WrestlingFever Interview: Wolfgang Stach vom 18.10.2007

stachthumbWFLiebe Wrestlingfans, heute (18.10.2007) führte ich erstmals ein Interview mit dem Chefredakteur der Zeitschrift „Powerwrestling“. Das wohl bisher erfolgreichste Deutsche Pro-Wrestling Magazin der heutigen Zeit. Der erfolgreiche Journalist nahm sich für WrestlingFever.de Zeit, um über aktuelle Geschehnisse der Wrestlingszene, aber auch über das bald erscheinende, deutschsprachige „WWE Magazin“ zu sprechen, für dass Oliver Copp und Wolfgang Stach die Verantwortung tragen (18.10.2007)

WF: Sehr geehrter Herr Stach, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich für WrestlingFever Zeit genommen haben…

Stach: Hallo, kein Problem, mache ich gerne!

WF: Am 07.09.2007 veröffentlichten Sie die Meldung, die einige Leser der „Powerwrestling“ überrascht hat. Neben der Power-Wrestling, „Ringside“ möchten Sie sich nun auch dem Objekt „WWE Magazin“ widmen?

Stach: Ich kann mir gut vorstellen, daß dies sehr viele überrascht hat. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es ja kein Geheimnis ist, daß das Verhältnis von PW und der WWE bis Oktober 1998 recht angespannt war. Damals konnte ich mit Linda McMahon alles klären, und seitdem ist das Verhältnis zwischen uns immer besser geworden, was sich ja auch daran zeigte, daß wir die Fanfeste bei den Touren machen durften. Dieses sehr gute Verhältnis war dann sicherlich auch einer der mitausschlaggebenden Gründe, warum wir gegen durchaus starke Konkurrenz den Zuschlag für das WWE-Magazin erhielten.

WF: Das offizielle, deutschsprachige WWF (WWE) Magazin erschien erstmals im September 1992 und es existierte bis zum letzten Quartal 2000. Viele Kritiker sahen dieses Magazin eher als „Mark-Magazin ohne Unterhaltungswert“. In der Tat beschäftigte sich das Magazin nur mit Storylines ohne nur ansatzweise eine gewissen (wahren) Informationsgehalt zu bieten. Was wird der Unterschied zwischen dem klassischen und dem neuen WWE Magazin sein? Gibt es gewisse Vorlagen, oder dürfen Sie „frei“ berichten?

Stach: Während das WWE-Magazin früher ja eine reine 1:1-Übersetzung war, wird es diesmal auch einen deutschen Inhalt geben, für den wir verantwortlich zeichnen, wobei dieser stets mit der WWE abgestimmt wird. Auch ist der Informationscharakter des Heftes deutlich höher als früher.

WF: Die „Powerwrestling“ konnte sich in den letzten Jahren behaupten. Gerade 2000 erlebte Deutschland einen erneuten Wrestlingboom und zahlreiche Magazine erschienen um dann still wieder zu verschwinden. Wie erklären Sie sich den Erfolg, wenn man bedenkt, dass auch das Internet manche Inhalte vorweg nimmt?

Stach: Ich glaube, einer der großen Vorteile von PW ist der doch recht persönlich gehaltene Stil. Auch wird das Internet insgesamt doch sehr überschätzt. Es gibt noch immer sehr viele Wrestlingfans, die das Internet nicht nutzen oder wenn, dann nicht unbedingt für das Wrestling. Das erleben wir immer wieder an den Reaktionen auf Sachen, die manchmal schon zwei Wochen vorher im Internet standen. Positiv kommen sicherlich auch die Interviews an, die man so meist doch nicht im Internet findet, besonders wenn man an die mit dem Sandman denkt, doch auch manche andere. Sicherlich gibt es auch dort manchmal Enttäuschungen, wie etwa das mit Scott Steiner, aber das ist zum Glück doch die Ausnahme. Darüber hinaus sind Hefte sehr gut zur Archivierung geeignet, und sie haben den Vorteil, daß sie auch Bilder beeinhalten, was im Internet doch nicht mmer gegeben ist. Und last but not least haben wir das Heft ja von der aktuellen Information etwas dahingehend abgeändert, daß wir Hintergrundberichte bringen, Rückblicke usw.

WF: Wie denken Sie über diverse Internetseiten? Finden Sie, dass diese der Wrestlingszene schaden? Manche Storylines, Verpflichtungen und Ergebnisse erscheinen bereits Tage vor den Events. Sollte man „Sicherheitslücken“ in den versch. Companys bestrafen?

