Marrow im WrestlingFever.de Interview (05.04.2020)

WF: Marrow, ich freue mich sehr, Dich für ein Interview gewonnen zu haben und Dich den deutschsprachigen Fans, die dich evtl. noch nicht kennen, vorstellen zu dürfen. Wie geht es Dir aktuell?

M: Hallo, erstmal vielen Dank für die Gelegenheit ein Interview mit dir zu führen. Mir gehts in erster Linie ganz gut.

WF: Die Corona Krise hat uns aktuell alle im Griff und viele Menschen müssen mit Gehaltseinbußen, Kurzarbeit oder Sonderurlaub zurechtkommen. Wie geht es Dir damit?

M: Der Hüttenkoller hat mich noch nicht erwischt. Das liegt aber wohl daran, dass ich noch täglich zur Arbeit gehen darf. Im Einzelhandel geht „Home-Office“ schlecht 😉

WF: Du bist „nebenberuflich“ als Wrestler aktiv. Natürlich geht es der Szene aktuell auch nicht gut, da es nun auch keine Veranstaltungen gibt und Menschenmengen verhindert werden sollten. Für mich ist es unglaublich hart mir beispielsweise eine Wrestlemania ohne Fans vorzustellen. Wie geht es Dir als Fan und Wrestler damit?

M: Ich vermisse es unglaublich, im Ring zu stehen. Auch das trainieren gestaltet sich momentan recht schwierig. Ich kann mir eigentlich keine Veranstaltung vorstellen, die ganz ohne Publikum auskommt. Gut, man ist sicherlich schon einmal vor wenigen Fans aufgetreten, aber GANZ OHNE Fans muss heftig sein. Respekt vor allen Wrestlern, die das mit 100% durchziehen.

WF: Natürlich soll es hauptsächlich um das Wrestling gehen und ich hoffe, dass wir weitgehend die Situation überstehen. Lass und etwas über dich und „Marrow“ sprechen. Du fällst in erster Linie „optisch“ auf, hast einen eigenen Look. Wie entstand Dein Charakter, wie würdest Du „Marrow“ beschreiben?

M: Wie man sicherlich bemerkt hat, ist das Aussehen von Marrow an die Horrorpunk Band „The Misfits“ angelehnt, von denen ich ein großer Fan bin. Ich hab’s dann einfach mal ausprobiert, ob ich den Look übernehmen kann und so war die erste Version von Marrow geboren. Dann kam noch der Baseball-Bat dazu, der eine Hommage an eine Comic-Serie namens Hack/Slash ist, in der es in erster Linie um Serienkiller geht. So habe ich dann versucht den psychopathischen Serienkiller in meinen Charakter mit einfließen zu lassen. Ob das geklappt hat, muss jeder selbst entscheiden 😉
Außerdem versuche ich als kleines Easter-Egg für Horror-Film Freaks, den Ort aus dem ich mich ankündigen lasse, zu variieren.

WF: Wie entstand Dein Ring Name letztendlich?

M: Das ist wieder eine Comic-Geschichte: Es gab/gibt bei den X-Men eine Mutantin mit dem Namen Marrow. Die konnte aus ihrer Haut Knochen wachsen lassen, diese dann abbrechen und als Waffen verwenden. Da dachte ich mir, dass der Name doch ganz gut zu einem wrestlenden Slasher mit Skelett-Make-Up passt und hab ihn mir „ausgeliehen“.

WF: Wer ist für Dein Facepaint verantwortlich, machst Du das immer selbst oder lässt Du Dir da helfen?

M: Ich hab mir das einmal von Nicky zeigen lassen, seitdem mache ich das immer selbst. Dauert auch gar nicht sooo lange. Für die Bestückung meines Schminkkoffers (wehe du lachst), ist aber immer noch die Dame des Hauses verantwortlich. Das größere Problem ist eher, dass die Haare halten müssen, aber auch das habe ich bisher immer gemeistert. Du willst nicht wissen, wieviel Haarspray da drin ist. 🙂

WF: Wieviel Haarspray ist tatsächlich in dieser Strähne vorne und stört diese nicht im Match. Ich kann mir vorstellen, dass alles (Spray & Schminke) etwas klebt oder auch brennt, wenn man schwitzt?

