WrestlingFever Interview: Travis Cross vom 04.06.2012

„Tom Venice“ bzw. „Travis Cross“ bietet den Fans nicht nur versch. Charaktere sondern auch eine gute Ringerschule. Trainiert wurde er von Damon Brix, Michael Kovac sowie Chris „Bambikiller“ Raaber und ist seit nun knapp 2 Jahren aktiv. Tom hat auch Erfahrung im MMA Bereich, welche im Interview auch ausführlich beleuchtet wird.

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WF: Hallo Tom, schön das Du Zeit für ein Interview mit WrestlingFever.de hast, wir hoffen es geht Dir soweit gut?

Tom: Hallo Markus. Für ein Interview stehe ich gerne bereit. Mir geht es soweit so gut. „Laborier“ noch bisschen an einer Verletzung rum.

WF: Um welche Verletzung handelt es sich denn, geht es etwa immer noch um das Bein?

Tom: Ja genau. Aber das Bein ist das nur eine Auswirkung. Als ich bei der NEW mein Debüt hatte, bestritt ich gegen VIP ein „Falls Count Anywhere“ Match. Dabei zeigte er gegen mich einen „Overhead Belly to Belly Suplex“ auf den blanken Boden. Daraus resultierte eine Verletzung an der Wirbelsäule. Dürfte wohl eine Bandscheibe bisschen in Mitleidenschaft gezogen worden sein da der Schmerz in die Hüften ausstrahlt und ins rechte Knie.

WF: Ich war zufällig vor Ort und kann sagen, dass sich Du und der inzwischen erste NEW Champion „Vicious Impact Power“ eine harte Schlacht geliefert haben. Dennoch sollte man betonen, dass es sich hier um Wrestling handelt und Du gerne die „härtere Gangart“ fährst, richtig?

Tom: Stimmt vollkommen. Ich steh drauf Schmerzen zu verteilen und sie auch zu spüren. Ich habe da eine ausgeprägt masochistische Ader.

WF: Wären denn Deathmatches eine Option, würde Dich so was reizen?

Tom: Nein. Das ist für mich Körperverstümmelung. Die Matches die es bei NEW „Pure Extreme“ gab würde ich alle bestreiten. Aber ich bin kein Fan von „No Rope Barbed Wire Matches“ und wie sie noch alle heißen.

WF: Du bist noch nicht ganz 2 Jahre aktiv und hast eigentlich dafür einen tollen Körper. Welche Sportarten hast Du vor deinem Pro Debüt versucht, wenn wir von den Free Fights absehen?

Tom: Danken danke. Ich habe mich im Fußball versucht und bin kläglich gescheitert. Dann habe ich noch Boxen und Thaiboxen versucht. Aber das war alles nix für mich. War mir zu langweilig. Bin lieber an den Gewichten im Studio und im Ring. Das ist meine Passion auch wenn ich grade etwas kürzer treten muss.

WF: Du hast Dich, das finde ich sehr interessant, wie manche andere österreichischen Wrestler auch schon im MMA Bereich versucht. Unter Deinem realen Namen kann man sich davon bei Youtube ein Bild machen. Erzähle uns doch davon.

Tom: Ja ich wurde von einem meiner Trainer eben gefragt ob ich nicht mal Lust auf MMA habe. „Bring mir einen Gegner und ich mach ihn alle“ war meine Antwort. Meinen ersten Kampf konnte ich auch gewinnen, in 28 Sekunden durch Aufgabe der gegnerischen Ecke. Bei meinem zweiten Kampf musste ich mich in einem „Rear Naked Choke“ geschlagen geben.

WF: Wirst Du dran bleiben?

Tom: Eine Bilanz von 1 zu 1 kann ich nicht auf mir sitzen lassen

WF: Wer hat dich bezüglich MMA trainiert? Damon Brix?

Tom: Mein Trainer bezüglich MMA ist Lexxus. ER kennt viele Tricks und Kniffe im MMA zu bestehen.

WF: Wie gestaltet sich ein Training bzgl. MMA im Vergleich zu dem Wrestling Training. Wie würdest Du dies einem Fan erklären?

Tom: Im Wrestling Training wird die Fallschule geübt um Verletzungen vorzubeugen, es werden Aktionen trainiert und es wird dein Charakter entwickelt. Beim MMA geht es darum wie man seinen Gegner zu Boden bringt, ihn dort hält und auch die Kontrolle behält.

WF: Ich gehe mal davon aus, das UFC und/oder andere MMA Organisationen auch in Dein Interessensgebiet fallen?

Tom: Ich bin vermehrt an der UFC interessiert. Auch nicht zuletzt weil dort Brock Lesnar so eingeschlagen hat

WF: Hast Du noch andere MMA Favoriten?

