Franz Schlederer im WrestlingFever.de Interview (04.05.2019)

WF: Zuerst einmal danke Dir Franz, das Du Dir die zeit nimmst. Ich bin mir sicher Du hast einiges zu erzählen!

F: Gerne

WF: In Deutschland entstand die „Szene“ so ca. um 2000,  während man zuvor durch die „CWA“ Wrestling Shows sehen konnte. Wrestling nannte man bei uns damals noch „Catch“ und Deine Anfänge dürften aber so in den 80ern liegen, richtig?

F: Ja, 1982!

WF: Wie hatte das damals alles mit Dir angefangen, wie bist Du zum Catch gekommen?

F: Ich bin durch die Wrestling Warriors Austria (WWA) dazu gekommen.

WF: Das war die Promotion von Frede Barne, richtig?

F: Nein, der erst diese erst später übernommen. Zuvor war es Anton Bugl, „Ministrialkanzleirats Direktor“, ja die österreichischen Amtstitel….Nachdem Bugl verstarb, übernahm Barne. Bugl hatte neben dem Heumarkt den Hauptanteil der Shows. Wir waren ca. 50-70 Mal im Jahr im Einsatz. Meist waren es Zeltveranstaltungen, aber mit 1000-4000 Zuschauern und tolle Stimmung. Hauptface war Rudi Pegac, der auch einige Jahre am Heumarkt war, sein Vater hatte olympische Erfahrungen als Ringer gehabt. Es waren auch viele alte Wrestler wie Peter Opravill, Klaus Wallas, Biko Botuwamungo etc. dabei.

F: Nein, ich war Amateuringer, österr. Meister, Juniorenmeister, mehrere Turniersiege und auch 2 oder 3 Jahre im Nationalteam. Bei einem Ringerturnier suchte Bugl zusammen mit Pegac Nachwuchs, da wurde ich gefragt ob ich nicht mal catchen probieren möchte. Ja das habe ich dann auch gemacht, beides Amateur und Profi, zumindest 3 Jahre, dann war das Amateurringen vorbei denn ab 23-25 bist im Amateursport ein „alter Mann.“

Ich hatte auch, glaube 1997 einen Auftritt am Heumarkt. Hier gab es Zeltfeste. Ich trat mit Franz Schuhmann im „Tag Team“ an, Einzelkämpfe gegen Steinblock, Col. Brody, Mile Zrno, Steve Wright, Klaus Kauroff und viele mehr.

WF: Du bist im Laufe Deiner Karriere aber auch schon als „Schweizer“ Lizenzringer angetreten, wie kam es dazu?

F: Das war der Beginn beim Bugl Anton, das war seine Ideen und ich hatte damals ein Schweizer Freundin. Ich habe aber diese Lizenz noch imme , diese wurde vom Verband jährlich erneuert.

WF: Gibt es evtl. eine Geschichte die die uns über ein Match wie mit Col. Brody, Kauroff, Steve Wright etc. erzählen könntest, eine besondere Erinnerung?

F: Grins, ja! Als ich mit Kauroff einen Einzelkampf hatte, sagte ICH als jüngster, „Klaus ich werde dies und das machen!“ und seine Antwort war „Junge, DU machst gar nix, ICH mache den Kampf, ja so war es auch dann. Ich hatte am Heumarkt ein Tag Team Match mit Schuhmann gegen Eddie und Canonball Grizzly, da war die Konkurrenz untereinender schon so groß, das ich damals, ich vermute absichtlich, verletzt wurde. So musste dann ein paar Tage aussetzen.

WF: Welche Verletzung hattest Du, was war passiert?

F: Grizzly sprang vom Seil ohne zu bremsen auf die Brust und ich hatte ein paar geprellte Rippen. Aber wir wurden später gute Freunde – das sind wir bis heute!

WF: Das wollte ich als nächstes fragen, wie wurdest Du als „Neuer“ generell vom Stammkader angenommen, nahm Dich jemand unter die Fittiche? Wie sahen Deine Aufgaben als Neuling so aus? Sicherlich musstest Du Dich bewähren…. und auch ungeschriebene Regeln erlernen…

F: Zrno und Steve waren ganz tolle Kumpels, da war unter anderem auch der Michi Kovac am Start, der hat seine Karriere auch beim Bugl begonnen.