Stach: Ich glaube nicht, daß sie der Wrestlingszene schaden, wenn sie zumindest einigermaßen professionell geführt werden. Vor allem tummeln sich auch die sog. smart marks in erster Linie auf diesen Seiten. Die meisten normalen Fans, die immer gerne als marks abqualifiziert werden, obwohl es ohne sie das Wrestlingbusiness überhaupt nicht geben würde, gehen eher auf wwe.com als auf die Seiten des Observers, des Torch oder Figure Four. Was ich – inzwischen – ablehne, ist, daß manche Seiten meinen, auch das letzte bißchen Privatleben der Wrestler der Öffentlichkeit mitteilen zu müssen. Dadurch wird nämlich bei vielen Fans sämtliche Illusion zerstört, mit der Folge, daß manche sich vom Wrestling abwenden!

Schlimm wird es, wenn irgendwelche Webseitenbetreiber kein Verantwortungsbewußtsein haben. Um einen konkreten Fall zu nennen: Als Premiere und die WWE nach vielen Jahren der Fernsehabstinenz endlich wieder einen Vertrag ausgehandelt hatten, hatte die WWE Premiere Superkonditionen für die ersten PPV-Ausstrahlungen eingeräumt, da niemand wußte, ob dieses Angebot in Deutschland überhaupt angenommen wird. Die WWE wollte unbedingt ins deutsche Fernsehen, aber Premiere wollte auch kein zu hohes finanzielles Risiko eingehen. Ich wußte von dem Deal, beide Seiten baten mich, aber nichts davon zu veröffentlichen, da Sky große Probleme hätte machen können, wenn sie von den Konditionen gewußt hätten, da diese zuerst doch deutlich unter dem lag, was Sky bezahlen mußte. Prompt meinte aber eine deutsche Seite, die das durch Zufall auch erfuhr, da jemand aus einer Nebenanteilung von Premiere den Mund nicht halten konnte, dies veröffentlichen zu müssen. Ich bekam das durch Zufall direkt mit und rief den Betreiber dieser Seite direkt an, erklärte ihm den Hintergrund und bat ihn, diese Meldung doch bitte wieder vom Newsboard und aus dem Forum zu nehmen – was natürlich NICHT geschah! Dadurch bestand die große Gefahr, daß der ganze Deal doch noch hätte platzen können, was aber glücklicherweise dann doch nicht geschah. ZWar bekam die WWE dadurch einige probleme, doch konnte alles wieder ausgeräumt werden.

Deartige Sachen schaden dem Wrestling, aber nicht irgendwelche Gerüchte über einen möglichen Titelwechsel. Es ist gut, daß auch Fans Wrestlingseiten betreiben und nicht nur Personen, die professionell mit dem Wrestling verbunden sind. Allerdings sollten sie dann auch Verantwortungsbewußtsein zeigen und nicht über alles berichten, was sie wissen, wenn die Gefahr besteht, daß es der Sache schadet!

WF: Mit Oliver Copp (TNA und UFC Kommentator) steht Ihnen ein „texanischer“ Kollege zur Seite, der auch manchen älteren Wrestling und MMA Fans ein Begriff sein dürfte. Denken Sie, dass die WWE erneut eine Konkurrenz (wie damals WCW) benötigen könnte?

Stach: Konkurrenz ist immer gut. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, daß die besten Ideen dann geboren wurden, weil man besser als der andere sein wollte. Hätte es die NWO gegeben, wenn die WWE schon damals ein Monopol gehabt hätte? Ich glaube nicht! Vince hat sicherlich versucht, die Kreativität dennoch immer auf einem Spitzenlevel zu halten, doch hatte man vielleicht dennoch ab und zu mal Angst, etwas könne nicht einschlagen, also ging man das Risiko nicht ein. Ud in der Vergangenheit hat sich oftmals gezeigt, daß gerade Sachen, über die man sich nicht so sicher war, hervorragend einschlugen. So bin ich mir auch nicht sicher, ob die WWE seinerzeit das Steve Austin-Gimmick geschaffen hätte, hätte es nicht die damals sehr starke Konkurrenz der WCW gegeben. TNA hätte alle Möglichkeiten, eine ernsthafte Konkurrenz zur WWE zu werden, allerdings müßten sie sich mehr unterscheiden. Der senerzeitige Erfolg der WCW beruhte darauf, daß, wenn jemand durch die Kanäle zappte, er sofort erkannte, daß WCW und die damalige WWF zwei total unterschiedliche Produkte waren. Heute versucht TNA aber, eine bessere WWE zu sein, anstatt darauf zu setzen, einen eigenen Weg zu gehen, der sie von der WWE völlig unterscheidet. Nur ein anderer Ring reicht dazu nicht aus.

WF: Sicherlich verfolgen Sie auch die TNA. Sehen sie Potential, bzw. einen möglichen Quotengegner für die WWE?

Stach: Das Potential und die Wrestler hat TNA. Schaffen Sie, einen eigenen Weg zu kreieren, der sich deutlich von der WWE unterscheidet, könnte es auch diesmal wieder einen Ratingskrieg geben.