Tom: Ich war ein Fan von Chuck Liddell der puren Striking-Machine. Jetzt verfolge ich mehr die Karriere von Todd Duffee.

WF: Was fasziniert Dich so an Brock Lesnar? Gerade er hat viele Kritiker?!

Tom: Ich war schon immer ein Fan von großen Muskelbergen. Und damals war Brock Lesnar eine Erscheinung die seinesgleichen suchte. Hab seine Ringerkarriere zurückverfolgt und da war er ja kein Unbekannter. Im Ring hat er mich von der ersten Minute an überzeugt. Dann wechselte er ins MMA und konnte jetzt so ziemlich der sein, der er war. BROCK LESNAR. Und da gefiel er mir noch besser. Wir sind auch beide bisschen ähnlich. Ich mag selber den großen Trouble um mich nicht. Will lieber meine Ruhe haben. Habe auch sein Buch verschlungen und bin dadurch noch ein größerer Bewunderer geworden weil er sagt was er denkt – und seinen Wert kennt für das Business.

WF: Die Frage die sich stellt ist, ob solche Muskelberge ohne Anabolika möglich sind?

Tom: Das ist jedem seine Sache ob er das Zeug angreift oder nicht. Ich bin kein Mediziner der sich mit den ganzen Hormonen auskennt. Ob sie nur mit Anabolika möglich sind oder nicht kann ich dir nicht sagen da ich kein Mediziner bin. Außerdem ist die Gesellschaft die sich da nicht auskennt sowieso viel zu verbohrt in ihrer Meinung. Wenn ich jetzt sagen würde „ist alles ohne Anabolika möglich“ würden mindestens 99 von 100 Leute sagen „ja ist klar“. Darum einen Mediziner fragen.

WF: Könntest Du Dir vorstellen als MMA-Pro zu agieren, den Sport mal Fulltime zu machen?

Tom: MMA Pro? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber sollte sich die Chance ergeben würde ich nicht nein sagen.

WF: Dein Herz schlägt aber hauptsächlich für eine andere Sportart, bzw. Sports Entertainment, wenn ich das so sagen darf. Wie hat sich das ergeben?

Tom: Ich bevorzuge den Begriff „Pro Wrestling“. Ich bin ja auch kein Entertainer, sondern Wrestler. Wie ich zum Wrestling gekommen bin? Meinen allerersten Kontakt mit dem Wrestling hatte ich schon mit 4 oder 5 Jahren als die CWA Hymne „Young, Strong and Healthy“ in den Charts war. Das ist auch meine früheste Kindheitserinnerung. Dann im Sommer 94 sah ich ein WWF Match mit Bret Hart auf RTL2 und dann war es um mich geschehen.

WF: Das müsste die Zeit um Die Bruderfehde gewesen sein.

Tom: Stimmt. Aber das Match war nicht gegen Owen.

WF: Du lebst in Österreich, wo die CWA eine große Geschichte hat. Hast Du jemals die Möglichkeit gehabt die CWA zu sehen? Mit Otto Wanz zu sprechen?

Tom: Die CWA konnte ich nicht mehr live sehen. Aber ich konnte mich letztes Jahr kurz mit Otto Wanz unterhalten bei Dreharbeiten für eine Dokumentation über ihn auf dem Red Bull Sender „Servus TV“.

WF: Über was spricht man mit Otto Wanz? Hat er noch Interesse am Catch Sport bzw. Wrestling?

Tom: Da war bei mir mehr die Ehrfurcht da, was zu fragen. Er hat eher uns Sachen gefragt als wir ihn. Ja er verfolgt die Szene in Österreich noch. Wenn die EWA in Leoben veranstaltet, findet man immer wieder Otto Wanz in den VIP Rängen.

WF: Du hast Dein Debüt auch bei der EWA bestritten, soweit ich weiß gegen Chris Colen. Erzähle uns bitte davon, für viele ist das erste Match unvergesslich und grausam zugleich.

Tom: Ja da bist du richtig informiert. In St. Valentin bei der EWA hatte ich mein Debüt Match gegen Chris Colen. Nach 16 Jahren stand ich nun da hinter dem Vorhang und wartete auf den Einsatz der Musik. Ich hatte Herzrasen wie noch nie und dann gehst du durch den Vorhang, die Crowd jubelt dir zu und du genießt dann einfach nur noch die Zeit da draußen……und dann spielt der Veteran im Match seine Erfahrung aus und heißt dich „auf Catcherart“ willkommen im Business. Mann, hatte ich Kopfweh danach. Es war ein harter Kampf, konnte ein paar Aktionen anbringen aber Chris Colen hat mich dann mit einem Fisherman´s Buster besiegt.