Wie überall war es nicht einfach, eher ruhig, verhalten und Anweisungen befolgen, aber keine pers. Dienste, gg, Siege gab es am Anfang keine, erst so nach 2 Saisonen, wo man sich bewährt hatte,d ie gingen nicht gern „am Arsch“, wenn du verstehst…

WF: Wie hast Du damals optisch ausgesehen, sicherlich hast auch Du mal als Leichtgewicht angefangen, oder? Wurde das Gewicht als Profiwrestler dann automatisch mehr, auch aufgrund der Kollegen und Optik. Ich kann mir vorstellen, das Dich die „alten Hasen“ diesbezüglich schon geimpft haben?

F: Ja. Aber als Amateur war ich im Schwergewicht, ich hatte so zwischen 91 und 95 kg, also kein Leichtgewicht, in dieser Gewichtsklasse trat ich auch im Team an. Diese Leichtgewichte wie heute gab es damals nicht, da musste man etwas darstellen.

WF: Wie empfindest Du die Entwicklung im Wrestling in den letzten Jahren, alles wurde etwas schneller, Die Wrestler dünner, leichter und sie „fliegen“ auch mehr. Kannst Du Dich als Wrestler & Veranstalter damit anfreunden?

F: Ja, es sind Veränderungen, aber bei meinen Veranstaltungen gibt es keine Wrestler unter 100kg. In Wien wollen die Zuseher Männer sehen und keine, wie der Mr. Tattoo immer sagt: „Handtücher“, es war auch für mich am Anfang eine Umstellung vom Rundenkampf auf amerik. Regeln. Ja nach ein paar Mal hatten wir das auch im Griff.

Früher und vor allem in Wien war und bin ich Face aber sonst seit langer Zeit Heel. Letztes Wochenende war ich übrigens bei PWM in Budapest, dort hatte ein „Handicap Match“ gegen 3 Highflyer, ich weiß nur nicht für wen es ein „Handicap“ war 😀
Die flogen nur so herum, vom Top Rope, durch mich!?

WF: Ich vermute der „Heel“ Steht Dir besser und liegt Dir besser, richtig? Worin siehst Du die Vorteile eines Heels?

F: Ja, mir gefällt es auch „böse“ zu sein, ein Face ist nur so gut, bzw. hat nur einen großen Sieg, wenn der Heel gut ist und ihn groß macht. Wichtig ist es auch, mit den Zusehern zu worken, ja und das Micwork mach ich halt manchmal auch, Der Heel führt den Kampf.

WF: Franz Wie entstand Dein Beiname „Söldner“?

F: Als junger Mann wollte ich nach einer Jagdkommando Ausbildung beim Heer einige Zeit aus Liebeskummer nach „Rhodesien“ (Simbabwe) als Söldner. Ich hatte schon für die belgische Meldestelle alles beisammen, um bei der FNLA zu kämpfen, aber da war noch einige Zeit bis zum Abtritt dazwischen und sich was anderes ergeben. Da die Wrestler und Veranstalter das gewesene kannten, war bei der Auswahl des „Heel Gimmick Namens“ eh schon klar, in welche Richtung das gehen würde und so ist es bis heute. Ich war auch damals als Söldner bei der RWA! 3 Jahre als World Heavyweight Champion mit glaube ich 13 Titelverteidigungen!

WF: Wow, Respekt! Wie erinnerst Du Dich an Slash und diese Zeit, heute gibt es ja die RWA nicht mehr…?

F: Die RWA war eine tolle Liga, die unter anderem auch in der Wiener Stadthalle veranstaltete, Slash sah nicht auf Gewinn, so wie heute wo jeder „Fucking Backyard Wrestler“ gebucht wird, nur damit es wenig bis nix kostet. Er holte damals schon Promi Ausländer, scheute vor nichts zurück und liebte den Sport! Wie gesagt eine tolle Liga mit toller Bezahlung.

WF: Wie erinnerst Du Dich an „Big“ Otto Wanz?

F: Ja der Otto war sehr korrekt auch wenn es weniger Gage gab, als bei Bugl. Mein erster Kampf bei ihm um den „Donaupokal“ in Linz war ein Rumble, wo auch Heystacks am Start war. Es beginnt an meiner Seite und Otto sowie mir fällt nichts besseres ein, als auf ihn zu schlagen, der konnte es nicht glauben alle drehten sich weg und der Otto gab auf mich Gas, er sagte nachher, „den Chef schlägt man nicht!“

WF: In Österreich veranstaltet neben der EWA auch Bambi mit seiner Weltmeisterschaft sowie (wieder) RoE oder die UKWA. Sehen wir von anderen österreichischen Promotions ab, wie arbeitet man zusammen? Ist das heute möglich und auch in Deinem Sinne?