M: Ich drück halt ca. 10 Sekunden auf den Sprühknopf und das sollte dann reichen. Vorher kommt aber noch ultra-halt Haarlack auf die Strähne. Lange hält die im Match halt nicht wirklich, aber das passt schon. Die Schminke stört mich auch nicht, die ist ja schnell am Gegner abgewischt, haha.

WF: Also „Cassie“ ist der Baseball-Bat! Wie oft kommt dieser während Deiner Matches zum Einsatz? Bist Du eher der verrückte Heel?

M: Genau. Ich versuche Cassie in jedem Match einzusetzen. Wenn sie erfolgreich zum Einsatz kommt ist im Normalfall Schicht im Schacht. Ich würde Marrow eher als unberechenbar bezeichnen.

WF: In der Schweiz bist Du auch an der Seite von Foxley zu sehen?

M: Mittlerweile konnte ich auch Nicky Foxley auf die dunkle Seite ziehen. Wir sind ein Mixed-Tag Team namens „Freakshow“ und haben in der Schweiz schon Angst und Schrecken verbreitet. Jetzt kommt hoffentlich bald Deutschland dran!

WF: Wann oder wo hat für Dich das Wrestling Abenteuer begonnen, war es ein Match, ein Event, oder evtl. auch ein Magazin?

M: Puh… wann genau das war, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich mit einem Kumpel bei ihm zu Hause „Ring frei“ auf „Tele5“ angeschaut haben (Ja, ich bin alt) Das war das erste Mal, dass ich mit Wrestling in Kontakt gekommen bin. Wir haben The Rockers vs. The Legion of Doom gesehen. Das Match hat mich zum Wrestling-Fan gemacht.

WF: Wann fiel dann die Entscheidung: „Das will ich auch machen“ und hast Du Deine Erfahrungen sammeln können?

M: In mein erstes Training bin ich im Oktober 2014 gegangen und ich war mir hinterher sicher, da geh ich NIE mehr hin. Nach einigem Zuspruch von Nicky Foxley hab ich trotzdem weitergemacht und es dann durchgezogen.

WF: Darf ich fragen wo Du Deine ersten Schritte im Ring gemacht hast, wo fand Dein erstes Training statt? 2014 ist dann wohl auch etwas spät für einen Einstieg, wenn Du noch „Ring Frei“ gesehen hast 😀

M: Ich wurde in der Wrestling Academy Rorbas (WAR) in der Schweiz trainiert. Ja, ich hab mit dem Wrestling angefangen, da denken andere schon ans Aufhören 😉

WF: Ah, bei „Marshal T.“, oder konntest Du auch noch mit Ares trainieren? Ich denke, der war da schon in den USA, oder?

M: Ja anfangs war Marshal T. mein Trainer. Wir wurden dann aber recht schnell von Cash Crash „adoptiert“. Auch vom Hellvetic Warrior, der momentan als Fluffy der Clown unterwegs ist, habe ich viel lernen dürfen. Ares habe ich nicht mehr kennengelernt.

WF: Oliver Carter ist doch auch aus Eurer Ecke gewesen, oder? Also hat Dich der „Fuchs“ dazu überreden müssen, weiter zu machen? Wann und wie ging es weiter und warum wolltest Du wieder aufhören?

