Bernhard Wulff im WrestlingFever.de Interview

Bernhard Wulff ist neben Carsten Schaefer der wohl dienstälteste deutsche WWE Kommentator. Bereits über 10 Jahre kommentiert er regelmäßig alle möglichen WWE Sendeformate und Großveranstaltungen. Wir freuen uns, dass wir ihn für ein exklusives WrestlingFever Interview gewinnen konnten (22.02.2014)

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WF: Zuerst einmal vielen Dank für die Interviewzusage, man kann sagen dass wir beide nun schon wirklich über Jahre darüber geredet haben, nun hat es endlich geklappt. Wie geht es Dir aktuell?

BW: Zu aller erst möchte ich sagen, dass Ich mich sehr darüber freue, nach so vielen Jahren nun auch mein erstes Interview geben zu können. Aktuell geht es mir ziemlich gut. Meine Stimme macht zwar manchmal noch was sie will und nicht, was sie soll, aber das kann ich ganz gut kaschieren.

WF: Arbeitest Du heute noch als Gärtner oder bist Du hauptberuflich Kommentator?

BW: Den Gärtner-Job (für alle die es nicht wissen, ich habe in jungen Jahren mal Landschaftsgärtner gelernt) habe ich aufgegeben, als ich die Zusage bekam im Medienbereich tätig zu werden. Beides ließ sich nicht miteinander vereinbaren und es war ein Schritt, den ich damals gehen wollte.

WF: Du bist nun schon über 10 Jahre WWE Kommentator, hast Du das „10 jährige“ gefeiert?

BW: Ehrlich gesagt nicht. Das ist komplett an mir vorbeigegangen.

WF: Die Fans interessiert immer, ob denn die WWE Kommentatoren auch mal über den Tellerrand hinaus blicken. In Deinem speziellen Fall kann man sagen, dass Du erst über andere Ligen berichtet hast, bevor Du ab 2002 dann als offizieller WWE Kommentator zum Einsatz kamst?

BW: Ja, diese Frage kommt immer wieder auf. „Wie kommt man zu so ’nem Job?“ Danach haben mich auch einige Fans bei unserem WWE Fanfest im Sky Hauptquartier gefragt. Wie du schon so richtig angedeutet hast, gab es da vor langer Zeit, ich glaube es war 2001, einen Kommentatorenwettbewerb vom damals noch bestehenden World of Wrestling Team. Die suchten damals neue Stimmen für ihre Sendungen.

Da ich schon lange Zeit vorher sämtliche Ligen als Fan verfolgte, auch die Japaner auf Eurosport, dachte ich mir: „Da gehst du hin, das willst du auch mal machen. Wenn es was wird, dann super, wenn nicht, war’s ne tolle Erfahrung.“ Gott sei Dank hatte ich das Glück als einer von drei Gewinnern dem Team beizutreten und meine ersten Gehversuche als Kommentator zu machen. Dies unter anderem mit den Sendungen von Smoky Mountain Wrestling. Es war eine tolle Zeit und ich habe damals schon einiges lernen können.

WF: Du hattest Dich damals als Fan für diesen Kommentatorenwettbewerb beworben und auch gewonnen. Was hat sich für Dich seit dieser zeit verändert. Wie schaust Du heute WWE, was ist heute für Dich wichtig oder nicht mehr so interessant wie früher?

BW: Seit dieser Zeit hat sich ziemlich viel verändert. Angefangen bei meinem Stil zu kommentieren, bis hin zu den Arbeitszeiten, die als Gärtner doch etwas geregelter waren als in meinem jetzigen Job. WWE sehe ich nach wie vor aus den Augen eines Fans. Zwar nicht mehr aus denen eines 12- oder 15-jährigen, aber ich habe mir das Fansein immer bewahrt und lasse mich in diese Welt einfangen. Denn nur so funktioniert der Reiz WWE. Man muss sich drauf einlassen.

WF: Wie bist Du letztendlich zu WWE gekommen – hast Du Dich damals beworben oder kam eine offizielle Anfrage?

BW: Tatsächlich bekam ich damals einen Anruf von Carsten Schaefer, der mir sagte, dass in Zukunft mehr WWE Programme zu Sky kämen und er Unterstützung bräuchte, da er mit seinem damals bestehenden Zwei-Mann-Team das Pensum nicht schaffen könne. Also fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, in Zukunft WWE zu kommentieren. Bei solch einem Anruf überlegt man natürlich keine Sekunde.

