WrestlingFever Interview: Oliver Copp vom 06.08.2013

oliver coppOliver Copp arbeitet redaktionell für die Deutsche Vertretung der UFC Webseite. Man kann sagen, dass er ein Mann der ersten Stunde ist. Während der Live Übertragungen übersetzt er die Konversationen aus den Ecken der deutschen Kämpfer für das internationale Publikum. Er ist neben Tobias Drews die deutsche Stimme der UFC.

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WF: Lange hatten wir darüber gesprochen, nun ist es soweit! Vielen Dank für Deine Zeit, wie geht es dir aktuell?

OC: Alles bestens. Ich bin gerade für ein paar Tage in Deutschland und durfte wenigstens mal halbwegs schönes Wetter erleben hier – einen Tag lang.

WF: Bevor Du MMA für Dich entdeckt hast, legte Wrestling den Grundstein, kann man das so sagen?

OC: Das Wrestling hat auf alle Fälle den Grundstein gelegt, weil ich mich davor nie für Kampfsport irgendeiner Art interessiert habe. Ehrlich gesagt wusste aber keiner, dass aus diesem Einzelevent mal ein Sport werden würde. Wrestling war viele Jahre lang meine einzige Leidenschaft auf diesem Gebiet.

Ich war von Anfang an dabei. Viele, die mich länger kennen, wissen, dass ich früher jede Woche aus allen Ecken der Welt Videobänder nach Deutschland habe schicken lassen, um an den verschiedenen Wrestlingligen dranzubleiben. Normalerweise bekam ich jeden Montag die WWF- und WCW-Shows der Vorwoche zugeschickt. An einem schicksalsträchtigen Montag war ein drittes Band dabei, auf dem ein Zettel klebte, der besagte: „Oliver – you have to watch this“. Das war die Ultimate Fighting Championship… damals nur als einzelner Event geplant. Dass es über die Jahre so erfolgreich werden würde, konnte seinerzeit niemand ahnen.

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WF: Gab es so etwas wie „Idole“ oder sagen wir „Favoriten“?

OC: So richtig nicht. Ich erinnere mich nur daran, dass mich Leute wie Jake Roberts, Randy Savage und Ricky Steamboat von der ersten Sekunde an begeistert hatten. Ich erinnere mich an die Szene, als Andre The Giant Hogan bei Piper’s Pit das Kreuz runterriss. Ich erinnere mich daran, wie Strike Force völlig überraschend die Hart Foundation entthronten. Ich erinnere mich an Wrestlemania 3 und die Fehde zwischen Savage und Steamboat. Das waren so die Anfangstage. Für meine Begriffe ist die Survivor Series 1987 immer noch der coolste Event, den ich je gesehen habe. Ich war immer ein großer Fan der Elimination Matches und ganz besonders der Tag Team Elimination Matches.

WF: Als gebürtiger Texaner hast Du evtl. (wie die Amerikaner generell) ein anderes Verständnis für MMA und Pro Wrestling, als wir hier in Deutschland. Wie kannst Du Dir das erklären?

OC: Der Amerikaner als solches geht an neue Themen offener ran, als wir es hier in Deutschland tun. Dort heißt es: “Ui, schau’ mal – geil”, während wir erst mal skeptisch sind. Dieser grundlegende Haltungsunterschied ist in meinen Augen der wichtigste Grund, warum diese beiden Märkte Wrestling und auch MMA so unterschiedlich sehen. Im Fall von Wrestling kommt noch dazu, dass es in den USA – gerade in den Südstaaten – seit 100 Jahren zum Kulturgut gehört. Zwar sehen viele Amerikaner auf Wrestlingfans herab, und Wrestling gilt nach wie vor als Unterhaltung für die Unterschicht, aber das ist Quatsch. Vielleicht ist der typische Wrestlingfan nicht so zahlungskräftig wie ein der typische Golffan, aber er konsumiert genauso jeden Tag. Gerade die Werbetreibenden hierzulande haben eine Hirnblockade, wenn es um Wrestling geht. Ich verstehe nach wie vor nicht, wieso das so ist. Wrestlingfans kaufen genauso Coca Cola, Kellogg’s, Nike, Ford und Persil wie Anhänger des Fußballs. Natürlich habe ich diese Diskussionen auch schon oft geführt, und das Argument ist immer, dass man seine Marke nicht in diesem Umfeld präsentieren will. Das ist in den USA anders.

