Rotation im WrestlingFever.de Interview ((24.04.2016)

WF: Danke „Rotation“ , für die spontane Zusage!

TR: Bitte, für ein Interview nehme ich mir doch gerne die Zeit.

WF: In den letzten Monaten ist wirklich eine Menge passiert, dennoch starten wir mit dem klassischen Einstieg: Wie bist Du zum Pro Wrestling gekommen?

TR: Das war vor gut 10 Jahren, ich habe an einem Samstag Abend DSF (Sport1) geschaut und dort lief Smackdown, was mich von der ersten Sekunde an fesselte und mich bei den damaligen Tag Team Champions, Paul London und Brian Kendrick hat auf- und abspringen lassen. Das die beiden offensichtlich körperlich unterlegenen Kämpfer den großen Muskelbergen gezeigt haben, wie es rund geht hat mich dazu gebracht jeden Samstag Abend gespannt vor den Fernseher gezogen.

WF: Sicherlich hast Du damals schon gewusst, dass Du wohl nie der größte und schwerste werden wirst, oder war nicht klar, dass du mal ein „Highflyer“ werden KÖNNTEST?

TR: Das war mir schon immer klar, zu mal der „High Risk“ Wrestling Style in mir die meiste Begeisterung für den Sport geschenkt hat. Außerdem habe ich dadurch, dass ich schon jede Sportart ausprobiert habe (darunter auch Parkour, was ich noch heute aktiv betreibe) eine athletische Veranlagung im Gepäck gehabt, was für das Highflying eine große Hilfe ist.

WF: Das bedeutet Du läufst und springst im Parkour über Hindernisse, inkl. Saltos etc.?

TR: Ja das trifft es ziemlich genau, unter Parkour verstehe ich aber auch das Gefühl von Freiheit neu definiert zu erleben, es gibt so viel was man probieren kann und Grenzen werden nicht nur Wortwörtlich überwunden. Es macht mir einfach viel Spaß und es hilft mir sehr für das Seilgespann.

WF: Sehen oder sahen das Deine Trainer/ Promoter EVTL. nicht skeptisch, weil dieses Hopbby evtl. ein zusätzliches Verletzungsrisiko birgt?

TR: Das Trainer da Angst haben halte ich für unwahrscheinlich. Verletzen kann man sich überall, außerdem weiß ich was ich tue und würde nie am Tag vor einem Event einen neuen riskanten Sprung wagen. Beim „Freerunning“ gilt wie so oft „Safety First.

WF: Jetzt kommt ein junger „Rotation“ nach Hause und sagt den Eltern, „ich werde nun Wrestler und trainiere ab sofort!“ – Wie kam das zuhause an?

TR: Die erste Reaktion von meinen Eltern war „Bist du nicht zu klein und schmal dafür?“ Hinzu kam noch, dass das Training damals in Bottrop stattfand und es in ihren Augen doch sehr weit entfernt ist. Aber sie haben schnell gesehen was für eine Leidenschaft ich für den Sport habe und sie stehen da auch hinter. Jedoch haben sie Angst, dass ich mich schwer verletze und meine Mama will sich aus diesem Grund auch keine Kämpfe angucken.

WF: Das heißt, Deine Eltern haben bis heute nicht einen Kampf gesehen?

TR: Mein Papa hat ab und an mal was gesehen, meiner Mama ist das ganze zu wild.

WF: Gab oder gibt es Vorbilder, gerade im Bezug auf Deinen Stil?

TR: Früher waren es definitiv Paul London und Brian Kendrick, mit der Zeit kamen dann noch Leute wie Takuya Sugi, Jack Evans, Kota Ibushi, Neville, Ricochet und Kalisto hinzu, die mich alle faszinieren und ich bei deren Matches noch genauer hinsehe. Die Athletik dieser Athleten ist bemerkenswert und ein dauerhafter Ansporn.

