Slammerella im WrestlingFever.de Interview (27.01.2019)

WF: Danke für Deine Zusage zu diesem Interview!

S: Danke für die Einladung! 🙂

WF: Du bist durch Deine Brüder zum Wrestling gekommen. Weißt Du noch was Du damals gesehen hast und was Dir daran so gefiel?

S: Genau, durch einen meiner Brüder und meinen Papa, um genau zu sein. Wir haben immer gemeinsam im Fernsehen Wrestling geschaut bzw. sind nach Möglichkeit zu Live Veranstaltungen gefahren. Ich fand immer The Rock super, weil er das Charisma mit Schöpflöffeln gegessen hat und hab auch immer die Hardy Boys für ihre Akrobatik und verrückten Aktionen bewundert.

Mein Bruder und ich haben dann zu Hause oft Wrestling „gespielt“ – uns unsere Auftrittsmusik auf Kassetten aufgenommen, uns Storylines ausgedacht und natürlich auch den ein oder anderen Move versucht nachzumachen. Es war großartig haha

WF: Blieb das Interesse am Wrestling bis heute oder gab es auch eine Zeit ohne Wrestling in Deinem Leben?

S: Das Interesse blieb immer bestehen – natürlich gab es Zeiten, in denen ich mich aus Zeitgründen nicht so intensiv damit beschäftigen konnte, aber das Grundinteresse war ungebrochen. Mein Papa, mein Bruder und ich haben uns trotz stressiger Zeiten trotzdem immer für die wichtigen PPVs freigenommen, um sie gemeinsam sehen zu können.

WF: Wrestlerinnen gibt es im deutschsprachigen Raum eher weniger, was ich persönlich schade finde. Mit Michael Kovac hast Du aber einen angesehenen Veteran als Trainer. Wie erinnerst Du Dich an Euer erstes Aufeinandertreffen, wie lange ist das her?

S: Das stimmt – aber in letzter Zeit gibt es immer mehr gute Wrestlerinnen bei uns! Das erste Probetraining hatte ich vor ungefähr 4 ½ Jahren. Ich kannte Michael Kovac ja schon von Live Shows und war dann richtig aufgeregt, zu ihm ins Training gehen zu können. Und nach den ersten Basics im Ring, wie Rollen, Bumps und sogar dem ersten Take-down, war ich noch begeisterter vom Wrestling als davor. Und seitdem hat mich Kovac als Schülerin an der Backe, haha.

WF: Wie lange konntest Du bis zum Debüt trainieren und gab es weitere angehende Wrestlerinnen?

S: Ich habe damals gemeinsam mit Moxie trainiert und hatte auch meine ersten Matches gegen sie. Ich habe netto (also ohne Verletzungspause) ungefähr 1 1/2 oder 2 Jahre trainiert und habe dann nach und nach die ersten Matches bei unseren Dojo-Shows gehabt. Ende 2016 hatte ich dann meinen ersten Kampf vor großem Publikum.

WF: Bist Du aufgrund Deines Studiums zu Michael Kovac (Wien) gekommen?

S: Ja genau, ich bin für mein Studium nach Wien gezogen und eins, der ersten Dinge, die ich gemacht habe, war, mich für ein Probetraining anzumelden.

WF: Darf man fragen was Du studierst und wie Deine beruflichen Ziele aussehen?

S: In Wien habe ich das Masterstudium in Tissue Engineering und Regenerativer Medizin gemacht und habe es bereits erfolgreich abgeschlossen. Seit meiner Masterarbeit arbeite ich in einem Pharmaunternehmen in Wien.

WF: Mir gefällt Dein Ringname und weiß, das dein Lebensgefährte da auch eine Rolle gespielt hat, möchtest Du unseren Lesern dennoch auch die Geschichte erzählen?

S: Danke  Ich möchte ja einen Gegenpol zu den – derzeit sehr häufigen – übertrieben toughen Kämpferinnen Gimmicks darstellen und auch den „normalen“ Mädels eine Identifikationsfigur bieten. So entstand Slammerella – eine Mischung aus slammen und –ella als Endung, wie es auch Frauenfiguren wie Cinderella oder Barbarella haben.

WF: Gab es noch andere Ideen und Namen, welche Du uns verraten möchtest? 🙂

S: Ideen gab es viele – gut waren sie nicht unbedingt! Bei unseren Dojo Shows trat ich ganz zu Beginn unter dem Namen „Betty McBubble“s auf. Seither hat sich aber Gott sei Dank nicht nur der Name geändert! 😀

WF: Du scheinst einen Fable für Einhörner, buntes zu haben. Auch die Haarfarbe wechselt nicht selten. Welche Rolle spielen die Fabelwesen in Deinem Leben wirklich?

