Xara Grace im WrestlingFever.de Interview (21.11.2018)

WF: Wir freuen uns, Euch mit diesem Interview ein weiteres deutsches Talent vorstellen zu dürfen. Danke für Deine Zusage zu diesem Interview, „Xara“…

XG: Sehr gerne! Ich freue mich auf das Interview.

WF: Im deutschsprachigen Raum gibt es leider wenige, aktive Damen. Warum hast Du Dich für „Wrestling“ entschieden?

XG: Da hast du leider recht. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird. Im Moment scheinen wir ja auf einem ganz guten Weg zu sein. Ich habe mich fürs Wrestling entschieden, weil es meiner Meinung nach nichts gibt, was damit vergleichbar ist. Die Mischung aus Sport und Entertainment ist einzigartig. Außerdem lernt man über seine Grenzen hinaus zu gehen und hart an sich zu arbeiten.

WF: Gab es einen best. Moment, ein Match oder einen Superstar, der Dir imponierte und Du gedacht hast: „Das will ich auch machen!“?

XG: Den einen bestimmen Moment gab es nicht. Ich war als Kind sehr fasziniert und begeistert vom Wrestling. Bis ich aber den Entschluss gefasst es auch wirklich aktiv zu betreiben ist einige Zeit vergangen.

WF: Hast Du davor andere sportlichen Erfahrungen gesammelt?

XG: Als Kind habe ich so ziemlich alles ausprobiert was man sich vorstellen kann, aber nichts wirklich ernsthaft verfolgt. Zu meiner Schulzeit habe ich Basketball gespielt und danach bin ich regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen. Aber nichts was man auch nur annähernd mit dem Wrestling vergleichen könnte.

WF: Ist es denn so, wie Du es Dir vorgestellt hast oder doch um einiges schwieriger, härter als erwartet?

XG: Ich denke niemand, der noch nie in einem Wrestling Ring stand, kann sich vorstellen wie hart es wirklich ist. Ich habe natürlich nicht erwartet, dass es einfach wird und mir war auch bewusst, dass es einiges braucht um im Ring durchhalten zu können. Wie hart es aber wirklich ist, war mir vor meinen ersten Trainings nicht klar. Das hat meiner Begeisterung und Motivation allerdings nie einen Abbruch getan, im Gegenteil! Es hat mich nur noch mehr motiviert und angespornt.

WF: Du hast vor einigen Jahren begonnen in Hessdorf bei Alex Wright zu trainieren. Wie bist Du damals zur NEW gekommen?

XG: Zur NEW bin ich durch Recherche im Internet gekommen. Ich war auf der Suche nach Wrestling Promotions in meiner Nähe. Nachdem ich einige Shows besucht habe, habe ich an einem Wochenendseminar teilgenommen und dort sofort Blut geleckt. Kurze Zeit habe ich danach mit dem regelmäßigen Training dort begonnen.

WF: Wie oft hat Dich Alex tatsächlich trainiert, meist sind es ja Wrestler seiner Promotion, oder?

XG: Ich würde sagen das gleicht sich über die Jahre hinweg ziemlich aus. Alex ist der Haupttrainer seiner Schule. Neben ihm wurde ich unter anderem, gerade am Anfang, auch mal von Fabian Aichner und Juvenile X trainiert. Danach unter anderem von T-K-O. Auch Alex` Vater Steve Wright gibt ab und an Training, was natürlich immer eine besondere Ehre ist. Alles Trainer auf höchstem Niveau wie man sieht.

WF: Wie lange hat es gedauert bist Du vor Publikum auftreten durftest, oder ist das nie dazu gekommen?

XG: Nach ca. zwei Jahren Training durfte ich zum ersten Mal vor Publikum auftreten. Zwischen Ende 2017 und Anfang 2018 hatte ich einige Dark Matches in der NEW.

WF: Hattest Du dort auch einen anderen?

XG: Ich bin dort als Schülerin unter meinem bürgerlichen Vornamen aufgetreten.

WF: Aktuell hast Du in der GWP Wrestlingschule, dem „Chop Center“ trainiert und kürzlich auch dort, also bei GWP, Dein Debut Match bestritten. Wie erinnerst Du Dich an diesen Tag, das Match und die Reaktionen – Deine Gegnerin ist ja auch keine Unbekannte gewesen…

XG: Ich trainiere im Moment überall wo sich die Möglichkeit dazu ergibt weil ich nach meiner Verletzung so viel mitnehmen möchte, wie nur irgendwie geht und noch härter an mir arbeiten möchte als zuvor.

