Tony Roy im WrestlingFever.de Interview (26.03.2014 – DEUTSCH)

Tony_RoyTony Roy war viele Jahre ein sog. Jobber bei World Wrestling Entertainment. Seine Aufgabe war es aufstrebende WWE Superstars gut aussehen zu lassen. Tony selbst trainierte unter anderem Triple H, den er später bei Killer Kowalski unterbrachte. Reise mit uns zurück in die 80er und 90er und lese die ein oder andere Geschichte aus erster Hand!

WF: Zunächst möchten wir uns für deine Zusage zu diesem Interview bedanken. Wie geht es dir aktuell?

TR: Nun, vielen Dank erst mal für die Einladung. Ich freue mich sehr auf das Interview, ich liebe es über Wrestling zu sprechen. Ich war Fan seit ich 6 Jahre alt war und bin es immer noch bis zum heutigen Tag geblieben, fast 40 Jahre später. Mir geht es gut. Heutzutage wrestle ich nicht mehr oft. Aber wenn, dann nur exklusiv für die BTW aus Boston MA. Ich hoffe diesen Sommer ein kleines Comeback haben zu können, nur aus Liebe zum Sport, nachdem ich im Moment einen Full-Time-Job habe bei einem US-Wehrtechnik-Unternehmen. Ich liebe meinen Job. Und erst im Juni letzten Jahres habe ich eine wundervolle Frau geheiratet. Alles ist super im Moment.

WF: Wie bist du ins Wrestling-Business gekommen? Liegen deine Ursprünge im Bodybuilding?

TR: Ich bin ein großer Wrestling Fan seit ca. 1976. Ich bin im südlichen New Hampshire (im Umkreis von Boston) aufgewachsen, also konnten wir im TV die WWWF empfangen. Einmal in der Woche, jeden Samstag Morgen um 11 Uhr lief alles was wir vom Wrestling sehen konnten, also haben wir es nie verpasst zu schauen. Damals schon hab ich mir GESCHWOREN, dass ich eines Tages ein Pro Wrestler sein würde, und ich bin nie von dieser Idee losgekommen. Während ich alle Wrestling-Magazine aus dieser Zeit las (was unsere Version des Internets damals war), habe ich erfahren, dass Killer Kowalski eine Wrestlingschule in Boston hat und ich sagte zu mir „wenn ich alt genug bin, dann werde ich mich dort einschreiben“, und das habe ich dann auch durchgezogen. Mit 15 Jahren bin ich dem YMCA aus meiner Umgebung beigetreten, und habe dort mit Gewichtheben begonnen. Mit 17 Jahren, in meinem Senior Year auf der High-School, bin ich nach Malden MA gezogen und habe mich in Killers Schule angemeldet. Ich war der kleinste und jüngste Schüler mit Abstand!!!!! Ich war 17 Jahre alt, wog 180 lbs (ca. 82kg) und war 5’ 11“ (ca. 180cm) groß.

WF: Als du von Killer Kowalski trainiert wurdest, was sind deine Erinnerungen an ihn?

TR: Walter „Killer“ Kowalski war sowohl Mentor als auch Wrestling Trainer. Er lehrte seine Jungs genauso viel über das Leben als über Wrestling. Er ist vergleichbar mit dem Charakter „Mick“ aus den Rocky-Filmen. Walter war ein sehr ruhiger Typ, aber wenn du deine Leistung abgegeben hast und der dir vertraute, dann öffnete er sich dir gegenüber. Er war extrem spirituell und hatte auch eine sehr fürsorgliche Seite, was jedoch nur wenige zu Gesicht bekamen. Walter hatte keine eigenen Kinder, aber für ihn waren seine Schüler wie seine Kinder. Manchmal konnte er natürlich auch sehr jähzornig und dickköpfig sein, aber er hatte ein Herz aus Gold. Er war auch ein talentierter Poet und liebte die Fotografie. Ich vermisse Walter jeden Tag. Für mich war seine Schule mehr als nur eine Wrestlingschule, sondern eine Institution, wo ein Mann, der im Leben alles gesehen hat, seine Weisheit vermittelt. Ich hege großen Respekt und Bewunderung für Walter. Er war einer der letzten EHRLICHEN Promoter im Business. The Mountie, Jacques Rougeau, sagte er mir einst auf einer Reise, dass Walter der letzte verbliebene Typ im Business sei, der immer exakt das eingehalten und bezahlt hat was er versprach, und sich sogar darum gekümmert hat, wenn einer der Jungs knapp bei Kasse war, er hat ihnen dann einfach Extra-Geld bezahlt. Killer Kowalski ist mein Held!

