KOLUMNE: CHOAS CITY TOURS #4 – BY AMBER ROX (15.02.2016)

Hier folgt nun der zweite Teil meines kleinen Italientrips….

Die Anreise mehr oder weniger gut überstanden, freute ich mich am nächsten Morgen auf einen mir gewohnten grossen Pott Kaffee.
So bejahte ich mit enormer Freude die Frage ob ich gern zum Frühstück einen „Caffè“ hätte.
Doch in Italien versteht man unter einer Tasse „Caffè“ diese „Mini Micro Espressotässchen“.

Ob ich gern etwas Milch dazu hätte? Da ich mein Schlückchen „Caffè“ nicht in Milch ertränken wollte, verneinte ich etwas betroffen.
Okay, vielleicht wäre die gereichte Milchmenge dann dem Kaffeeanteil angepasst gewesen – doch da ich nirgens eine Pipette auf dem Frühstückstisch erblicken konnte, schien mir dieses Unterfangen eine Spur zu heikel. Ich begnügte mich damit eine Süssstofftablette zu vierteln.

Ich beeilte mich, mein Fingerhut „Caffè“ hinunterzuschlucken, bevor das Pfützchen verdunsten würde. Gerne nahm ich die Frage nach einem weiteren „Caffè“ an. „Jaaa bitte Kaffee Kaffee Kaffee“ Nach einem vierten oder gar fünften Tässchen zu fragen erschien mir jedoch recht unverschämt. Es ist mir ein Rätsel wie die Italiener es schaffen sich stundenlang an so einem Kaffeetässchen aufzuhalten.

Frisch gestärkt ging es nun zur Veranstaltungslocation. Vor der Halle angekommen standen wir versammelt auf dem Bürgersteig und….. standen da – taten nix weiter.
Ich dachte vielleicht warten wir ja noch auf jemanden. Aber nein, es gesellte sich niemand mehr zu uns. War die Halle eventuell noch verschlossen ? Nein auch diese Vermutung wurde widerlegt, als wie durch ein unsichtbares Zeichen meine italinieschen Begleiter plötzliches zielsicher in die Halle gingen, wo man uns bereits erwartete.
Erst im Laufe dieses Wochenendes sollte ich verstehen dass dieses „Dastehen und Nichtstun“ einfach zum italienischen Understatement gehört.
Doch ja, am Flughafen war mir dies zuerst nicht aufgefallen.
Aber auch dort standen wir versammelt auf niemanden mehr wartend – weil vollzählig, die Autos mit unseren Koffern beladen minutenlang einfach auf dem Bürgersteig, bevor wir losfuhren.
Auf dieses „Muster“ werde ich in meinem Bericht noch mehrfach hinweisen.

Die Eventhalle an sich war eine gemütliche kleinere Tanzhalle mit Bühne, DJ-Pult und an ein Kino erinnernde Sitze.
Von allen Plätzen würden die Gäste einen hervorragenden Blick auf den Ring haben, der in der Mitte der „Tanzfläche“ gerade aufgebaut wurde als wir die Saal betraten.
Auch hier gabs wieder die italienische Herzlichkeit bei der Begrüssung und Kenenlernen der restlichen Crew.

Da vor meinen Kämpfen mein „Lampenfieber-Pipi“ für mich zur sehr wichtigen und rituellen Gewohnheit geworden ist, inspezierte ich recht schnell erstmal die sanitären Anlagen im Backstage…und war leicht überfordert.

Okay….Da ich offensichtlich auf mein Ritual verzichten werde , stellte ich mir dann auch nur noch interessehalber die Frage, wie ich mir zum Teufel nochmal denn bitte hier die Hände waschen solle.

