Kolumne: Ultrawrestling #2 – „Wie man KEINE 100.000 Euro macht“ (12.01.2017)

Wie man KEINE 100.000 Euro macht

Ende 2013 eröffnete sich für mich die Möglichkeit auf einen Streich 100.000 Euro mit Pro Wrestling zu verdienen. Wenige Wochen zuvor gaben mir meine Trainer einen Tipp, den ich nie vergessen werde: Wenn ich mit Pro Wrestling etwas verdienen wolle, dann müsste ich mich dafür engagieren.

Diesen Tipp unterfütterten sie mit dem Beispiel, dass man nur eine Million Euro im Lotto gewinnt, wenn man sich ein Lotterie-Los kauft. Und so wäre das auch mit einer Arbeit im Geschäft des Pro Wrestling. Man sollte in Dinge investieren, die dafür geeignet sind, dass man gebucht wird – und somit Gage verdient. Eigentlich sehr logisch.

In fast jedem Beruf ist das so. Man investiert in die eigene Ausbildung, verdient anfangs so gut wie nichts, und macht die ganze Drecksarbeit. Ich muss gestehen, ich liebe das. Ich liebe diese ehrliche Arbeit sogar so sehr, dass ich fernab meines eigentlichen Status diese Arbeit mache – und Leute, die weit nach mir gekommen sind, denken, dass sie etwas Besseres wären, weil ich diese Arbeit mache. Ganz sicher gibt es auch Sachen, die ich nicht mag und gerne Anderen überlasse. Telefonieren zum Beispiel. Aber darauf will ich nicht hinaus.

Wir lernen also, dass es Dinge gibt in die es sich lohnt zu investieren. Protein und Hanteltraining für einen guten Körper. Hausaufgaben für die Fähigkeit das Geschäft zu überblicken. Das angemessene Benehmen im Geschäft. Ich muss Pro Wrestling als mein eigenes Haus verstehen lernen. Und die Menschen die ins Geschäft hereinkommen als meine Gäste.

Letztendlich gibt es zahlreiche Sachen, die einen näher an einen Wrestling-Auftritt zu kommen. Manchmal sind das auch ganz profane Sachen. Stell Dir vor Du hast einen Garten, in dem man auch einen Ring lagern kann! Wen wird ein Promoter eher buchen? Den Wrestler neben Dir, mit den gleichen sportlichen Fähigkeiten wie Du? Oder Dich, dem absolut nichts von Deinem Konkurrenten unterscheidet, mit Ausnahme davon, dass Du etwas Gutes zu seinem Geschäft beitragen kannst. Nämlich das Lagern eines Wrestling-Rings. Also kann sogar etwas Wrestling-untypisches wie ein Garten mit einem Schuppen eine gute Investition für die eigene Wrestling-Karriere sein. Ich habe beispielsweise meine Papiere beisammen, sodass ich sofort ins Ausland zu einem Booking reisen kann. Manch anderer braucht einige Wochen um diese zusammenzutragen und ist somit weniger spontan.

Aber es gibt auch Fähigkeiten, die die profanen Dinge übersteigen. Ich kann zum Beispiel in die Zukunft sehen. Ich warte gerade darauf, dass mein Sitznachbar mir eine klatscht und sagt: „Wenn Du in die Zukunft sehen kannst, warum hast Du das nicht kommen sehen?“ Aber so ist das nicht gemeint. Ich habe keine Zeitmaschine, mit der ich in die Zukunft reisen kann, um mir die richtigen Lotto-Zahlen von morgen zu holen.

Aber ich kann aus Vergangenem lernen, Muster erkennen und Dinge damit zu meinen Gunsten manipulieren. Eigentlich können Wir das in bestimmten Situationen alle. Ich lebe in Berlin. Und wenn ich die U-Bahn-Treppe runterlaufe und ich sehe eine Person auf den Treppenstufen sitzen, und vor ihr steht ein Becher, dann weiß ich was los ist. Ohne mit dieser Person zu reden. Die Person braucht mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld. Aus meinen Erfahrungen, dem was ich in der Vergangenheit in meiner Heimatstadt erlebt habe, kann ich das einschätzen.

Nur wenige wissen, dass ich vor meiner Wrestling-Karriere schon prominent in anderen Bereichen war. Ich komme ursprünglich aus der Politik, habe jahrelange Erfahrung in der Medienbranche, und habe nebenher relativ viel Geld mit „populären Thematiken“ verdient – und damit für internationales Aufsehen gesorgt.
Wirtschaftlich war ich ebenso sehr geschickt: Ich habe z.B. Agrar-Güter importiert und durch die Angabe eines anderen Verwendungszwecks ganz legal meinen Profit verzehnfacht. Ich mag dabei ungern ins Detail gehen. Aber dieses Beispiel soll veranschaulichen wie sehr meine Fähigkeit vorrauszuschauen Auswirkungen auf den Profit durch meine Arbeit hatte.