WF: Du hattest eine Fehde mit dem späteren Triple H im Indy-Circuit Mitte der 90er. Es heißt auch, ihr hättet zur selben Zeit mit dem Wrestlingtraining begonnen. Welche Erinnerungen hast du an ihn als Rookie und seit ihr noch in Kontakt?

TR: Ich habe da eine Geschichte für dich auf Lager. Lokale Fans in meiner Umgebung wissen es, aber ich bin noch nie damit auf nationale Ebene gegangen… bis jetzt. Die 100%ige Wahrheit ist, und ich schwöre das beim Grab meiner Mutter, ICH HABE PAUL LEVESQUE TRAINIERT! Ich, Tony Roy. Ich habe ihn damals mit einem starken Kenntnis-Fundament in Killer Kowalski’s Schule gebracht. Und das ist die Wahrheit. Lass mich dir die Geschichte dahinter erzählen: Paul ist 1 Jahr älter als ich. Wir gingen zusammen auf die High School. Er war ein hochgewachsener, dürrer Teenager und großer Wrestling-Fan. Er sah in der High-School mehr wie ein Basketball-Spieler aus, groß und dünn. 1987 bin ich Kowalski’s Schule beigetreten. 1988 bis hinein in 1989 habe ich bereits TV-Jobs für die WWF gemacht. 1990 eröffnete ein neues Golds Gym in Nashua NH (unsere Heimatstadt) und am Tag der Eröffnung habe ich mich bereits dort angemeldet. Paul war dort Co-Trainer. Sein Chef war der frühere Mittelgewichts-Mr. USA Kevin McGuann. Nun, er hat mich dort regelmäßig beim Work-Out gesehen und eines Tages hat er mich angesprochen, weil er mich hin und wieder im WWF TV gesehen hat, und fragte mich, wie er ins Wrestling einsteigen könne. Zu dieser Zeit habe ich ihn bereits 3 Jahre nicht mehr gesehen. Er hatte zwischenzeitlich mächtig an Masse zugelegt!!! Die Veränderung war unglaublich. Ich erzählte ihm dass ich in Killer Kowalski’s Schule trainiert wurde und er mir die Bookings bei der WWF besorgt hat als er das Gefühl hatte, ich wäre bereit dafür. Ich sagte ihm den Preis und er gestand, dass er nicht das Geld habe um Killer’s Schule zu bezahlen. Also FRAGTE ER MICH ob ich ihn nicht trainieren könne in meiner Freizeit. Im besagten Gym gab es ein Basketballfeld, was nicht allzu oft genutzt wurde. Ich stimmte zu mit ihm zu arbeiten und wir haben uns sofort wie Freunde verstanden. Wir waren beide GROßE Ric Flair Fans und wir liebten beide systematisches Wrestling. Er war genauso geschichtlich interessiert wie ich. Wir hatten beide eine große Leidenschaft fürs Business. Also, für 6 volle Monate, 3 Tage in der Woche, trafen wir uns bei Golds Gym auf dem Basketballfeld und trainierten auf Matten, welche wir auf dem Platz auslegten. Nach ein paar Wochen kamen tatsächlich stets ein paar Gym-Mitglieder vorbei, um den Trainingsfortschritt zu verfolgen. Paul war ein Naturtalent. Du hast ihm einmal etwas gezeigt, und er meisterte es sofort. Ich hatte das Gefühl, er sei irgendwann dazu bestimmt, ein Star zu werden. Er hatte das Aussehen UND das Talent. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so viel in so kurzer Zeit aneignen kann wie Paul Levesque. Egal wer ihn trainiert hätte, Paul wäre überall herausgestochen. Aber ich war es, dem diese Ehre zuteil wurde. Und es gibt viele, viele Zeugen von damals, die das bestätigen können.

