Tommy End im WrestlingFever.de Interview (27.06.2012)

Der Niederländer Tommy End erzählt im exklusiven WrestlingFever.de Interview ausführlich über die „Sumerian Death Squad“, die härtesten Gegner, wichtige Ratschläge für Trainees, Hobbys, Hasen, Michael Dante, Kampfsport und vieles mehr.

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WF: Hallo Tommy! Vielen Dank das Du Dir die Zeit für dieses WrestlingFever.de Interview genommen hast. Wie geht es Dir?

Tommy: Ziemlich gut. Ich hatte, das ist kein Geheimnis, eine harte Zeit in den vergangenen Monaten, aber wir müssen mit dem, was auf uns zu kommt umgehen können.

WF: Vor kurzem hatten wir auch Deinen Kollegen und Landsmann Emil Sitoci im Interview, wie steht es um das Wrestling in den Niederlanden?

Tommy: Ich denke, dass wir gerade jetzt viel besser sind als vor ein paar Jahren. Es ist gut das Jungs wie Emil Sitoci, Michael Dante, Kenzo Richards, Big Geert u.v.m endlich aus sich heraus gehen.

Es ist ein Zeichen für die niederländische Wrestlingszene aber auch für den Rest der Welt, um festzustellen, dass es sehr wohl Wrestler in Holland gibt, die auf jeden Fall einen Blick wert sind. Ich denke das Wrestling in Holland hat ein neues Niveau erreicht, die Qualität der Shows steigern sich.

Klar, einige Dinge könnten noch besser laufen wenn die Leute hier und da etwas offener wären, aber im Großen und Ganzen haben wir für jeden etwas in Holland.

PWH (Pro Wrestling Holland) bleibt der Tradition des professionellen Wrestlings treu und ist seit 6 bis 7 Jahren nicht mehr aus dem niederländischen Raum wegzudenken.

Dutch Pro Wrestling (DPW) fördert ein größeres Publikum und hält den Unterhaltungswert als ihren wichtigsten Aspekt.

Pro Wrestling Showdown (PWS) setzt mehr wert auf den sportlichen Teil des Berufsringens.

Alle Promotions in Holland ziehen größere Menschenmengen an und das ist das Schlüsselzeichen des Wrestlings, das Produkt wächst..

WF: Schaust du dir die EM Spiele an ist Fußball ist nicht so interessant für Dich?

Tommy: Haha, nein! Ich kann mich einfach nicht überwinden Fußball zu gucken. Glaubt mir, ich habe es versucht. Ich komme aus einer Familie von Fußball- und Tennisspielern. Mich lies das alles kalt und es gab mir mehr ein Kindheitstrauma statt etwas anderem.

WF: Wie entstand der Entschluss, Pro Wrestler zu werden?

Tommy: Ich denke das ist das Gleiche wie bei jedem anderen auch. Ich sah Wrestling, war regelrecht besessen davon und als die Zeit reif war beschloss ich, das ist genau das, was ich machen möchte. Das Lustige an der Sache ist, das alles was ich vorher tat den Entschluß bestätigte und mich so auf diesen Weg brachte. Schon unheimlich wenn man sieht das die Fehler in der Vergangenheit wohl nötig waren damit dies alles geschieht.

WF: Haben Du irgendwelche Vorbilder von früher oder heute?

Tommy: Wie ich in anderen Interviews sagte, glaube ich nicht an Idole.

Jeder sollte seine eigenen Fehler machen dürfen, außerdem glaube ich auch zu schlechten Zeiten sehr stark ans Positive.

Fall aufs Maul, stehe auch mit Schmutz in den Augen wieder auf – das macht alles so viel wertvoller als jemand anderen nur zu imitieren, jedoch werde ich von Kollegen und Freunden durchaus inspiriert, beeinflußt wurde ich auch durch bestimmte Wrestler als ich erwachsen wurde.

Auf jeden Fall Leute wie Robbie Brookside, Johnny Kidd, Chris Jericho, Dean Malenko, Chris Benoit, Eddie Guerrero etc. Heutzutage werde ich, wie bereits erwähnt, stark von Kollegen und Freunden inspiriert. Davey Richards, Zack Sabre Jr, Daisuke Sekimoto, Sami Callihan, Shinya Ishikawa gehören dazu, sogar Leute die ich selber trainierte (wie zum Beispiel Michael Dante und Lloyd Patterson) helfen mir besser zu werden.

WF: Einer Deiner Trainer war Chris Hero, der vielleicht hat eine große Zukunft bei WWE haben wird. Wie erinnerst Du Dich an Chris – als Trainer und Person?