An den Tag erinnere ich mich noch sehr gut (ist ja noch nicht so lange ) und ich war schrecklich nervös. Das Match und die Reaktionen danach waren allerdings schöner und besser als ich es mir jemals vorstellen hätte können. Am liebsten wäre ich sofort noch mal in den Ring .

Natürlich war es für meine Gegnerin und mich sehr besonders diesem Moment gemeinsam erleben zu dürfen, da wir in den letzten Jahren zusammen durch alle Höhen und Tiefen gegangen sind. Wir haben uns immer gegenseitig motiviert weiter zu machen und immer unser Ziel vor Augen zu halten.

WF: Du hast die Verletzung angesprochen, zu der ich später gekommen wäre, was ist genau passiert?

XG: XG: Ich habe mir im Mai diesen Jahres mein Sprunggelenk ziemlich kompliziert gebrochen, außerdem noch mein Syndesmoseband und die Außenbänder gerissen. Der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können – aber okay für eine Verletzung gibt es ja nie einen „guten Zeitpunkt“ – und die Sache hat mir ziemlich zu schaffen gemacht. Allerdings kann ich sagen, dass ich jetzt wirklich noch fokussierter und motivierter bin als zuvor. „What doesn’t kill you makes you stronger!“

WF: was ich sehr gut finde ist, das Du auch im Ausland Erfahrungen sammeln konntest. Wie kam es zum Training in Ungarn und wer hatte Dich dorthin begleitet?

XG: Im Oktober letzten Jahres habe ich an einem Seminar der „Arrows of Hungary“ teilgenommen. Die HCW hat ja auch ihre eigene Wrestlingschule und nach dem Seminar war klar, dass ich dort sehr gerne mal trainieren möchte. Nachdem ich wieder soweit fit war, dass ich im Ring stehen konnte, ging es also für einige Tage nach Budapest. Begleitet hat mich – wie fast immer, man trifft uns wirklich selten allein an – Keesa. Wir haben dort sehr viel gelernt und würden jeder Zeit wieder dort trainieren.

WF: Ich finde es toll, wenn man für sein Ziel auch Unkosten in Kauf nimmst. Man darf ruhig auch mal erwähnen, das Training Geld kostet und auch die Reise dorthin…

XG: Wrestling Training ist eine sehr Zeit- und unter Umständen auch Geldintensive Sache. Viele angehende Wrestler haben ja auch gar keine gute Schule in ihrer Nähe und müssen daher immer lange Wege auf sich nehmen, da hatte ich wirklich Glück. Aber auch wenn man versucht so viel wie möglich rum zu kommen, ist das natürlich nicht umsonst, gerade wenn man eine weitere Strecke mit dem Auto vor sich hat oder, wie zum Beispiel nach Ungarn, fliegt. Eine gute Sache daran, wenn man meist zu zweit unterwegs ist, ist dass man sich die Kosten teilen kann. Ich sehe es allerdings als Investition und es war bisher jeden Cent mehr als wert!

WF: Wie reagierten Deine Eltern, als Du mit dem Wrestling angefangen hast? Haben sich dich schon live gesehen?

XG: Ich würde nicht sagen, dass großes Verständnis dafür herrscht. Was allerdings auch irgendwo nachvollziehbar ist, wenn man mit dem Wrestling an sich nicht viel anfangen kann Aber die Videos, die ich von mir ab und zu mal zeige, werden dann doch immer gerne angesehen und irgendwann ergibt sich sicher auch mal das Zuschauen eines Live Events

WF: Wie entstand Dein Ringname, gibt es eine Geschichte dazu?

XG: Ich war auf der Suche nach einem Namen der zum einen nicht so geläufig ist, der zu mir passt und der einen ersten Eindruck davon gibt wer ich bin und was ich darstelle. Ich denke mit der Kombination aus Xara und Grace ist mir das ganz gut gelungen.

WF: Ich kann mir durchaus vorstellen Dich auch bald woanders zu sehen, beispielsweise bei ACW oder wXw. Gab es hier schon Kontakt oder Überlegungen?