WF: Trainiert wurdest Du von Michael Kovac und Damon Brix, Kovac trainierte auch Colen. Sicher ist die Powerplexx Schule in Wien für jeden Schüler ein MUSS, wie auch das Dojo in Leoben vom Bambi, wenn man professionell trainieren möchte. Wie bist Du zu Kovac gekommen?

Tom: Also mein Headtrainer war Damon Brix. Als es dann soweit war das mein Debüt konkreter wurde, wurde ich zu Bambi und Kovac geschickt um dort noch ein paar Trainingsstunden zu absolvieren.

WF: Aus Österreich kommen viele Talente die sich sehen lassen können, auch bringen die meisten im Vergleich zu den deutschen auch bereits den Körper dazu mit. Wie oft trainierst Du denn in der Woche – Fallschule und Bodybuilding?

Tom: Aus Österreich kommen eben keine Hemden. Ich trainiere 3-4 mal im Gym und einmal die Woche im Ring.

WF: Wie entstanden die Namen bzw. Charaktere „Tom Venice“ (den du in den UK zuerst genutzt hattest) und später „Ridvan Faraq“?

Tom: Im wahren Leben heiße ich ja Thomas. Da ist das Tom natürlich nahe liegend. Zu „Venice“: Ich bin ein totaler Fan von „Venice Beach“. Dem Lifestyle dort. Und über Ridvan Faraq kann ich nur sagen das diese Sache nicht meine Idee war. Ich habe mich im Internet wegen irgendwelchen Namen informiert. „Faraq“ kam von Bambi als Hommage an den ägyptischen Catcher Mamdouh Faraq.

WF: Du hattest damit einen Araber verkörpert, richtig? Mit Kopftuch etc.?!

Tom: Ja

WF: Das würde ich zu gerne sehen. Beim letzten NEW Event im Mai 2012 konnte dann dein bereits drittes Gimmick sein Debüt feiern. Bitte erzähle den Fans wie „Travis Cross“ entstand. Name, Gimmick, Aussehen etc.

Tom: Bevor ich auf Travis Cross eingehe möchte ich sagen das sich keiner mehr Hoffnungen machen braucht Ridvan Faraq zu sehen. Er ist Geschichte. So und jetzt zu Travis Cross.

Ich war schon immer Fan von dem mystischen. Trage auch privat mehr dunkle Sachen. Das da Gimmicks a la Undertaker, Kane, Brood, Ministry oder der Fallen Angel besonders interessiert haben, liegt dann auch auf der Hand. Der Mantel sollte eine Mischung aus dem alten Undertaker und dem Fallen Angel sein. Ich glaub das ist mir auch recht gut gelungen. Zum Namen. Tyson Tomko kämpfte damals als „Tombstone“ im Team mit Seven (Kevin Fertig) als ein dunkles Tag Team. Tyson Tomko heißt im realen Leben Travis Tomko. Der Name Travis hat mir schon immer sehr gut gefallen. Und Cross…ja ich steh einfach auf Kreuze.

WF: Wird es „Tom Venice“ noch zu sehen geben oder ist „Travis Cross“ nun Dein Haupt Gimmick? Ich kann mir vorstellen, dass Dich das sehr einschränken kann.

Tom: Das hängt ganz von den Veranstaltern ab. Aber ich finde, dass es in Europa zu wenig richtige Gimmicks gibt. Die Fans kennen das Wrestling aus dem Fernsehen und kommen irgendwann mal darauf, dass es auch hier eine Szene gibt. Aus dem Fernsehen kennt man Gimmicks und erwartet dann als „0815“ Fan genau so eine Darstellung der Wrestler. Dann sehen sie eine Euro Show wo es eben „nur“ Wrestler sind und keine Gimmicks. Also ich will mit dem Gimmick Travis Cross dem Publikum das geben was sie sehen wollen. Ein Gimmick das es im normalen Leben nicht gibt.

WF: Also bist Du doch nicht nur „Pro-Wrestler“ sondern auch Entertainer – eine tolle Verbindung.

Tom: Es gibt in Europa viele gute Wrestler die ohne Gimmick antreten. Mit einem Gimmick kann man sich mehr abheben von der Masse. Und darum geht es mir. Sich abheben. Darum nutze ich jetzt auch das Travis Cross Gimmick, obwohl ich eigentlich mehr auf das gimmicklosere Pure Wrestling a la ROH stehe.

