Kolumne: Seitenwechsel #7– „Und plötzlich war ich der Böse“ (06.09.2018)

Hallo liebe WrestlingFever.de Leser, hier ist die 7te Ausgabe meiner Kolumne. Nach wie vor freue ich mich über jedes Feedback und bedanke mich für die bisherigen, zahlreichen Rückmeldungen. In der letzten Ausgabe ging es um das Jahr 2016, welches sehr aufregend für uns war und es sollte 2017 mit weitaus größeren Dingen weitergehen. Und doch sind 2016 noch zwei Dinge passiert, die nicht verschwiegen werden sollten, die aber hier in der Ausgabe Ihren Platz einnehmen müssen.

Zum einen haben wir die Alpha Female 2016 zu unserer Ladies Championesse küren können. Welch eine Ehre für uns! Für mich die First Lady des deutschen Wrestlings. Und man muss sagen ,Jazzy war seit Beginn Ihrer cOw Zeit Ende 2015 eine der absolut beliebtesten Wrestlerinnen bzw. Wrestler der kompletten cOw. Die Fans standen direkt und vorbehaltlos hinter Ihr. Und ich glaube, Jazzy hat das immer sehr geschätzt. Ich möchte hier mal etwas loswerden: Diese Frau ist NICHT die Person deren Bild vorab an mich Rangetragen wurde. Sie entspricht keineswegs der Person und ist im realen Leben das ganze Gegenteil. Was wurde ich vorher „gewarnt“ zickig sei sie, unglücklich in Ihrer Außendarstellung. Herrgott was ein Müll. Sie ist die netteste Person die mir in diesem Business je untergekommen ist. Freundlich zu jedem, respektvoll, humorvoll und ich kann nicht genug von Ihr schwärmen. Nie irgendeinem Fan irgendwas abschlagend, immer Ideen und kreativen Sachen gegenüber offen und unfassbar Loyal zu cOw.

Und dann haben wir ja noch die andere Seite. Es ist eben Jazzy „Alpha Female “ Gabert. Eine Frau die absolut überzeugend im Ring ist. Eine Frau die allein durch Ihre Erscheinung beeindrucken kann. Und eine Frau die 2017 (über das Jahr sprechen wir ja grade) in diversen Hochkarätigen Matches gute Gegnerinnen schlug und den Titel stolz trug. Und es gab 2017 durchaus eine andere
sehr bekannte Promotion die Gefallen an Jazzy fand. Die WWE lud sie zu dem allerersten Mae Young Classic ein. Und ja, als im Vorstellungsvideo unser Titel kurz gezeigt wurde, waren wir alle sehr stolz. Und was hat Jazzy dort für einen Eindruck hinterlassen. Unter 32 Talentierten Frauen aus aller Welt
war sie die eine, die raus stach. Die Fans forderten einen Vertrag für sie. Völlig irre was da im Sommer 2017 passierte. Und obwohl in dieser Zeit Gott und die Welt was von Ihr wollte hat Jazzy sich nie auch nur einen Millimeter verändert oder „einen Höhenflug“ bekommen. Auch eine supertolle Eigenschaft. Ende 2017 war uns relativ klar wir verlieren unsere Championesse
(wie damals Fabian Aichner als Interstate Champion) an die WWE. Nur das der Bezug zu Jazzy noch mal wesentlich größer war als der zu Fabian, der bei uns (in der Summe) nur wenige Matches bestritt und in erster Linie eben immer ein Alex Wright Schüler war….

Also nahmen wir Ende 2017 Jazzy als erste Person in die cOw „Hall of Fame“ auf nachdem sie den Event auch im Main Event abschloss. Während wo anders es einer Riesensensation gleicht das Frauen Main Events bestreiten, muss ich sagen wir hätten gar nicht anders gekonnt. Die Fans hätten an dem Tag niemand anderes im Main Event akzeptiert, und ich glaube das sagt schon fast alles über den Stellewert von Jazzy bei cOw. Leider kam eine Nackenoperation zwischen Jazzy und Ihrem greifbaren Traum vom WWE Vertrag was unfassbar tragisch war. Aber diese Frau ist eine Kämpferin sie wird sicher weiter Ihren Weg gehen. Für mich ist sie ein Star.

Die zweite Sache die ich ansprechen wollte, die zwar schon 2016 beschlossen wurde und 2017 eingeführt werden sollte, war der cOw/ wpwi United Titel. Es sollte ein Titel sein, der in hochwertigen Kämpfen ausgekämpft werden sollte. Ähnlich wie der WWE IC Belt Ende der 80er Anfang der 90er. Und das traf sich doch gut denn wir hatten für die erste Show 2017 das allererste mal einen ehemaligen WWE Star zu uns eingeladen. Mr Kennedy….Kennedy…oder Anderson? 🙂 Er war unser Stargast für die erste Show in der neuen Location in Saarbrücken Gersweiler. Und diese Show war bis dahin MIT ABSTAND die erfolgreichste cOw Show, 350 Zuschauer, ausverkauft und die Halle platzte aus allen Nähten. Und natürlich ließen wir „Mr. Kennedy“ um den neuen Titel antreten – gegen Juvenile X. „Kennedy“ wurde erster Champion. Die Halle stand Kopf. Doch durch einen schmutzigen Trick wurde Mr Kennedy an dem Abend doch noch um den Titel gebracht und er landete bei Juvenile X. Was für ein krachender Start. In den Folgemonaten verteidigte Juvenile regelmäßig diesen Titel gegen richtig gute Gegner wie TKO , Oliver Carter oder Senza Volto. Bis dann im Oktober TKO den Titel gewann und fast ein Jahr lang verteidigen konnte. Die Matches um diesen Gürtel waren immer spektakulär! Ich bin froh das wir diesen Gürtel eingeführt haben.

