WrestlingFever Interview: Andreas Kraniotakes (19.04.2013)

AndreasKraniotakesMit Andreas Kraniotakes haben wir einen weiteren Top MMA Fighter für ein Interview gewinnen können. Er gehört zu den TOP 5 im deutschsprachigen Raum. „Big Daddy“ erzählt offen über Familie, Vor- und Nachteile, Schmiedeberg, TV Auftritte, warum er sich als „Spielkind“ sieht, warum er jemanden in die Mülltonne stecken musste, sowie vieles mehr…im exklusiven WF Interview!

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WF: Zuerst einmal vielen Dank für Deine Zeit, wir hoffen Dir geht es soweit gut?

Andreas: Mir geht es großartig! Herzlichen Dank!

WF: Die MMA Szene in Deutschland scheint immer mehr zu wachsen, es gibt inzwischen viele Organisationen die veranstalten und zahlreiche Kämpfer & Trainingslager. Warum denkst Du fehlt es an Akzeptanz dieses Sports in Deutschland?

Andreas: So profan es klingt liegt es meiner Meinung nach an der fehlenden Präsents im Fernsehen. Man merkt den Unterschied zwischen der Zeit in der die UFC noch im Deutschen Sport Fernsehen lief und der Zeit danach. Die Menschen lassen sich vom Fernsehen beeinflussen und unsere Gegner verstehen es dieses Medium zu nutzen und uns davon fern zu halten.

WF: Wie reagiert die Familie, wenn man(n) sagt, „ich versuche mich ab sofort im MMA“?

Andreas: Zunächst einmal machen sie sich Gedanken. Was ist das was er da machen will? Ist das gefährlich? Wieso will er nicht ein „normales“ Leben führen? Aber am Ende, wenn sie verstehen dass es einen glücklich macht und dass man dadurch seinen Traum leben kann, dann unterstützen sie einen. Nicht alle natürlich auf die selbe Art und Weise, aber ohne die Unterstützung meiner Familie wäre ich heute nicht wo ich bin.

WF: „BIG Daddy“, wie entstand dieser Beiname – ist er „nur“ auf deine Körpergröße (191 cm) zurück zu führen oder hat der Name „Daddy“ eine noch tiefere Bedeutung?

Andreas: Es war eigentlich schon immer so, dass ich auf alle aufgepasst habe. Ich habe meine Jungs von größeren Dummheiten versucht zurück zu halten wo ich konnte, habe sie immer sicher nach Hause gebracht nach einer langen Disko-Nacht usw. Der Name entstand also unabhängig vom Kämpfen und hat sich später dann auch als Kampfname angeboten.

WF: Hast Du aufgrund Deiner Größe gewisse Nachteile in diesem Sport?

Andreas: Sie bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Die langen Arme und Beine helfen einem beispielsweise im Stand weil man eine größere Reichweite hat. Am Boden sind sie aber eher nachteilig, weil man einen ungünstigeren Hebel hat bei Aufgabegriffen.

WF: Eigentlich bist du erst seit 2009 als „Profi“ zu sehen, sehe ich das richtig?

Andreas: Ja genau. In diesem Jahr habe ich meinen Abschluss an der Uni gemacht und seitdem konzentriere ich mich und mein Leben auf den Sport. Vorher habe ich zwar unter Profi-Regelwerk gekämpft, aber hatte noch nicht den Alltag eines Profis.

WF: Du hast zuvor (ich glaube die ersten 2 Kämpfe) noch „ohne Regeln“ gekämpft. Waren das „seriöse Events“ oder eher Kämpfe über die Du heute lieber den „Mantel des Schweigens“ deckst?

Andreas: Ich habe gewonnen. Mehr will ich an dieser Stelle nicht unbedingt sagen. Außer dass es ziemlich aufregend war und ich froh bin, dass es heute so gute Events gibt bei denen man kämpfen kann.

WF: Wie lange dauerte der Lernprozess, wie hart ist dieser im Vergleich zu anderen Ländern?