WF: Inzwischen konnte man Dich 2x bei Alex Wrights NEW in Heßdorf sehen. Beim ersten Kampf hattest Du es mit VIP in einem harten Falls Count Anywhere Match zu tun, beim zweiten Kampf konntest Du „Romeo Speed“ in einem „Kendo Stick“ Match besiegen, dass zugleich ein „Loser leaves NEW“ Match war. Erzähle uns von Deinem NEW Einstand, den Matches…

Tom: 2 sehr verschiedene Gegner muss ich sagen. Das Falls Count Anywhere Match hatte ich gegen VIP. Ja dieses Match war eine sehr harte Nummer und gleich ideal um bei den Fans und beim Office einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wir haben uns nichts geschenkt im Match. Die härteste Aktion war für mich der Overhead Belly to Belly Suplex auf den Betonboden wo ich bekanntlich ja heute noch immer wieder schmerzhaft daran erinnert werde. Der „Coast to Coast“ auf mich (als Hard Style mich festhielt) war auch eine sehr unangenehme Geschichte. Wenn man sich das Match ansieht, sieht man wie ich mich danach nicht bewege. Aber da ich ja die härtere Gangart bevorzuge war das schon ok so. Er hat mir Sachen verpasst, ich habe ihn dafür auch wieder Aktionen einstecken lassen wie z.B.: den Suplex auf die Stahlrampe. Im ganzen ist es eines meiner Lieblingsmatches meiner bisherigen Karriere. Am gleichen Abend gab es ja auch noch die Battle Royal wo ich einen Vorgeschmack bekam wie hart Demolition Davies arbeitet. Nach 2 „mehr als soliden“ Forearms in den Magen, bekam er von mir gefühlte 15 Forearms in das Gesicht zurück, um von ihm wegzukommen.

Dann einige Monate später gab es das „Loser leaves NEW“ Kendo Stick Match gegen Romeo Speed. Und ja, was soll ich dazu sagen. Ich habe ihn mit dem Kendo Stick verprügelt, hatte dabei einen Riesenspaß und gewonnen.

WF: Welchen Eindruck hast Du bisher von der NEW gewinnen können?

Tom: Einen sehr positiven. Du wirst willkommen geheißen mit offenen Armen. Alle ziehen an einem Strang um die Promotion zu pushen. Es gibt keine Egospielchen, sondern einen Chef und der ist darauf bedacht das jeder einzelne Aktive so gut es geht zur Geltung kommt und somit der Promotion seiner Fähigkeiten entsprechend hilft. Thumbs up for NEW.

WF: Viele Auslands Erfahrungen hast neben Deutschland & Irland noch nicht gemacht, oder?!

Tom: Ich war in Irland und Deutschland aktiv. Nigeria stand auch schon fest, aber dann wurde es aus organisatorischen Gründen abgesagt.

WF: Gibt es für Dich ein Land oder auch mehrere, wo Du unbedingt mal im Ring stehen möchtest?

Tom: Ich will unbedingt mal in England in den Ring steigen und auch dort mal trainieren. Dort wird man in die Mangel genommen. Dort kann man sehr viel lernen. Die englische Schule genießt hohes Ansehen im Business. Wie fast jeder Wrestler wäre es ein Traum mal in den USA auftreten zu dürfen. Japan würde mich auch sehr reizen weil es dort eben pures Wrestling ist.

WF: Viele Deiner jungen Kollegen wie Dragan Okic, Franz Lerchbacher, Mexx etc. werden gerne gebucht. Hast Du hier einen möglichen Lieblingsgegner?

Tom: Ich habe von diesen 3en nur einmal mit Dragan Okic im Ring gestanden als Gegner und einmal mit Franz Lerchbacher als Mitglied des gegnerischen Tag Teams. Die Wege von Mexx und mir haben sich noch nicht gekreuzt. Aber ich freue mich auf eine harte Auseinandersetzung mit ihm. Erst dann kann ich dir sagen, wer von diesen 3en mein „Lieblingsgegner“ ist.

WF: Zum Wrestling gehört auch das reisen. Hast Du eine Geschichte dazu?

Tom: Hmmmm…lass mich überlegen. Da gibt es eigentlich noch nicht wirklich was zu erzählen. Außer das Dragan sich in Irland auf der Rollbahn vor dem Heimflug übergeben hat, weil wir bisschen gefeiert haben und uns das Guinness ziemlich geschmeckt hat.

WF: Dragan sollte beim Slivovic bleiben 🙂

Tom: Ich schätze mal dass du damit ein bosnisches Getränk meinst?

WF: Eher slawisch, nicht bosnisch. Dragan kann ihn Dir sicherlich einmal vorstellen! Ein guter Zwetschgen Schnaps. Wir danken für dieses Interview.

Tom: Ich bedanke mich dass du mich für dieses Interview auserkoren hast.

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