Toni „Tiger“ Harting im WrestlingFever.de Interview (21.05.2017)

WF: Toni, ich freue mich das es so spontan geklappt hast, es ist uns sehr wichtig, neue, frische und hungrige Talente vorzustellen. Ich hoffe, wir können dies mit diesem Interview tun. Wie geht es aktuell?

TH: Vielen Dank, es freut mich sehr, dass es geklappt hat. Aktuell geht es mir sehr gut, sehen wir von einer kleinen Weisheitszahn OP ab, bin ich ansonsten fast jeden Tag hart am Trainieren. Das natürlich alles nur, wenn ich nicht gerade arbeiten bin.

WF: Du bist ein Talent der GWF in Berlin. Die Einstiegsfrage ist immer, wie Du zum Pro Wrestling gekommen bist?

TH: Ja genau, ich bin bei der GWF vor 2 1/2 Jahren das erste Mal zum Wrestling Training gegangen. Wie bei uns allen, schlummert auch in mir seit meinem 11. Lebensjahr bereits der Traum als Wrestler in einen Ring steigen zu dürfen.

Früher war ich so begeistert von diesen massiven Recken, wie Scott Hall oder Kevin Nash, die sich bei der damaligen WCW mit all den anderen Superstars angelegt hatten. Und nachdem ich dann einige Jahre in meinem Berufsleben war, hatte ich erfahren, dass es eine Wrestling Schule in Berlin gibt und hab mir das mal angeschaut.

Damals hatte ich sogar noch mit Freunden, als wir Kinder waren, Wrestling in Turnhallen oder in Gärten mit Leitern und Styroporteilen gemacht. Uns war natürlich egal, dass bei jeder Werbeunterbrechung empfohlen wurde, dass man Wrestling nicht nachmachen sollte. Das jedoch kann ich heute mehr bestätigen denn je, dass Wrestling gefährlich ist.

WF: Also war es eher die WCW. Ich hatte Triple H vermutet, harte Spinebuster etc. 🙂

TH: Damals gab es ja zunächst zwei Lager. Die WCW und WWF Fans. Jeder hat natürlich gut über das Eine und schlecht über das Andere geredet. Aber da mein bester Freund (der WWF Fan) nicht nachgelassen hat und mir alle Royal Rumble VHS Kassetten von 1993 bis 1999, die in seiner Sammlung waren, gezeigt hatte, bin ich langsam aber sich mehr auf die WWF Seite gerückt und hab hier dann in den Folgenjahren die D-Generation X mit Shawn und HHH so unglaublich gefeiert.

WF: Hat jemand dieser Stars Deinen Stil, Deine Moves oder Deinen Charakter beeinflusst?

TH: Auf jeden Fall! Für mich selbst war es schon immer wichtig, dass ein Wrestler einen gewissen Körperbau aufweist ,wie die bereits benannten Stars. Also habe ich schon früh mit Fitness angefangen. Und die Agilität und Beweglichkeit eines Shawn Michaels hat mich schon immer so inspiriert, um selbst derartige Bewegungen teilweise in meinen Stil einfließen zu lassen.

WF: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

TH: Ich würde mich aktuell als Allrounder bezeichnen, möchte mich aber in Zukunft mehr in Richtung Powerhouse mit akrobatischen Akzenten bzw. High Flyer Elementen bewegen.

WF: Hast Du sportliche Vorkenntnisse, sind diese ein Vorteil gewesen beim Training, aktuell?

TH: Ich hatte 4 Jahre lang Judo betrieben, 2 Jahre Kick Boxen gemacht und übe immer noch bereits seit 16 Jahren Capoeira aus. Und gerade durch das Capoeira, wo es viel um die Verknüpfung kämpferischer sowie akrobatischer Bewegungen geht, habe ich das Wrestling deutlich schneller erlernen können als Wrestling Schüler, ohne derartige Vorkenntnisse. Ich konnte bei vielen Moves recht schnell das Gleichgewicht und die Körperspannung halten, da ich durch Capoeira ein gutes Körpergefühl habe.

Toni „Tiger“ Harting vs. Chaos (Maximum Wrestling)

WF: Hast Du denn die ersten Schritte im Ring bei GWF erlernt oder bereits im Vorfeld trainiert?

TH: Genau, bei der GWF habe ich sozusagen das Laufen gelernt und trainiere auch aktuell dort. Ich habe aber auch während eines Besuches meiner Freundin in den USA bei dem WWE Hall of Famer Johnny Rodz für einen Monat trainieren dürfen.

WF: Dieser ist seit 1996 ein WWE Hall of Famer, wie kamst Du denn zu ihm (Anm. d. Redaktion: Rodz trainierte unter andrem „Big Vito“, Tommy Dreamer, Tazz, Hugh Morris etc.)?

TH: Meine Freundin hat dort ein Auslandssemester gehabt und da sie auch Wrestling Training machen wollte, hatte sie bei ihm anfangen dürfen. Da er sich mit meiner Freundin sehr gut verstanden hat, musste ich nur einen sehr geringen Betrag zahlen, was normalerweise nicht möglich ist, da Wrestlingschulen in Amerika doch deutlich teurer als hierzulande sind. Als ich den ersten Tag beim Training war, ist er mit seinen 78 Jahren in den Ring gegangen und hat es den jungen Leuten gezeigt, wie man es richtig macht. Da er für gewöhnlich einen Trainerstab hat, war es schon sehr außergewöhnlich, dass ich das erleben dürfte.

WF: Wie lautete damals sein Feedback damals zu Deinem Training, Deiner Leistung?