Nun, eines Tages war Tatsumi Fujinami in Boston für ein paar Shows der WCW. Fujinami war ein großer Kowalski-Fan und wollte einfach mal seiner Schule einen Besuch abstatten, um die Legende selbst zu besuchen und ein paar Fotos für die japanische Presse zu machen. Paul war ein großer Fan von Fujinami und fragte, ob er an diesem Tag zur Schule kommen könnte um ihn in Person zu sehen. Ich stimmte zu und wir gingen beide an diesem Nachmittag im Jahre 1991 zu Kowalskis Schule. Fujinami hatte tatsächlich seine Gear dabei und machte mit ein paar Schülern ein Sparring, Haltegriff für Haltegriff. Als Kowalski Paul mit mir reingehen sah, brach er kurz das Training mit der Klasse ab, ging auf ihn zu und stellte sich vor (er hoffte Paul wäre ein neuer Schüler, er hatte einen tollen Look in seinem Tank Top, alles Muskeln!) Er lud ihn ein der Klasse zuzusehen falls er interessiert wäre, ein Pro Wrestler zu werden. Paul sagte Walter, dass er mit mir seit 6 Monaten trainiert hat, also antwortete Walter mit seiner tiefen Stimme „Get in the ring, lets see what you got“. Was für ein Druck!! Er und ich gingen in den Ring (Paul war vorher noch nie in einem echten Ring gewesen) und das vor den Augen von Killer Kowalski, Tatsumi Fujinami und einer Delegation der japanischen Presse… und wir wrestleten perfekt. Move für Move, Konter für Konter, Haltegriff für Haltegriff!!! Tatsumi dachte, er hätte bereits jahrelange Erfahrung als er sah, wie flüssig wir miteinander workten. Aber durch die Routine aus dem Gym lief alles schon fast natürlich ab. Kowalski war so beeindruckt, dass er Paul anbot, sich der Schule anzuschließen und kleinere Raten zu zahlen!!! Das hatte er vorher noch nie jemandem angeboten. Dies belegt, wie viel er in ihm sah. Aber wie gesagt… die Erfahrung vor diesem Tag hatte er durch mich. Walter musste nur noch den Feinschliff machen.

In jeder Story die jemals über HHH geschrieben wurde, bedankt er sich stets bei Ted Arcidi, ihn ins Business gebracht zu haben. Das war jedoch NIEMALS der Fall. Pauls Ego ist zu groß, um jemals zuzugeben, dass er von einem „Job Guy“ trainiert wurde. Das ist die 100%ige Wahrheit. Ted Arcidi war nicht mehr als seine „Muskelaufbau-Verbindung“ (wenn du verstehst was ich meine). Ted half ihm, seinen Körper aufzubauen, nicht seine Wrestling-Karriere. Ted hätte nicht einmal wrestlen können, wenn es um sein Leben gegangen wäre. Schau dir irgendein Video von ihm an, das ist der Beweis dafür. Paul kennt die Wahrheit tief in seinem Herzen. Aber sein Stolz lässt ihm keinen Dank an einem „Fall Guy“ zukommen, für seinen Beginn und seinen Ursprung im Business.

Der Promoter der BTW, Steve Perkins, hat mir schon immer gesagt, was es für eine exzellente Storyline gewesen wäre, wenn die WWF mich zurückgeholt hätte um eine Shoot-Story hierzu aufzuziehen und das in einer Fehde gegen Triple H gipfeln zu lassen, bei unserer gemeinsamen Geschichte. Der Underdog Jobber gegen den C.O.O. der Company und World Champion. Ich habe den Gedanken nie weiterverfolgt und manchmal bereue ich es. Eines Tages hoffe ich, ein Shoot Interview machen zu dürfen zu diesem Thema, aber es scheint, als hättest DU mich jetzt exklusiv. LOL.

Wie auch immer, ich hab ihm sogar sein erstes Match vermittelt, als er für Cliff Bratz in Burlington VT gegen mich am 1. November 1992 antrat. Diese Card war auch eine von Kerry von Erichs letzten Shows vor seinem Tod. Paul hat das Match auf seiner DVD hinzugefügt und mit Jim Ross einen Voice Over gemacht. Wie hatten daraufhin eine einjährige Fehde für Killer Kowalskis IWF, mehrfach mit 40-Minütigen Matches!