Keine Drehknöpfe oder sonstige Armaturen, die eine Wasserzufuhr steuern hätten können. Okay die Toilette ließ zwar diesen modernen Ausbau des Waschbeckens nicht als erstes vermuten doch anscheinend setzte man hier wohl auf Bewegungsmelder.
So fand man mich alsbald fuchtelnd, wedelnd, hüpfend und teilweise verrenkt in der Nasszelle auf und zeigte mir hilfsbereit und sicher auch etwas belustigt das Pedal. DAS PEDAL!!!
Mir als leidenschaftliche Autofahrrerin ging das Herz auf. Ein Waschbecken mit Pedal!!!!

Ich muss hier wohl nicht weiter ausführen welche Modernisierung als nächstes dann im heimischen Badezimmer erfolgen wird.

Ich schloss meinen Rundgang ab und kehrte zurück in den Saal. Diese Kinositze waren sowas von bequem. Einfach nicht zu vergleichen mit dem Flair von Klappstühlen die doch meistens in den Veranstaltungshallen aufgestellt sind.
Es war noch viel Zeit bis zum abendlichem Showbeginn.
Doch diese Zeit verging wie im Flug. Hatte ich doch mit Kenzo Richards einen sehr netten und witzigen Gesprächspartner.
Auch stand noch Kenzos Seminar auf dem Plan. Ich nutze gerne jede Gelegenheit mich weiter zu bilden und so war die Teilnahme an diesem Seminar keine Frage für mich.
Kenzo gestaltete das Seminar informativ , interessant und so, dass es allen Teilnehmern sichtlich Spaß machte.

Doch nun stand auch schon bald der Einlass an und alle Catcher besiedelten das Backstage. Bisher gab es in der italienischen Liga noch keine Ladiesmatches. So ist die Unkenntnis darüber, wieviel Raum die gewöhnliche, europäische Wrestlerin beim Umkleiden, Stylen, Schminken etc. beansprucht auf die mangelnde Erfahrung der „artgerechten“ Haltung zurückzuführen. Hier ein kleiner Eindruck des Lockerrooms der Damen.

Aber immerhin, bei aller Kompaktheit – es war an Spiegel, Strom, Licht und Sitzgelegenheit gedacht.

Mein Match sollte ein Mixed Tag Team sein. Mein Tag Partner war der Franzose Maeven. Leider konnte er kein englisch. Und mir fehlen sämtliche Kenntnisse der französischen Sprache. Er schien aber ein ganz netter Typ zu sein. Jedenfalls gab es weder Widerworte noch hitzige ausufernde Diskussionen. Unser Match gegen die Ungarin Audrey Bride und Neo konnten wir jedoch trotz guter Leistung nicht gewinnen, da mich Audrey mit ihrem Finisher überraschte.
Dennoch kann ich dieses Match auf die Liste der Kämpfe an die ich mich sehr gerne erinnere setzen.

Die ganze Veranstaltung schien auch für die PWE ein voller Erfolg zu sein. Ich erlebte eine verdammmt laute Crowd, gute Stimmung allgemein, es gab keine ernsthaften Verletzungen bei den Wrestlern und zufriedene Gesichter bei den Promotern.

Nach der Show standen wir noch eine halbe Stunde am Ausgang der Halle und taten nichts, bis wir uns auf die zur Verfügung stehenden Autos aufteilten und zu einer typisch italinische Pizzeria fuhren.
Vor der Pizzeria versammelte wir uns alle auf dem Bürgersteig und standen erneut einfach nur dort und taten wieder nichts. Da fiel es mir erst richtig auf.

Überall standen hier auf den Gehwegen Menschengruppen. Was in Deutschland der Wegelagerei gleichkommt scheint in Italien gesellschaftlicher Lifestyle zu sein. Ich fing allmählich auch an zu verstehen. Warum dieses Gehetze von einem Ort zum anderen. Leute nehmt Euch Zeit für die kleinen Dinge im Leben, seid entspannt, nehmt Euch Zeit, es hetzt Euch niemand….
„Verdammt ich hab Hunger, ich will jetzt in die so gemütlich anheimelnde Pizzaria, Leute warum geht ihr denn nicht endlich rein…“ meldete sich allerdings schon bald meine deutsche Ungeduld in meinem Kopf.