TH: Ich war ihm viel zu schnell und hatte absolut noch keine Ringübersicht. Ich zitiere:“you look like a million bucks, but you need to work more slow and coordinated in the ring“

WF: Zurück in Deutschland ging es dann zur GWF. Konnten Mike und Ahmed Dein Tempo zügeln und wie lange dauerte es zum Debüt ?

TH: Ja sie konnten mich zwar zügeln, aber als es zu meinem Debüt nach 1 1/2 Jahren Training bei einer GWF Show in Hennigsdorf bei Berlin kam, war ich aufgrund des Adrenalins und der Aufregung sehr ungestüm und unkontrolliert. Ich habe da mit den Lions zusammen gegen die Gefreiten und Captain Martinez gekämpft.

WF: Sicher willst Du langfristig als Singles Wrestler durchstarten, welche Ziele hast Du Dir gesetzt?

TH: Richtig, das möchte ich. Mein Ziel ist es in erster Linie auf dem deutschen Wrestlingmarkt einen Bekanntheitsgrad zu erreichen und vielleicht auch Europaweit in verschiedenen Ligen auftreten zu können.

WF: Du bist inzwischen in einigen Ligen zu sehen gewesen, von CoW bis EWP: Wie hat es dir bei EWP gefallen, hier ist ja eher alles „Oldschool“. Gab es Feedback von Ecki?

TH: Die EWP hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Oldschool Wrestling mit Ringerparaden, Karten etc. haben einen Charme, von diesem ich sofort fasziniert war. Manches Wrestling fühlt sich wie ein „Heruntergespiele“ von Spots an, wohingegen man sich dort wirklich die Zeit nimmt Moves und Storylines mit Spannung und Dramatik zu erzählen. Ecki hatte mir ganz gutes Feedback und viele Tipps geben können, die ich mir alle sofort sorgfältig notiert habe und an denen ich arbeite.

WF: Das klingt alles sehr ehrgeizig. Nach einem Mann, der viel an sich arbeitet um besser zu werden und Feedback ernst nimmt. Wie bist Du zum Beinamen „Tiger“ gekommen?

TH: Viele würde jetzt vermuten, dass ich echt gern Cornflakes esse. Aber es war eher so, dass sie mir den Namen aufgrund meiner Trainingseinstellung gegeben haben. Ich bin immer sehr ambitioniert und energisch im Training, zeitgleich übe ich meine akrobatischen Einlagen geschmeidig aus. Genau wie ein Tiger eben.

WF: Also hast Du dir den Namen selbst gegeben?

TH: Nein, den Namen haben mir meine Trainer Ahmed Chaer und Crazy Sexy Mike sowie Ingo Vollenberg vorgeschlagen. Und es hat gepasst, wie die Faust aufs Auge.

WF: Was machst Du, wenn Du nicht im Ring stehst?

TH: Wenn ich nicht gerade im Ring bin, jage ich Verbrecher , da ich als Polizeibeamter im Wach- und Wechseldienst tätig bin. Ansonsten habe ich aktuell ein YouTube Projekt mit dem Personaltrainer/ Strengh Coach Johannes Luckas. Er will mich für das Wrestling so optimieren, dass ich deutlich mehr Leistung aus meinen Körper abrufen kann und eine bessere Form erhalte. Dafür ist viel Blut und Schweiß nötig. Aber wenn ich das durch stehe, hoffe ich euch im Ring die Resultate präsentieren zu können.

WF: Würdest Du Deinen Polizeidienst für eine Chance in Übersee aufgeben?

TH: Ich denke, dass ich versuchen würde eine Auszeit von meinem Job zu nehmen. So eine Chance ist natürlich einmalig für jeden Wrestler. Und aus diesem Grund würde ich es auch versuchen. Aber komplett meinen Job aufgeben, würde ich nicht.

WF: Wie ging es bisher bei Dir mit Verletzungen, konntest Du weitgehend verschont bleiben?

TH: Eine Situation, die ich im Bezug auf Verletzungen bei diesem Sport erlebt hatte, war schon krass. Ich sollte mein zweites Match mit jemandem im Tag Team machen, der an diesem Tag sein Debüt hatte. Wir sollten gegen Andre Trucker und Pete Bouncer kämpfen. Und zum Entrance sind wir dann beide hereingekommen und mein Tag Team Partner war schon etwas bleich und schlotternd auf den Knien. Als wir in den Ring gestiegen sind, ist er auf das oberste Seil, um den Zuschauern zuzujubeln. Dann ist er jedoch plötzlich abgerutscht und in den Ring gefallen. Hierbei hat er sich massiv am Knie verletzt und musste herausgetragen werden. Der ganze Saal war zu diesem Zeitpunkt erschüttert. Neben der Sorge um ihn, stellte sich in diesem Moment natürlich die Frage, ob ich jetzt ein Handicap Match gegen die beiden bestreiten würde, obwohl ich null Erfahrung hatte.

Es war ja immerhin erst mein zweites Match. Dann konnte ich aber aufatmen, da Lucky Kid noch hereingerannt kam und sich mir zu Seite gestellt hat. So konnten wir den Kampf dann beginnen. Mein Tag Team Partner musste fast ein Jahr aussetzen und ist jetzt aber wieder mitten im Training, um bald wieder in den Ring steigen zu können.

WF: Wir wünschen Dir alles erdenklich gute, viel Erfolg und vor allem Gesundheit. Danke für Deine Zeit!

TH: Vielen Dank für die Möglichkeit. Es hat mich sehr gefreut.

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