WF: Gibt es etwas, was der junge Triple H hatte, was der heutige Triple H jedoch nicht mehr hat (außer der Jugend natürlich) 🙂

TR: Ich glaube der junge Triple H hatte kein solches Ego. Er war unglaublich respektvoll vor jedem im Business, und hat nie eine Entscheidung irgendeines Promoters debattiert. Er war gewillt gegen jeden zu verlieren um sich seine Sporen im Biz zu verdienen (obwohl er wohl den besten Körperbau im kompletten Indy Circuit hatte). Sein Ego schwoll nur an, nachdem er in die WWF kam und mit Shawn Michaels Freundschaft schloss. Als er noch in der WCW war, waren wir noch stets in Kontakt. Er fand immer die Zeit um anzurufen oder er kam mal vorbei wenn er in der Stadt war. Aber ab dem Moment als er in die WWF kam, wurde er fast schon unnahbar!!! Shawn Michaels überzeugte ihn, dass es ein großer Fehler wäre, mit „Enhancement Talent“ gesehen zu werden, es würde ihn schlecht aussehen lassen. Infolgedessen war er bereits 1995-1996 (ungefähr 3 Jahre nach seinem ersten Match) viel zu gut um mit sich mit den „Jobbern“ abzugeben. Wir haben nicht mehr oft miteinander geredet, seit ich die WWF 1998 verlassen habe bis zum Tod von Killer Kowalski im August 2008. Wortwörtlich kam er da infolge dessen auf mich zu und umarmte mich. Wir haben eine halbe Stunde geredet und er machte einen höflicheren und bescheideneren Eindruck seit er Kinder hat. Er gab mir eine Handynummer, die ich anrufen könne „falls ich mal in Nöten sei“. Angerufen habe ich jedoch nie.

WF: Du hast für fast eine Dekade lang in WWF (WWE)-Jobber-Matches geworkt, etwas das heutzutage fast ausgestorben ist im Pro-Wrestling-Mainstream. Wer setzte sich hauptsächlich für dich ein dass du die TV-Matches worken durftest?

TR: In den 80ern war Killer Kowalski’s die respektierteste Wrestlingschule des Landes. Larry Sharpe hatte auch ein großartiges Camp. Und über einen gewissen Zeitraum leitete Dr. D David Shultz eine Schule in Connecticut, welche auch große Anerkennung bekam. Also, wenn die WWF Enhancement Talent suchte, kontaktierten sie die Besitzer der Schulen und fragten, wen sie für bereit und zuverlässig genug hielten für TV-Tapings. Kowalskis Schule wurde stets als erstes angeschrieben. Sie flogen die Kowalski-Guys durch das Land für die TV-Matches und auch für House Shows. Kowalski empfahl mich sehr bei Chief Jay Strongbow (damals Agent) für die Tapings. Nach zwei Taping-Gruppen meinten Tony Garea und Rene Goulet dass ich einer der besseren Bumper der Gruppe wäre und fragten mich, ob ich nicht ein Regular werden möchte. Dies beinhaltete auch „auf Abruf sein“ als Filler für Stars, welche House Shows verpassten. Ich sprang darauf an und sagte ihnen, dass ich jederzeit bereit stünde. Ich hatte keinen festen Job zu der Zeit. Mein Dad besaß ein Grundstück in Nashua NH also war ich, technisch gesehen, Grundstücksbesitzer. Wir teilten uns die Miete und mussten die Grundstücke einfach nur instandhalten. Ich hatte somit ein Einkommen und ich war jeden Moment abrufbar. Die Company liebte das an mir. Im Wrestling ging es oft um Flexibilität. Dein Leben musste sich darum drehen, nur so konntest du es dir aufrechterhalten.

WF: Kannst du unseren jüngeren Fans in ein paar Worten erklären, wie wichtig ein Jobber im TV damals generell war?