S: Ich liebe alles, was bunt und fantastisch ist. Eine blühende Fantasie zu haben ist doch eins der coolsten Dinge, die man sich aus der Kindheit bewahren kann. Dementsprechend finde ich auch Einhörner tatsächlich super! Außerdem ist der Alltag sicher für die meisten ab und an einfach grau und eintönig – da muss man sich manchmal selber Farbe ins Leben bringen.

WF: Welche Musik hörst Du privat so?

S: Puuh, das ist schwer zu sagen – ich höre fast alles. Meine Lieblingsbands sind Linkin Park und die Ärzte. Davon abgesehen, finde ich aber alles großartig, zu dem man tanzen kann. Und Musicals.

WF: In einem anderen Interview hast Du mal gesagt, das Du Dich „mittlerweile“ gut mit Deinem Trainer verstehst, war das nicht immer so?

S: Das ist eher so gemeint, dass wir uns mittlerweile auch privat gut verstehen und befreundet sind.

WF: Frauen haben es sicher im Biz nicht leicht, vor allem weil es von Männern dominiert wird. Wie angesehen oder akzeptiert ist man im Lockerroom oder bei den Shows, wird man beispielsweise auch als „Freiwild“ gesehen, gibt es immer noch Anspielungen?

S: Also so direkt habe ich das bei Shows, bei denen ich gebucht war, Gott sei Dank noch nicht erlebt. Aber man kommt schon durchaus mit Leuten in Kontakt, die definitiv keinen Respekt vor Frauen haben. Meistens habe ich allerdings eher das Gegenteil erlebt – die Jungs passen eigentlich immer gut auf, dass nichts passiert und würden auch Typen zurechtweisen, die sich nicht korrekt verhalten.

WF: Kürzlich wurde wohl eine Kollegin belästigt, erfolgte dies durch einen Kollegen / Fan ERNSTHAFT oder eher in humoristischer Absicht?

S: Weder noch. Das erfolgte durch einen Mann bei einer Aftershow Party – und zwar ernsthaft. Er wusste offensichtlich nicht, wen er hier belästigen wollte.

WF: Wie konnte diese Situation geklärt werden?

S: Nachdem der Typ das Wort „nein“ offensichtlich nicht kannte und richtig ausfällig und handgreiflich geworden ist (und sogar noch einen Freund zu sich gewunken hat), haben wir uns natürlich gewehrt. Und zwar richtig. Tja, ich denke, der greift so schnell keine Frau mehr an.

Das Schlimme daran ist, dass sich offensichtlich so wenige Frauen trauen, sich zu wehren oder überhaupt Widerworte zu geben. Der Typ und sein Freund waren richtig überrascht, dass wir überhaupt was dagegen gesagt haben, geschweige denn uns auch körperlich gewehrt haben.

WF: Männer gegen Frauen im Wrestling Ring – Wie stehst Du dazu?

S: In Mixed Tag Matches zum Beispiel finde ich das schon in Ordnung, solange man das vernünftig aufbaut. Ich hatte erst kürzlich ein Mixed Tag Match und es hat richtig großen Spaß gemacht – es hat einfach noch einmal eine ganz andere Dynamik.

WF: Du hast inzwischen einige Trainingsmöglichkeiten und Camps gehabt. Viele Fans möchten natürlich mehr über Deine WWE Erfahrung wissen. Wie war es dort, wer hat das Training geleitet, Feedback…. wie ist man verblieben und darfst Du offen über alles sprechen? Früher durfte man das nicht?

S: Also zuerst war ich mal überhaupt mehr als überrascht, dass ich eine Einladung erhalten habe. Das ist schon Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich doch erst sehr kurz aktiv bin. Aber es war eine großartige Erfahrung. Das ganze dauerte 4 Tage, an denen wir sehr intensiv trainiert haben und sich natürlich jeder von seiner besten Seite zeigen wollte. Als Trainer waren Matt Bloom, Robbie Brookside und Sarah Stock mit dabei, die zusätzlich noch von Marcel Barthel und Fabian Aichner unterstützt wurden. Man darf leider nicht zu viel verraten, aber das Feedback war auf jeden Fall hilfreich. 😉

WF: Ist die WWE oder generell der Beruf als Vollzeit Wrestlerin für Dich überhaupt eine Option?

S: Den Lebensunterhalt nur mit Wrestling zu verdienen wäre natürlich großartig und ist, denke ich, auch das Ziel der meisten Wrestler. Für die WWE arbeiten zu dürfen, wäre wirklich ein Traum der in Erfüllung geht.

