Hannibal im WrestlingFever.de Interview (Deutsch, 29.03.2015)

WF: Danke Dir „Hannibal“ für Dein Interesse an diesem Interview!

H: Es ist immer eine Freude, über HANNIBAL und Great North Wrestling zu den Fans auf der ganzen Welt zu sprechen.

WF: Dein Pseudonym ist einzigartig. Wie bist Du darauf gekommen? Steckt da eine Geschichte dahinter?

H: Die Story dahinter ist tatsächlich in der „This is Hannibal!“ Dokumentation auf Youtube zu finden, aber im Grunde war es schon im Jahr 2005 als ich zum ersten Mal für die IWA Puerto Rico wrestlete, einer der Matchmaker war das WWE Ruhmeshallenmitglied Luke von den Bushwhackers Luke Williams. Er sah einige meiner Stampede Wrestling Matches und meinte das ich einen bösartigen Style hatte. Mein Gesichtsausdruck erinnerte in an Anthony Hopkins aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“. Als ich dort ankam sagte er mir das sie meinen Namen gerne in „Hannibal“ ändern würden, ich antwortete ihm das mir diese Idee schon gefiel. Ich denke das der Name recht gut zu meiner Persönlichkeit passt, also behielt ich ihn.

WF: Du bist bereits seit einigen Jahren Wrestler. Wie kamst Du zu diesem Entschluss?

H: Ich wollte schon immer Pro Wrestler werden, seitdem ich sprechen konnte. Ich begann mit der Aufführung von Backyard Matches vor meinen Nachbarn als ich so circa 5 oder 6 Jahre alt war. Als ich 13 Jahre alt war, fanden sich bis zu 80 Leute im Hof meiner Eltern ein um sich die Veranstaltungen, die ich aufführte, anzuschauen. Schließlich sagten meine Eltern das ich damit aufhören soll. Zu diesem Zeitpunkt kam ich eh zum Amateur Ringen und fand so einen anderen Weg meiner Leidenschaft nachzugehen. Ich wurde schlussendlich ein nationaler Champion und Silbermedaillengewinner bei den olympischen Qualifikationskämpfen.

WF: Ich kenne Dich nur als Heel, nach meiner Meinung passt diese Rolle perfekt zu Dir. Könnte Hannibal auch als Babyface antreten?

H: In Kanada bin ich eigentlich kein absoluter Heel, weil ich dort zu viele Fans habe die wissen das ich Kanadier bin. Sie sind zu stolz um mich auszubuhen. Ich bin auch Promoter, es kann also gar nicht so gut sein als überzeugter Monsterheel aufzutreten und dann versuchen Sponsorengelder aufzutreiben.
Ich werde mal sagen meine Persönlichkeit ist schon heel lastig, ich hoffe in diese Rolle zurück zu gelangen wenn ich andere Länder bereise um dort zu wrestlen.
Selbst Abdullah „The Butcher“ persönlich sagte mir einst das er dachte er seie schon bösartig und das er eine gemeine Ader hätte. Dann traf er mich ;-). Glaub‘ mir, es ist die Wahrheit, ich bin böser als jede andere Wrestler heutzutage.

WF: Über die Jahre hinweg hat sich Dein Look von Zeit zu Zeit geändert. Es scheint so, als ob Du Dich jedesmal neu erfindest, wie zum Beispiel zuletzt Deine dunklen Augen.
Wie würdest Du den aktuellen „Hannibal“ unseren Lesern beschreiben?

H: Ich bin ein Gothic Anhänger und ich lasse diese Seite meiner Persönlichkeit gerne nach aussen. Ex World Champ und WWE Hall of Famer „Superstar Billy Graham“ schlug mir vor, meine Augen zu verdunkeln, er ist wie mein Mentor beim Wrestling.

WF: Unter anderem hast Du mit Bruce Hart und Jacques Rougeau („The Mountie“) trainiert. Besonders letzteren erwähnst Du öfter in Interviews und er erzählt viele interessante Geschichten. Hast Du eine Lieblingsstory von Jacques die Du mit uns teilen magst?