Mit der Zeit ist meine Arbeit in all diesen Bereichen reibungsärmer geworden. Durch meine gewonnene Erfahrung konnte ich Hindernisse voraussehen und ihnen ausweichen oder sie ganz vermeiden. Mein Wissensstand über Abläufe in diesen Industrien ist größer geworden und eine natürliche Intuition hat sich bei mir entwickelt. Aber was hat das mit Pro Wrestling zu tun?

Wenn ich die Politik, den Sport, die Unterhaltung, die Kriminalität, die Wissenschaft, die Medien genau wie verschiedene konservative Wirtschaftsbereiche als Industrien begreife, dann muss ich erkennen, dass dort viele Dinge gleich oder ähnlich ablaufen. In all diesen Industrien kann man mit reichlich Erfahrung Muster erkennen und Tendenzen wahrnehmen. Du kannst Dinge sehen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen werden. Und Du kannst diese Wahrnehmungen auch auf andere Industrien übertragen.

Ich war Ende 2013 in der Lage in einer Industrie Tendenzen wahrzunehmen und damit Geld in einer anderen Industrie, dem Sports Entertainment, zu machen. Ich bin vielleicht nicht der Eine-Million-Euro-Mann und ich spiele auch kein Lotto. Aber für den Zehnten hätte es gereicht.

Konkret konnte ich voraussehen, dass die politische Tendenz vorherrschte, dass in diversen Ländern zukünftig die Hanf-Prohibition aufgehoben wird. Und dem Fleißigen fallen Möglichkeiten zu. Klar war ich noch immer an Politik interessiert, hatte aber kaum noch etwas damit zu tun. Ganz anders Bekannte von mir, die über eine Unterhaltungssendung eines Fernsehunternehmens sehr viele Menschen mobilisierten und schließlich eine Million Euro für ihre Ideen gewannen. Gewonnen ist vielleicht der falsche Begriff, denn sie bekamen eine Millionen Euro geschenkt !!

Klingt unglaublich, ist aber so. Wirtschaftlich lässt sich das auch sehr einfach erklären. Durch den Selbstläufer den sie generierten, den die politische Strömung für die Hanf-Legalisierung in Deutschland, den USA und Europa generierte, gab es für das schenkende Medienunternehmen mehr oder weniger enorme Werbeeinnahmen. Das ist der Punkt. Sie hatten also eine Million Euro geschenkt bekommen. Doch leider wollte auch das Finanzamt etwas abhaben. Steuern. Und hier kam ich ins Spiel.

Steuern bezahlt man. Man kann aber einen Teil seines Geldes spenden und dann steuerlich absetzen. Und 100.000 absetzbare Euro hätte ich für das Pro Wrestling in Deutschland bekommen. Ohne zu arbeiten, ohne irgendetwas zu investieren. Die einzige Bedingung damals war: Das „Unternehmen“ an das gespendet wird, muss im entferntesten Sinn sich für die Aufhebung der Hanf-Prohibition aussprechen.

Meine Herausforderung damals war, dass ich im aktiven Geschäft des Pro Wrestling gerade einmal drei bis vier Jahre involviert war. Im entferntesten Sinn. Ich hatte also wenig Erfahrung im Geschäft, ich kannte nur begrenzt die Regeln und Strukturen. Ein Grund, den ich nicht kannte, hätte meiner Unternehmung entgegenstehen können. Ich hatte alles gut vorbereitet und aufgebaut. Ich hatte sogar schon einen Sponsor. Ein Hersteller von Hanf-Proteinpulver, was damals innovativ war. Ich führte sogar ein Interview mit einer Hanfpuppe, einem süßen Maskottchen, die über Marihuana aufklärt.

Doch dann machte ich einen Fehler: Ich fragte jemanden Erfahrenen in der europäischen Wrestling-Industrie, ob man das machen kann. Wie gesagt, ich hatte in dem Geschäft noch keine wirkliche Stimme und noch keine wirkliche Erfahrung. Also musste ich mich auf diese erfahrene Person verlassen. Mir wurde geraten das nicht zu machen, und ich vertraute auf den Rat. Und so macht man keine 100.000 Euro mit Pro Wrestling.

