WrestlingFever Interview: Farmer Joe (01.06.2012)

farmerjoeInzwischen steigt „Farmer Joe“ schon fast 10 Jahre in den Ring. Wenn er die Halle betritt, rufen die Fans aller Altersklassen „Kühe, Schweine, Farmer Joe“ und freuen sich den sympathischen Wrestler zu sehen. Auch wenn er meist verliert ist Joe ganz klar der Publikumsfavorit. Für WrestlingFever.de hat er offen darüber gesprochen wie es ist „Jobber“ zu sein. Auch erzählt er über seine Anfänge bei ACW, wichtige Freunde, lustige Geschichten u.v.m

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WF: Hallo „Farmer Joe“, schön dass auch Du uns ein Exklusivinterview gibst!

Joe: Hallo und vielen Dank, freue mich Euer Gast zu sein!

WF: Im Vorgespräch hast Du uns bereits verraten warum Du Dich „Joe“ nennst. Bitte erkläre doch den Lesern wie aus „Ralf“ denn „Joe“ wurde und warum du gerade den Farmer verkörperst.

Joe: Wie wurde aus Ralf “ Joe“? Ganz einfach. Mein vollständiger Name ist Ralf Johannes. Da sich aber Farmer Johannes nicht so toll angehört hat hab ich es etwas gekürzt und „verenglisht“. Dann wurde aus Johannes „Joe“. Das Farmer Gimmick kam zustande da ich teilweise wirklich so bin. Also lustig, dusselig, lasse kein Fettnäpfchen aus aber du kannst mit mir auch Pferde stehlen gehen, oder auch Äpfel.

WF: Gab es denn noch andere Optionen bzw. Charaktere, die für Dich in Frage gekommen wären?

Joe: Nein. Der “ Farmer“ Charakter hat am besten zu mir gepasst.

WF: Die Fans kennen Farmer Joe als lustigen, freundlichen Gesellen, der ihnen vor seinen Kämpfen gerne mal Äpfel schenkt. Gibt es eine Geschichte zu diesen Äpfeln? Ich meine, dass Du diese am Anfang Deiner Karriere nicht verteilt hast?

Joe: Eigentlich gibt es da keine Geschichte dahinter. Ich habe eines Tages vor einer Show die Idee gehabt ich könnte doch Geschenke verteilen um Stimmung zu machen. Als Geschenk kamen dann nur Äpfel in Frage, wer will schon Kartoffen oder ähnliches zugeworfen bekommen?

WF: Dein Charakter ist eher für die jüngeren Fans, die Comedy Schiene ausgelegt, kann man schon so sagen?

Joe: Ja das stimmt.

WF: Juckt es Dich nicht auch mal, einen bösen Charakter zu spielen, gab es in diese Richtung schon mal Überlegungen oder Auftritte deinerseits?

Joe: Generell würde es mich schon reizen ein Böser zu sein. Das einzige Problem ist aber, dass ich ein „viel zu liebes Gesicht“ habe. Es würde keiner glauben dass ich Böse bin. Ich arbeite aber daran. Zwei Auftritte als Böser hatte ich übrigens, einmal bei der ACW und einmal in Österreich.

WF: Würdest Du gerne mal eine ernstere Rolle verkörpern. Man sieht dich ja wie vorher erwähnt eher als lustigen Jobber, ohne es böse zu meinen…

Mein Ziel ist den „Farmer“ mehr aus zu bauen. Das er zwar ein lustiger Zeitgenosse ist wenn es aber sein muß auch draufhauen kann.

WF: Deine Wurzeln liegen bei der ACW, zumindest hast Du dort auch deine ersten ringerischen Erfahrungen gesammelt. Wie erinnerst Du Dich an diese Zeit. Viele sehen die ACW eher sehr skeptisch…

Joe: In der Zeit hab ich viel gelernt. Positiv und auch Negativ. Zur damaligen Zeit ist dort viel schief gelaufen. Ich hab aber auch viele Freundschaften geschlossen die bis heute halten.

Negativ war: Es wurde uns eingetrichtert das es außer der ACW keine gute Wrestling Liga gibt. Die ACW ist das ein und alles. Als dann ein paar Jungs über den ACW Tellerrand geschaut haben wurden diese bestraft und absichtlich gegen sie (unsave) gearbeitet. So verpasste man mir beispielsweise ein blaues Auge. Auch wurde mir verboten woanders aufzutreten.

Aber über die ACW habe ich auch die ersten Kontakte knüpfen können. Z.B.: habe ich Karsten Kretschmer kennen gelernt. Bei ihm hab ich dann auch ein zweimal trainiert. Das erste Auslandsbooking bekam ich auch über die ACW.

WF: Also hat man Dich doch wo anders auftreten lassen?