WF: Als langjähriger Verfloger der Szene und Leser der Powerwrestling, weiss ich und zahlreiche andere Leser von ihrem guten, freundschaftlichen Kontakt zur kanadischen Hart Familie. Sicherlich kannten Sie auch Chris Benoit und verfolgten aufmerksam die Geschehnisse und auch die versch. Berichte in den Medien. Mit Benoit hat die Welt einen der besten, technsich versierten Wrestler verloren. Wie denken Sie über die Tragödie und wie wird Ihnen Chris in Erinnerung bleiben?

Das erste Deutsche WWE Magazin erschien am 19.10.2007

Stach: Ich kann nur das wiederholen, was ich schon im Heft schrieb, daß Chris nämlich ein psychisch sehr kranker Mensch war, der nicht er selbst war, als er diese furchtbare Tat beging. Obwohl ich das sicherlich nicht aus meinem Gedächtnis streichen kann, überwiegen bei mir aber die positiven Gedanken an Chris, sowohl was den privaten Chris Benoit anbelangt, als auch besonders den Wrestler. Ich lehne zwar ab, was er tat, und kann das noch immer nicht so richtig begreifen, aber ich bin sicher: Ein gesunder Chris Benoit hätte das niemals getan!

WF: Das Wellness Programm steht neben der Benoit Tragödie im Moment im Vordergrund in den internationalen Medien. Es erinnert stark an den Skandal in den 90ern. Denken Sie, dass die WWE daraus gelernt hat?

Stach: Der WWE wird nichts anderes übrig bleiben, als daraus zu lernen. Und sie werden mit Sicherheit gegenzusteuern versuchen. Ich bezweifel aber, daß alle Wrestler sich daran halten werden. Meiner Meinung nach werden einige auch weierhin alles versuchen, um die Einnahme dieses ganzen Teufelszeugs zu tarnen und nicht auffliegen zu lassen. Das war in der Vergangenheit stets so, und ich glaube nicht, daß es jetzt anders sein wird!

WF: Viele Kritiker zweifeln am Wellness Programm. Bisher konnte WWE nicht offenlegen, wie diese Tests durchgeführt werden. Wie, denken Sie, kommen diverse Medien an Listen, die (offensichtlich) ausführlich Käufer und Substanzen auflistet, die wenig später teilweise von WWE bestätigt werden und dem US Kongress bisher vorenthalten wurden? Sicherlich wirft dies ein schlechtes Bild auf WWE..

Stach: Ich bin mittlerweile über 25 Jahre Journalist, davon habe ich ja sehr viele Jahre bei einer Nachrichtenagentur verbracht und mache auch heute noch Börsenjournalismus. Da habe ich sehr schnell festgestellt, daß es so gut wie nichts gibt, das nicht über kurz oder lang an die Öffentlichkeit kommt. Es wird sicherlich dauern, bis man es der WWE abnimmt, eine wirkliche Antidrogenpolitik zu fahren – nur bleibt ihr m.E. nichts anderes übrig.

WF: Die Suspendierungen, die auch Topstars betreffen, schaden der Company aber auch der Szene im allgemeinen. Hätte man evtl. schon früher regelmässige und „härtere“ Tests einführen können. Gerade nach den Erfahrungswerten aus den 90ern? Ich denke an viele Wrestler, die nicht einmal 40 Jahre alt wurden, wo man sicherlich teilweise die Notbremse ziehen hätte können. Beispielsweise Guerrero, der für seinen Konsum bekannt war und (angeblich) 2 Wochen vor seinem Tod noch Bestellungen gemacht hatte. Regelmässige Tests wären sicherlich sinnvoll..

Stach: Das Problem war in der Vergangenheit, daß die Öffentlichkeit nach einigen Wochen oder Monaten der Empörung wieder zur Tagesordnung überging. Das verleitete dann natürlich dazu, die Zügel wieder schleifen zu lassen. Ich hoffe aber, daß dies diesmal anders sein wird. Allerdings kann auch das beste Antidrogenprogramm der WWE nicht wirklich wirken, wenn die Jungs nicht mitmachen und meinen, durch irgendwelche Tricks ihre Steroid- und/oder sonstige Drogeneinnahme verschleiern zu können. Und leider wird es diese Leute immer geben, wie man ja auch jetzt bei der Tour de France sah. Jeder Fahrer wußte, daß dort extrem streng kontrolliert wird, und dennoch flogen sehr viele auf! Da fragt man sich wirklcih, wie dumm diese Leute sein müssen. Und ich will weder bei der WWE noch bei TNA ausschließen, daß dort manche Wrestler auch so denken. Das Problem ist also weniger die Promotion selbst, sondern der einzelne Wrestler! Schon heute wird niemand gezwungen, dieses Teufelszeugs einzunehmen, und gibt es genügend Beispiele, wo es Leute auch ohne Steroide geschafft haben, nach ganz oben zu kommen!

WF: Herr Stach, wir danken Ihnen herzlich für dieses Interview und wünschen Ihnen und Ihren Projekten alles erdenklich gute!

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