F: EWA und UKWA schon, da werden Termine untereinender ausgemacht damit keine Kolission passiert, auch mit der Liga vom Lerchenbach, aber mit RoE gibt es keine Zusammenarbeit,….
wir hatten uns an einem Tisch zusammengesetzt und alles beschlossen ..aber einer hielt sich nicht daran.

WF: Das klingt nicht so gut. Wir haben 2019, da müsste das doch möglich sein?

F: Nein!

WF: Ist eine Kooperation nicht für alle hilfreich?

F: Ja schon, aber in diese Richtung gibt es nichts mehr!

WF: Man kennt Dich natürlich auch als Tag Team Partner an der Seite von „Mr. Tattoo“, als Dirty Brothers, auch Brixi oder Colen traten schon in dieser Formation an. Wie entstand die Urform dieses Teams und wie siehst Du Chris Colens Entwicklung?

F: Also Colen war nach einigen Lehrjahren und der Selbstfindung ein Senkrechtstarter, der seinen Weg international geht.

Mr. Tattoo und ich wollten eigentlich nur zeigen, wie ein Tag Team Kampf funktioniert, gleiches Outfit, viele gemeinsame Aktionen und nicht wie meist gesehen ablösende Einzelkämpfe. Das hat uns und div. Veranstalter so gefallen, so das es bis zu Tattoos Gelenksoperation so blieb, nach dieser OP konnte er aber leider nicht mehr antreten. Dennoch steht er aber dem Wrestlingsport weiter zur Verfügung als Berater, Booker & Veranstalter usw. Aber auch als Supporter meiner Einzelkämpfe heute, vor allem bei meinen Hardcore Fights, die immer mehr liebe!

WF: Du bist, das darf ich hoffentlich sagen, inzwischen über 60. Du siehst noch gut aus, bist Familienvater und wirklich fit. Warum „tust“ Du Dir das alles noch an, gerade diese Hardcore Fights? Hast Du keine „Wehwehchen“?

F: Noch kann ich im Ring mithalten und ja, ich tue mir das gerne an. Hardcore Fights sind eben was anderes. Wehwechen gibt es natürlich, jedoch gehe ich natürlich auch regelmäßig in den Trainingsring der EWA vom Kovac und ich gehe zudem natürlich auch 5 mal die Woche zum pumpen.

Abwechselnd noch boxen wegen der Kondi, nur so geht es. In meinem Alter gibt es keine einzige Woche ohne Training. Auch im Urlaub, sonst zeigt dir das gleich dein Körper. Wenn Du einen Monat trainierst … brauchst ein halbes Jahr um wieder dort zu sein, wo du warst. Überhaupt glaube ich, das viele Wrestler das Fitnessstudio eher meiden, das sieht man dann am Körper, da kann man noch so gut im Ring sein. Meine Kinder und Enkelkinder haben auch viel Spaß dabei, mir zuzusehen. Bei den Hardcore Fights wird auch mal geweint…

WF: Ich denke, das gerade die meisten österreichischen Wrestler einen guten Körper haben oder hatten. Welche Tipps gibst du denn dem Nachwuchs (generell)?

F: Ja das wrestlen haben viele eh bald drauf, aber den Körper vergessen sie und wundern sich, weil sie nicht gebucht werden. Tipp: Dran bleiben und in die Kraftkammer gehen, vor allem sag ich ihnen, das sie ihr zukünftiges Gimmick finden müssen. Kürzlich bei einem Turnier habe ich einen kleinen jungen dicken Engländer kennen gelernt der das „Schwulen Gimmick“ macht, aber so was von gut, der hat schon 600 Kämpfe, würde z.B. bei uns auch fehlen. So etwas kann man hier sicher auch gut verkaufen. Schwul und brutal.

WF: Wie siehst Du die österreichische Wrestlingszene HEUTE, kann man Geld verdienen, auch mit regelmäßigen (monatlichen) Shows?

F: Doch, man muss sich halt gut verkaufen. Wenn die Veranstalter den finanziellen Background haben, dann gibt es gute Shows aber es soll auch Leute geben, die bezahlen um im Ring zu stehen – und diese Leute killen diesen so Sport!

