Miguel Ramirez im WrestlingFever.de Interview (15.11.2012)

Das man für großartiges Wrestling keine zwei Meter groß sein muss, beweist der Mexikaner „Miguel Ramirez“. Aber trotzdem ist er nicht der typische „Luchador“, also ein typischer Highflyer – auch wenn man bei seinem Look und seiner Größe davon ausgeht. Er beherrscht das Mat-Wrestling genauso wie einige MMA Elemente oder den Lucha Libre Style. WF stellt Euch das Talent vor – Exklusiv!

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WF: Hallo Miguel, wir freuen uns, dass es so schnell geklappt hat. Wie geht es Dir aktuell?

Ramirez: Hallo Markus, die Freude ist ganz meinerseits! Mir geht es im Moment gut, danke! Hoffe bei dir ist auch alles okay?

WF: Danke! Aufgefallen bist Du uns in diesem Jahr bei NEW (gegen Tommy Blue Eyes). Dort hattest Du ein wirklich ansehnliches Match hingelegt. Wie wir erfahren haben bist Du auch erst seit diesem Jahr aktiv. Dein Debüt hattest Du aber in England gefeiert. Wie erinnerst Du Dich daran und warst Du mit dem Kampf zufrieden?

Ramirez: Ja, richtig! Mein Debütmatch fand in England statt, für die Promotion der Knight Dynasty WAW – World Association of Wrestling. Es war ein 6 Way Dance. Unter meinen Gegner befanden sich einige im Vereinigten Königreich bekannte Wrestler wie Scott Fusion, Solomon und TJ Daniels, Sam Knee und „Milky“ O’Hagan. Logischerweise war ich vor dem Match sehr aufgeregt. Gerade das britische Publikum ist in Sachen Technik nur das Feinste gewöhnt, und hat somit sehr große Erwartungen. Das Match verlief gut, und ich habe mich wacker geschlagen.

WF: Du hast Verwandte in Österreich und die Chance genutzt um dort mit Trainern wie Michael Kovac, Damon Brix und Chris Colen zu arbeiten. Erzähle uns bitte davon…

Ramirez: Ich fange gleich mal mit Michael Kovac an. Bei ihm habe ich an mehreren Seminaren im Powerplexx in Wien, so wie dann auch im Powerplexx St. Valentin teilgenommen. Das Training an sich war sehr lehrreich, vorrangig auf die wichtigsten Dinge, nämlich die Basics, konzentriert. Kovac ist meiner Meinung nach ein sehr guter Trainer, er beherrscht es das Training wenn es nötig ist sehr streng zu gestalten, und kann dann mit einem Witz die Stimmung wieder sehr schnell auflockern.

Damon Brix hat sich in den Trainings die wir hatten sehr auf meinen In-Ring-Stil konzentriert. Ich habe von ihm viel in Sachen Highflying und Technik gelernt, und wie ich meine Highflying-Aktionen richtig einbringe. Damon Brix kann seine Message sehr gut rüber bringen, und das Training ist immer eine Menge Spaß!

Mit Chris Colen habe ich wohl mit Abstand am meisten trainiert. Von ihm lernte ich sehr viele Dinge abseits des Rings, die meine Persönlichkeit und meine Mentalität zu unserem Sport prägten. Durch viele Trainings zu zweit und stundenlange Unterhaltungen hat mich das Training mit Chris als Person weitergebracht und mir geholfen den Sport und die Psychologie dahinter besser zu verstehen.

Generell muss ich sagen dass ich von jedem der Drei extrem viel gelernt habe. Ich habe sehr viel Respekt vor ihnen und bin wirklich dankbar für das, was sie mir beigebracht haben.

WF: Was bewegt einen Typen wie dich, Pro Wrestler zu werden? Da Du eher „klein“ bist gab es bestimmt viele Zweifler?!

Ramirez: Es mag zwar etwas kitschig klingen, aber als ich das erste Mal Wrestling im Fernsehen sah, drehte ich mich nach einigen Minuten zu meinem Vater und sagte ihm: „Wenn ich groß bin, will ich das auch machen!“. Nun, der Größte bin ich immer noch nicht, aber mittlerweile arbeite ich täglich hart dafür mir meinen Traum eines Tages zu realisieren. Zum Thema Zweifler. Natürlich gibt es die, gerade bei meiner Größe, wie Sand am Meer. Doch diese Leute störten mich nie auch nur im Geringsten. Ich sage immer zu mir selbst: Ich lass mich nicht von anderen Leuten aufhalten, denn ich hab alles selbst in der Hand Ich mache den Sport für niemand anderen. Solche Personen sind manchmal sogar gut, und können für einen Extra Motivationsschub sorgen. Natürlich ist es dann ein nettes Gefühl irgendwann mal sagen zu können: „Und trotzdem hab ich es gepackt.“

WF: Deine Größe ist für Deinen Stil sicherlich von Vorteil. Wie würdest Du den Fans, die dich nicht kennen, Deinen Stil beschreiben?

