WrestlingFever Interview: Peter Sobotta vom 29.02.2012

sobottaPeter Sobotta gilt nach wie vor als einer der talentiertesten Mixed Martial Arts Kämpfer Deutschlands. WrestlingFever.de hatte die Möglichkeit mit ihm über erste Kontakte, der Zeit in der UFC und seine derzeitigen Tätigkeiten zu sprechen.

—-

WF: Hallo Peter, schön das es geklappt hat. Ich hoffe es geht dir soweit gut!

Peter: Mir geht es prächtig. Ich bin hier gerade in Kiew mit meinem Freund und Trainingspartner Andreas Kraniotakes. Er steigt morgen bei Cage Warriors in den Käfig und ich betreue ihn.

WF: Du bist ein großer Fan von Jackie Chan, warum und in wie weit hat er dich beeinflusst?

Peter: Ich liebe seine Filme. Ich war und bin ein großer Martial Arts Fan und Jackie´s Filme haben mir einfach immer am besten gefallen. Mein Lieblingsfilm von ihm ist: Die Schlange im Schatten des Adlers.

WF: Du hast dann früh mit Judo begonnen, welche Erfolge konntest du erzielen?

Peter: Ich habe Judo gekämpft bevor ich in der Grundschule war. Ich habe als Kind sehr viele Judokämpfe gemacht und fast alle davon gewonnen.

WF: Welche Kampfsportarten hast noch so in deiner Jugend ausprobiert?

Peter: Judo, Tae Kwon do, Kickboxen und dann habe ich mit 16 Jahren mit MMA angefangen. Mit 18 habe ich dann angefangen noch BJJ zu trainieren.

WF: Wann und wie kam der erste Kontakt zum MMA zustande?

Peter: Ein Bekannter hat mir erzählt, dass es in meiner Heimatstadt eine neue Kampfsportschule gibt in der richtig gut und hart Kampfsport trainiert wird. Ich wusste damals nicht dass es sich um MMA handelt. Der Bekannte meinte anschließend: „ Ich sage aber nicht wo, denn wir wollen dort keine Pisser haben“. Naja, dann hat mich das Ganze noch mehr interessiert und nach kurzen Recherchen kam ich drauf und legte los.

WF: Wie hat sich für dich das MMA in Deutschland in den letzten Jahren verändert?

Peter: Es hat sich unheimlich viel geändert. Bessere Gyms, bessere Kämpfer, bessere Trainer, bessere Veranstalter und größere Chancen für alle! Wir stecken allerdings immer noch in den Kinderschuhen. Ich sehe noch viel Potential nach oben was die öffentliche Akzeptanz angeht. In allen Anderen Bereichen haben wir gut aufgeholt.

WF: Dein Ziel: der Schwarze Gurt im BBJ, ist der inzwischen erfüllt oder wie ist da der Stand?

Peter: Ich trage den Braunen Gurt. Diesen habe ich vom 3- fachen ADCC Weltmeister Dean Lister in San Diego bekommen. Dean verteilt nur sehr selten Gurte und der Braune Gurt ehrt mich mehr als ein Schwarzer von fast jedem Anderen.

WF: Bist du mittlerweile hauptberuflich Sportler oder wie hat sich dein Leben dahingehend bisher verändert?

Peter: Ich habe mir meinen großen Traum erfüllt und mein Hobby zum Beruf gemacht. Das klappt wunderbar und ich kann wirklich nicht meckern. Das macht mich sehr glücklich auch wenn es manchmal natürlich nicht ganz einfach ist. Ich habe mein eigens Gym und auch ein eigenes Team mit über 20 aktiven MMA Kämpfern. Wir wurden von den Fans von GnP1.de zum drittbesten Team Deutschlands gewählt und das obwohl es uns erst seit 1 ½ Jahre gibt. Darauf bin ich sehr stolz. Außerdem gebe ich viele Seminare vor allem in Deutschland (Aber auch in Polen und den USA) und dazu Kämpfe natürlich professionell.

WF: Wie kam dann der Kontakt zur UFC zur Stande und wie hast du reagiert?

Peter: Das alles kam über mein Management. Ich weiß es noch wie heute als ich davon erfuhr: Es war an meinem 22. Geburtstag und es war ein tolles Gefühl. Ich wusste, dass es eine große Herausforderung wird und darauf habe ich mich gefreut.

WF: Wie hat die UFC dein Leben verändert und besteht die Chance das wir dich da wieder sehen, denn du bist ja noch jung?

Peter: Die UFC hat mich stark verändert. Ich habe zwar meine Kampfbilanz verschlechtert, da ich drei Punktniederlagen in Folge in Kauf nehmen musste aber als Mensch und Kämpfer bin ich gewachsen. Ich habe meine Fähigkeiten stark verbessert und habe viel über den Sport aber vor Allem viel über mich selbst gelernt. Die Zeit in der UFC war hart, da ich anfangs noch in der Ausbildung war. Am Samstag habe ich mein UFC Debüt gegeben und am Dienstag stand ich bei der IHK und habe mein Abschlussprojekt präsentiert. Es war eine verrückte Zeit.

WF: Wie wichtig ist Erfahrung, gerade in der UFC wo der Medienrummel ja noch dazukommt?

Peter: Man lernt schnell damit umzugehen! Es gehört einfach dazu!

WF: Du hast zweimal in Deutschland gekämpft (UFC 99,-122) wie waren die Unterschiede zu den Veranstaltungen und wie war das Gefühl im Gegensatz zu Vancouver wo du ja auch gekämpft hast?