M: Stimmt. Mit Oliver Carter haben wir auch trainiert.
Das ist eine interessante Geschichte mit Nicky, mir und dem Wrestling-Training. Zum ersten Training musste ich sie praktisch mitschleifen, weil ich nicht alleine hinwollte. Wir dachten uns halt, anstatt ins Gym zu gehen, gehen wir erstmal zum Wrestling Training. Wie gesagt, ich konnte Nicky nur schwer bewegen mitzukommen, aber am Ende hat sie sich halt breitschlagen lassen. Am Ende war sie dann eben diejenige, die mich bewogen hat, weiterzumachen. Warum ich nach dem ersten Training aufhören wollte?! Komm du mal als unsportlicher, untrainierter Anfänger in ein Training. Wir haben uns durch Treppenlaufen warm gemacht. Ich muss dazu sagen, dass der Ring im 5.Stock eines Lagerhauses steht. Wir sind da mindestens 10 Mal rauf und runter gelaufen. Jeder musste noch ein zusätzliches Gewicht mitschleppen. Zu allem Überfluss war genau an dem Tag auch noch ein Filmteam vom Schweizer Fernsehen da.
Ich war danach schon am Ende und dann gings noch im Ring erst richtig los. Ums kurz zu machen, ich war zerstört. Zu allem Überfluss war genau an dem Tag auch noch dieses Filmteam da, das das ganze gefilmt hat. Ich hoffe nicht, dass man das Video noch irgendwo finden kann. Als wir dann nach Hause fuhren, war ich sicher, dass ich mir das nicht weiter geben will. Nicky, ja genau die Nicky, die am Anfang nicht mitwollte, hatte so Spaß am Training, dass sie das nächste Mal wieder hinwollte. Also bin ich auch immer wieder mit hin und mit der Zeit wurde alles leichter und hat angefangen Spaß zu machen.

WF: Also war der Einstieg eher härter als erwartet. Wie hast Du die ersten Bumps in Erinnerung behalten?

M: Definitiv. Die Bumps fand ich gar nicht so schlimm. Das Ins-Seil-gehen war anfangs eine Herausforderung, da man gar nicht erwartet, dass die Seile so hart sind.

WF: Also hattest Du bis dahin keinerlei sportliche Erfahrungen, Kenntnisse?

M: Nope. Ich hatte bis dahin gar nix in die Richtung gemacht… Moment… zählt Tischtennis?!

WF: Die Schweizer Szene ist leider so gut wie tot, selbst die SWE veranstaltet nicht mehr. Woran, denkst Du, liegt es, dass man in der Schweiz nicht langfristig (!) erfolgreich veranstalten kann?

M: Die SWE veranstaltet zwar nicht mehr, aber in der deutschsprachigen Schweiz gibts noch die SCW, die im Vorjahr bereits zweimal veranstaltet hat. Auch dieses Jahr soll es zwei SCW-Events geben, falls uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht. Im französischen und italienischen Teil der Schweiz gibts auch noch kleinere Ligen, die regelmäßig veranstalten. Ich denke, das Problem das die Schweiz hat, ist, dass man nicht genug Fans ziehen kann, die dann auch immer wieder kommen. Ich habe das Schweizer Wrestling-Publikum als sehr reserviert kennen gelernt, das nur schwer zu begeistern ist.

WF: Also bleibt für Dich eher Österreich bzw. Deutschland, wo man dich beispielsweise bei der ACW sehen kann. Wie oft trainierst Du denn nun aktuell und wie kommst Du mit der Fahrerei / Entfernung zurecht?

M: Wenn es klappt bin ich dieses Jahr noch bei der SCW. Ja, in Deutschland bin ich im Stammroster der ACW. Aktuell versuche ich täglich was fürs Training zu tun. Wir haben uns zu Hause ein kleines Home-Gym eingerichtet, das wir rege nutzen. Aber leider ersetzt es halt kein Wrestling-Training oder Gym. Nicht schön, gerade. Mit der Fahrerei habe ich eigentlich kein allzu großes Problem, da ich ja im Normalfall nicht alleine fahre und man sich so abwechseln kann.

WF: Gibt es für Dich so etwas für Idole oder Vorbilder oder bist Du dafür schon zu alt? Kann man da noch Fan sein, eine Show genießen ohne alles zu analysieren?

M: Ich habe meine Einflüsse eher aus der Musik, Comics, vor allem Filmen…. Einen Wrestler kann ich dir da leider keinen als Idol oder Vorbild nennen, und NEIN das hat nichts mit dem Alter zu tun 😉
Fan sein fällt mir persönlich eher schwer, wenn ich im Publikum sitze. Ich versuche zwar dann abzuschalten, das Match zu genießen und Stimmung zu machen, aber ein bisschen Match-Analyse spielt immer mit rein.