Ramirez: Ich versuche mit meinem Stil etwas ganz Eigenes zu entwickeln. Ich will nicht als 0815-Highflyer abgestempelt werden. Ich versuche Highflying- und Lucha Libre-Elemente, britische Mat-Wrestlingtechniken und World of Sports-Elemente sowie Martial-Arts-Aktionen (vorallem Kicks) zu einem Stil zusammen zu führen, den man nicht alle Tage finden kann. Meiner Meinung nach ist es in der heutigen Zeit sehr wichtig aus der Menge herauszustechen.

WF: Da Du noch sehr jung bist, frage ich natürlich auch, wie Deine Eltern die Begeisterung für diesen Sport sehen?

Ramirez: Anfangs waren sie, wie soll es bei Eltern auch anders sein, sehr skeptisch. Sie machten sich Sorgen um mich, sahen keine Zukunft in dem Sport. Doch als sie nach und nach sahen wie sehr ich mein Ziel erreichen will und wie hart ich daran arbeite, fingen sie langsam an mich zu unterstützen und an mich zu glauben. Ich will an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Eltern aussprechen, ohne deren Unterstützung (sei es finanziell oder anderweitig) wäre ich wohl gar nicht mehr in diesem Sport.

WF: Haben sie dich schon live kämpfen sehen?

Ramirez: Ja, schon einige Male. Bis jetzt schauten sie immer mit einigen weiteren Verwandten von mir zu. Meine Mutter macht sich immer noch Sorgen und zuckt vor Schreck zusammen wenn ich hart auf die Matte pralle, mein Vater ist mittlerweile sogar schon ein Wrestlingfan geworden. Manchmal will er mich etwas ärgern und behauptet, wenn er in den Ring steigen würde, dann könnte ich einpacken.

WF: Sind es denn auch die Luchadors die Dir als Vorbilder dienen oder hast Du auch anderen Favoriten?

Ramirez: Mein größtes Idol ist Eddie Guerrero. Obwohl ich nie die Möglichkeit hatte ihn live zu treffen, hat mich dieser Mann sehr beeinflusst, und war wohl ausschlaggebend dass ich dann schlussendlich einen Fuß in dieses Geschäft gesetzt habe. Die Luchadors bewundere ich vor allem wegen der Eleganz mit der sie ihre Manöver ausführen. Ein weiterer Favorit wäre Johnny Saint. Dieser Mann ist einfach ein Genie im Ring und gerade seine Kreativität fasziniert mich immer wieder.

WF: Neben der NEW hat man Dich 2012 auch bei GWP (gegen Blaze) im Ring sehen können. Wie hat Dir dieses Match gefallen? Bist Du sehr kritisch, auch Dir gegenüber?

Ramirez: Nun, mit dem Match an sich war ich nur teils zufrieden. Es gibt immer Sachen die man besser machen hätte können. Generell bin ich sehr kritisch, vorallem mir gegenüber. Ich versuche ständig die Ratschläge von erfahrenen Leuten in unserem Business zu nützen und mich zu verbessern.

WF: Gibt es Unterschiede zwischen NEW und GWP?

Ramirez: Die Fans der NEW wirken auf mich eingefleischter, man merkt richtig dass sich dort mittlerweile eine eigene Fangemeinde gebildet hat, und die Atmosphäre ist super. Außerdem fiel mir auf dass das Publikum auch sehr gut auf Highflying-Aktionen und harte Kicks reagierte. Bei GWP wollen die Fans so gut wie möglich unterhalten werden, und die Atmosphäre ist meiner Meinung nach total anders. Ich bin sehr stolz für beide Ligen anzutreten, und jede ist für sich eine ganz eigene Herausforderung.

WF: Bei NEW wird man Dich am WE wieder im Ring sehen, kannst Du uns verraten, wer einer Dein Gegner sein wird?

Ramirez: Am Freitag, dem 16.11., werde ich laut NEW Gesellschafter Chris Flammersberger auf den EWA Middleweight Champion Dragan Okic treffen. Es wird das erste Mal sein dass ich mir den Ring mit dem Bosnian Hooligan teile, und ich freue mich schon sehr auf dieses Match! Was euch am Samstag erwartet, kann ich leider noch nicht sagen.

WF: Wie bist Du zu NEW/GWP gekommen?

Ramirez: Ich habe mich sozusagen beworben, und bestritt für beide Ligen Try-Out Matches. Logischerweise ist man vor solchen Chancen noch aufgeregter als sonst. Doch gerade dann gilt es sich zu beweisen und sich von seiner besten Seite zu präsentieren.

WF: Verfolgst Du auch MMA (wenn ja, welche Liga, welche Faves, Lieblingsfight)?

Ramirez: Nur sehr sporadisch. Wenn ich mal dazu komme, schau ich hauptsächlich Kämpfe von früheren Pro-Wrestlern die sich im MMA versuchen.