WF: Bevor Du in das MMA Fach gewechselt bist warst Du „Wrestling Journalist“…

OC: Ich lernte Betty und Richard Frank Anfang 1990 bei einer Wrestling Show in Bayern kennen, die kurzfristig abgesagt wurde. Betty steckte mir einige Catch Magazine zu, und ich war begeistert davon. Nachdem mir das Schreiben schon immer Spaß gemacht hat, fing ich kurz danach an, für Betty zu schreiben.

Der Freundschaft mit Wolfgang Stach (Anmerkung der Redaktion: Chefredakteur des einzigen Wrestling Magazins in Deutschland) entwickelte sich im Laufe der Jahre organisch, und als ich mich dann 2003 der WWE wieder etwas mehr annäherte, intensivierte sich auch die geschäftliche Beziehung. Als Premiere die UFC ins Programm nahm, übernahm ich als Teil meines Engagements bei Premiere auch die Kurzberichterstattung darüber in PW und dann später die Berichterstattung in Ringside.

Zwischen 2004 bis 2007 holten wir gemeinsam das WWE Magazin wieder nach Deutschland zurück, was ein ziemlicher Kampf war. Jedes Mal, wenn wir dachten, dass alles geritzt ist, gab es im englischen WWE Office oder im Hauptquartier in den USA wieder einen Wechsel an entscheidender Stelle. Die ersten eineinhalb Jahre engagierte ich mich dann, als es endlich soweit war, beim WWE Magazin, gab den Posten aber auf Wunsch der WWE Anfang 2009 auf, als ich die Kommentierung der UFC fürs DSF mit übernahm. Dann kamen zwei Jahre Fighters Only, und der Rest ist Geschichte.

WF: Wie kamst Du denn zu UFC?

OC: Entscheidend war die Tatsache, dass ich mit dem Sport mit gewachsen bin. Es gab Mitte der 90er Jahre, als das WWW gerade aufkam, eine Mailingliste namens „COMBAT-SPORTS“, auf der man sich – wenig überraschend – über Kampfsport austauschte. Darauf waren etliche Personen aktiv, die später zu MMA Legenden wurden, PRIDE aus der Taufe hoben oder nach dem Verkauf der UFC an Zuffa als Offizielle zur UFC gingen. Zur selben Zeit bekam ich von Nic Heldt vom WOW-Team die Gelegenheit, den Bereich Shootfighting auf der „World of Wrestling“- Hotline zu übernehmen, den ich dann zwei Jahre lang gemacht habe.

Nach dem Ende der WCW Ausstrahlungen im DSF wurde ich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an der Seite von Tobias Drews die in Kürze startenden UFC Übertragungen bei Premiere zu kommentieren. Die Antwort ließ nicht lang auf sich warten.

Eine kleine Randnotiz: Unsere erste UFC trug die Nummer 39. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht, oder? Wir kommentierten die PPVs der UFC zusammen, bis Zuffa den Vertrag mit Premiere aufkündigten. Wenn ich mich recht erinnere, war unser letzter Event dort der dritte Kampf zwischen Randy Couture und Chuck Liddell. Wir wechselten lückenlos zum britischen DVD-Anbieter FightDVD, wo es dann bis UFC 75 weiterging.

Die UFC merkte natürlich auch, dass sie in Deutschland ein Team hatte, auf das sie sich verlassen konnte. Die Premiere-Jahre wurden durch regelmäßige Berichterstattung in Power-Wrestling flankiert, die DVD-Jahre durch stark ausgedehnte Berichte in Ringside. Der Rückkampf zwischen Chuck Liddell und Tito Ortiz schaffte es sogar aufs Cover der Power-Wrestling – das erste Mal überhaupt, dass ein europäisches Magazin UFC-Kämpfer auf dem Titelblatt hatte. Ich flog in diesen Jahren auch regelmäßig zu den Events in Las Vegas, sodass die Offiziellen irgendwann mal mein Gesicht vor Augen hatten, wenn sie an Deutschland dachten. So hat sich im Laufe der Jahre eine super Zusammenarbeit entwickelt, die ich nicht mehr missen möchte.

WF: Leider wurde das Fighters Only Magazin bei uns eingestellt…

OC: Das hatte zwei Gründe – einerseits wirtschaftliche, andererseits Zeitgründe. Als Wolfgang Stach und ich zum Start der UFC-Ausstrahlungen beim DSF die Köpfe zusammensteckten, entstand die Idee, ein MMA-Magazin auf den deutschen Markt zu bringen, für das man sich nicht schämen muss, wenn es einem Außenseiter in die Hände fällt. Wir wollten ein Magazin herausgeben, das Kampfsport und Lifestyle verbindet und sich optisch nicht vor einer GQ oder der Men’s Health verstecken muss.