Tommy: Nun, ich würde nicht behaupten das ich von Chris trainiert wurde, aber er gab mir viele Ratschläge und zeigte auch Tengkwa, Wesley Croton sowie vielen anderen den rechten Weg, die richtigen Griffe und Worte. Ich schulde Chris viel, nicht nur meine Techniken sondern auch das er meinen Verstand geschärft hat.

WF: Verfolgst Du seine Karriere, bzw. generell das WWE Produkt an sich?

Tommy: Ich denke das die WWE das Ziel für jeden Wrestler sein dürfte. Seit Jahren habe ich jedem gesagt das mein Ziel Europa, Japan und Amerika sei. Ich war nie einer der Big Boys aber mittlerweile sind mehr Möglichkeiten da, mein Ehrgeiz gewachsen und wer weiß schon was die Zukunft im Geschäft noch bringen wird….Wenn Du mir vor 10 Jahren gesagt hättest das ich so erfolgreich bin hätte ich dich für verrückt erklärt. Wenn es etwas gibt was ich gelernt habe ist es, das Menschen zu sehr viel mehr fähig sind als wir eigentlich denken. Gerade in den ausichtslosesten Situationen lernte ich zu überleben und die Möglichkeiten statt der Probleme und geschlossenen Türen zu sehen. Wrestling gab mir soviel mehr als die Möglichkeit zu performen, es trug einen großen Teil zu meiner menschlichen Entwicklung bei.

WF: Heute bist du sehr erfolgreich im Team mit Michael Dante als „Sumerian Death Squad“. Wie ist dieses Team und der Name dazu entstanden?

Tommy: Nun, ich trainierte Dante und es ist sicherlich kein Geheimnis, dass wir uns seit 17 Jahren kennen.

Anfangs lief nicht alles glatt. Die Promoter pushten nur mich, Dante aber nicht. Unsere In Ring-Fähigkeiten passten nicht usw…Doch dann kam genau der richtige Moment ein Tag Team zu bilden.

Wir lernten unsere Fähigkeiten besser kennen und ich trainierte Michael. Jeder von uns weiß genau was der Partner leisten kann. Wir eroberten Japan innerhalb eines Jahres im Sturm und ich bin mir sicher das es noch viel mehr für uns zu erreichen gibt.

Zu den Namen…Ich hatte als Junge schon immer andere Interessen als die meisten anderen Kinder in meinem Alter. Ich war ein nachdenklicher Typ, stellte mir sehr viele Fragen – zum Beispiel warum es niemand logisch findet das es Leben auf anderen Planeten gibt, warum Menschen an Gott glauben und so weiter….Ich habe mehr mit älteren Menschen geredet, die mir mit ihrem Wissen schlaflose Nächte bereiteten. Es entwickelte sich ein sehr großes Interesse an okkulten Dingen, Religion, Kunst, Pseudo-Wissenschaft und Verschwörungen.

Ich glaubte nicht an Dinge dieser Welt wie sie mir präsentiert wurden. Aber was hat das alles mit unserem Namen zu tun? Nun, Dante teilte das auch diesen Gedanken, das die Samurai einer der ersten etablierten, modernen Zivilisationen waren. Erschaffen vor circa 8000 bis 10000 Jahren von einer Rasse von Wesen die Annunaki genannt wurden. Ich weiß was ihr jetzt denkt, „Hallo Tommy! Alles in Ordnung???“. Denkt aber mal drüber nach. Vor den Samurai gab es keine moderne Zivilisation, sie sprachen damals schon über Genmnipulation und andere Planeten. Das konnten weder Michael noch ich ignorieren und wir hielten es für das Beste unsere Interessen zu kombinieren. So entstand schließlich der Name „Sumerian Death Squad! Um es ein klein bißchen auszuführen. Alles im Leben scheint einfach als wahr oder falsch abzustempeln zu sein, aber ich bringe jemanden dazu seine Ansichtsweise zu überdenken. Für die jenigen die es interessiert, unsere Tag Team Moves wurden nach Verschwörungstheorien benannt, hier ein Überblick:

– Project Blue Book

– Bohemian Grove

– Martial Law

– The Majestic 12

– Manhattan Project

– Hollow Earth

– Dulce base

WF: Beim diesjährigen Carat hast Du in einem grandiosen Finale gegen El Generico verloren. Wie siehst Du das Carat?

Tommy: Vielen Dank!

