Kolumne: Seitenwechsel #5 – „cOw: Jetzt wird es aber professionell“ (10.06.2018)

Hey, liebe wrestlingFever.de Leser im letzten Teil meiner Kolumne habe ich Euch ja von den ersten beiden cOw Shows berichtet, die (quasi ohne mich) abliefen. Und die Kolumnne endete damit, dass ich es als möglich ersah, das die cOw ihrem Ende entgegen sieht… und doch lief es dankenswerterweise anders.

Nach dem Flop der November 2014 Show und auch angesichts der Tatsache das der damalige Vorsitzende jede Menge Geld in cOw gebuttert hatte, (Ring etc) entschloss sich der damalige cOw Vorstand weiterzumachen.
Die Verantwortlichen und Aktiven sahen dankenswerterweise etwas in mir und trugen an mich heran die Match Storys. Es sollte ein cOw Interstate Titel über das komplette Jahr 2015 (4 Shows)
ausgefochten werden. Die Bookings sollten über einen der 2 Ursprungsmacher laufen was für mich allerdings kein
Problem darstellte, die Probleme waren ganz anderer Natur.

Ich wurde in den Vorstand der cOw gewählt und sah mich nun für vieles verantwortlich. Ich wollte helfen das Produkt auf „wrestlingtauglich“ umzukrempeln aber stoß auf Hindernisse, die man sich so gar nicht ausmalen konnte. Das größte Problem an cOw war – kaum einer wusste wirklich über Eurowrestling Bescheid. Dies ist allerdings elementar notwendig da wir uns ja im Beteiligten vorbehaltlos unterschrieben würde, soll nicht zur Herabstufung dienen.

Keineswegs, die Jungs und Mädchen waren bis in die Haarspitzen motiviert, aber sie kannten bisher nur WWE und WCW aus dem TV und wollten nun eigene Shows machen. Wir hatten unseren „Medi“ der schon bei einer anderen Liga ein paar Auftritte hatte aber ansonsten war die Euroszene relativ unbekannt. Allerdings muss ich sagen, das mir von Anfang an riesiges Vertrauen entgegengebracht wurde, als ich
sagte wir müssen vieles ändern. Der schmerzhafteste Aspekt war den Jungs und Mädchen zu sagen das nicht jeder automatisch
auf die Card kommen kann, wenn wir ernstgenommen werden wollen. Man muss sich das über hartes Training und Beständigkeit
verdienen. Dieser Aspekt begleitet cOw dauerhaft denn wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Sport, den Fans und auch
gegenüber der Aktiven selbst.

Wrestlingboards wie das „blaue Board“ haben uns damals nicht mit der Kneifzange angefasst. Ihr wollt bei uns eure Shows bewerben? Keine Chance! Die damals sehr harte Antwort erscheint heutzutage sehr fair. Und trotzdem versuchte ich Verbündete zu finden, an jeder Ecke. Jede Werbung, jeder Helfer jeder Zeitungsartikel jeder persönliche Kontakt wurde wichtig und ausgebaut. Alles mit dem Ziel irgendwann Shows zu haben, die zeigbar sind. Und doch wusste ich, es sind viele kleine
Schritte notwendig.

Doch das Wichtigste war immer die nächste Show. Wie schaffen wir es die Qualität auf der Card zu steigern ohne die eigenen Leute zu
verlieren. Nun unser Booker, fairerweise ohne jede Erfahrung, hatte eine Lösung. Lasst uns soviele Worker wie möglich buchen.
Als Matchmaker musste ich mir die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen. Aber auch hier der Mann wusste es nicht besser. Und auf einmal hatte ich einen weit über 30 Mann umfassenden Kader mit mir zum Teil extrem unbekannten Leuten. So war extrem viel Vorrecherche von Nöten und diverse kreative Multimanmatches wurden geboren. Und dazu das nicht unbedeutende Problem, das wir gar keinen Ringsprecher hatten. Nun ja das hab ich dann mitübernommen, inkl. Prügel für mich von der Heelgruppierung, so das diese ordentlich positioniert wurde.

Eigene Leute wie Baker, Joker, Crow, Medi oder Crusher wurden zu dieser Zeit gut eingesetzt und doch brachte die, wieder realtiv gut besuchte Show, Probleme mit sich. Zum einen hatten wir Besuch aus dem Osten des Landes bei uns (der allein aufgrund der Anfahrtskosten uns fast finanziell in den Ruin stürzte). Einer der Herren agierte extrem stark im Gimmick und brachte mir eine erste Lektion bei wie man in kreativen Konflikten mit Wrestlern
reagiert, dann wurde auf einmal jemand totkrank weil Ihm das Match nicht passte. Dann hatten wir einen Wrestler der im Match einfach mal das finish änderte (zumindest den Weg dahin). Wir hatten erste Verletzungen und und und.