Es liegt auf der Hand, dass so ein hochwertig produziertes Heft nur dann funktioniert, wenn man eine große Stückzahl davon verkauft. Das hat auch gut funktioniert, solange die UFC im TV zu sehen war. Als die BLM sich allerdings im April 2010 entschied, Sport1 das Senderecht für die Formate der UFC zu entziehen, bröckelten die Verkäufe langsam auf ein Niveau, auf dem das Heft nicht mehr annähernd kostendeckend weitergeführt werden konnte. Trotzdem hielt der Verlag noch ein Jahr am Heft fest, doch als dann immer noch nicht abzusehen war, wann die UFC wieder ins Fernsehen zurückkehren dürfte, wurde es Zeit, die Notbremse zu ziehen.

Ich hatte parallel schon ein halbes Jahr vorher die Entscheidung getroffen, meine Rolle als Chefredakteur zum Juli-Heft niederzulegen, weil ich bei ProSiebenSat.1 eine neue, noch einmal deutlich zeitintensivere Position angenommen hatte. Der britische Lizenzgeber von Fighters Only versuchte dann noch auf eigene Faust, das Heft weiterzumachen, aber daraus wurde nichts, nachdem sich niemand fand, der die redaktionelle Verantwortung übernehmen wollte.

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WF: Was kannst du uns zu dem Verbot von UFC im TV sagen?

OC: Für meine Begriffe ist es nicht die Aufgabe von Behörden oder bestellten Organen, über geschmackliche Dinge zu urteilen. Die Programme der UFC wurden in über 50 Fällen von den zuständigen Gremien geprüft und mehrheitlich ab 16 Jahren oder sogar ab 12 Jahren freigegeben. Sieben Jahre nach der Erstausstrahlung auf Premiere und ein Jahr nach dem Start beim DSF dann plötzlich zu finden, dass die Formate nicht sendefähig sind, erschließt sich mir nach wie vor nicht.

Kampfsport ist schon immer ein Nischenprodukt gewesen in Deutschland, und viele Deutsche finden Kampfsport überhaupt nicht gut. Dabei handelt es sich aber um eine Frage des eigenen Geschmacks und nicht um etwas, das nach regulatorischen Entscheidungen schreit. Wer es nicht sehen will, soll umschalten – fertig.

WF: Denkst Du wir werden die UFC mal wieder im deutschen Free TV sehen?

OC: Nachdem die Fakten eindeutig sind und das Bundesverfassungsgericht die Klage von Zuffa angenommen hat, sehe ich die Chancen gut bis sehr gut. Ich weiß nur im Moment nicht, ob das Durchfechten vor Gericht sonderlich sinnvoll ist. Mit New York gibt es zurzeit andere Baustellen, die im Big Picture viel wichtiger sind.

Gleichzeitig muss man generell die Sinnfrage stellen, sich in einem Markt abzumühen, in dem man mit viel Energie und noch mehr Anfeindungen seine Shows vor weitestgehend nicht-deutschen Fans veranstalten kann, wenn man statt dessen nach Schweden oder nach England gehen kann und mit deutlich weniger Aufwand zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Ja, Deutschland ist im europäischen Kontext ein wichtiger Markt, aber wenn es meine Entscheidung wäre, würde ich auf absehbare Zeit die Finger von Deutschland lassen und die Zeit in neue Märkte stecken.

WF: Warum hat die UFC den geplanten Event für 2013 wieder abgesagt?

OC: Absagen kann man nur etwas, das man offiziell angekündigt hat. Nur weil ein Offizieller im Gespräch mit GnP erwähnte, dass man 2013 wieder nach Deutschland kommen wolle, kann man daraus nicht ableiten, dass es sicher passieren wird. Ich kann jetzt auch nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber bei europäischen Events gibt es immer nur ein ganz schmales Fenster, das für sie infrage kommt.

Wenn das, was man dort vor hat, durch Niederlagen bestimmter europäischer Kämpfer, die kurz vor einem Titelkampf standen, oder durch die Verletzung des Lokalmatadors zeitlich unmöglich wird, wird die Idee auch wieder verworfen. Es macht wenig Sinn, mit einer 0815-Show nach Deutschland zurück zu kommen, nur um das zu erfüllen, was man ein halbes Jahr zuvor gesagt hatte, denn davon hat im Endeffekt niemand etwas – nicht die UFC, nicht der lokale Veranstalter und auch nicht die Fans.

WF: Sind MMA Bücher wie Biografien für Dich interessant? Kannst Du etwas empfehlen?

OC: Dadurch, dass ich viel unterwegs bin, lese ich die meisten neuen Biographien, sobald sie herauskommen. Meine persönlichen Favoriten waren die Bücher von Stitch, Jens Pulver, Matt Hughes, Randy Couture und John McCarthy. Auch das erste Buch von Forrest Griffin war amüsant. Die Finger lassen würde ich von den Büchern von Chuck und Tito.