H: Ja, sie hatten beide zwei völlig unterschiedliche Trainingsstile, aber ich bin stolz zu sagen, dass ich von den zwei bekanntesten Wrestling Familien in Kanada, den Harts und The Rougeaus trainiert wurde.

Zu Jacques…Da gab es eine Sache, die ich immer lustig an ihm fand. Er mochte es mir private Ideen und Ratschläge zu geben wenn er ins Badezimmer unserer Trainingslocation ging. Wenn er auf dem Weg zur Duschkabine war, sollte ich ihm folgen und auf dem Waschbecken sitzen, während er aus einer der Kabinen sprach. Manche Leute sind wegen diesem Badezimmer Zeug etwas schüchtern, Jacques sicherlich nicht. Für ihn war es voll normal. Ich schätzte seine Ratschläge.

WF: Konntest Du im legendären Hart Dungeon trainieren und zufälligerweise auch Stu Hart treffen?

H: Ja, ich begann dort das Training 2001 und Stu war normalerweise die ganze Zeit in der Küche. Er war zu dieser Zeit oft im Rollstuhl und ziemlich krank. Er schaute sich nicht die Trainingseinheiten im Dungeon an, wegen Schwierigkeiten mit den Treppen. Aber wenn es im Sommer schön draussen war und wir im Ring auf der Wiese übten, dann guckte er zu, ab und zu auch mal bei Events. Ich war zu seinem Todeszeitpunkt da und erinnere mich noch gut an den Tag seiner Beerdigung. Es war eine wirklich schreckliche Zeit für die Harts als ich da war, die WWE Politics in Bezug auf Owens Tod und Brets Abgang noch frisch in Gedanken. Die Todesfälle von Davey, Stu und Helen, die Veröffentlichung von Diana Harts umstrittenes Buches, das die Familie spaltete. Ich fühle mich geehrt im Dungeon trainiert zu haben, glaube das sie mich dort sehr gut ausbildeten und mir den Respekt für das Wrestling Geschäft beibrachten.

WF: In Videos auf YouTube und anderen sozialen Netzwerken scheinst Du absolut up-to-date zu sein, aber ich habe das Gefühl das Du lieber oldschool denkst, handelst und sein würdest-vor allem im Zusammenhang mit Geschichten rund um Terry Funk, Lanny Poffo oder Billy Graham. Was sagst Du dazu?

H: Ich genieße die aktuellen Wrestling Produkte im TV nicht, wenn es das ist was Du meinst und gestalte Great North Wrestling mit Sicherheit nicht nach dem was momentan im Fernsehen zu verfolgen ist.

WF: Bei unserem Vorgespräch hast Du erwähnt, dass die Videos von GNW (Great North Wrestling) auf Youtube eine Menge Hits aus Deutschland bekommen, vor allem die über Hannibal und Terry Funk, sowie auch Lanny Poffo. Wie wichtig ist es für Sie Legenden zu beteiligen und REALE Geschichten zu erzählen?

H: Ich denke das die realen Stories aus dem Wrestling oftmals viel interessanter sind als diese geschminkten. Um ein echter Wrestler zu sein bedarf es einen einzigartigen Charakter, denn es ist ein hartes und ungewöhnliches Geschäft. All diese einzigartigen und ungewöhnlichen Typen auf der Straße zu haben, kann Isolation und ne Menge Drama erzeugen, um es gelinde auszudrücken.

WF: Sei ehrlich, wie real war der „Kampf“ zwischen Poffo undDir? Gab es echte frühere Schwierigkeiten?