Peter: In Vancouver hatte ich viel weniger Stress. Da wollten die Medien nicht viel von mir und ich konnte viel relaxen und mich auf meinen Weight Cut konzentrieren. Bei UFC 99 war es am krassesten: Alle wollten etwas von mir. Die Medien sind völlig durchgedreht. Es ging weniger um die UFC und mich als Sportler, sonder viel eher um die „Modernen Gladiatoren, die fast bis zum Tod kämpfen“. Ich habe viel über die Medien gelernt und muss euch ehrlich sagen, dass ich seit dem kein Vertrauen mehr in sie habe.

WF: Verfolgst du noch das Geschehen in der UFC? Wenn ja welche Fighter imponieren dich zurzeit?

Peter: Ich verpasse keine Veranstaltung! Ich bin in Kontakt mit vielen UFC Kämpfern und trainiere mit welchen. Ich will ja auch wieder zurück 😉
Wenn man die Jungs persönlich kennt hat man eine andere Sichtweise auf das ganze aber um auf eure Frage zurück zu kommen: Momentan gefallen mir Ben Henderson, Rory Mc Donald und Nick Diaz. Mein sportliches Vorbild ist GSP

WF: Gibt es zurzeit ein oder mehrere Kämpfer mit dem du gerne zusammen trainierst oder suchst du dir eher immer neue Trainingspartner?

Peter: Da ich in San Diego meine 2. Heimat gefunden habe trainiere ich viel mit den dort beheimateten Fightern (Stephens, Lister, Camoes, Jury, usw.) in Deutschland verbringe ich viel Zeit auf der Matte mit Pascal Krauss, Gregor Herb und Andreas Kraniotakes. Mein nächster Trainingsausflug geht allerdings nach Thailand. Ich muss mein Striking verbessern.

WF: Dein letzer Kampf bei MMA Attack war recht Kontrovers. Kannst du mal schildern warum die Entscheidung zu deinen Gunsten in ein Draw abgeändert wurde?

Peter: Ich habe alle drei Runden dominiert. Ich hatte mehrere Treffer, die besseren Takedowns und viele Submission Ansätze. Leider konnte er mir immer irgendwie endwischen und obwohl ich ihm mit einem Heel Hook das Knie in der ersten Runde verdreht habe und er nach dem Fight sein Bein Monate im Gips hatte, hat er gut durchgehalten. Dieses Durchhalten haben ihm die polnischen Kampfrichter hoch angerechnet und gaben ihm den Punktsieg. Das Ganze hat eine riesige Kritikwelle ausgelöst. MMA Attack ist eine sehr große Organisation und hatte bei ihrem Debüt gleich so einen Skandal. Die MMA Community in Polen wollte diese Entscheidung nicht entschuldigen und so hat sich MMA Attack entschlossen den Kampf neu bewerten zu lassen. Alle 3 Punktrichter gaben mir dann den Kampf und so kam es dann leider zum Draw. Ich bin überhaupt nicht zufrieden und wünschte, dass die Punktrichter direkt nach dem Kampf meinen Sieg anerkannt hätten. Aber so ist es halt leider manchmal. Das gehört eben zum Kampfsport.

WF: Wo können dich europäische Fans als nächstes in einem MMA Kampf sehen?

Peter: Ich kämpfe am 24.03. in Rumänien und am 27.04. bei MMA Attack 2 in Polen.

WF: Stehen dieses Jahr auch noch weiter Grappling Turniere o.ä. für dich an?

Peter: Klar, ich bin zu Hause auf der Matte. Ich nehme jedes Turnier mit. Am 25.02. hat mich die Submissao zu einem Superfight eingeladen. Das heißt, dass ich nicht beim normalen Turnier mitmache, sondern nur einen Fight gegen einen hochkarätigen Gegner beschreiten werde.

WF: Was hat dich bewegt dein eigenes Gym aufzumachen?

Peter: Das war schon immer mein Traum! Ich wollte die Dinge so machen wie ich sie für richtig empfinde. Das kann ich jetzt endlich und ich liebe es.

WF: Die Tätigkeit als Trainer scheint dir ja zu liegen, siehst du da auch ggf. deine Zukunft?

Peter: Ich bin 25 Jahre alt und will noch 10 Jahre kämpfen. Aber ich weiß jetzt schon, dass das auf jeden Fall mein Hauptjob wird wenn ich nicht mehr selber aktiv kämpfe.

WF: Vor gut einem Jahr bist du als Fullinstructor der FFA ernannt worden! Was ist dort deine Arbeit und inwieweit war das ein Ehre?

Peter: Es hat mich gefreut, dass der Verband auf mich zu gekommen ist und der Meinung war, dass ich ein kompetenter Trainer bin. Ich war nie ein großer Fan von Verbänden aber die FFA ist nicht kommerziell und die Idee neuen Trainern zu helfen und den Sport in Deutschland voran zu bringen hat mich überzeugt mit einzusteigen.

WF: Was machst du privat um dich zu entspannen bzw. welche Hobbies hast noch so?

Peter: Ich bin ein begeisterter Sportler. Wenn ich nicht MMA, Thaiboxen oder BJJ trainiere mache ich sehr viel anderen Sport: Snowboarden, Surfen, Klettern, Laufen, Fußball, Basketball, Tischtennis, ich habe bis vor zwei Jahren noch Eishockey gespielt. Wenn ich mal keinen Sport mache, dann schaue ich gerne Filme, lese und habe Freude daran Pflanzen aufzuzüchten.

WF: Hast du noch irgendwas zu deinen Fans zu sagen?

Peter: Ich bedanke mich bei allen Fans für ihre Treue und verspreche euch, dass ich noch viele spannende Fights für euch liefern werde. Danke auch an meine Sponsoren: Manto, XTFC, Phantom, Pride, Cage Mundial, Barewo, Profightshop und NBP

About