WF: Hast du „Here comes the boom!“ (Das Schwergewicht) gesehen?

OC: Ich habe den Film nicht gesehen.

WF: Wie denkst Du über Randy Coutures Engagement bei Bellator?

OC: Randy muss am Ende des Tages das tun, was ihn weiterbringt. Ich persönlich finde es sehr schade, wie er sich in den letzten Jahren Geschäftspartnern wie Zuffa gegenüber verhalten hat. Er stellt es gern so dar, dass immer die anderen die Schuld tragen, aber die belegbaren Fakten sprechen eine andere Sprache. Ich weiß nicht, ob er schlecht beraten ist oder ob es an ihm selbst liegt, aber während Randy in sportlicher Hinsicht immer eines meiner Idole bleiben wird, weiß ich über den Menschen und den Geschäftsmann Randy Couture inzwischen so viel, dass mein Respekt ihm gegenüber sehr gelitten hat.

WF: Kann Ryan Couture so legendär und erfolgreich wie sein Vater werden?

OC: Ryan ist ein guter Kämpfer, bringt aber nichts mit, was ihn zu einem sehr guten Kämpfer machen wird. Der Name Couture ist zudem mit so hohen Erwartungen behaftet, dass er für ihn eher ein Hindernis sein wird.

WF: GSP vs. Anderson Silva – Wäre das etwas für Dich?

OC: Ich halte – übrigens wie die Mehrheit der Medienvertreter – überhaupt nichts von einem GSP vs Silva Fight. Die beiden sind körperlich so unterschiedlich gebaut, dass es kein fairer Kampf für den Kanadier wäre. Ich rechne damit, dass Silva ihn auf den Beinen zerpflücken würde. Die beiden sind aus gutem Grund in unterschiedlichen Gewichtsklassen. GSP ist ein „normales“ Weltergewicht, während Anderson Silva ein „schweres“ Mittelgewicht ist. Für meine Begriffe ist der richtige Weg, Jones vs. Silva zu versuchen. Sie sind in der Realität in etwa gleich groß, gleich schwer und ähnlich gebaut. Ich würde den Kampf aber bald machen, da mit jedem Monat, der ins Land zieht, das Pendel mehr in Richtung Jon Jones ausschlagen wird.

WF: Wie hoch schätzt Du die Chancen der Strike Force Fighter in der UFC, haben die eine ernsthafte Chance?

OC: Klar haben sie die. Die Frage ist für mich nur immer, ob Kämpfer aus den „kleineren“ Ligen auf Augenhöhe mit den UFC-Kämpfern sind oder eher eine Kategorie darunter anzusiedeln sind. Bei der WEC hat sich herausgestellt, dass ihre Fighter ganz sicher auf Augenhöhe waren. Bei Strikeforce sieht es so aus, als ob sie mithalten können, die Spitzenleute aber nicht ganz mit denen der UFC mithalten können. Nick Diaz sah bei Strikeforce unzerstörbar aus, bei der UFC bekam er aber weder gegen Carlos Condit noch gegen GSP ein Bein auf den Boden. Gilbert Melendez wird eine ähnliche Erfahrung machen.

WF: Nehmen wir an Dennis Siver gewinnt seinen nächsten Kampf gegen Cub Swanson, bekommt er dann einen Titelkampf – was denkst Du?

OC: Das kann nur Sean Shelby, der Matchmaker des Federgewichts, beantworten. Meine Meinung ist, dass Dennis ihn mit einem dominanten vorzeitigen Sieg gegen Cub Swanson verdienen würde. Ein weiterer Fight über die Distanz könnte zu einem Ausscheidungskampf gegen jemanden wie Frankie Edgar führen.

WF: Kommentierst Du und auch Tobias Drews absichtlich „anders“ als die amerikanischen Kollegen Mike Goldberg und Joe Rogan?

OC: Mit einem Kommentar à la Goldie und Rogan hätten wir für die Programme der UFC nie eine Sendegenehmigung bekommen. Die Art und Weise, wie Tobias und ich kommentiert haben, wurde in etlichen Prüfberichten als einer der wesentlichen Gründe genannt, warum trotz „gewaltbetonter Szenen“ keine Jugendgefährdung gegeben war. Und obwohl ich mich mit meinen Kommentar gegenüber der Zeit beim Wrestling deutlich zurückgenommen hatte, bekam ich mehrfach die Bitte vom Sender, noch mehr vom Gas zu gehen, weil die UFC Sport ist und kein Wrestling.