Andreas: Der Lernprozess hat nie aufgehört. Nicht nur der Sport, sondern auch das Business dass ihn umgibt ist so komplex, dass man eigentlich gar nicht auslernen kann. Meiner Einschätzung nach ist es in anderen Ländern wie z.B. den USA wesentlich einfacher an die notwendigen Informationen und erfahrene Trainer und Trainingspartner zu kommen. Hierzulande ist es jedoch einfacher Aufmerksamkeit zu erlangen in der nationalen Szene. Wir sind noch kleiner und das bringt Vor- und Nachteile mit sich.

WF: Was wurde aus dem Konzept „Big Daddy 2.0“?

Andreas: Ich würde sagen Big Daddy 2.0 wandelt unter uns. Ich arbeite weiter an mir und denke, dass ich sogar schon bei 2.3.1 bin und hoffentlich bald den Sprung auf die nächste Version zu schaffen. Wie bereits gesagt: der Lernprozess hört niemals auf.

WF: Konntest Du auch im Ausland Erfahrungen sammeln. Wir wissen von Deinem USA Aufenthalt…

Andreas: Ich habe schon in vielen Ländern trainiert. USA, Holland, Schweden, Rumänien um nur ein paar zu nennen. Überall kann man Erfahrungen sammeln und Menschen kennen lernen. Diese Erfahrungen sind der eigentliche Lohn für die Mühen und das eigentlich süße an diesem Job. Ich würde sie nie missen wollen.

WF: Sicherlich haben sich früher nicht selten berufliche Verpflichtungen mit dem Sport überschnitten, oder? Wie hast Du das gelöst?

Andreas: Tja, nicht immer ganz zu meiner Zufriedenheit. Ich musste feststellen, dass der Vorsatz 50% Sport und 50% etwas anderes zu tun für mich immer wieder darin endet, dass man nichts von beidem zufriedenstellend erledigen kann.

WF: Das bringt uns auch zu den diversen TV Auftritten. Hier scheint man bewusst immer die gleichen Athleten einzuladen, wie eben Dich. Wie kannst Du Dir das erklären?

Andreas: Zum einen natürlich dadurch, dass auch die Fernsehlandschaft bestimmten Regeln folgt. Eine dieser Regeln heißt: Wer kennt wen? Wenn man ein Mal „bekannt“ ist bei den Fernsehmachern ist es einfacher das nächste Mal eingeladen zu werden. Zum anderen ist es auch nicht jedermanns Sache vor der Kamera zu reden. Ich persönlich freue mich jedes Mal, wenn ich unseren wunderbaren Sport repräsentieren darf.

WF: Du bist aber auch jemand, der die Menschen gerne aufklärt, versucht den Sport näher zu bringen, oder?

Andreas: Das ist einer meiner Hauptbeweggründe gewesen, warum ich mit diesem Sport angefangen habe. Ich sehe so viel Potential darin Menschen positiv zu beeinflussen und ihnen bei ihrer Entwicklung zu helfen. Daher möchte ich mich natürlich auch für diese gute Sache einsetzen.

WF: Wie erklärst Du einem Interessierten den MMA Sport, die sich bisher keinen Eindruck davon machen konnten?

Andreas: Ich sage ihnen, dass wir alle Kampfsportarten kombinieren und dass wir aufgrund von verschiedenen Umständen nur verstanden werden können, wenn man den Sport ein wenig versteht. Dann lade ich sie ein ihnen die Dinge zu erklären, die sie nicht verstehen…

WF: Viele Fans freuten sich auf den zweiten Kampf mit Dir und Björn Schmiedeberg, der beim letzten Fight verlor bzw. dieser Fight als DRAW gewertet wurde?! Jetzt steht es praktisch 1:1 bzw. 1:0 für Schmiedeberg – Könntest Du Dir persönlich ein Drittes aufeinander treffen vorstellen?