WF: Dann erzähle: Welche Filme bestimmen Deine Top 3?

M: Wie zu erwarten sind das natürlich nur Horrorfilme:

1. Night of the Living Dead
2. Nightmare on Elm Street
3. Cabin in the Woods

WF: Und welche Comics sind es in Deinem Fall? Lustige Taschenbücher? Mangas?

M: Ich lese gerne amerikanische Superheldencomics, aber da interessieren mich (natürlich) eher die Anti-Heroes wie z.b. Spawn, Lobo, Deadpool, Red Hood,…
Außerdem so ziemlich alles was mit Horror zu tun hat: Hack/Slash,The Goon, Crossed, Die Toten, Gung-Ho…
Momentan lese ich Deadly Class, dass ich nur jedem empfehlen kann, der auf Killer, Splatter und abgefahrene Zeichnungen steht.

WF: Du hast ja bereits Deine Punk-Verbindung angesprochen, dann nenne uns doch auch gleich Deine Lieblingsbands 😀

M: Da gibts einige, die Marrow inspirieren: The Misfits natürlich, aber auch BZFOS (Bloodsucking Zombies from outer Space), The Other, Kitty in a Casket, Ghost, Death SS, Bone Machyne & The spooky Midnitez. von Letzteren habe ich auch meine Entrance-Musik bekommen. Ich könnte die Liste noch ausweiten, aber dann sitzen wir morgen noch da.

WF: Die ACW feiert 22-jähriges Bestehen. Wie würdest Du die ACW als solches beschreiben, Team, Shows & Fans?

M: Ja, herzlichen Glückwunsch an die ACW. Ich bin seit 3 Jahren Teil des Rosters und will zumindest das 25-jährige Jubiläum noch als Aktiver mitfeiern. Ich durfte dort bisher einige Matches mit fordernden Gegnern bestreiten und es hat immer Spaß gemacht. Auch, dass ich mittlerweile zusammen mit Boombastic zur „Brotherhood of Disordered Souls“ gehöre, weiß ich zu schätzen. Die Shows werden immer sehr professionell durchgezogen und auch backstage gehört man zur „Familie“. Vielen Dank auch an die Fans von denen mich schon einige mit dem Kauf von Merchandise während der Krise unterstützt haben.

WF: Du hattest eine tolle Match-Serie gegen Jack Anderson, welcher sich kürzlich von der ACW verabschiedet hat. Wie erinnerst Du Dich an die Matches, den Gegner und Menschen Jack Anderson?

M: Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht mit Jack im Ring zu stehen. Er war ein fordernder, trainierter Gegner, der mir auch schon mal die Lichter ausgeblasen hat. Gegen ihn hatte ich mein erstes offizielles Match beim ACW und seitdem sind wir uns immer wieder im Ring über den Weg gelaufen. Sei es in Singles-, Tag Team- oder Multimen Matches. Besiegen konnte ich ihn nie, aber ich habe sehr viel von ihm gelernt. Ich wünsche Jack Anderson in Zukunft alles Gute. Wer weiß, vielleicht trifft man sich mal wieder im Ring!

WF: Wie Du schon selbst gesagt hast bist Du keine 20 mehr und planst auch wohl keine 15 Jahre mehr als Aktiver im Ring zu stehen. Gibt es noch so etwas wie Ziele oder Wünsche für die nächsten Jahre, außer gesund zu bleiben?

M: Puh…. ich lasse das einfach mal so auf mich zukommen, was man noch so mit mir vorhat. Vielleicht kann ich noch bei ein paar Ligen auftreten, bei denen ich noch nicht war. Ein Auftritt im nicht-deutschsprachigen Ausland wäre auch verlockend. Schön wäre es, wenn Wrestling-Deutschland nach der Krise mal an einem Strang ziehen würde.

WF: Marrow, danke für Deine Zeit!

M: Ich danke für Euer Interesse!

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