Erst später wurde mir klar, dass es unangebracht war auf diesen Rat zu hören. Welcher Pro Wrestler oder welcher Wrestling-Promoter in Europa hat denn innerhalb der letzten 25 Jahre mit Pro Wrestling 100.000 Euro auf einen Streich verdient? Das ist eine rhetorische Frage – KEINER !!

Mit 100.000 Euro hätte man dem Wrestling-Geschäft in Deutschland einen großen Gefallen tun können. 20 bis 30 Wrestling-Veranstaltungen hätten damit finanziert werden können. Dazu hätte man nicht einmal irgendwelche Einnahmen gebraucht. Man kann an Minnie Mouse´ Finger abzählen wie viele Wrestling-Promotions in Deutschland 2013/2014 20 bis 30 Wrestling-Events veranstaltet haben. Es war genau eine Promotion.

Wir haben in Deutschland einen Wrestling-Markt der enorm wächst. Um 25 Prozent jährlich etwa bei der Anzahl der Veranstaltungen. Auch die wachsende Zuschauerzahl kann man leicht einschätzen. Und die Herausforderung dabei ist, es gibt niemanden im Wrestling-Geschäft den man fragen kann: Niemand hat mehr als 50 Wrestling-Shows jährlich in den letzten zwei Dekaden in Deutschland veranstaltet. Westside Xtreme Wrestling (wXw) hat hier eine Vorreiterrolle. Sie sind jetzt schon etwa bei 100 Shows. Und mit dem was sie tun liegen sie richtig. Kein Kritiker hat die Substanz die wXw und ihre Macher zu attackieren. Wichtig finde ich, wenn man sich Ratschläge aus anderen Wirtschafts-, Sport- und Unterhaltungsbereichen holt.

Ich habe mir die Frage gestellt, für wen ich eigentlich schreibe. Und ich habe mir vorgestellt für die Landlehre zu schreiben. Die zum Kiosk gehen und sehen was in der weiten Welt los ist. Es gibt so viele ländliche Gebiete und Kleinstädte in Deutschland, wo es kaum kulturelle Angebote. Wo Pro Wrestling einschlagen kann wie eine Bombe. Schwer. Es ist schwer. Unheimlich schwer. Schwer. Es ist unheimlich schwer sich aus der Perspektivlosigkeit zu befreien. Den Zwiespalt zu überwinden, sich zu verbünden, riesige Shows zu veranstalten und gleichzeitig im Alltag die gewöhnlichen Herausforderungen in Vereinzelung zu bestehen. Besonders auf dem Land.

Es ist so, dass Wir keine Vorbilder haben, für das was Wir tun. Kein deutscher Promoter hatte in den letzten 25 Jahren seine Wrestling-Liga ins Fernsehen gebracht. Und ich meine das ECHTE Fernsehen. Keine Streaming-Angebote und kein Youtube. Ich möchte, dass die Fans, die Pro Wrestler und die Promoter wissen, dass es richtig ist, wenn sie aktiv werden. Ich vertraue darauf: Wenn ich mich für Pro Wrestling engagiere, dass das Pro Wrestling und ich daran wachsen werden.

Schau! Ich habe auf Wikipedia eine Liste mit Fernsehsendern in Deutschland gefunden. Ich habe mir zusätzlich eine Liste mit TV-Produktionsfirmen, die in Deutschland oder für das Deutsche Fernsehen produzieren, erstellt. Und ich habe angefangen diese Adressen anzuschreiben, dass ich daran interessiert bin eine wöchentliche Wrestling-Sendung für das Deutsche Fernsehen zu produzieren. Innerhalb von 48 Stunden hatte ich zwei Fernsehsender und eine Produzentin, die an meiner Idee interessiert waren. Und mir lag sogar Wrestling-Material vor, was man nur abspielen brauchte.

Wo ist also die Herausforderung zu sehen? Warum habe ich also nicht längst angefangen Pro Wrestling ins Deutsche Fernsehen zu bringen? (Und die darauf basierende Recherche- und Schreibarbeit kann wirklich jeder machen, wenn ich es gemacht habe.) Ein Grund ist, dass es vielen Arbeitern an der Professionalität fehlt. Ich kann mich an eine Szene erinnern, wo ich jemanden ein Detail nannte, im Vertrauen, und er damit fröhlich hüpfend zu seinen Freunden schwebte und das Detail ausplauderte. Um sich billigen Vorteil zu verschaffen. Was soll man mit so einem Menschen machen? Ein weiterer Grund ist, dass viele Personen Wrestling als ein Hobby sehen. Das ist ok. Aber das ist nicht meine Perspektive. Ich mag Menschen, die den Sprung aus dem sich öffnenden Fenster wagen, die das Ungewisse annehmen – Menschen, die mit Pro Wrestling sich und ihre Familien ernähren wollen.