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WF: Du arbeitest ja bei Pro7 Media. Kannst du etwas zu einem möglichen Deal mit der WWE sagen („WWE Superstars“ auf Pro7 Fun)?

OC: Gerade weil ich bei ProSiebenSat.1 tätig bin, kann ich Dir dazu nichts sagen. Ich bin kein Unternehmenssprecher.

WF: Wie erinnerst Du Dich an die Vertonung der „World of Wrestling“ Shows – hat es Spaß gemacht?

OC: Unbedingt! Wir hatten viele stressige Marathonvertonungen, bei denen man dann abends auch mal heim ist und von Wrestling nichts mehr sehen und hören wollte, aber der Spaß kam nie zu kurz, und in der Rückbetrachtung hatte ich mit Nic, Mike, Lenz und David die lustigsten Jahre meines Kommentatorenlebens.

WF: Hast du heute noch Kontakt zu den Kollegen von damals, trifft man sich noch?

OC: Mike und ich haben ab und an Kontakt, weil wir immer noch im selben Dunstkreis arbeiten. Nic sah ich zum letzten Mal, als er für die UFC Voiceovers gemacht hat. Ansonsten muss ich gestehen, dass ich kaum noch Kontakt zu den Kollegen von damals habe, was aber eher darauf zurückzuführen ist, dass uns das Leben in den letzten elf Jahren in unterschiedliche Richtungen geschoben hat. Wenn sich unsere Wege wieder kreuzen, bin ich aber überzeugt davon, dass es so sein wird, als wäre man nie weg gewesen.

WF: Der PAY-TV Sender Sky (damals Premiere) hatte die UFC leider nicht lange im Programm, woran kann das gelegen haben?

OC: Premiere war erst sehr glücklich mit den Zuschauerzahlen der UFC-Shows – gerade die Specials auf Premiere Sport waren Woche für Woche in der Top 5 der meistgesehenen Sendungen über alle Sender hinweg –, ließ dann aber nach und nach den Enthusiasmus vermissen, mit dem sie die UFC ursprünglich ins Programm geholt hatten. Es wurde kaum mehr Werbung gemacht, es gab keine weiteren Specials bei Premiere Sport, und nachdem die UFC damals ja auch unregelmäßig veranstaltet hat, bröckelten die PPV-Verkäufe nach und nach. Irgendwann machte es für Zuffa keinen Sinn mehr, die Kooperation weiterzuführen.

WF: Ist die „Boxlobby“ evtl. noch zu stark?

OC: Niemand mag es, wenn ein neuer Sport nach Deutschland kommt und drei Monate nach Ausstrahlungsbeginn auf einem Sender der zweiten Reihe eine der größten Hallen Deutschlands vollmacht. Das muss man verstehen. Ich halte nichts davon, die große böse Boxlobby als Grund vorzuschieben, warum alles politisch so schwierig ist, aber unbeteiligt ist sie an der Situation bestimmt nicht.

WF: Warum geht ein Mann und MMA Vertreter wie Du zu den Medien Tagen, wenn man weiß dass dort dem Sport nicht unbedingt positiv begegnet wird?

OC: Man hätte mit dem Klingelbeutel gepudert sein müssen, um das bei der Besetzung nicht zu erkennen. In meinen Augen ist eines der Hauptprobleme hier in Deutschland, dass kaum mehr jemand bereit ist, zu einer unpopulären Meinung zu stehen und für sie zu kämpfen. Klar wusste ich, was mich dort erwartet, aber wenn niemand die Eier in der Hose hat, für das einzutreten, an das er glaubt, ist der Kampf schon verloren. Alles in allem war das Feedback der Zuhörer im Saal nach der Veranstaltung jeden Schlagabtausch wert. Wenn unbeteiligte Dritte sich über die einseitige Ausrichtung des Panels und der Inhalte echauffieren, ist schon der Großteil der Arbeit getan.

WF: Wie denkst Du über die Rage Organisation?

OC: K1 hat ja seit Jahren finanzielle Probleme und muss deswegen innovativ sein und neue Dinge versuchen. Im Moment überzeugt mich das neue Konzept nicht, aber frage mich in einem Jahr oder zwei nochmal.

WF: Nehmen wir an es käme zu einem Fight zwischen Vince McMahon & Dana White, wie würde das ausgehen?

OC: Dana hätte Vince zum Frühstück verspeist… zwischen den beiden liegen 25 Jahre und 20 Jahre echte Kampfsport Erfahrung vs. kosmetischer Muskelaufbau. Trotzdem eine lustige Idee!

Vielen Dank fürs Interview.

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