Joe: Ja, man hat mir verboten woanders aufzutreten um später ein Auslandsbooking über die ACW zu bekommen. Das war von der ACW auch clever gemacht. Die ACW schickt Wrestler gratis zur Auslands Show, damit später dann Wrestler der anderen Liga umsonst kamen.

WF: Du wurdest also absichtlich verletzt?

Joe: Ja. Das war bei einer „Promo Show“ in Weinheim. Am gleichen Tag hatte die GSW in Mannheim veranstaltet.

WF: Nach der Zeit bei ACW hast Du dann die Möglichkeit gehabt mit echten Pro Wrestlern mit Erfahrung zu trainieren. Erzähle doch bitte darüber, über Unterscheide zu dem anfänglichem Training und später auch einem mit beispielsweise Bad Bones.

Joe: Die Unterschiede beim Profi Training wie ich es beispielsweise mit Bad Bones hatte liegen allein schon bei der Disziplin im Training. Bei der ACW war es meistens so, dass zum Training nicht alle oder zu spät kamen. Viele waren zwar da, haben aber nicht trainiert. Wenn du dann wirklich was üben wolltest musstest du dir meistens jemanden suchen und mit suchen meine ich betteln, das jemand mit dir übt. Das hast du im Profi Training nicht. Unter anderem lernt man im Profi Training auch mehr über Match Psychologie (was bei der ACW nicht der Fall war).

WF: Erzähle uns bitte über Dein Training mit Bones. Wie habt ihr zueinander gefunden, wie gestaltet sich so ein Training?

Joe: Wie die meisten ja wissen haben Bones und ich uns in der ACW kennen gelernt. Wir sind gute Freunde geworden. Sein Training ist sehr hart und anstrengend aber auch sehr lehrreich. Er zeigt dir wo deine Grenzen sind und an was du noch arbeiten musst. Meistens macht du beim aufwärmen mehrere Rollen, Kniebeugen und Liegestütze. Also alles für die Kondition. Danach dann das eigentliche Training, versch. Aktionen und den Matchaufbau, In Ring Psychologie. Es ist wichtig zu wissen wie ich ein Match aufbaue, warum ich best. Aktionen zu einer best. Zeit mache und auch wie ich Pops oder Heat erzielen kann.

WF: Du bist sicherlich über diverse TV Ausstrahlungen zum Wrestling gekommen. gab es für Dich einen best. Moment, an den Du Dich erinnern kannst? Eine best. Situation wo Du für Dich beschlossen hattest: „Das will ich auch tun?!“

Joe: Es gibt einige dieser Momente. Aber um ehrlich zu sein hat mich keiner der Momente zum Wrestling gebracht. Ich hatte mir ja Wrestling im TV immer wieder gerne angeschaut. Mal mehr und mal weniger. Als ich dann mit meiner Lehre angefangen hab gab es eine Arbeitskollegin deren Bruder bei der ACW gewrestlet hat. Meine Kollegen und ich waren dann bei ein paar Shows. Irgendwann kam mir dann in den Sinn „Hey das kann ich auch!“. Also bin ich mit meinem besten Kumpel zum Training. Für ihn war es nichts aber ich hatte Blut geleckt – seitdem bin ich dabei.

WF: Inzwischen hast Du schon bei einigen Shows Matches bestritten und sicherlich auch die ein oder andere Legende getroffen…

Joe: Es gibt einige Geschichten, die meisten kann ich aber nicht erzählen. Aber diese hier: Bei einer Show in Frankreich war auch Raven zu Gast. Und der Veranstalter fragte, ob ich Raven nach Frankfurt fahren kann. Da ich selber mitgenommen wurde mussten wir erst mal zu meinem Auto gebracht werden. Das Auto in dem wir mitgenommen wurden war sehr klein so das Ravens Koffer auf die Rückbank platziert werden mussten, wo ich saß. Irgendwann fragte ich ihn ob es ok ist, wenn ich mich an seinen Koffer lege. Er meinte, es sei ok und sein Koffer und ich sollen Freunde werden. Also hatte ich seinen Koffer „Fritz“ getauft. An diese Geschichte kann er sich auch noch erinnern und erzählt sie selbst gerne mal. Ist jetzt zwar nicht so interessant aber eine nette Anekdote die man erzählen kann.

Bryan Danielson (Daniel Bryan) und ich hatten während der Trainingsseminare jeden Abend eine Essens-Challenge abgehalten. Leider hat er mich an einem Abend besiegt. Ach ja: Ric Flair traf ich zufällig in North Carolina auf einem Straßenfest. Er hatte dort seine Flair Lotterie beworben.

WF: Im Mai 2012 hattest du bei GWP Spring Xplosion einen Gegner namens Don Roid. Sicherlich war dies ein Highlight des Abends. Comedy Einlagen mit gutem Wrestling verbunden. Welche Erinnerungen hast Du an dieses Match, Don Roid?

