Ilja Dragunov im WrestlingFever.de Interview (25.06.2017)

Wir freuen uns den wXw 16 Carat Gold Tournament 2017 Gewinner, mehrfachen wXw Tag Team & Shotgun Champion für dieses Interview gewonnen zu haben.

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WF: Danke für Deine Zusage Ilja, wie geht es Dir aktuell?

ID: Danke euch an dem Interesse an meiner Person. Mir geht es hervorragend.

WF: Du hast Dich inzwischen charakterlich weiter entwickelt und sprichst auch seit einiger Zeit „Überraschend“ unsere Sprache. Wie gut beherrscht Du die russische denn wirklich?

ID: Mein Russisch ist auf einem gleich bleibend guten Niveau. Zudem bin ich mehrsprachig erzogen worden. Da ich in Moskau aufgewachsen bin, waren meine Fremdsprachen Deutsch, als auch Englisch und ein geringer Teil Französisch.

WF: Während Du lange Zeit den bösen Russen verkörpert hast, wie es komischerweise nun mal im Wrestling so ist, konntest Du Dich aufgrund Deiner Leistung doch bei den Fans als Liebling etablieren. Wie wichtig ist für Dich der Fankontakt?

ID: Lange Zeit wie auch jetzt steht für mich meine Leistung und Hingabe im absoluten Vordergrund. Der Ring und die Herausforderung waren und sind alles was meine Augen sehen. Jedoch ist es mittlerweile angenehm zu merken dass die Menschen dies würdigen also gebe ich ihn gerne etwas dafür zurück.

WF: Was bedeutet Dir der „16 Carat Gold Tournament 2017“ Sieg und hast Du mit solchen (positiven) Fanreaktionen gerechnet?

ID: Dieser Sieg war mental und sportlich ein Meilenstein für mich. Aber noch viel wichtiger war mir der Kampf im Finale. Mein Kopf ist ein psychologisches Schlachtfeld und ich suche stets nach der Grenze meiner Belastung. Walter hatte mich dort hin gebracht. Dieser Kampf und der Turniersieg gepaart haben aus mir das beste rausgeholt. Doch ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich habe noch viel vor und bin stets auf der Suche nach meiner nächsten Leistungsgrenze.

WF: Lass uns bitte trotzdem zurück in die Vergangenheit, genauer gesagt zu Deinen Anfängen. Hier gab es eine weibliche Begleitung, welche heute nicht mehr aktiv ist. Wie wichtig war Svetlana für Dich, als Sprachrohr und Begleitung und wie denkst Du an sie und diese Zeit zurück?

ID: Die Zeit mit Svetlana war etwas ganz besonderes für mich, denn zum einen waren es meine Anfänge bei der wXw und zum anderen war (und ist sie) ein unglaublich talentierter Mensch in so vielen Aspekten. Ohne sie hätte ich mich wahrscheinlich nicht so schnell etablieren können, sie hat mir bei den ersten Erfolgen meiner Karriere entscheidend geholfen und mir immer den Rücken gestärkt. Ich bedauere es sehr, dass sie nicht mehr aktiv ist. Jedoch weiß ich genauso gut, dass sie Erfolg haben wird, egal welchen Weg sie geht oder gehen wird.

WF: Ihr Abgang ebnete, wie Du gesagt hast, aber neue Optionen. Nachdem sie sich (mit Dir etablierte) war der Weg frei für Cerberus. Dieses Stable glänzte neben dem wrestlerischen Können von Dir, Avalanche und Nero durch Adam Polak, der als hervorragender Manager und auch als Sprachrohr sicherlich eine Bereicherung war. Wie erinnerst Du Dich an den „Cerberus“ und wie wichtig war dieses Stable für Deine Entwicklung?

ID: Der Beitritt zum „Cerberus“ war die Phase des kompletten mentalen Zusammenbruchs von Ilja Dragunov. Der leichtfertige Verlust des Shotgun Titels, nicht mehr unbesiegbar zu sein und all sein Selbstvertrauen zu verlieren und die Hilfe eines wahnsinnigen zu erbitten, nur um jegliche Chance noch mal zu verlieren, zu minimieren. So war der Cerberus eine Gruppierung von gebrochenen, wahnsinnigen, die dominieren wollten und beweisen wollten. Und das taten wir auch. Es war eine wichtige Zeit für mich um meinen Charakter weiter zu entwickeln auf einer eher mentalen als auch wrestlerischen Ebene. Viel wichtiger war aber der Zusammenhalt und die Freundschaft die damit einher ging. Ich erinnere mich gerne daran zurück.

WF: Weißt Du noch, wie diese Gruppierung entstand?

ID: Wie schon gesagt. Eine Gruppierung voller wahnsinniger. Jeder auf seine Art und Weise. Im Untergrund Lebend, isoliert im Wahn. Drei Köpfe die die Tore zur Unterwelt bewachen und jene charakterisieren. Alle drei als perfekte Einheit. Wie der dreiköpfige Höllenhund, der Cerberus.

WF: Während in Russland eher MMA angesehen ist, ist Wrestling Nischensport. Hast Du Dich auch in anderen Sportarten versucht?

ID: Sportlich gesehen bin ich in vielen Disziplinen erfahren was speziell Leichtathletik, Gewicht heben und Rugby betrifft.

WF: Ist MMA interessant für Dich und eine Option?