WF: Im Laufe der Jahre haben sich sicherlich auch Deine Favoriten geändert oder hast Du immer noch einen „All Time Favourite“?

BW: Natürlich gibt es immer mal wieder einen Liebling, der dazu kommt, oder auch einen Superstar, den man einfach nicht mehr sehen kann. Aber mein All Time Favourite wird wohl immer Stone Cold bleiben. Was die Diven angeht, ändert sich das immer wieder mal. Von Trish Stratus, zu Kaitlyn und aktuell Eva Marie. Die Frage nach Gut oder Böse kann ich nur so beantworten: Ich mag lieber die Allrounder, die überall eingesetzt werden können. Einen Lieblingsstil der Wrestler habe ich allerdings nicht. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich mit der Gangart eines Brock Lesnar nicht wirklich zu Recht komme.

WF: Auf Deinem Sky Profil ist zu lesen, dass Du Santino Marella ganz toll findest. Liegt dir die WWE Comedy-Schiene?

BW: Ich finde es gut, wenn durch witzige Segmente der harte Alltag ein wenig aufgelockert wird. Natürlich muss man hier immer das richtige Maß finden. Aber wie sang schon Roberto Blanco einst so treffend: „Ein bisschen Spaß muss sein.“

WF: Nun kommentierst Du schon einige Jahre neben dem Deutschen Kommentatoren Urgestein Carsten Schaefer. Viele wollen sicher wissen, wie „der“ den so außerhalb des Studios ist, trifft man sich privat?

BW: Nein, privat treffen wir uns nicht, dazu haben wir gar nicht die Zeit. Außerdem wohnen wir auch zu weit auseinander. Außerdem haben Carsten und ich durch die DVD-Produktionen noch so viel zusätzlich zu tun, dass der „Freizeitfaktor“ doch manchmal ein wenig ins Hintertreffen gerät. Wir verstehen uns aber sehr gut und es ist ein entspanntes Zusammenarbeiten zwischen uns.

WF: Ich habe Dich auch schon auf anderen Wrestling Events getroffen und Dich in München im November (WWE) vermisst. Gehst Du generell nicht mehr zu den Live-Events oder hatte es zeitlich nicht hingehauen?

BW: Wie ich ja schon in den wöchentlichen Sendungen und auch auf unserer SKY Facebook-Seite immer wieder sagte, fiel die WWE Veranstaltung im November leider genau mit dem letzten Wochenende meiner Theaterspielzeit aufeinander. Ich spiele ein wenig Laien-Theater und leider überschnitt sich diesmal beides. So konnte ich leider nur tagsüber beim WWE Fanfest anwesend sein. Aber dafür bin ich dann nach Wien gefahren und hab mir dort die Show angesehen. Das war ein richtig lustiger Abend.

WF: Du hast sicherlich auch einige WWE DVDs & Blu Rays zuhause. Viele finden es komisch, die eigene Stimme vom Tonband zu hören. Wie geht es Dir? Kann man sich daran gewöhnen?

BW: Es fällt mir immer noch schwer, mich selbst zu hören. Als ich damals anfing und mir meine ersten Sendungen auf Kassette ansah, dachte ich nur: „Oh Gott, schalt das weg, das ist ja grausam.“ Aber irgendwann gewöhnt man sich daran. Zwar nicht hundertprozentig, aber es stört einen nicht mehr so wie früher.

WF: Wie ist es für Dich heute WCW oder ECW Matches zu kommentieren. Mir fällt oft auf, dass dann erzählt wird was in der Vorwoche zu dem Match XY passierte und es so dargestellt wird, als wäre es damals zu dieser Zeit genauso kommentiert worden. Warum wird das so gemacht?

BW: Es macht riesig Spaß mit den DVDs nochmal die alten Zeiten Revue passieren zu lassen. Vor allem deshalb, weil ich eben auch so viele Matches von damals noch in Erinnerung habe. Was das kommentieren der DVDs mit diesen alten Matches angeht, ist es so, das wir hier einfach den „As-Live“ Charakter beibehalten wollen. Wenn du dir die englischen Tonspuren anhörst, findest du darauf ja auch den Live-Kommentar von damals und keine geschichtliche Zusammenfassung aus aktueller Sicht. Daher klingt der Kommentar so, als sei es gerade erst passiert.

WF: Gibt es WWE Movies die Dir besonders gefallen haben?

BW: „See No Evil“ fand ich aus damaliger Sicht einen tollen Film. Das war einfach Kanes Rolle. Gerade von den neueren Filmen habe ich bisher aus Mangel an Zeit noch keinen gesehen.