Joe: Das Match hab ich sehr positiv in Erinnerung. Es war ein reines Comedy Match. Ich durfte während dem Match noch gegen unseren Ringrichter Tas antreten. Die Harmonie zwischen Don und mir hat gepasst. Und ich denke den Fans hat es auch gefallen.

WF: Am 13. Oktober 2012 wird die nächste GWP Show in Roth sein, bist Du dabei?

Joe: „Man muss immer und überall mit mir rechnen!“ 😉

WF: Jeder hat den Traum, einmal gegen seinen Lehrer anzutreten. Du hast Dies bereits mehrmals getan, beispielsweise bei GSW. Welche Erinnerungen nimmst Du aus einem Match mit Bones mit und was fällt Dir zum Thema GSW ein?

Joe: Ich würde mir wünschen dass das nächste Match gegen Bones ein bisschen länger wird. Aus jedem Match das wir hatten, auch wenn es kurz war, hab ich immer viel gelernt. Das die GSW weiter geführt wird, ist ein guter Schritt. Denn die Zielgruppe für das Konzept der GSW ist da, diese ist eine Erweiterung und einzigartig.

WF: Du bist inzwischen ein paar mal in die Staaten gereist um WWE und TNA live zu sehen. Wrestlemania sowie IMPACT waren eine Station. Berichte uns bitte von Deinen Eindrücken & Unterschieden.

Joe: Wrestlemania in diesem Jahr live zu sehen war einfach unglaublich. Die Atmosphäre und alles rund herum ist einfach unbeschreiblich. Hier traf ich unter anderem auf Ted Di Biase, Justin Gabriel, Jim Duggan, Antonio Cesaro, Daniel Bryan und Kassius Ohno (Chris Hero).

Auch bei den TNA Impact war es für mich sehr interessant. Wie die Tapings dort ablaufen ist wirklich beeindruckend – anders als hier in Deutschland. Es wurde jedes Segment einzeln gedreht und das Publikum wurde bei jedem Dreh aufgefordert laut zu sein. War schön es mal gesehen zu haben.

WF: Welche Ziele hast Du Dir gesteckt, wie lange möchtest Du in den Ring steigen?

Joe: Am liebsten würde ich öfter wrestlen. Also „Full Time“ wäre cool. Ich möchte so lange im Ring stehen wie ich nur kann.

WF: Leider kannst Du, wie fast alle Deutschen Wrestler nicht davon leben. Was macht Farmer Joe beruflich außerhalb des Rings?

Joe: Ich Arbeite als Fachverkäufer für Wurst und Fleischwaren bin aber gelernter Metzger.

WF: Du stehst nun bald 10 Jahre im Ring. Wenn Du zurück blickst, an was erinnerst Du Dich am liebsten? Was wirst Du nie vergessen?

Joe: Da ist zum einen eine Battle Royal der ACW mit Jerry Lynn die sehr viel Spaß gemacht hat. Das Tag Team Match bei der wXw mit Ares. Die Freundschaft zu Bad Bones. Da ist noch so viel mehr was ich nie missen möchte und gar nicht alles aufzählen kann. Die ganzen 10 Jahre waren bisher eine unvergessene Zeit.

WF: Auch Dich möchten wir nach einer Roadstory fragen, kannst Du uns eine erzählen

Joe: Bad Bones, Genosse Boris, Jörg Guth und ich waren auf dem Weg nach Österreich zu einer Show. Wir mussten durch viele Tunnel fahren. Jörg ist zu dem Zeitpunkt gefahren und wir kamen zum Tunnel Ausgang. Die Sonne hat geschienen und uns geblendet. Plötzlich hörten wir das klackern der Fahrbahnbegrenzung und Jörg meinte „Oh, ok dann fahr ich mal weiter links“. Wir kamen aus dem Tunnel raus und hören auf einmal das Hupen eines LKWs. Dann haben wir gemerkt, dass wir nicht zu weit rechts waren, sondern zu weit links auf der falschen Fahrbahn. Das hat uns allen einen ordentlichen Schrecken eingejagt.

WF: Kann man sagen dass Du mit deinem Job als „Jobber“ (und das meine ich nicht abwertend) im Grunde sehr zufrieden bist?

Joe: Ja, denn wie die WWE schon gezeigt hat brauchst du auch „Jobber“ um die anderen gut da stehen zu lassen. Und auch ein „Jobber“ kann eines Tages Champion werden.

WF: Und ein „Jobber“ kann ein absoluter Publikumsliebling sein, wenn er Farmer Joe heißt! Wir danken für dieses Exklusivinterview und können nur bestätigen, dass Du zu den wohl ehrlichen und vor allem lustigsten Genossen im Business zählst!

Joe: Vielen dank. Hat sehr viel Spaß gemacht. Ja, du bekommst beim nächsten mal einen Apfel 😀

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