TR: Das ist die beste Frage der kompletten Liste! Weil die „Enhancement Matches“ sich entscheidend auf den Erfolg des Business und ihrer Superstars auswirkte. Es war eine Formel, die im ganzen Land, in JEDEM Territorium mehr als 50 Jahre lang funktionierte. Die ganze Idee dahinter war, dass die Promoter damit zeigen konnten, wie zerstörerisch ihre Superstars sind, und das vor einem TV-Publikum. Sie zeigten im TV alle ihre hauptsächlich kraftvollen und vernichtenden Moves an weniger bekannten Gegnern. ABER… wenn ein Fan einen Superstar sehen wollte, wie er gegen einen anderen Superstar antritt… dann musstest du ein Ticket für eine Show kaufen (oder später, einen PPV bestellen). Die TV-Shows waren vergleichbar mit einer Filmvorschau im Kino. Gib den Zuschauern einen Anreiz, aber wenn du das ganze Bild sehen möchtest, geh los und kauf dir ein Ticket für eine Show um es zu sehen. Im TV gab es nur selten ein Match Star vs. Star. Wenn es mal vorkam, dann war es eine große Sache und normalerweise wurde dies nur für Angles genutzt. Und zudem, du würdest niemals deinen World Champion im TV worken lassen, nur z. B. für eine Promo oder ein Interview. Es war eine brillante Formel welche auch funktionierte. Auch hatten die „Jobber“ stets Arbeit, und es war zudem ein toller Weg um zukünftigen Stars den Weg ins Business zu erleichtern. Du bekommst größeren Respekt vor dem Business wenn du dir deine Sporen als Fall Guy verdient hast, auch die Stars respektieren dich mehr. Und von den Stars, welche selbst als Fall Guys begonnen haben, bekommst du mehr Respekt als von IRGENDJEMANDEN SONST weil sie den gleichen Pfad beschritten haben wie du vor ihrem Aufstieg an die Spitze. Denkt nur mal an die vielen Typen, die jahrelang gejobbt haben, bevor sie berühmt wurden… The Hardy Boyz, Scotty 2 Hotty, Perry Saturn, Justin Credible, Jim Duggan, Mick Foley usw. Es hatte etwas von einer Grenzüberschreitung… nun ist es eine verlorene Kunst.

Ich gebe der WCW die Schuld dafür. Sie waren so versessen darauf, die WWF in den Tagen der Monday Night Wars zu schlagen, dass die Entscheidung getroffen wurde, ihre Superstar vs. Superstar-Matches einfach zu verschenken. Dies zerstörte die Basisformel, welche seit einem halben Jahrhundert einwandfrei funktionierte. Es trieb die WWF dazu, es ihnen gleichzutun um weiterhin konkurrieren zu können. Aber jetzt könnt ihr sehen, was es aus dem Business gemacht hat. Man sieht die selben Matches von vor 8 Jahren neu aufgewärmt. Man sieht Pay Per View Main-Events einen Tag später für lau bei Monday Night Raw. Man erkennt hier ein Kreativitäts-Leck. Und alles führt darauf zurück, dass man eine Formel gekillt hat, die über Dekaden bestand für alle großen Promoter im ganzen Land. Ich habe das Gefühl, die jüngeren Fans werden nie verstehen, was für einen Unterschied dies gemacht hat.

WF: Generell gesprochen: Wie musste man sich das vorstellen bzgl. des Talent-Pools, der hier verwendet wurde: Gab es Road Agents, welche auf „Jobber“ spezialisiert waren?

TR: Die Road Agents dieser Tage (Jay Strongbow, George Steele, Jack Lanza, Tony Garea and Rene Goulet) waren verantwortlich für den Talent Pool. Später kam noch Jerry Brisco dazu. Kleinere Promotions kontaktieren sie, wenn sie das Gefühl hatten, sie hatten ein Talent, dass es wert wäre, ein Tryout zu bekommen. Haben die Agents dich in Action gesehen, wurde die Entscheidung gefällt, ob man dich für eine zukünftige Superstar Position fördern sollte (zu meiner Zeit hieß das, für Jerry Lawler in der USWA, Memphis TN zu worken) oder ob sie dich in einer Enhancement Position im TV verwenden möchten. Hier gab es viele entscheidende Faktoren welche in den Entschluss einflossen. Vom körperlichen Auftreten zum In-Ring-Talent, Interview-Skills, Hintergrund, etc.

WF: Wurden dir zukünftige Main Roster-Spots versprochen wenn du die Fall-Guy-Rolle eine Zeit lang ausübst oder hattet ihr tatsächlich Development-Verträge? Ich habe gesehen, ihr hattet auch oft Dark Matches untereinander.