XG: Derzeit gibt es leider noch nichts, was ich offiziell ankündigen könnte aber natürlich besteht der ein oder andere Kontakt zu verschiedenen Promotions. Bei der wXw habe ich kürzlich auch eine Woche in der Academy trainiert und natürlich wäre es traumhaft dort irgendwann mal im Ring zu stehen. Man weiß nie was die Zukunft bringt aber da liegt auf jeden Fall noch ein langer Weg vor mir

WF: Wie erwähnt haben wir hier leider zu wenig, weibliche Talente. Wie verfolgst Du die Entwicklung des Ladys Wrestling bei WWE und weltweit, weg von den „Divas“ zu den Athletinnen? Hast Du WWE „Evolution“ gesehen?

XG: Das stimmt leider. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird. Allgemein kann ich es natürlich nur gut heißen, dass die Frauen im Wrestling nicht mehr nur hübsches Beiwerk sind sondern auch wirklich zeigen können was sie drauf haben und auch entsprechend Aufmerksamkeit bekommen. Evolution habe ich zum größten Teil gesehen und ich denke die Frauen können wirklich stolz auf das sein, was sie erreicht haben und auf die Entwicklung der letzten Jahre generell. Einzelfälle die dazu beitragen, dass das Bild einer Wrestlerin wieder mehr dem der Diva entspricht wird es wohl immer geben aber so lange das nicht wieder überhand nimmt ist die Richtung die richtige.

WF: Gibt es so etwas wie ein Traummatch für Dich, bestimmte Wunschgegner/innen?

XG: Wunschgegnerinnen hätte ich natürlich so einige. Allein schon die Damen die in Deutschland dafür gesorgt haben, dass Frauenwrestling eine Chance bekommt und ernst genommen wird. Mit meinem Match bei der GWP ist außerdem auch ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Aus persönlicher Sicht würde ich sehr, sehr gerne (noch)mal mit Nicky Foxley oder Tayra Gates den Ring teilen. Auf internationaler Ebene könnte ich die Liste der Frauen mit denen ich gerne mal im Ring stehen würde beliebig weiter führen. Aber eigentlich freue ich mich über jede Wrestlerin gegen die ich antreten darf und dadurch Erfahrung sammeln kann

WF: Wie stehst Du zu Intergender Matches?

XG: Im Training macht man ja sehr oft Matches gegen Männer was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat. Ich finde, wenn richtig aufgebaut, kann ein Intergender Match super spannend und unterhaltsam sein. Ich stehe dem ganzen sehr offen gegenüber und würde mich freuen auch mal ein solches Match wrestlen zu dürfen.

WF: Was machst Du, wenn Du nicht im Ring stehst (beruflich) und wie kommt Deine Leidenschaft bei den Kollegen an?

XG: Hauptberuflich habe ich einen Bürojob. Die meisten Kollegen wissen gar nichts davon aber die die es tun finden es toll und spannend

WF: Hast Du im GWP Chop Center mit Hakeem Wakuur trainiert?

XG: Bisher hatte ich noch nicht die Möglichkeit mit Hakeem Wakuur zu trainieren. Hoffe aber dies sehr bald tun zu können. Ich konnte da wegen meiner Verletzung leider bisher noch nicht allzu oft trainieren. Aber sie haben wirklich regelmäßig richtig tolle Gaststrainer da wie die Aarrows of Hungary, Angelico, Oliver Carter, Alpha Female oder auch Demolition Davies. Ich kann das Chop Center nur empfehlen.

WF: Gibt es für Dich Wunschländer, Traumziele, wo Du einmal wrestlen oder trainieren möchtest?

XG: Ich sag es mal so: es gibt für mich kein Land, in dem ich nicht gerne wrestlen würde! Ich bin da wirklich für alles offen und freue mich über jede Möglichkeit die sich ergibt!

WF: Wir wünschen Dir alles erdenklich Gute, bleib gesund! Wenn man Dich booken möchte, wie kann man Dich kontaktieren?

XG: Bookinganfragen entweder an xaragracewrestling[@]gmail.com oder über meine Facebook Seite „Xara Grace

WF: Dankeschön 🙂

XG: Ich bedanke mich auch für das tolle Interview und wünsche ebenso alles gute! Gesundheit ist wirklich das wichtigste – ich spreche aus Erfahrung haha

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WrestlingFever Gründer & Redakteur