WrestlingFever Interview: Mikey Whipwreck (13.08.2008)

mikeywhipreckMikey Whipwreck begann bei der originalen ECW als Underdog und arbeitete sich nach oben. Er war der erste Triple Crown Champion und gewann die Tag Team Titel an der Seite von Mick Foley, den Television sowie den ECW World Heavyweight Titel. Mikey erzählt im exklusiven Interview vom 26.09.2008 über die ECW Tage, Kollegen, das neue ECW Produkt und viel mehr!

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WF: Mikey, Wrestlingfever.de möchte sich erst einmal für das Interview bedanken.

MW: Es ist mir ein Vergnügen. Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Ich befinde mich in einer Phase, in der ich mich nur auf das Wrestling konzentriere und ganz plötzlich kommen Wochen, in denen ich überhaupt nicht an Wrestling denke.

WF: Wir hoffen, dass es Dir momentan gut geht.

MW: Ich fühle mich eigentlich ziemlich gut, dafür dass mein Körper eigentlich ein ziemliches Wrack ist. Ich habe schlechte und gute Tage, mehr gute jedoch, Gott sei dank.

WF: Was macht denn der erste ECW Triple Crown Champion (Heavyweight, Television, Tag Team) heutzutage?

MW: Nicht sehr viel. Ich helfe bei einer Independent Promotion in New York mit, die Ihr auch im Internet besuchen könnt: www.nywcwrestling.com. Wir haben sehr viel Erfolg als eine Promotion, die sehr viele gute Talente hervorbringt. Mikey aus der Spirit Squad. Curt Hawkins und Zack Ryder, The Amazing Red, The S.A.T.s, Quiet Storm, Mason Raige in der OVW und Trent Baretta in der FCW beispielsweise.

WF: Du stehst nun seit 1994 im Ring, hast in den großen Promotions gearbeitet und mit großer Sicherheit bist Du auch im Independent Bereich sehr erfahren. Was ist eher deine Landschaft, die großen oder die independent Ligen?

MW: Natürlich war mein Lieblingsbereich, der der originalen ECW. Da fühlte ich mich einfach zuhause. Wenn da jemals eine nicht funktionierende große Familie war, dann war es die ECW Familie. Alle Außenseiter gingen dorthin.

WF: Was war der Unterschied zwischen der ECW auf der einen und der WWE bzw. WCW auf der anderen Seite?

MW: Bei der ECW hat wirklich jeder so hart wie möglich gearbeitet, um das beste Match des Abends zu haben und Paul E. (Paul Heyman) gab uns unglaubliche Freiheit, was unseren Charakter betraf. Wir bekamen unglaublich viel kreative Kontrolle und durften uns selbst spielen. Bei der WWE wird fast jede Linie vorgeschrieben und Charaktere werden genau so dargestellt wie die WWE es gerne möchte und solange Du kein Topstar bist, tust Du auch was sie Dir sagen. (Mikey lacht). WCW war ein unorganisiertes Chaos, niemand wusste was vor sich ging und die wenigen, die es doch taten, kümmerte es nicht.

WF: Wie bist Du zum Wrestling gekommen, speziell zur ECW?

MW: Ein Freund von mir besaß einen Ring, den die ECW gemietet hat und nachdem wir den aufgebaut haben, begann ich damit Flips und andere Aktionen im Ring zu machen. Dann hat Joey Styles mich gesehen und zu Paul E. gesagt, er solle sich das mal anschauen und dann hat er mich gefragt, ob ich wrestlen wolle. Und wir wir alle wissen, sagte ich dann auch ja.

WF: Mikey, natürlich müssen wir etwas genauer auf die ECW eingehen, das Original! Wenn Du darüber heute nachdenkst, was denkst Du war die beeindruckendste Eigenschaft der ECW und wie hat sie das Wrestling geprägt?

MW: Die beeindruckendste Sache der originalen ECW war, dass wir verändert haben wie sich die WWE und WWE präsentiert haben. Wir waren die originale “Attitude Ära”. WWE und WCW haben unseren Wrestlingstil teilweise übernommen und etwas weniger brutal dargestellt, so wurde es dann Mainstream.

WF: Leider sind einige deine ehemaligen Kollegen bereits verstorben. Bam Bam Bigelow, Chris Candido, Mike Awesome, John Kronus um ein paar zu nennen. Was verbindest Dich persönlich mit diesen Wrestlern?

MW: Ich bin mir nicht sicher, was mich mit jedem einzelnen verbindet, aber damals hatten wir alle ein gemeinsames Gefühl, als ob wir unbesiegbar gewesen wären. Wir haben Dinge nächtlich Dinge getan, die einfach nicht normal waren. Wir waren die ECW und so kindisch es sich anhören mag, nichts machte uns fertig. Wir waren erwachsene Männer, die sich wie Teenager benahmen. Leider muss man manchmal aber doch erwachsen werden. Einige von uns konnten sich an das „normale“ Leben anpassen, wieder andere aber nicht. Es ist eine Schande, denn in der ECW haben wir aufeinander aufgepasst. Nachdem es mit der ECW und der WCW zuende ging, hatten viele Leute einfach nichts mehr zum Festhalten. Es ist hart sich von einem solchen Job an einen normalen Berufsalltag anzupassen von Montag bis Freitag. Ich möchte nur hoffen, dass diese schlechte Strecke nicht anhält. Es ist sehr schwierig zurückzuschauen und zu lachen. Es ist nicht so, als ob wir 75 Jahre alt wären und zurückschauen auf die Leute, die gestorben sind. Die meisten unter ihnen waren gerade einmal in den mittleren 30ern. Es ist traurig.