WF: Walter ist aktuell das österreichische Aushängeschild, steht bei WWE unter Vertrag und tritt aktuell für NXT UK an. Hättest Du das erwartet und wie erinnerst Du dich an Walter?

F: Der Walter hat ja bei uns begonnen, wir sind stolz darauf wie weit er es schon gebracht hat. Das sehen wir auch als unseren Verdienst! Die wXw war sein Sprungbett! Ist en großer Kerl, wo man gleich wusste dass der nie Face werden kann, und ursympathisch und respektvoll. Der hat das Geschäft schnell gelernt! mein letzter Kampf gegen ihn war ein Tag Match.

WF: Du stehst natürlich nicht nur im Ring, sondern „arbeitest“ auch außerhalb Deine Tätigkeit als Ringer. Hier habe ich Dich oft auf Fotos als Bodyguard gesehen. Wie bist Du zu diesem Job gekommen?

F: Ich habe natürlich auch an der Türe gearbeitet und diese Szene ist sowieso mit der Security und Leibwächter Szene verbunden, habe beispielsweise auf Sir Roger Moore und Jean Claude Van Damme aufgepasst, sowie andere bekannte Größen / Promis aus Österreich. Das mach ich immer noch, die Tür allerdings (bis auf wenige Ausnahmen) nicht mehr.

WF: Zum Abschluss noch eine Frage, die ich unbedingt stellen muss: Wie oft hast Du Dich in all den Jahren verletzt, sehen wir von Schürfwunden, Platzwunden oder auch blaue Flecken ab?

F: Alles in allem ca. 15 Platzwunden, Rippenbrüche, Schleimbeutelverletzungen an den Knien und beiden Ellbogen. Knieverletzungen wie Meniskus, Brustkorbprellungen und einmal eine Brustkorbsprengung. Dazu noch einige Verletzungen der Wirbelsäule!

WF: Hast Du jemals daran gedacht mit dem Wrestling aufzuhören?

F: Ja schon, das erste Mal mit 50. Da hatte ich kurze Zeit keinen Spaß mehr daran, dann entstanden die Dirty Brothers!

WF: Hast Du in all den Jahren auch echte Freunde gewinnen können, sehen wir vom geschäftlichen ab? Ich denke „Hubsi“ (Mr. Tattoo“) passt sicher nicht nur als Tag Partner und Manager an Deine Seite?!

F: Hubsi wie mein Bruder, ebenso Dirty (Anm. d. Redaktion: Dirty Harry). Wir „alten“ Wrestler halten zusammen und sind gute Freunde.

WF: Gibt es noch eine Road Story für die Fans, die Du aus dem Repertoire hauen könntest?

F: Da gibt es viele! Wenn ich heute im Lockerroom einiges erzähle, auch mit einigen Jungs die damals dabei waren, glauben das oft viele nicht. Wir hatten auch mega viel Spaß im Ausland, wenn wir kamen, sagten alle, die „verrückten Ösis sind da!“. Uns fiel (und fällt)
immer Blödsinn ein, auch einiges das unter uns bleiben soll und bleiben wird!

WF: Ein Match, welches Du nie vergessen wirst?

F: Lexxus und ich hatten ein Match gegen Steinblock und Alofa. Für dieses Match wurde extra ein Ringrichter aus England eingeflogen. Im Vorfeld wurde gesagt, das dieser sehr korrekt ist und die Regeln befolgt werden müssen, also dieser Kampf war für 30 Min.
angesetzt und man kann sich ausrechnen was dieser Kampf kostete…

Ich begann mit Alofa und der wechselte Eddie ein. Und so ging es dahin…. bis zur fünften Minute. Es stand Eddie mit Lexxus im Ring. Lexxus befreite sich mit einem Tiefschlaf und man hörte einen Pfiff… Stille… der Kampf war aus (der Ringrichter hatte Lexxus disqualifiziert). Der Kampf war aus. Ich konnte es gar nicht glauben und Alofa lachte sich mit Eddie krumm. So leicht hatten sie ihre Gage noch nie verdient. Wir mussten letztendlich die Hälfte wieder abgeben und bekamen einen Mega Anschiss.

Bei einem anderen Match platzte mir gegen Grizzly die Hose.. im Schritt…und ich hatte keine Unterhose an….was soll ich sagen?! Was da alles so raus hing?! 😀

WF: Ich bedanke mich nochmals für das Interview. Es war mir eine Ehre!

F: Vielen Dank für das Interview

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