Ich denke das 16 Carat ist eins der wichtigsten und größten Turniere in Europa. Klar gibt es irgendwo immer noch mal was Größeres, aber für einen Indy-Wrestler ist es schon eine ganz hohe Hausnummer. Die Besten der Welt treffen sich dort um zu zeigen was sie können, das Publikum kommt aus aller Herren Länder. Niemals wurden ihre hohen Erwartungen enttäuscht. Die Fans können dort Traummatches sehen, die sie schon immer einmal erleben wollten.

WF: Magst Du Turniere dieser Art?

Tommy: Ja tue ich! Kurz und bündig dieses mal 😉

WF: Was liegt Dir mehr: Einzel oder Tag-Team-Matches?

Ich mag beides sehr gerne, aber nur weil ich Im Singles-Bereich meinen Fokus habe heißt es noch lange nicht das ich das teamen weniger mag. Ich bin glücklich, nicht nur wegen dem Team an sich, sondern auch über den Erfolg den ich mit Dante habe.

WF: Welches Ziel möchtest Du erreichen? Innerhalb wXw hast Du eigentlich alles erreicht bis auf den großen Titel…

Tommy: Einfach soweit wie ich mit meinen Fähigkeiten kommen kann. Die Grenzen für Ziele habe ich fallen lassen.

WF: Inzwischen trainierst Du Talente von Morgen. Gibt es jemanden der nach Deiner Meinung eine große Zukunft haben wird?

Tommy: Oh ja, ich bin ein großer Fan von Freddy Stahl. Ich wurde von keinem anderen so beeindruckt wie von ihm. Mit seinem Look, seinem Körperbau und seiner Mentalität hat er das Zeug um es ganz weit nach oben zu schaffen. Er verdient die Spots die er zur Zeit erhält völlig zu Recht. Andere Leute die mich beeindrucken sind Robert Dreissker, Jay Skillet, Lloyd Pengel und der Axeman. Ok, ein Newcomer ist der letzt genannte nicht mehr, aber ein sehr großer Aufsteiger. Sein Match gegen Yoshihito Sasaki war phänomenal, sehr inspirirend.

WF: Vor einiger Zeit warst dumit Dante in Japan unetrwegs. Wie gefiel Dir das Land, die Menschen und vor allem die Tour?

Tommy: Es war unglaublich! Dante und ich haben auf der Tour so viel Frieden und Liebe empfangen, die Landschaft, die Mentalität der Japaner oder einfach nur on the road mit leidenschaftlichen Menschem zu sein, die die Liebe zum Wrestling teilen, herrlich. Ich hoffe wir können dort noch oft touren, denn ich glaube Michael & ich sind noch nicht in Japan fertig. Ich bin stolz ein Teil der großartigen BJW Promotion zu sein.

WF: Gibt es eine bestimmte Land, wo du unbedingt einmal wrestlen möchtest?

Tommy: Kanada, wegen der ganzen Tradition. Andere Ziele sind Kolumbien und Mexiko.

WF: Wie unterscheiden sich die japanischen Fans von den deutschen Anhängern?

Tommy: Ich weiß das es jetzt ein wenig klischeehaft klingt aber es ist so. Die deutschen Fans sind wild und chanten durchgehend. Die japanischen Supporter sind da anfangs etwas zutückhaltender und steigern ihre Begeisterung je intensiver das Match geführt wird.

WF: Hattest Du Kontakt mit WWE bzw. TNA und eventuell sogar Tryout-Matches?

Tommy: Mir wurde erzählt das TNA ein Auge auf uns geworfen haben soll. Ob es stimmt oder nicht kann ich nicht sagen. Zum Anderen: Nööö!

WF: Obwohl die „SDS“ als Bad Guys auftreten habt Ihr viele Anhänger. Wie erklärst Du Dir die Zustimmung der Fans?

Tommy: Ich denke weil Dante und ich nicht die typischen Heels sind. Wir sehen aus, als ob wir gegen alles wären, was die Gesellschaft billigt. Klar es gibt viele tättoowierte Typen im Wrestling, aber die Art wie wir sprechen, wie wir uns dem Publikum präsentieren und die Aktionen die wir im Ring zeigen sind alle wohlüberlegt und nicht hastig aneinander gereiht. Das zeugt von Intelligenz. Ich glaube das was uns erfolgreich macht ist das uns die Leute rein gar nicht einschätzen können. Wir sehen aus wie die typischen Anti-Helden benehmen uns aber nicht so.

WF: Gegen wen hattest Du deine härtesten Kämpfe im Ring?