TR: Ja. Mir wurde oft gesagt, wenn ich meine Schuldigkeit im Jobber-Level getan hätte, dann würden sie mich eventuell „aufmotzen“ und mit mir irgendwas erarbeiten. Von der wrestlerischen Seite war ich tadellos, Physisch war noch etwas Luft nach oben, ich war komplett natürlich. Ich habe nie Alkohol, Zigaretten oder Drogen angerührt. Die WWF liebte auch meine Pünktlichkeit, ich habe in diesen 10 Jahren nie ein Booking verpasst, war stets als einer der Ersten da. Und ich habe mich nie beschwert. Mir wurden 4 Tryouts in meiner Zeit gegeben. Manche sind in Dave Meltzers Berichten nachzulesen. Die Dinge sahen gut aus für mich. Sie schlugen mir vor, ich solle mir den Kopf rasieren und mir einen Bart wachsen lassen, dann hätten sie etwas für mich. Ich glaubte ihnen weil Leute wie Scott Taylor und die Hardys bereits Spots im Main Roster gegeben wurden. Auch meinem besten Freund Bryan Walsh (der zu der Zeit gerade von einem 3-jährigen Run aus Europa zurückkam, er arbeitete dort für Otto Wanz) wurden diese Dinge gesagt. Soweit ich weiß hatten sie Pläne für mich, Mike Bell und Tony DeVito. Ein Jahr später bekam Dwayne Gill seinen großen Deal als Gillberg. Also die Jobber meiner Zeit wurden gut behandelt und viele von ihnen bekamen Deals.

WF: Es gab mehrere Jobber bei jeder Show, wie wurdet ihr Backstage behandelt? Gab es so etwas wie ein Sprachrohr für alle von euch im Locker Room? Einer der Regulars wie Barry Horowitz, Brooklyn Brawler, Reno Riggins, dich, etc.?

TR: Bei den TV Tapings waren stets 15-20 Jobber anwesend. TV wurde damals in „3-Wochen-Blöcken“ aufgezeichnet. Dann wurde RAW gestartet. Nun hatten wir 3 aufeinanderfolgende Drehtage, einer live, zwei getaped. Die Jobber wurden normalerweise von den besten Schulen des Landes ausgewählt. 5 oder 6 von jeder Schule. Um 1993 herum wurde ich sehr vom Office geschätzt, von da an riefen sie mich direkt an und baten mich 4 Jungs MEINER WAHL aus der Gegend um Boston auszuwählen. Das kam gar nicht gut an bei Kowalski. Er bekam stets eine Abschlagszahlung dafür, Leute aus seinem Camp auszusenden. Aber nach 93 fiel die Wahl auf mich, dass ich für die Gruppe verantwortlich wäre. Ich gebe zu das war unfair, weil Kowalski die Klasse trainierte und nicht ich. Aber sie haben eben versucht, wo es nur ging Geld zu sparen, also suchte man sich stets einen Top-Schüler jeder Klasse aus, der sich darum kümmern sollte anstelle der Besitzer der Schule. Also war von da an auch keine Booking-Gebühr an die Schule mehr nötig. Ich habe stets die in meinen Augen besten Worker gebracht und war auch das Sprachrohr für die kleine Gruppe. Leute wie Bert Centino, Tim McNeany, Ray Roy (nicht verwandt).

WF: Nahmen sich die Superstars Zeit, die kurzen Matches mit euch im Vorfeld zu besprechen oder ist es mehr wie „Lerne die Trademark-Spots deines Gegners, sehe ihn dann das erste Mal direkt im Ring und er kann dich so stiff behandeln wie er möchte“? Ich hatte oft das Gefühl, mit Jobbern wird sehr stiff umgegangen.

TR: Das war unter den „Job Guys“ als die „Lethal Lottery“ bekannt. Die Match-Paarungen wurden von Tony Garea und Rene Goulet ausgewählt. Als wir an den Arenas ankamen, ca. 1 Uhr nachmittags, starteten die Booker damit, die Enhancement-Matches zusammenzustellen. Das waren die SCHLIMMSTEN Momente des Tages. Nachzusehen, gegen wen du worken musst. Oft kam es vor, dass du 3mal in einer Show worken musstest, wen 3 Wochen TV an einem Abend aufgezeichnet wurde für „Superstars of Wrestling“ und dann 3 weitere Matches am nächsten Tag für „Wrestling Challenge“.

