Schottland und Caitlyn Dimond aus Kanada. Die beiden haben die größeren Zimmer, weil bald noch zwei weitere Mädels kommen und die dann das Zimmer teilen müssen. Ich habe mein eigenes Zimmer.

Ich habe hier nur das allernötigste und einem wird bewusst, dass man all diese anderen Sachen die man sich im laufe der Jahre so anhortet einfach nicht braucht! Es ist am Anfang der Gedanke „Oh man, ist ja wie im Knast“ (nicht das ich wüsste wie es da ist, aber man hört ja so Dinge, haha) aber dann beginnt die Seele aufzuatmen, weil man sich nur auf sich konzentriert und man in einem Leeren Raum atmet und nach denken kann, was man hat aber nicht braucht.

Ich habe jetzt nur einen Koffer mit Kleidung, nur Trainingskleidung. Es war kein Platz für coole Hosen und coole Kleider zum ausgehen, das habe ich auch nicht vor. Ich möchte mein bestes geben, mein 100% und besser werden und mit dem Gedanken nach hause zu fahren, dass ich alles gegeben habe!

Die Konkurrenz ist groß. Viper ist ein Big Girl, wie ich, wiegt 100Kg und meine Stärken waren immer, die Mädels zu übertrumpfen und durch die Gegend zu werfen, dass geht ja hier nicht und ich muss dafür sorgen, dass die Leute mich sehen, als die Alpha Female! Ich muss ein neuen Game Plan erarbeiten. Aus meiner „Komfort Zone“ raus, denn nur dann kann man als Mensch wachsen! Nur dann kann man erfolgreich sein!

In diesem Sinne verabschiede ich mich und berichte euch wie mein ersten Training war, das Wiedersehen mit den Mädels, meine erste Show am 21. März und ob ich zufrieden war mit mir und meiner Leistung!

Danke für Euer Interesse und ich hoffe bis bald! Schreibt eure Kommentare unter dieser Kolumne oder kontaktiert mich über FB, Twitter, IG, E-Mail und all das findet ihr auf www.alpha-female.de

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