WF: Du hast inzwischen in Deutschland, Österreich und England gekämpft. Wie kam es dazu dass Du mehrere Wochen in England arbeiten konntest und wie hat es Dir da gefallen?

Ramirez: Ich wurde nach einigen Auftritten und Trainings von Ricky Knight und „Sweet“ Saraya Knight eingeladen den Sommer in England zu verbringen und dort die sogenannte „Camp Season“ zu arbeiten. Es war eine unglaubliche Erfahrung, und ich würde diese Erfahrung für nichts in der Welt eintauschen. Pro Woche wurden bis zu 9 Shows veranstaltet, und ich konnte durch das dauernde „on the road“ sein und regelmäßige Wrestling wirklich den Lebensstil fühlen. Außerdem hatte ich die Chance mit einigen großen Namen in den Ring zu steigen, und habe sehr viel gelernt. Ich bin sehr dankbar dass mir Ricky und Saraya Knight diese Chance gegeben haben.

WF: Sagt Dir die denn englische Küche zu?

Ramirez: Es wird dich wundern, aber mir sagt sie sehr gut zu. Alles, absolut alles was mir von Saraya Knight vorgesetzt wurde, war wunderbar. Das sind Gerichte gewesen die ein Tourist nie zu sehen bekommt. Und vor allem die riesigen Portionsgrößen ließen mein Herz höher schlagen.

WF: Du hast eigentlich bei den größten Talenten Österreichs trainiert, auch wenn Chris Raaber fehlt. Interessant finde ich Deine Teilnahme an versch. Seminaren. Robbie Brookside ist mir da sofort ins Auge gestochen. Wie erinnerst Du Dich an das Training und Robbie?

Ramirez: Chris Raaber fehlt, noch. Das Training mit Robbie war faszinierend. Ich konnte mir vor dem Training nicht vorstellen, dass es möglich ist in 3 Stunden so viel zu lernen. Robbie ist ein echt netter Kerl. Dieses Seminar war wohl eines der besten an denen ich bis jetzt teilgenommen habe

WF: Blickt man da (auch als Aktiver) ehrfürchtig auf?

Ramirez: Absolut! Es war mir eine Ehre von ihm zu lernen, wenn man bedenkt wie lange er schon im Geschäft ist, und mit welchen Namen er schon im Ring stand.

WF: Nicht zu vergessen auch Nigel McGuiness, den wir inzwischen auch aus TNA (Desmond Wolfe) kennen. Wie kam es zu diesem Seminar und was gibt Dir ein erfahrener Mann wie dieser mit?

Ramirez: Das Seminar fand vor seiner letzten wXw Show im Rahmen seiner Abschiedstour statt. Auch hier konnte ich sehr viel in Sachen British Wrestling lernen, und Nigel gab mir im Anschluss an das Training wichtige, persönliche Tipps mit, um es auf den richtigen Weg zu schaffen.

WF: Emil Sitoci war ebenfalls ein Trainer (Seminar) Deinerseits. Viele denken, dass er eine große WWE Karriere vor sich hat und bald den Sprung in die Staaten wagen könnte. Wie siehst Du das?

Ramirez: Emil hat meiner Meinung nach alles was es braucht um ein ganz großer Name in den Staaten zu werden. Ich hoffe sehr dass er eine Chance bekommt und wünsche ihm nur das Beste!

WF: Interessant ist Dein Musikgeschmack. Wie Du mir im Vorgespräch verraten hast, hörst Du wirklich querbeet: Country, Irish Folk, traditionelle mexikanische Musik & (und jetzt kommt es): Heavy Metal! Wie kam diese Mischung zustande?

Ramirez: Schwer zu sagen. Ich war nie wirklich auf einen Musikstil festgelegt, sondern ich höre immer die Musik, die mir gut gefällt. Sei es wegen des Textes, des Rhythmus, oder wegen der Stimmung welche die Musik vermittelt.

WF: Nenne uns bitte mal ein paar Bands, die bei Dir im CD Regal stehen.

Ramirez: Tim McGraw und Brad Paisley (Country), Flogging Molly (Irish Folk) und Old-School Klassiker wie AC/DC und Aerosmith.

WF: Nehmen wir an, du hast die Wahl gegen einen großen Mainstream Wrestler zu wrestlen. Wer wäre es (warum)?

Ramirez: Ich würde mich für Bryan Danielson aka Daniel Bryan entscheiden. Es wäre eine wahnsinnig große Herausforderung mich mit ihm im Ring zu messen. Ich bewundere Danielson/Bryan für seine wrestlerischen Leistungen, und könnte definitiv eine Menge von ihm lernen.

WF: Hast Du noch eine Nachricht an Deine Fans?

Ramirez: Ein großes Dankeschön an jeden, der mich bis jetzt unterstützt hat. Ich hab noch so einiges vor, und ich hoffe ihr treibt mich auch weiterhin zu Top-Leistungen im Ring!

WF: Wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg & Gesundheit!

Ramirez: Ich bedanke mich!

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