WF: Vor kurzem hat Günter Zapf das Team verlassen, welche Erinnerungen hast Du an ihn?

BW: Nun, mit Günter hatte ich nicht so oft zu tun. Meistens ist man sich beim Wechsel zwischen zwei Sendungen über den Weg gelaufen. Bei den PPVs saß man natürlich zusammen und hat sich auch mal über andere Sachen unterhalten. Z.B. über Günters große Leidenschaft American Football. Aber ich kann durchaus sagen, dass er ein sympathischer und immer lustiger Kerl ist. Details werden hier aber nicht verraten. 😉

WF: Neben dem Wrestling ist Tanzen auch eine Leidenschaft, der Du gerne nachgehst. Erzähle uns was Du da genau machst, ich glaube man nennt es „Line-Dance“?

BW: Genau. Und NEIN, es hat NICHTS mit Square Dance zu tun. Beim Line Dance stehen die Tänzer in Linien neben- und hintereinander und tanzen festgelegte Choreographien zu verschiedenen Musikrichtungen. Line Dance ist nicht mehr länger NUR Country Music, wie viele behaupten. Wir haben auch sehr viele Pop- oder auch Hip-Hop-Titel zu denen wir tanzen. Wobei ich die funky Nummern doch lieber den jüngeren, gelenkigeren Leuten überlasse. 🙂

WF: Stimmt es dass du auch Tänze choreographierst?

BW: Ja, das ist richtig. Es sind zwar noch nicht so viele, erst fünf oder sechs, aber erst im vergangenen Jahr in der Schweiz habe ich bei einem Turnier mein neuestes Werk präsentiert. Im Moment arbeite ich an einer neuen Choreographie, die ich im März auf einem Turnier in Berlin vorstellen möchte.

WF: Welche Musik hörst Du gerne?

BW: Durch das Tanzen bin ich natürlich, was Musik angeht, vorbelastet. Da kommt alles Mögliche zusammen. Daher ist es bei mir wirklich bunt gemischt. Von Country, über Charts, Pop & Rock, bis hin zu Bluegrass Musik. Allerdings muss ich sagen, dass ich dem Techno-Alter komplett entwachsen bin.

WF: Wie stehst Du zu einer Dance-Battle zwischen Dir und Fandango? Teilst Du Günters Meinung, dass Fandango ein guter Wrestler sein mag, aber leider kein guter Tänzer?

BW: Das Problem ist, dass es für den Zuschauer vielleicht so aussehen mag, als ob Fandango manchmal den Takt nicht finden würde, aber bei seinen Tanzeinlagen tut er das, was ein Mann beim lateinamerikanischen Standartanz tun muss, nämlich seine Partnerin führen. Ein Dance-Battle zwischen mir und Fandango könnte wohl nur zu Stande kommen, wenn ich Fandango vorher noch ein paar Line Dance Schritte beibringe. Oder ich müsste mir vorher von Chris Jericho Unterricht im Standardtanz geben lassen. Schließlich weiß der ja seit seiner Teilnahme bei „Dancing with the Stars“ auch wie es geht.

WF: Unter uns beiden, schaust Du mal rüber nach Orlando oder interessieren Dich andere Ligen gar nicht mehr?

BW: Wirklich „rüber“ schaue ich nicht. Hin und wieder kriege ich mal ein wenig durch meinen Kollegen Mike Ritter mit. Aber ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich verfolgen würde, was dort passiert, oder dass es mich interessieren würde.

WF: Was machst Du denn sonst noch neben dem Tanzen und Kommentieren?

BW: Diese beiden Sachen nehmen schon ziemlich viel Zeit in Anspruch. An den meisten Wochenenden bin ich auf Tanzveranstaltungen unterwegs. Egal ob Tanztechnik-Workshops, Partys von befreundeten Clubs, oder Veranstaltungen, die ich gemeinsam mit meiner Frau selbst betreue. Da bleibt nur wenig Zeit für andere Sachen. Eine davon ist eben das Theater.

WF: Wir wünschen Dir ein erfolgreiches 2014, danke für deine Zeit Bernhard! Hast DU noch einige Worte an die WWE Fans zuhause?

BW: Ja klar. Ich hoffe, dass euch das Lesen ein wenig Spaß gemacht hat und freue mich darauf, euch auch im Jahr 2014 mit meinem Kommentar zu unterhalten. Euch allen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.

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