WF: Du hast wie jeder „Rookie“ unten angefangen, dies bedeutet auch vor dem Event zu arbeiten, ehrenamtliche Arbeiten für die Promotion. Auch heute fährst Du den Ring zu versch. Shows und hilfst beim Aufbau. Ich denke persönlich, dass dies der richtige Weg für einen angehenden Wrestler ist, das Wrestling zu erlernen und zu verstehen. Etablierte Stars und auch andere Mitarbeiter (bei WWE beispielsweise Charles Robinson) bauen HEUTE noch den Ring auf…

TR: Natürlich muss da jeder durch, aber ich sehe das nicht als Tortur an. Wir wollen schließlich im Ring arbeiten und dazu gehört auch, dass man den Ring aufbaut und so sein Arbeitsgerät noch besser kennen lernt. Außerdem macht der Aufbau mit mehreren auch manchmal Spaß. Bei wXw muss zum Beispiel auch die Stage aufgebaut werden und die Stühle stehen in der Regal auch nicht von alleine in der Halle.

WF: Man sieht also, das es eben nicht nur die Show ist, sondern das es auch im Vorfeld (und danach) eine Menge Arbeit bedeutet. Ohne ein gutes und funktionierendes Team geht es nicht. Was wiegt denn so ein Ring und wie lange braucht man in der Regel um eben diesen aufzubauen?

TR: Der Ring wiegt einiges, aber die hohe Anzahl an unhandlichen Einzelteilen macht die Sache komplizierter. Die Zeit des Aufbaus richtet sich immer nach zwei Faktoren, die Team Größe und die Strecke zwischen Entladezone und Standpunkt des Rings in der Halle. Im Westside Dojo haben wir als eingespielte Einheit den Ring in ca. 45min aufgebaut.

WF: Irgendwann kam es zu Deinem ersten Training, wie erinnerst Du Dich daran?

TR: Das war im Juli 2011 und mir wurde gesagt ich sollte um 14 Uhr in Bottrop an einer Sporthalle nähe des Hauptbahnhofes sein. An diesem Tag bin ich extra früh raus und habe alles mit einkalkuliert, was eventuelle Verspätungen nach sich ziehen könnte. Ich bin so früh los gefahren, dass ich um 11:30 Uhr an der Halle war und ganz aufgeregt wartete ich dann auf die anderen. Um ca. 13:45 Uhr kam dann ein junger Mann vorgefahren, der mir vom Gesicht schon bekannt war, denn ich habe ja vorher schon ein paar wXw Events besucht.

Es war Toby Blunt, er schloss die Halle auf, wir stellten uns kurz vor und haben uns ein bisschen warm gemacht. Dann kamen Kim Ray, Sasa Keel und K-Os in die Halle, das war sie also meine erste Trainingsgruppe. Um Punkt 14 Uhr kam dann Christian Jakobi in die Halle, ich wusste ja, dass er der Chef ist und habe ihm prompt meine Anmeldung in die Hand gedrückt, worauf er mich fragte: „Du willst dich direkt anmelden und nicht erst mal gucken, ob es dir gefällt?“

Darauf antwortete ich: „Ja klar, ich will doch Wrestling lernen“. Das Training war sehr hart, unzählige Bumps auf dünnen Sportmatten und ein brutaler Conditioning Teil waren die Herausforderung. Als das Training nach 4 Stunden vorbei war, konnte ich kaum den nächsten Tag erwarten, denn da durfte ich ja noch mal ran.

WF: Wie lautete das Feedback nach dem ersten Training, gibt oder gab es Menschen die überrascht waren, das ein Mensch mit Deiner Statur zum einem wieder kam und dran geblieben ist?

TR: Dies fiel sehr positiv aus, sie waren beeindruckt von meiner Zähigkeit und meiner Beweglichkeit. Ich habe direkt von Anfang an einen starken Willen gezeigt, so das sie (glaube ich) nicht überrascht waren, dass ich wieder kam und dran geblieben bin. Jedoch kann ich nicht in die Köpfe der anderen gucken, wenn dem so ist, dass eine Überraschung mit meiner Wiederkehr eintraf, so hoffe ich jetzt, dass es eine schöne Überraschung war.

WF: Wie lange dauerte es, bis Du Dein öffentliches, erstes Match bestritten hast und wer half mit, Dich zu formen?