Andreas: Ehrlich gesagt derzeit nicht. Man soll zwar niemals nie sagen, aber ich hatte schon auf das zweite Aufeinandertreffen keine Lust. Vielleicht lag es daran, dass der zweite Kampf nicht das gehalten hat, was sich viele Leute davon versprochen haben. Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Kampf mich weiter nach vorne bringt und deshalb halte ich es für mehr unwahrscheinlich.

WF: Videospiele sind gern gesehen, schön ist es wenn man sich selbst spielen kann. Wie kommt so was zustande, welches Mitspracherecht hattest Du und wer ist Dein Lieblingsgegner?

Andreas: Wenn ich viel Mitspracherecht gehabt hätte, dann könnte mein Charakter bestimmt wenigstens grundlegende Dinge wie z.B. einen High-Kick oder eine Armbar aus der Guard. Aber Spaß bei Seite, ich habe mich sehr geehrt gefühlt dabei sein zu dürfen. Es war ein Traum der in Erfüllung ging und ich war selbst total überrascht, dass ich mit dabei sein durfte. Sie haben mich einfach angerufen und schon war ich dabei.

WF: Bist Du jemand der gerne spielt? Welche Favoriten (Games) hast Du denn?

Andreas: Ich bin ein echtes Spielkind. Vor allem während Fight-Camps mache ich das gerne um zwischen den Trainingseinheiten abzuschalten. Zumeist spiele ich rundenbasierte Strategiespiele oder auch Rollenspiele. Ach, eigentlich liebe ich alles was mit spielen zu tun hat!

WF: Kam es schon vor, dass man sich auch außerhalb des Käfigs mit Dir messen wollte?

Andreas: Ich habe ja eine zehn-jährige Karriere als Türsteher und Sicherheitskraft hinter mir und in dieser Zeit passierte das natürlich schon häufiger. Ich bin allerdings froh und auch ein wenig stolz darauf, dass ich es im Rahmen meiner Arbeit nie zum Äußersten kommen lassen musste. Ein Mal habe ich aber jemanden in eine Mülltonne gesteckt, weil er meine Mutter beleidigt hat. Jeder hat seine Grenzen…

WF: Gibt es inzwischen Kontakt zum „MMA Himmel“ UFC, wäre eine Verpflichtung aktuell noch in Deinem Sinne?

Andreas: Die Verpflichtung wäre natürlich in meinem Sinne. Kontakt gibt es auch. Sie kennen mich und behalten mich im Auge. Die Verpflichtung hängt jedoch von so vielen Faktoren ab. Einige kann ich beeinflussen, andere wiederum nicht. Wir werden sehen was die Zukunft bringt. Wenn es sein soll, dann wird es passieren.

WF: Nenn mir zuletzt bitte noch Fighter die Dich beeindrucken konnten und evtl. auch so was wie Wunschgegner?!

Andreas: Beeindruckt bin ich insbesondere von Leuten aus meiner Gewichtsklasse Cain Velasquez ist ein unglaublicher Athlet, Junior Dos Santos beeindruckt durch seine sportsmännische Art und Alistair Overeem durch seine Power. Darüber hinaus bin ich (wie wohl jeder da draußen) immer wieder beeindruckt wie Anderson Silva sich durch den Cage bewegt als wäre er Neo in der Matrix. Mein Lieblingsfighter ist jedoch Benson Henderson. Ich mag seinen Kampfstil und die Tatsache, dass er immer freundlich und bodenständig ist.

WF: Wo können Sich die Fans am besten über Dich informieren?

Andreas: Natürlich bietet sich meine Homepage www.kraniotakesmma.com dafür an, die übrigens in einem Monat komplett überholt und mit neuem Design und neuen Features an den Start geht. Aber natürlich können sich auch alle über Facebook und Twitter (@bdkraniotakes) mit mir verbinden.

WF: Wir freuen uns, dass Du Dir so kurzfristig Zeit genommen hast und gratulieren zur Hochzeit!

Andreas: Danke sehr. Ich freue mich, dass Ihr Interesse an mir habt. Grüße an all meine Fans da draußen.

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