H: Die Sache mit Lanny Poffo und mir ist eine lange Geschichte, aber im Grunde waren wir Freunde und ich schätze Du kannst diese Nacht als schlechte Nacht für uns beide zusammenfassen. Wir erkannten das wir beide zu diesem Zeitpunkt emotional waren und gingen die Sache durch.
Lanny war sehr beleidigt als ich irgendwann ein Video dieser Auseinandersetzung veröffentlichte und verlangte das ich es zurück zog. Er hatte sich bereit erklärt vor der Kamera für die gesamte Tour zu stehen und war sich bewusst, dass es Kameras in der Umkleidekabine geben wird um Material für meine Dokumentation aufzunehmen. Es ist also nicht meine Schuld, dass er beschloss auf diese Weise vor ihnen zu handeln. Ich finde wie viele andere auch das Filmmaterial sehr unterhaltsam und werde es nicht entfernen. Wir sind keine Freunde mehr und ich denke es ist erbärmlich das er sich gegn den Willen seines Bruders in Bezug auf die WWE Hall of Fame widersetzt hat.

WF: Viele Wrestler träumen davon in einen WWE Ring zu steigen und einen Vertrag zu unterschreiben. Wie wir hörten steht Dir eine große WWE Zukunft bevor. Du hast die Geschichte bereits erzählt, lass mich mal zusammenfassen:“ Während eines blutigen Matches gegen „Abdullah the Butcher“ wurdest Du mit Hepatitis infiziert (Du hast erfolgreich geklagt), deshalb hast Du keinen Vertrag erhalten. Habe ich das richtig verstanden?

H: Nach in etwa 14 Tryouts und mehreren TV Matches für die WWE und deren ehemalige Aufbauliga Deep South Wrestling wurde mir ein unbefristeter Arbeitsvertrag von der Promotion, die das Potential hat mich zum Star zu machen und mich finanziell für den Rest meines Lebens abzusichern, angeboten. Leider wurde dieser Vertrag drei Monate später aufgehoben, weil ich da positiv auf Hepatitis C getestet wurde. Die Situation mit „Abdullah The Butcher“ (echter Name: Larry Shreve) war folgendermaßen: Während unseres Matches schnitt er mich öfter mit einer nicht sterilen Rasierklinge an der mit Hepatitis C infiziertes Blut klebte.

Hepatitis C ist eine Blut zu Blut Krankheit, die vor allem durch den Austausch infizierter Nadeln oder Rasierklingen weitergegeben wird denn sie bringen das Blut einer Person direkt in den Blutkreislauf einer anderen. Es ist nicht üblich, einen anderen Wrestler im Match absichtlich ohne Erlaubnis zu schneiden (cutten) und ist sicherlich nicht akzeptabel jemanden mit einer Hepatitis C infizierten Rasierklinge zu bearbeiten. Abdullah war fahrlässig und wurde vor dem Gerichtshof in Ontario für schuldig erklärt.

WF: Heute bist Du geheilt, wir gratulieren herzlich. Wie lange hast Du gebraucht um zurück zu kommen, was musstest Du unternehmen?

H: Es war ein langer und schrecklicher Weg zurück zur Gesundheit, aber ich schaffte ihn. Ich machte Chemotherapie ähnliche Behandlungen in den Jahren 2009 und 2010 durch, die trotz der grässlichen Nebenwirkungen ohne Erfolg blieben. Nachdem ich vielen Tests unterzogen wurde und die Welt nach neuen Möglichkeiten absuchte, war ich 2012 und 2013 in der Lage für eine weitere Behandlung, damals experimentell für mein Erbgut. Die 36 wöchige Behandlung kostete fast 80000 kanadische Dollar und wurde nicht von der Regierung gedeckt. Sie war zuweilen so was von voll mit schlimmen Nebenwirkungen das ich alles was ich hatte aufbringen musste, um nur nicht meinen Leben ein Ende zu setzen – damit das Leiden endlich aufhört. Die Nebenwirkungen war so krass das die Medikamente vom Markt genommen wurden, die gute Seite dieser Behandlung allerdings ist: Ich wurde dauerhaft von dieser Krankheit als befreit erklärt.

WF: Haben die jemals Abdullah positiv auf Hepatitis C getestet?

H: Ja wir erhielten medizinische Berichte, die aufzeigten das Abdullah auch eine Hepatitis C Geschichte hat, mit dem selben Gentyp wie ich. Er leidet unter dem sogenannten Hepatitis Koma, was ein auf die Leber bezogenes Problem ist, scheint ein nicht nur kurzfristiger Effekt zu sein.