TR: Ca. 1 Jahr, meine Trainer waren Christian Jakobi, Kim Ray, Toby Blunt und Jay Skillet, sie haben mich die meiste Zeit begleitet, jedoch gab es auch Gasttrainer und Leute von außerhalb die mich prägten, einer davon ist auf jeden Fall Jonathan Grasham, der mir stets zur Seite stand und mir hilfreiche Tipps gegeben hat, sowie die ein oder andere Trainingssession.

WF: Wie bist Du zu dem Namen „Rotation“ gekommen?

TR: Zwei Wochen vor meinem Debüt war ein bekannter Traceur (Freerunner) bei meinem Parkour-Training und er sagte, dass er noch nie jemanden so schnell bei einem Vorwärtssalto hat rotieren sehen wie mich, darauf nannte er mich Rotation.
Als mein Debüt zwei Wochen später plötzlich kam, waren wir auf der Suche nach einem Namen, dann erklärte ich CMJ kurzer Hand die Story und der (vorerst bei-Name) war gegeben.

WF: Nun stehst Du inzwischen über 3 Jahre im Ring und konntest die ein oder andere Erfahrung sammeln, auch im Ausland. Mexiko war hier eine wichtige Station für Dich…

TR: Der Deal kam über Jonathan Grasham zustande, der einige Monate vorher dort den „DTU Alto Impacto“ Titel gewinnen konnte. Da auf beiden Seiten Interesse (wXw/DTU) an einer Zusammenarbeit bestand, ging es im letzten Sommer für mich 2 1/2 Monate nach Mexiko. Dort habe ich hauptsächlich für DTU gearbeitet und bei deren „Head of Production/ Art Director „Edwin“, der in Mexiko City lebt, die Tage verbracht in denen wir nicht auf Tour waren.

Der Tagesablauf war recht monoton, aufstehen, essen Cardio + Parkour im Park, duschen, durch Mexiko City wandern, essen, gym und abends dann die Trainingseinheiten. Des Weiteren habe ich 4 Wochen in Tulancingo (die Hauptstadt des Lucha Libre) in einem Hotel gewohnt. Trainieren durfte ich bei Leuten wie Skayde, Black Terry, Artillero, Aeroboy, Pesadilla, Apache und vor allem auch Ricky Marvin. Am meisten habe ich mich darüber gefreut mit Jinzo, Aeroboy, Pesadilla, Lokillus, Draztic und auch Black Fire im Ring zustehen, Letzterer hat uns ja auch vor kurzem auf der „More Than Wrestling Tour“ bereichert.

WF: Wie kann man sich die Touren dort vorstellen ?

TR: Die Fahrten sind unmenschlich lang, Mexiko ist groß, sehr groß!! Dafür hatten wir immer einen gemütlichen Tourbus, ausgestattet mit dem neusten Modell eines Plumsklos. 😀
Englisch ist in Mexiko Mangelware, es wurde nur spanisch gesprochen, allerdings wurde ich sofort herzlich aufgenommen, was mir die Busfahrten angenehmer gemacht hat.

WF: Welche für dich wichtigen Erfahrungen konntest Du mitnehmen?

TR: Das genauere kennenlernen des Lucha Libre Stils, das arbeiten mit anderen, auch bei Sprachbarrieren und das Zusammenleben auf engem Raum.

WF: Nun kommst du immer mit mexikanischen Umhang zum Ring, ist das Deine Art dich für die Lehr-Tage in Mexico zu bedanken?

TR: Absolut richtig und zum anderen haben mir meine mexikanischen Amigos das gesagt, dass ich ihr Land mit diesem Schmuckstück repräsentieren soll.

WF: Was wünscht Du Dir für die Zukunft, im Bezug auf das Wrestling?

TR: Weiterhin Spaß, ausverkaufte Hallen und natürlich persönliche Erfolge als auch die für meine Promotion Westside Xtreme Wrestling.

WF: Wir danken Dir für dieses Interview und wünschen alles gute!

TR: Ich danke auch, es hat mir gefallen und es war ein sehr schön durchdachtes Interview, schön wenn man sich so ins Zeug legt.

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