Endlich betraten wir das italienische Restaurant. Es duftete herrlich nach frisch gebackener Pizza. Mir lief das Wasser im Munde zusammen. Es war ein Abend voller Köstlichkeiten. Pizza und anschliessend verschiedenste traditionelle italienische Desserts von denen ich mir auf meine Figur achtend leider nur das Probieren erlaubte.

Jedes Dinner geht auch mal zu Ende. Nach Verlassen der Pizzaria versammelten wir uns alle auf dem Bürgersteig vorm Restaurant und ….ihr ahnt es sicher schon: Standen dort und taten nix.
Es dauerte ungelogen sicher noch eine weitere halbe Stunde, bis wir die Fahrt zu meinen Gastgebern antraten.
Auch bei den Previs übernachtete Bako. Ein durchaus vielversprechendes italiniesches Wrestlingtalent. Er fuhr mit seinem eigenem Auto zum Hause der Previs. Vorm Hause der Gastgeber konnten wir ihn bei der Parkplatzsuche beobachten. Endlich war eine kleine leere Fläche erspäht in der er sein Auto vorwärts hinein manovrierte.
Schon in der Lücke stehend setzte er jedoch nochmals zum korrigieren an und knallte rückwärts mit Karracho gegen ein auf der anderen Strassenseite (!!!!) stehendes Auto.

Dieses – ein Sprinter von der Wucht des Aufpralls voll getroffen schaukelte ordentlich. Das schien allerdings nur mich zu beunruhigen.
Seelenruhig schauten meine Gastgeber zu wie Bako ein zweites Mal mit nicht weniger Vollgas gegen diesen Sprinter knallte. Setzten bei mir in diesem Moment sämtliche Fluchtinstinkte ein, schloss Bako mit einer bemerkenswerten Gelassenheit sein Auto ab und gesellte sich zu uns wartenden.

Beim Vorbeigehen am Sprinter fiel auch anscheinend nur mir die heftige Beule ca. 2 Köpfe gross auf. Jedenfalls scherrte sich niemand um die Schäden. Weder Bakos Auto welches optisch seinen Parkstil angepasst war noch der Sprinter wurden eines Blickes gewürdigt, auch schien es nicht gesprchsrelevant zu sein dass er gerade ein anderes Auto derb demoliert hatte.
In diesem Moment war mir klar, mein Auto wird definitiv niemals Italien sehen.

Es folgte noch ein sehr gemütlicher und unterhaltsamer Tagesabschluss bei den Previs zu Hause.

Am nächsten Morgen – nachdem ich meine Käffchen intus hatte – fuhren mein Gastgeber Cristiano und ich zum Gasthaus in welchem die anderen Wrestler übernachtet hatten. Der Bürgersteig vor dem Gasthaus war der Treffpunkt für alle Wrestler um gemeinsam zum Flughafen nach Mailand zu fahren. Kenzo und Marco waren bereits da, die Ungaren kamen aus dem Gasthaus- wir waren vollzählig versammelt – und standen da…. für eine halbe Stunde,
bis wir begannen uns auf die zweieinhalbstündige Fahrt zum Flughafen in Mailand machen.

Für mich war dieses Wochenende ein kleiner Meilenstein in meiner Wrestlingkarriere aber auch eine wunderschöne Erfahrung für mein persönliches Leben. Ich hoffe noch viele Male nach Italien zu reisen und für die wunderbaren Leute der PWE catchen zu dürfen.

Für den darauf folgenden Roadtrip (über den ich natürlich in der nächsten Ausgabe meiner Kolumne berichten werde) stand ich früh um 5 Uhr auf und war ab 6.00 Uhr fertig zur Abfahrt. Der Roadtrip startete letztendlich um 8 Uhr. Ich fragte mich unterwegs selber was hab ich die zwei Stunden gemacht dass ich erst so spät loskam? Ihr wisst es oder? Dagestanden und NICHTS gemacht!!!

Ich hatte mir tatsächlich den italinischen Lifestyle angeeignet 😀 .

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