WF: Bist Du ein Anhänger der regelmäßigen Blutuntersuchungen im professionellen Wrestling (einschließlich dem Indy Bereich)? Ist das realisierbar?

H: Ich glaube tatsächlich das es im Wrestling regelmäßig Untersuchungen geben sollte, wie beim Boxen oder MMA wo ein Gremium alles was in den Unternehmen abläuft, beaufsichtigt. Gerade jetzt ist es an den Promotions sich selbst zu überwachen. Weil Wrestling nicht als echter Sport betrachtet wird, gibt es niemanden der es überwacht und so kann es zu diesen schlimmen Vorfällen kommen. Wird es jedem passieren? Ich denke nicht, Ab sofort glaube ich gibt es weniger als 5 Staaten wo es im Wrestling geregelt ist und soweit meine Nachforschungen ergaben, ist es nirgendwo anders auf der Welt geregelt.

WF: Du bist jetzt über 30. Glaubst Du Du bekommst noch eine weitere Chance bei der WWE, bist Du zu alt oder hast Du das schon hinter Dir?

H: Ich bin 32. Ist das zu alt für die WWE? Ich denke nicht, denn ich bin ein sehr erfahrener Wrestler ohne körperliche Verletzungen der aufgrund seiner Fitness bestimmt noch 10 Jahre oder mehr in der WWE auftreten würde. Das Alter ist nicht der Grund warum sie mich bisjetzt nicht zurück holten. Ich hatte letzten Juli ein Tryout vor den Augen von den WWE Talentscouts Gerald Brisco und Jim Ross. Es schien gut gelaufen zu sein, Brisco sagte mir das er mich empfehlen würde. Trotzdem hörte ich nichts mehr. Was mich denken lässt das es an der Abdullah Geschichte liegt oder einer aus dem Office mag mich einfach nicht, wie Billy Graham vermutet. Ich werde mich an einer neuen US Pro Wrestlingliga beteiligen, CCW genannt (www.ccw.rocks), im Mai haben wir einen nationalen TV Deal. Ich glaube das könnte die Chance sein auf die ich wartete um mehr Beachtung in den USA zu erhalten, die dann auch zur weltweiten Popularität führen wird.

WF: Du standest mit Legenden wie Kevin Nash und aktuellen Stars wie AJ Styles im Ring. Welcher der aktuellen Stars sticht Dir ins Auge?

H: Aktuelle Stars? Niemand an dieser Stelle.

WF: Unsere Leser lieben Roadstories. Teilst Du uns eine persönliche, vielleicht wichtige mit?

H: Zu lang zu schreiben! Jedem der Roadsories von mir hören mag, empfehle ich Shoot Interview unter folgendem Link zu kaufen: KLICK

WF: Was macht Hannibal außerhalb des Rings? Kannst Du mit dem Wrestling Deine Rechnungen bezahlen, davon leben?

H: Meine Promotion Great North Wrestling ist meine Hauptbeschäftigung, schätze Du kannst also schon sagen das Wrestling meine Rechnungen bezahlt. Davon abgesehen biete ich Security für Konzerte und Special Events an, Personal Trainer bin ich auch.
Ich arbeite mit gewalttätigen Menschen, die psychische Probleme haben, in deren Wohnungen zusammen (dadurch bekomme ich eine Menge Ideen fürs Wrestling).

WF: Hast Du ein paar persönliche Worte für Deine Fans?

H: Vielen Dank an die deutschen Fans die mir helfen meine Nicholson Productions (Hannibal TV) zu unterstützen. Schaut Euch meinen Youtube Kanal an und folgt Great North Wrestling. Bisher habe ich noch nicht in Deutschland gewrestlet, hoffe das aber ganz bestimmt eines Tages zu tun!

WF: Vielen, vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Dir alles Gute für die Zukunft, vor allem GESUNDHEIT! Zögere nicht und erzähle uns wie man Dich zwecks Bookings erreichen kann, wo man die GNW Videos gucken kann…

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