WF: Lass uns noch einmal auf die ECW zurückkommen. Du hast deine Karriere als Underdog gestartet und bist die Leiter dann hochgeklettert. Erinnerst Du Dich noch an die Idee und die Entwicklung deines Charakters?

MW: Ich weiß nur, dass es sehr schnell vorbeigegangen ist. Ich wusste nichts von der Idee meines Charakters, bevor Paul mir am Abend gesagt hat, was wir tun werden. Ich wusste nur, dass ich mir im Ring ordentlich den Hintern versohlen lassen musste und fühlte mich dementsprechend am nächsten Morgen.

WF: Der Gewinn der Triple Crown Championship war ein sehr wichtiger Moment in deiner Karriere. Was geschah an diesem Tag?

MW: Ich erinnere mich daran, wie ich Hak gepinnt habe und sah wie Mick mit seinen braun-weißen Cowboystiefeln zum Ring rannte. (Mikey lacht wieder). Ich erinnere mich auch daran, wie er mir gratulierte und mich umarmte. Ich konnte nicht glauben, dass ich dort im Ring stand mit Mick Foley, Tazz und Konan, die mich alle als ECW Champion hochtrugen, als ein so junger Bursche in dem Business war das vollkommen irreal für mich.

WF: Hast Du noch einige original ECW Erinnerungsstücke bei Dir zuhause?

MW: Ich habe gar nichts, das ist eine Schande, oder?

WF: Du hast mit Mick Foley gegen Public Enemy die Tag Team Titles gewonnen. Und leider weilen auch Public Enemy nicht mehr unter uns. Guckst Du Dir deine Titelgewinne heutzutage noch manchmal an?

MW: Ich schau mich selbst auf Tape nicht an. Mir wird zwar immer erzählt, dass ich auf WWE 24/7 zu sehen bin, aber ich kann es mir nicht anschauen. Erst Recht, wenn ich gegen jemanden gekämpft habe, der schon verstorben ist. Das ist wirklich traurig.

WF: Wir wissen, dass Du den Heavyweight Titel dem Sandman abgenommen hast. Der Sandman selbst denkt, er wäre nur ein Übergangschampion gewesen. Bist Du immer noch im Kontakt mit Deinen ehemaligen Kollegen? Wird dabei auch über die frühere ECW-Zeit geredet?

MW: Ich rede immer mal wieder mit einigen Leuten. Es ist schwierig für mich wieder zu meinen alten Kollegen zu finden, wie Du Dir sicher vorstellen kannst. (Mikey lacht einmal mehr). Ich habe den Sandman vor ein paar Wochen gesehen und wir haben ein wenig geredet und das WCW Junkyard Invitational gelacht.

WF: Axl Rotten hat mir einmal erzählt, dass die neue ECW keine ECW mehr ist. Was denkst Du darüber, schaust Du Dir diese Shows öfter an?

MW: Ich stimme ihm da voll und ganz zu. Es ist, als ob man sich eine Coverband der Scorpions oder Kiss anschaut. Es ist das Gleiche, aber eben doch nicht das Gleiche. Die ECW läuft nur neben SmackDown und Raw her.

WF: Wie hast Du von dem Ende der ECW erfahren? – Kannst Du uns etwas über die Backstagestimmung sagen? Viele wollten auch nicht mehr für Heyman arbeiten und gingen in andere Ligen.

MW: Ich denke jeder wusste, dass das Ende da war, aber nicht alle würden es laut sagen. Einige Wrestler dachten nach und überlegten. Ich bin nicht gewechselt, denn ich bin erst von der WCW wiedergekommen und dort war es sehr brutal. Ich konnte einfach nicht mit 4-5 Tagen auf der Route umgehen.

WF: Im Jahr 1999 hattest Du auch eingie Auftritte in der WCW. Kannst Du uns etwas über die Hardcore Division der WCW sagen? Und haben die Wrestler in der WCW das Business anders verstanden, als in der ECW?

MW: Die Hardcore Division bestand daraus, dass sich Typen mit Waffen kloppten und sie dachten es wäre hardcore. Ich denke nicht, dass viele von ihnen wussten, dass „hardcore“ mehr als nur kloppen bedeutete. Es bedeutete herauszugehen und 110% zu geben, innovativ zu sein und das bestmögliche Match zu schaffen.

WF: Du bist erst 35 Jahre alt, stehst seit nunmehr 14 Jahren im Ring und nimmst immer noch Bookings an. Gibt es eine Möglichkeit Dich irgendwann wieder in Deutschland zu sehen? Leider konnte es das letzte Mal ja nicht realisiert werden aufgrund einer Verletzung.

MW: Ich würde gerne nach Deutschland kommen, wenn mich jemand dort haben möchte. Also nun Klartext!!! Mikey möchte gerne nach Deutschland!!!!

WF: Mikey, woran denkst Du, wenn Du die Namen dort unten liest:

Paul Heyman: Genie – im wahnsinnigen Sinne. Ich schulde ihm wirklich alles.

Tod Gordon: Hat mir geholfen, als ich dringend meine Pause brauchte.

Shane Douglas: Hat mir eine Menge beigebracht und ich denke er war wirklich ein Top-Draw. Er wollte sich selbst immer verbessern und wollte auch die Company verbessern. Doch genug gesagt, einige Leute schauen auf andere herunter, die zuviel reden.

Mick Foley: Mein Idol!

Rob Van Dam: Der talentierteste Wrestler aller Zeiten.

Sabu: Die extremste und großzügigste Mensch. Ich mag ihn.

Public Enemy: Schmerzlich vermisst. 🙁

WF: Wir danken Dir recht herzlich für das Interview und wünschen Dir in der Zukunft alles Gute!

MW: Vielen Dank. Hoffentlich sehe ich Euch bald *zwinker* 😉

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