Finanziell war es ein Flop und ich werde nie vergessen, das die letzten Wrestler mit dem Geld aus einem privaten Mopedverkauf des damaligen Vorsitzenden bezahlt wurden (natürlich wurde es zurückgezahlt). Insgesamt aber etwas was halbwegs nach Wrestlingshow aussah und durch den Herren aus Ostdeutschland (der übrigens an einem tollen Produkt in der Region einen Riesenanteil hat), durfte ich auch Lernerfahrungen mitnehmen. Liebe Grüße aus Scheisshaushaussen, das wäre fast ein Shirt bei uns geworden 🙂
Und doch blieb nach der ersten Show 2015 einiges an Fragezeichen. Zum einem war klar, dass das Turnier so eine „Farce“ wird, da qualifiziere Worker nicht mehr für eine Zusammenarbeit zu haben waren und storytechnisch konnte manches nicht wirklich logisch weitererzählt werden. Ich bot dem Vorstand an, Kontake zu mir bekannten renommierten Wrestler wie Bernd Föhr und Farmer Joe herzustellen. Dieses Angebot allein war dem Booker zuviel, so dass er hinschmiss und wir von heute auf morgen ohne Booker darstanden. Der Vorstandsvorsitzende meinte dann einfach nur. „Tja Alex das musst du dann wohl machen :-)“

„Oh ja klar, voll gerne“; denn nun sah ich einen Weg wie wir uns so aufstellen, das wir Schritt für Schritt gehen. Der plötzlich ausgeschiedene Booker hinterlies uns noch eine Überraschung für die zweite Show des Jahres. Im Juni würde Murat Bosporus für uns antreten. Wow, jetzt haben wir doch mal was zum Arbeiten. Der „Osmanische Krieger“ bei der cOw das ist doch der erste große bekannte Name. Dazu konnte ich realtiv bekannte Namen wie Farmer Joe, Bernd Föhr, den „It Boy“ Ken Floyd (was ein geiles Gimmick!!), Dean Jazzman oder Boombastic verpflichten.

Das war für mich definitv der nächste notwendige Schritt. Und doch gab es 5 Tage vor der Show eine mittelschwere Katastrophe. Es ging um unseren Gürtel. Dieser wurde einem unserer Rookies für das Turnierende verprochen. Nicht von mir aber vom vorherigen Booker. Die Rücksprache beim Vorstand brachte mir den Kenntnisstand, das dieses Versprechen so nie gegeben wurde. Nun mit Abstand und Kenntnis aller Fakten, glaube ich dem Jungen komplett, aber damals musste ich ihm
sagen das wir ihm den Belt nicht geben können. Was dazu führte, dass wir unser damals größtes Talent verloren, etwas was mich und Teile der cOw bis heute noch schmerzt.

Aus meiner Sicht war es logisch, das wir unseren Gürtel keinem Rookie geben konnten der 5 Kämpfe hat wenn wir von außen ernstgenommen werden wollen. Aus heutiger Sicht total für alle nachvollziehbar aber damals wurde eine große Lücke gerissen. Und so begann meine sehr lehrreiche Zeit mit Murat. Von keinem hab ich soviel über das Geschäft gelernt wie von ihm, im guten wie im schlechten. Und auch wenn das Verhältnis leider nicht so auseinandergegangen ist, wie ich es mir erhoffte habe, diese Erfahrungen haben mich geprägt.

Die Show an sich lief super, gerade Farmer Joe hat direkt das Publikum gewonnen und mit Bernd Föhr gegen den It Boy hatten wir technisch einen echten Leckerbissen. Nachdem wir unser größtes Juwel verloren haben, war mir klar, das wir dringend auch ein Eigengewächs finden müssen, welches die Fans einfängt ohne das wir es Verbrennen. Und wir haben auf 2 Leute gesetzt. Joker und mich. Mein Name überrascht komplett, aber es hatte genau einen Sinn. cOw war immernoch sehr fragil. Dazu fehlte eine Autoritätsperson in den Shows und ich hatte alle Kontakte. Durch Auftreten in der Show war ich der Meinung, das ich Freunde, Bekannte und Intressierte zu den Shows locken kann (und es funktionierte) und der wichtigste Punkt war, für mich folgender: cOw war noch nicht über den Backyardruf komplett
hinaus. Und sollte das Projekt scheitern wäre ich das Gesicht des Scheiterns gewesen.