Pro Wrestling kann manchmal sehr toxisch sein. Wir haben Leute im Deutschen Geschäft, die sich für irgendeinen kleinen Spot, für wieder und wieder nichts, gegenseitig geschäftlich Schaden zufügen. Willst Du mit solchen Leuten Deine 100.000 Euro teilen? Wir können nochmal zurückschauen und sehen, dass das Wrestling der letzten 25 Jahre kaum Möglichkeiten geboten hat davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich bewundere die Pro´s, die sich trotz dessen gegenseitig unterstützen, anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen.

Ich kann ein sehr gutes Beispiel nennen, wie es im Moment läuft. Ein Musiker hat Wrestling-Lieder produziert. Ich habe eine Woche Arbeit in die Produktion einer CD gesteckt. Alles komplett gestaltet, die Medien-Daten arrangiert, den besten Vertriebsweg ausgesucht – und nur ein einziger Knopfdruck hätte gereicht, um die CD in den weltweiten Handel zu bringen. Ohne dazu noch etwas beitragen zu müssen. Einfach Geld verdienen – mit einem Produkt, was Wir sowieso schon hatten. In dem Jahr davor, in dem es diese Lieder schon gab, kam niemand vor mir auf die Idee. Obwohl es offensichtlich ist, dass man damit Geld verdienen kann. Ich habe meine Arbeit dann vorgelegt und sie wurde kritisiert. (Von Leuten, die noch nie zuvor selbst global CDs vertrieben haben.) Also habe ich meine komplette Arbeit angeboten, die Kritiker hätten also die Grafik, das Arrangieren und den Vertrieb nach ihren Vorstellungen verändern können und innerhalb einer Woche die CD rausbringen können. Aber vier Monate danach ist noch nichts geschehen.

Es gibt Menschen im Business, die kritisieren, um ihre Position nicht gefährden zu müssen. Gibt es Deutsche Worker oder Promotions, die CDs im weltweiten Vertrieb haben? Damit meine ich, dass man sie in jeden Media Markt, Buchladen und über das Internet WELTWEIT bestellen/kaufen kann. Auch hier fehlt es an Substanz zu kritisieren. Es gibt etliche Gründe, um diese Verschwendung zu rechtfertigen.

Aber ich kann und muss den Spieß auch umdrehen! Warum habe ich nicht weiter darauf gedrängt diese CD zu veröffentlichen? Und auch diese Frage habe ich mir gestellt. Es hat auch mit meinem Ego etwas zu tun. Und solange es diese Ego-Kacke gibt, wird es schwierig sein Pro Wrestling einem breiten Publikum anzubieten. Pro Wrestling muss mit einer wöchentlichen Sendung ins Deutsche Fernsehen. Das sollte jedem klar sein !!

Ich bin wie ihr ein substanzloser Kritiker. Wir sollten selbst aktiv werden. Wir sollten Aufbrechen und etwas ganz Neues starten !! Etwas, was noch nicht dagewesen ist. Nach VdB und CWA gab es keine Promotion, die in Deutschland „im großen Umfang“ veranstaltet hat. Mein Lob gilt den Machern von Westside Xtreme Wrestling, die das wieder schaffen und mittlerweile bis zu 100 Mal im Jahr veranstalten. Und ich schaue auf die German Wrestling Federation die extrem gute Arbeit macht. Und auch die vielen anderen aufstrebenden Promotions !!

Ich möchte alle Fans und Wrestling-Liebhaber ermutigen, die Fersehsender und die Produzenten mit Nachrichten zu bombardieren, dass Wrestling wieder ins Fernsehen muss. Ermutigt große Firmen mit Wrestling-Themen, dass sie ins Wrestling-Geschäft investieren. Meine 100.000 Euro versuche ich mir wiederzuholen, indem ich mich gerade für ein Fernseh-Projekt beworben habe, bei dem man 30 Tage lang mit 99 anderen Menschen in ein Haus gesperrt wird. Wenn ich es gewinne, dann investiere ich es ins Wrestling-Geschäft. Wärst Du bereit 30 Tage für 100.000 Euro und somit für das Wrestling-Geschäft Dich einsperren zu lassen? Wenn Du das Geld willst, wenn Du Pro Wrestling liebst, dann musst Du Dich dafür einsetzen. Wenn Du dazu nicht bereit bist, dann: GEH ZUR HÖLLE AUS MEINEM HAUS !!

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