WrestlingFever.de Interview mit Al Snow (04.11.2008)

WF: Wir freuen uns sehr, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview mit WrestlingFever.de genommen hast. Wie geht es Dir?

AS: Danke für das Interesse an mir. Ich bin sehr froh ein Interview mit Euch zu haben.

WF: Was hat Dich persönlich dazu bewegt Pro-Wrestler zu werden und Blut, Schweiß und manchmal Tränen hinzunehmen?

AS: Ich wusste nicht, warum ich Pro-Wrestler werden will und selbst heute, 27 Jahre später weiß ich es immer noch nicht. Ich weiß nur, dass da was in meinem Herzen war, was mir wirklich gefiel und was ich liebte zu tun, ich lieb es immer noch. Ich denke nicht, dass diese Liebesaffäre mit dem Pro-Wrestling jemals zu einem Ende kommt.

WF: Was geht durch Deinen Kopf, wenn Du zum Ring kommst, wenn Du Deine Musik hörst, bist Du nervös?

AS: Ich muss jedes Mal pinkeln, bevor ich durch den Vorhang zum Ring gehe. Sollte es jemals anders kommen, werde ich wohl aufhören.

WF: Was bedeutet Dir Deine Eintrittsmusik als Pro-Wrestler, was geht in deinem Kopf vor, wenn Du in den Ring gehst?

AS: Während ich bereits zum Ring laufe, stelle ich das Publikum auf meine Art ein, je nachdem, was ich an diesem Abend erreichen möchte. Was auch immer das sein wird.

WF: Lass uns über Smoky Mountain Wrestling reden. Möchtest Du ein paar Erinnerungen aus Deinen früheren Tagen mit uns teilen?

AS: Smoky Mountain Wrestling war eine aufregende Zeit für mich. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen. Ich habe soviel von all den Wrestlern im Umfeld gelernt und ganz besonders von Jim Cornette. Das war mein erster wirklicher Run und eigentlich auch das erste Mal, dass man mich auf nationaler Ebene wahrgenommen hat.

WF: SMW war wirklich Old-School Wrestling. ECW dagegen war ein ziemlicher Unterschied und hatte auch einen großen Einfluss auf die großen Zwei (WWE und WCW). Was für einen Stil magst Du lieber, Old-School oder New-School?

AS: Es gibt im Wrestling keine Old-School und auch kein New-School, Pro-Wrestling ist Pro-Wrestling und niemand hat das Rad wieder erfunden. Es gab verschiedene verkaufsfördernde und philosophische Stile. Da ist kein Unterschied zur Zeit, als es noch Wrestling in Umgebungen im gesamten Amerika gab. Jede Promotion hatte ihren individuellen Stil, sie näherten sich allesamt einander, aber jeder zeigt immer noch, dass Wrestling ein Wettkampf ist.

WF: In der WWE hast Du als Leif Cassidy einige Zeit mit Marty Janetty gewrestlet, aber dies war nur ein Remake der Rockers. was denkst Du über das Tag-Team und die frühe Trennung heutzutage?

AS: Die neuen Rockers waren eine große Chance, lange funktionierte es jedoch leider nicht. Ich fühle mich glücklich dabei, eine Chance gehabt zu haben mit einem so großen Talent wie Marty Janetty zusammenzuarbeiten. Ich habe eine Menge gelernt während ich mit Janetty teamte und ich hatte auch immer einen Windstoß in- und außerhalb des Rings.

WF: Was denkst Du über die Remakes einiger Gruppierungen, Gimmicks und Fehden im Allgemeinen?

AS: Im Moment gibt es sehr wenig, was nicht schon einmal im Wrestling in irgendeiner Form getan wurde. Man aktualisiert es einfach und verfeinert die Gimmicks oder Fehden, wie es gerade zum Publikum passt.

WF: Danach bist Du zur ECW gegangen, in der Du ein unglaublicher Fan-Favorite mit „Head“ wurdest. Die meisten Fans kennen Dich aufgrund dieses Gimmicks. Was denkst Du hat dieses Gimmick so erinnerungswürdig gemacht?

AS: Ich denke das Head Gimmick funktionierte deshalb so gut, weil es einfach real wirkte, es wirkte glaubhaft auf vielerlei Ebenen.

WF: Auch noch eine „Standard“-Frage: Was war die Geschichte hinter Al Snow und Head? Wie hat es sich entwickelt?

AS: Ich versuchte im Ring zu zeigen, dass ich einen Nervenzusammenbruch hätte und nichts funktionieren wollte. Bis ich irgendwann einen Schaumstoffkopf in der ECW Arena fand, ihn mit zum Ring brachte und mit ihm sprach. Das klappte auf einmal.

WF: Ist es wahr, dass Du kurz vor dem Gewinn des ECW World Heavyweight Titles warst und dann von der WWE zurück geordert wurdest und während dieser Zeit auch unter WWE Vertrag gestanden hast?

AS: Ich war eine Leihgabe der WWE während meines ECW-Runs. Weil ich ein Jahr zuvor versucht habe meinen WWE-Vertrag zu kündigen und weil er dann verlängert wurde, wusste ich nicht, ob ich den ECW-Title gewinnen durfte. Aber kurze Zeit später wurde ich von Vince Russo angesprochen und wurde überzeugt die Videos mit meinen Matches an Vince McMahon zu senden, welcher mich dann kontaktierte und der Rest ist Geschichte denke ich…

WF: Was sind Deine Gedanken über Paul Heyman als Promoter, Freund und über die ECW allgemein?

AS: Paul Heyman ist gewaltiger und kreativer Wrestling-Promoter, TV-Schreiber, Bearbeiter und Talent-Manager.