Und keiner der Jungs die danach noch überall sonst hätten von vorne Anfangen können. Joker hingegen musste ich überzeugen das er sich besser umbenennt und ich muss sagen, ich bin dankbar für das Vertrauen und keiner nennt Jester heute mehr Joker. Ich wollte das unsere dritte Show 2015 de bisher größte wird. Und wie geht das? Mit mehr bekannten Namen. So kam der Kontakt nach Berlin zur GWF zustande, und für Payday unsere dritte 2015 Show hatten wir auf einmal ein richtig geiles Lineup. Crazy Sexy Mike, Andre Trucker, Jaxx, Orlando Silver, Bam …. unser Poster sah auf einmal echt nach Eurowrestling aus.

Das war besonders wichtig auch um den eigenen Leuten zu zeigen – seht her so ist der Unterschied und das sind die Jungs von denen Ihr unfassbar viel lernen könnt. Und dazu kam es zu dem Debut der Person die mich menschlich bei cOw am meisten bewegt und überrascht hat. Die Alpha Female wurde mir von einem damaligen cOw Worker ans Herz gelegt und natürlich direkt verpflichtet. Und es gibt keine Person wie Jazzy. Die Person im Ring unterscheidet sich von der Person im privaten komplett. Eine herzliche nette Frau die jedem zuvorkommend begegnet, ein viel zu gutes Herz hat und absolut von jedem gemocht wird! Eine Frau die gezeigt hat das es Ihr am Herzen liegt das wir als cOw wachsen und lernen. Danke für alles. Und man muss einfach live erleben wie unfassbar beliebt sie bei unseren Fans ist.

So hatten wir mit Payday wirklich spannende Matches dabei. Mike gegen Trucker, Jazzys Debut, Jesters Bewährungschance gegen Orlando Silver (und er lieferte ab!!), Bam gegen Jaxx.
Für mich ein Quantensprung, im Hinterkopf noch immer die erste Show, wo ich selbstbewusst sagte das das Wort „Backyard“ langsam verschwinden sollte in den öffentlichen Köpfen.

Lustige Anekdote von der Show ist, das wir, soweit ich weiß Geschichte geschrieben haben. Jazzy trat zusammen mit unserer Dame Summer gegen unsere Regina Red und Stephie Stern an.
Ein Jahr nach der Show sind die Youtube Klicks für dieses Match explodiert. Über 320 000 Menschen haben dieses Video (witzigerweise von Jester und mir für youtube damals nachkommentiert)
angeklickt. Wir hatten extrem hochwertige Alpha Female Matches aber ausgrechnet dieses ging durch die Decke. Und was ist mit Geschichte geschrieben? Nun ich glaube wir haben damit das erfolgreichste Youtube Video einer deutschen Wrestlingpromotion. Aber ich lasse mir das auch gerne widerlegen 😉

Dazu haben wir bei „Payday“ mit dem Aufbau des bösen Matt Mayhem als Comedy Charakter begonnen. Dies wurde auch eine Erfolgsgeschichte.
Die letzte Show Winterclash stand an und es war Farmer Joe der unser erster Interstate Champion wurde. Dazu war der legendäre „Obermacker“ Michael Kovac bei uns zu Gast. Ein weiterer kleiner Traum wurde wahr. Und ich danke heute noch für die tollen wertvollen Tips an dem Abend. Ein fantastischer Veteran durch und durch!

Dazu konnten wir den ehemaligen WWE Kommentator Bernhard Wulff für uns gewinnen und die letzte Show wurde auch wieder ein Erfolg. Wir haben zwar jede Show von der Hand in den Mund gelebt, aber uns ja eindeutig gesteigert. Wir hatten einen ersten Champion, eine steigende Reputation und ich lernte erstmals einige Fans kennen die zu uns kamen, weil sie sagten „wir kennen zwar andere Promotions aber wir kommen absolut überzeugt zu Euch, weil uns das Produkt gefällt“.
Das war für mich ein echter Ritterschlag und ich hatte ein gutes Gefühl, denn ich wusste wir haben für 2016 ja noch viel geilere Sachen vor.

Doch dazu (diese Ausgabe war lang genug :D) mehr in der nächsten Ausgabe von Seitenwechsel.

Alex Wonder

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