Alex Wonder & „Ryback“

Nun hatte ich die letzte Seitenwechsel-Ausgabe mit einem „Cliffhanger“ beendet, und dann schreibe ich soviel 🙂 Aber ja kommen wir zum Punkt. Mein guter Kumpel und Partner „Aaron Insane“ kam mit der Idee, Ryback nach Deutschland zu bringen. Ryback war zu dem Zeitpunkt frisch aus der WWF ausgeschieden und ein richtig guter Name! Wir nannten die Show „Feed me More“. Der Kontakt lief über seinen Manager. Anschließend setzten wir den Main Event mit dem GHW Heavyweight Titelmatch zwischen Sasa Keel gegen Ryback fest. Was für ein Match. Uns war klar, das Ryback nicht den Titel gewinnen konnte also planten wir eine Sache die bei der Titelverteidigung helfen würde. Meinen „Heelturn“. Ich betrüge Ryback und leide danach 🙂

Leider kam dann 2 Tage vor der Show die Nachricht von seinem Manager: Ryback ist verletzt und kann keinen richtigen Kampf machen. Nun ja, nun stehen wir 2 Tage vor der Show an dem Punkt das dir gesagt wird das dein Main Event keinen richtigen Kampf bestreiten kann. Nun hieß die Show halt „Feed me more“. Aber hey, wir könnten ja die Anzahlung wieder haben. Wir entschieden, das wir Ihn zum vollen Preis dennoch kommen lassen und waren fest davon überzeugt, das wir ein Tag Match oder ein Match mit eingreifen basteln können. Nun leider nein ……

Wir fanden mit Absolute Andy einen klasse Ersatz für das Match gegen Sasa und zogen auch den Turn so durch. Aber Ryback konnte wirklich nicht kämpfen. Natürlich waren wir enttäuscht ohne Ende. Aber ich muss festhalten, er war beim Meet und Greet, er hielt eine Promo am Anfang und am Ende. Er war super freundlich zu jedem Fan und kein Fan in der Halle hat auch nur ein negatives Wort verloren.

Danach gab es im Internet einen kleinen Shitstorm. Aber ausdrücklich eigentlich nur von Leuten, die NICHT bei der Show waren. Wie immer eben…. Etwas was auch ein sehr typisch deutsches Wrestling Phänomen ist.

Es war für uns eine Extremsituation und wir waren der Meinung wir schaffen die zufrieden stellende Lösung. Wir waren überzeugt er kann zumindest eingeschränkt antreten aber das ist etwas, woraus wir etwas gelernt haben. Es gab allerdings auch einige erinnerungswürdige Momente mit Ryback, der zu mir während der ganzen Zeit sehr freundlich war. Die eine war eine Mischung aus zum Lachen und Weinen, die Powerwrestling wollte ein Telefon Interview machen. Als Riesen PW Fan war es mit ein Vergnügen das eingefädelt zu haben. Ich wähle Wolfgang Stachs Nummer und übergebe stolz mein Handy an Ryback und verlasse den Raum. Dann wollte ich mich um Match Vorbereitungen kümmern aber nach 2 Minuten kam eine Helferin angerannt: „Alex, Ryback sucht dich“
Ich dachte mir nur, wie jetzt so schnell, da stimmt was nicht. Ryback drückt mir lässig sein Handy in die Hand und sagte was von „Die fragen sind ihm zu blöd“. Kreidebleich rief ich Wolfgang an um es zu klären der meinte nur verdutzt, so etwas hat er noch nicht erlebt: Er stellt normale Fragen und der legt einfach auf. So wich mein Stolz ganz schnell in große Scham.

Die zweite Anekdote betrifft das Bild, welches im Kopf des Lesers entstehen soll: Wenn er zum Beispiels liest, das ich Ryback an diesem Wochenende in meinem damaligen Citroen c2 rum fuhr. Dieser Riesentyp in dieser kleinen Karre, „Ein bild für die Götter!“

Dazu waren wir wohl in fast jedem Fastfood Restaurant in der Gegend und auch Hähnchen und Bratwürste essen. Mit Ryback vor dem „Real“ Markt bleibt mir wohl auch auf ewig in Erinnerung. Ich konnte stundenlang mit ihm viele Gespräche führen, etwas was ich durchaus genossen hab und mir wie ich es auch im Februar in ähnlicher Lage mit Mr Kennedy gemacht habe. Das sind Wissensschätze die man nicht nachlesen kann. Und was blieb noch von „Feed me more“?

Nun ich war ein Heel Manager. Die „Alex Wonder“ Chants änderten sich in „Wonder du Arschloch“ in einem Kettenwurf zu Sasa Keel. Ich bekam Gänsehaut. Nach der Show kam ein treuer, geschätzter cOw Fan zu mir uns sagte „Boah Alex, tolle Show und überraschend mit deinem Turn. Aber du bist so ein netter Kerl, ic kann ich mir so schwer vorstellen!“ Ich schätze seine Meinung sehr, aber ich dachte mir „Gib mir ein Mikrofon, 3 Minuten Zeit und ich garantiere dir, du beschimpfst mich und betitelst mich nicht mehr als netter Kerl!“ 😀

Denn ich hatte schon einen sehr, sehr durchdachten Plan was ich darstellen möchte und wem ich damit helfen möchte. Doch dazu….Ihr ahnt es….in der nächsten Ausgabe mehr.

Alex Wonder für WrestlingFever.de

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