WF: Lass uns zur J.O.B Squad kommen. Das war eine Gruppierung mit Dir, Duane Gill (Gillberg), dem Blue Meanie und 2 Cold Scorpio. Wer hatte die Idee die J.O.B. Squad zu gründen und wie denkst Du darüber heute?

AS: Die J.O.B. Squad startete als ein Witz in der WWE und als ich dann zur ECW ging, erlebte ich ein Leben mit all seinen Eigenheiten im Lockerroom. Das hat so starke Einkerbungen gehabt, dass Vince Russo darauf bestand dies in der WWE zu nutzen. Es gab keinen Grund für die J.O.B. Squad, es war auch keine Gruppe der Verlierer oder die, die eigentlich welche sein sollten. Es war nur eine Erinnerung an all die Talente, dass sie nicht wirklich gewinnen, sondern ich nur dafür bezahlt werde, damit sie es schaffen.

WF: Ich habe vor Kurzem ein Interview mit Duane Gill gehabt. Er war nicht allzu gut zu sprechen auf Vince McMahon. Was denkt sich Allen Savern über den WWE-Boss?

AS: Ich habe nichts als Respekt vor Vince McMahon und ich schätze die Chancen, die er mir während der 13 Jahre WWE gab sehr. Ich wünschte ich hätte damals soviel gewusst wie heute, dann hätte ich diese Chancen besser nutzen können.

WF: Was sind Deine Erinnerungen der „Attitude Ära“? Kannst Du uns eine lustige Geschichte erzählen?

AS: An einem Abend in Tacoma, Washington während eines Matches zwischen dem Blue Meanie und Goldust passierte etwas. Goldust hat den Blue Meanie in die Ringecke gesetzt für seinen „Shattered Dreams“-Tritt genau in die Kronjuwelen und spreizte die dicken Oberschenkel des Meanies weit genug auseinander. Plötzlich guckten Meanies Hoden aus seiner eh schon viel zu kurzen Boxer-Short heraus. Diese Show wurde weltweit im Fernsehen ausgestrahlt.

WF: Während deiner langen Geschäftsbeziehung mit der WWE arbeitetest du als Wrestler und Trainer bei Tough Enough sowie OVW. Und du hast einen sehr guten Job als TV Kommentator gemacht. War es eine Herausforderung all diese Dinge zu machen? Und was hast du davon am liebsten gemacht?

AS: Während meiner Zeit bei der WWE war ich froh über die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten. Ich glaube das was mich am meisten herausforderte war das kommentieren. Es ist weitaus schwieriger als man sich vorstellt und ich glaube es ist ein Beleg wie talentiert sie sind, wenn sie es so einfach aussehen lassen.

Um ehrlich zu sein, ich genoss jeden einzelnen Job in der WWE.

WF: Was denkst du über die „Tough Enough“ Idee? Ist es möglich ein Talent in dieser kurzen Zeit zu entwickeln?

AS: Es ist möglich und genau das versuchte ich während Tough Enough und es gab ihnen (den Talenten) eine starke Basis, die sie vorbereitete vor einem Publikum mit einem erfahreneren Worker zu performen. Das war der Weg, den ich ging, als ich vor fast 27 Jahren in das Business kam und sogar davor. Der Weg, wie du die Kunst des Pro Wrestling lernst, ist es vor dem Publikum zu tun.

WF: Kannst du uns erklären warum du gefeuert wurdest? Ich bin sicher du hättest viele andere Dinge machen können (innerhalb der Company).

AS: Die WWE verlegte die Talente nach Tampa, Florida. Eine Verlegung, die sie schon eine ganze Weile plante, und als sie es tat, hatte sie genug andere Trainer vor Ort, so das wir uns voneinander trennten.

WF: Nun, nach deiner WWE Kariere, in der du viele Titel wie den European, Tag Team und 6-mal den Hardcore Titel hieltest, bist du zufrieden mit deinen Independent Bookings?

AS: Nun ich würde immer lieber mehr arbeiten, da ich es (das Wrestling, Anm. der Red.) immer noch absolut liebe. Aber ich muss sagen, dass ich sehr beschäftigt bin und eine großartige Zeit habe, wo immer ich auch bin.

WF: Vor kurzem hattest du einige Auftritte in Deutschland. Wie gefiel es dir und was sagst du zu „Hates F`N Birthday“ Show?

AS: Ich liebte die Fans bei der Show und die Atmosphäre war phantastisch. Das war der einzige Ort an dem ich war, bei dem die Fans direkt am Ring waren. Es war eine großartige Nacht. Und Hate war total professionell.

WF: Kannst du uns sagen was du von Ultra Violent Matches hältst?

AS: Gewalt ist nicht in dem was du tust, sondern in dem Grund warum du es tust. Ich denke, einige der Matches versuchen so hart, einfach zu schocken, dass sie das vergessen

WF: Was würdest du gerne noch in deiner Karriere erreichen?

AS: Ich möchte eine Armee böser Kleinwüchsigen unter meinem Kommando 😉

WF: Allen, viele deiner früheren ECW und WWE Kollegen starben durch ihren Lifestyle viel zu früh. Was denkst du persönlich über die WWE Wellness Policy?

AS: Ich glaube, dass die WP hilft, die zu beschützen, die es, aus welchen Gründen auch immer, selbst nicht können.

WF: Wenn du zwischen einem TNA und WWE Vertrag wählen könntest, welche Company würdest du wählen und warum?

AS: Mein Herz ist immer bei der WWE, aber ich würde TNA nicht verachten. Betrachte es so: Ich bin wie jeder andere Wrestler. Ich bin eine Hure. lol

WF: Wir bedanken uns für dieses Interview und hoffen dich schon bald wieder zu sehen.

AS: Ich hoffe bald wieder in Deutschland zu arbeiten. Ciao.

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