Tommy: Daisuke Sekimoto, Yuji Okabayashi, Sami Callihan, Michael Dante und Zack Sabre Jr., Davey Richards und Antonio Cersaro / Claudio Castagnoli

WF: Hast Du bestimmte Lieblings-Gegner, vielleicht auch Matches?

– Tommy End-Vs. Davey Richards (ROH Title Match, Spanien)

– Sumerischen Death Squad Vs. Dasuke Sekimoto & Yuji Okabayashi (Global Tag-Team-Turnier, Japan)

– Tommy End Vs. Sami Callihan (wXw 16 Carat 2011 Round 1, Deutschland)

– Sumerischen Death Squad Vs. Jonathan Gresham & Jay Skillet (wXw, Deutschland)

– Tommy End vs. Tristan Archer (PWS Title Match, Holland)

– Tommy End-Romeo & vs. Teo & Tispun? (TV Tapings ICWA, Frankreich)

WF: Welche Sportarten machst Du neben dem Wrestling sonst noch, hast Du noch andere Hobbys?

Tommy: Ich kickboxe immer noch, ich habe mehr als 20 Jahre Erfahrung in Martial Arts. Als ich 3 Jahre alt, war wollte ich Wrestler werden, was dem nahe kam waren halt Kampfsportarten wie Karate, Judo, Kickboxen und Pencak Silat.

Am meisten genieße ich meine Freizeit zu Hause mit Freunden. Ich bin sehr froh das ich tolle Leute kenne, Freunde habe die ich liebe. Ich bin sehr dankbar das sie in mein Leben getreten sind.

Ich liebe es zu arbeiten, zu trainieren zu lesen oder einfach mal faul in der Ecke mit meinen beiden Hasen (Meh und El Bunny del Mariachi bzw. Machi Bunny und Big Bunny aka King Bunny) zu sitzen. Für alle die es noch nicht wußten: Ich liebe kleine, flauschige Tierchen.

WF: Gibt es einen absoluten Wunsch-Gegner, ein Idol oder ein Traum Match für Dich?

Tommy: Ich glaube Liger wäre ein großartiger Gegner, vor ein paar Jahren wäre es beinahe soweit gekommen!

WF: Es gibt mehr und mehr Wrestling Schulen. Wie gefällt Dir diese Entwicklung?

Tommy: Eine schwierige, aber gleichzeitig auch einfache Frage. Die Antwort ist schwer, der Grund nicht. Einfach ausgedrückt, es gibt zu viele Wrestling-Schulen. Es gibt da draussen einfach zu viele Kids die ihr Training nicht beenden, frustriert sind, was neues wagen und teilweise sogar neue „Schulen“ besuchen ohne das nötige Benehmen im Lockerroom, genug Erfahrung oder Ahnung vom Business zu haben.

Für mich ist es sehr wichtig Menschen mit Demut zu haben, es liegt mir fern Leute zu beleidigen. Trotz des Erfolgs bin ich nicht da wo ich sein muß, es gibt noch viel zu lernen und erledigen und genau an solche Sachen denke ich. Das zu wissen bringt mich dorthin wo ich jetzt bin, es ist schon seltsam das es da draussen Menschen gibt die noch nicht mal 2% meiner Erfahrung und meines Wissens haben.

WF: Wir bitten Dich um einen kleinen Rat für jedes Talent, das den Traum hat Pro Wrestler zu werden.

Tommy: Einer der wichtigsten Ratschläge überhaupt: Mund halten sowie Augen & Ohren offen halten! Schön ruhig sein um sich inspirieren und für das Business trainieren zu lassen. Das was wir tun ist nicht jedermanns Sache und bedarf hunderte Kilometer auf der Straße sowie viele schlaflose Nächte. Ich traf viele falsche Entscheidungen bevor ich merkte was wirklich wichtig ist. Die Neulinge müssen selbst in den dunkelsten Situationen das Licht rauspicken und filtern. Nimm dir diese positiven Aspekte mit nach draussen, auch ausserhalb des Wrestlings. Liebe und lerne, laß nie mehr los. Sei bereit auch mal im Dreck zu wühlen um weiterzukommen.

WF: Hast Du noch ein paar Worte an Deine Fans?

Tommy: Mehr als alles andere bin ich ein Produkt meiner Fans, so dass es ohne sie keinen Tommy End geben würde. Ich danke euch so sehr für die Unterstützung und auch dafür das ihr so hinter der „Sumerian Death Squad“ steht. Ich liebe euch alle!

WF: Wo findet man „Tommy End“ im Internet?

Tommy: Versucht es mit Google! (Oder gebt bei Facebook „Tommy End“ ein) 😉

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