ID: Ich bin Vollblut Wrestler. Eine andere Option gibt es nicht für mich.

WF: Die klassische und eigentliche Einstiegsfrage fehlt: Wie bist du zum Pro Wrestling geklommen?

ID: In das Wrestling fand ich über Zufall. Irgendwann stand ich in einer Halle wo sich einige an dem Sport ausprobierten jedoch auf keiner professionellen Basis. Davor hatte ich wrestling noch kein einziges mal gesehen, weder im Fernsehen noch sonst irgendwo. Nachdem einige Zeit verging, wurde in Dresden eine Wrestlingschule gegründet unter der Leitung von Axel Tischer und Rick Baxxter. Unter diesen beiden fantastischen Trainern und genauso fantastischen Freunden wurde mit hartem Training und der besten Mentalität für diesen Sport, das beste aus mir heraus geholt und meine Leidenschaft entbrannte. Erst dann fing ich an mich mit der Materie auseinander zu setzten.

WF: Wann fiel die Entscheidung, es selbst versuchen zu wollen?

ID: Die Entscheidung gab es nie. Ich bin ein Mensch der sobald er Leidenschaft verspürt, jenem Feld komplette Aufmerksamkeit, Hingabe und Leidensbereitschaft gibt. Somit wurde ich Wrestler nicht aus einer Entscheidung heraus, sondern aus einem Prozess. Je mehr ich für den Sport gab und mit meinem Kopf durch die Wand ging, desto mehr war es mir klar dass ich es Leben wollte.

WF: Du bist Vater eines Sohnes. Nehmen wir an er möchte irgendwann diesen Traum leben, würdest Du ihn unterstützen ?

ID: Nichts würde mich mehr stolz machen, als wenn mein Sohn den selben Weg geht wie ich. Natürlich gehen damit Sorgen einher wenn ich daran denke wie mein Stil im Ring ist und wie viel an Verletzungen ich schon im Ring mit mir getragen habe. Aber nicht desto trotz würde ich ihn dabei auf allen Ebenen unterstützen und ihn lehren was ich vermittelt bekommen habe durch meine fantastischen Trainer. Keine Frage.

WF: Wie sieht Deine Frau den Sport, ich kann mir vorstellen dass sie sich Sorgen um den vater ihres Kindes macht und eher dagegen ist?

ID: Sorgen gehören immer dazu aber dass ist meiner Meinung nach bei jedem Wrestler mit einer Lebensgefährtin der Fall. Jedoch hatte sie mich nie anders gekannt und respektiert meine Einstellung zu dem Sport und lebt somit damit. Aber vor allem unterstützt sie mich ohne Kompromiss. Unbesiegbar ist meine Lebenseinstellung, aber meine Familie macht dies erst möglich

WF: Wie entstand Dein Ringername?

ID: „Ilja Dragunov“ ist angelehnt an „Ivan Drago“ aus dem vierten Teil von Rocky. Ein sowjetischer Superathlet, jedoch mit einer speziellen Anpassung an meinen Charakter mit der Tiefe eines Psychopaten.

WF: Wie entstand die Idee mit den zweifarbigen Kontaktlinsen, die du trägst?

ID: Die Idee entstand vor dem Carat 2015, bevor das Match unter den Regeln von „Wladiwostok“ statt fand. Ilja Dragunov entwickelte sich zu dem Zeitpunkt bereits zu einem mental instabilen Charakter und die 24 stündige Isolation vor dem Kampf, brauchte einen gewissen Ausdruck für mich – wie sich ein Mensch unter dieser Qual entwickeln kann. Da kam mir die Idee mit den Kontaktlinsen. Erst waren es rote Kontaktlinsen als Symbol für die Wut und Rage, dann schwarze für den Wahnsinn während meiner Zeit beim Cerberus. Jetzt ist es eine rote und eine schwarze für beide Elemente die Ilja Dragunov vereint. Ein Ausdruck einer Unberechenbarkeit. Genauso wie mein Ring Stil.

WF: Du kannst nun viel mehr sprechen als früher und machst das sehr gut. Dein Charakter entwickelt sich deutlich und positiv. Welche Ziele hast Du Dir in diesem Business gesteckt?

ID: Wie ich bereits sagte ist es mein stetiges Ziel zu Kämpfen. Rein dieser Aspekt erfüllt mich mit Sehnsucht nach dem nächst größeren Schlachtfeld. Sieht man das langfristig ist es das wovon jeder Athlet träumt. Die Weltmeisterschaft.

WF: Du wärst sicherlich eine Bereicherung für WWE, nehmen wir an diese Option ergibt sich in der nahen Zukunft. Würde Ilja Dragunov dem europäischen Wrestling treu bleiben oder Amerika als Wahlheimat akzeptieren?

ID: Egal was die Zukunft mit sich bringt, meine Familie wird immer meine Priorität bleiben. Natürlich wäre es eine Ehre solch eine Anfrage zu erhalten. Jedoch plane ich nicht soweit voraus und dies gehört nicht zu meinen Hauptzielen für die Zukunft. Ich will mich entfalten und wachsen mit dem Sport. Und um zu wachsen Schränke ich mich nicht ein mit zu genauer Planung.

WF: Danke für Deine Zeit und für dieses interessante Interview!

ID: Der Dank liegt auf meiner Seite!
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