WF: Wie gehen die Familie und (Studium) Kollegen damit um? Hörst Du auch immer wieder Sätze wie „Das ist alles abgesprochen“?!

S: Meine Familie steht voll hinter mir – mittlerweile sind alle Wrestling begeistert! Manche Leute sind schon ab und zu skeptisch aber da sag ich immer, man muss sich einmal eine Live Veranstaltung ansehen und auf das Produkt als Ganzes einlassen. Dann kann man nochmal drüber reden.

WF: Was erwiderst Du?

S: Eben, zuerst versuchen, sich auf Wrestling einzulassen und das Gesamtprodukt erfahren. Außerdem: die Schwerkraft ist echt, unsere blauen Flecken und Verletzungen sind echt – ich würde mal sagen, Wrestling ist „echter“ als die meisten Fouls im Fußball.

WF: Wissen in Deiner Praxis alle von Deinem Job als Wrestlerin? Wäre ein „blaues Auge“ was völlig normales?

S: Ja, die meisten in meiner Abteilung wissen davon und finden es super! Meine blauen Flecken sind sie inzwischen schon gewöhnt!

WF: Du bist inzwischen schon einige Jahre aktiv und hast einige Länder sehen können. Gibt es noch best. Ziele auf Deiner Wunschliste?

S: Naja, abzüglich meiner letzten großen Verletzungspause, die mir fast das ganze Jahr 2018 vermiest hat, bin ich eigentlich erst ein bisschen über ein Jahr aktiv. Ich möchte dieses Jahr auf jeden Fall noch nach England und zukünftig wäre natürlich auch Japan ganz weit oben auf der Wunschliste!

WF: Mit welcher Verletzung hattest Du zu kämpfen?

S: Ich habe mir kurz vor Weihnachten 2017 eine schwere Schulterverletzung zugezogen. Mitte Februar hatte ich dann die Operation und ich konnte dann erst wieder Ende August beginnen langsam wieder zu trainieren.

WF: Heute ist wieder alles „ok“ und Du bist wie vorher, wenn nicht sogar besser? 😉

S: Mittlerweile ist meine Schulter, dank ganz viel Physiotherapie und Reha, wieder in Ordnung! Und ich bin aus meiner Verletzungspause stärker zurück gekommen, als ich vorher war! 🙂

WF: Dann muss ich natürlich auch noch nach möglichen Gegnerinnen fragen – Wunschkandidatinnen?

S: Es gibt so viele tolle Wrestlerinnen – da ist die Liste lang. Von den europäischen Ladies würde ich mich auf jeden Fall noch über ein Match gegen Shanna und Ayesha Raymond freuen. Ansonsten finde ich zum Beispiel auch Tessa Blanchard super.

WF: Mir gefiel diese Diva Ära gar nicht. Ich bin froh, dass die Wrestlerinnen oder Frauen generell heute ein anderes Standing haben. Wie siehst oder empfindest Du diese Entwicklung?

S: Ich finde die Entwicklung auch richtig toll! Leider dauert es, glaube ich, noch ein bisschen, bis sich das auch so richtig in der Indie Szene durchgesetzt hat. Aber wir befinden uns auf dem richtigen Weg.

WF: Dein Partner ist auch Wrestler, versucht ihr immer Bookings gemeinsam wahrzunehmen? Wie kommt Ihr an die Bookings, bewerbt Ihr Euch auch noch klassisch selbst oder hilft der Trainer schon auch?

S: Es ist natürlich immer lustiger, wenn man gemeinsam zu einer Show fahren kann, aber wenn nur einer von uns für eine Veranstaltung gebucht ist, ist das auch in Ordnung – für freuen uns über die Bookings des anderen trotzdem 
Teils – teils, gerade am Anfang meiner aktiven Karriere hat mir meiner Trainer schon geholfen, aber mittlerweile funktioniert das auch so ganz gut. Das Netzwerk wird ja dann auch immer ein bisschen größer.

WF: Ich möchte zum Ende noch über Deine Favoriten befragen?!

S: Wie schon eingangs erwähnt, fand ich The Rock immer toll, weil er so wahnsinnig charismatisch ist. Bei den Frauen hat mich Lita immer am meisten beeindruckt. Und DX ist natürlich immer großes Kino gewesen!

Im europäischen Wrestling finde ich Wesna und Blue Nikita großartig, da sie den Weg fürs Frauenwrestling in Europa geebnet haben. Auch Jazzy Gabert, mit ihren Erfolgen ist ganz klar ein Vorbild.

WF: Ich danke für Deine Zeit!

S: Danke dir für die interessanten Fragen!

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