Nun, GEGEN WEN du worken sollst war ein GEWALTIGER Faktor darauf, wie du im Ring behandelt wirst. Einige Worker, die am Anfang ihrer Karriere selbst Jobber waren, waren sehr respektvoll und gingen mit dir jede Sekunde des Matches durch. Und sie stifften dich nicht. Andere waren kurz gesagt GEFÄHRLICH. Einige der besten Typen, mit denen ich je gearbeitet habe, waren The Honky Tonk Man, Jeff Jarrett, Bob Backlund, The Rock, The Heavenly Bodies, The Headbangers, Owen Hart, Bam Bam Bigelow. Diese Leute waren leicht wie eine Feder im Ring und wollten mit dir auch das Match worken, mit zahlreichen Spots. Andere waren einfach nur unheimlich. Leute wie die Steiner Brothers, die Nasty Boys, Yokozuna, Scott Hall, Rick Rude, The Ultimate Warrior. Ich könnte dir einige Horrorstories erzählen, was diese Leute Jobbern angetan haben. Im Ring oder manchmal nach dem Match (wenn sie nicht mochten, wie du geworkt hast). Also die Antwort auf die Frage ist, es variierte und kam wirklich darauf an gegen WEN du gebookt wurdest. Scott Hall stauchte mir zwei Rückenwirbel bei einem Live-RAW als er mich vom Top Rope auf meinen Kopf fallen ließ. Das hat mir fast das Genick gebrochen. Ich verlor das Gefühl in beiden Beinen für fast 5 Minuten. Ich glaube das Match ist immer noch irgendwo auf Youtube.

Das ganze war so: Während der TV Tapings gab es eine Tafel in der Gorilla-Position (Backstage, kurz nach dem Vorhang). Um ca. 16 Uhr begannen die Agents, die Matches auf die Tafel zu schreiben. Der ganze Lockerroom stand dabei versammelt um die Tafel herum, Superstars und Jobber, um zu sehen gegen wen sie worken müssen und wann. Diese Tafel wurde bekannt als die „Lethal Lottery“, weil du nie wusstest, wen sie dir zulosen. Ich rede von Schmetterlingen im Bauch für diese 2 Stunden Wartezeit um zu sehen wer dein Gegner sein wird. Es war der schlimmste Teil meiner Erfahrung mit der WWF, glaube es oder nicht. LOL.

WF: Hattest oder hast du Freunde im WWF/WWE-Main Roster?

TR: Nicht viele sind noch übrig im 2014er Kader. Die meisten haben aufgehört oder worken in den Indies am Wochenende. Die beste Verbindung im Moment habe ich mit Damien Sandow. Ich habe ihm geholfen in Killer’s Schule Ende der 90er als er gerade mal ein Teenager war. Er ist immer nett wenn sich unsere Wege kreuzen. Aaron (Damien) ist wohl einer der nettesten Leute im Wrestling Business überhaupt.

WF: Beim 200sten RAW is WAR hattest du einen Intercontinental Tile Shot gegen The Rock Rocky Maivia. Was sind deine Erinnerungen an ihn, er war zu dieser Zeit schließlich noch in seinem Rookie-Jahr?

TR: Oh, Rocky ist ein toller Typ. Zu der Zeit begann sein Stern in der WWF erst aufzusteigen. Das war kurz vor meinem 10. Jahr als WWF-Worker, also ging Agent Brisco zu Rocky und sagte ihm „lass bitte Tony das Match callen“. Wir hatten nur 4 Minuten inklusive Entrance und Exit (mit Tony Atlas), also war das Match leicht. Nun ein Wrestler in der 2. Generation hätte durchaus sagen können „Scheiß drauf, du tust gefälligst was ich sage“, aber nicht Rocky. Er war so „alles was du willst Mann, sag es einfach“. Ein klasse Typ. Und leicht wie eine Feder. Ich hatte großen Respekt vor ihm von diesem Punkt an. 80% dieser 2nd und 3rd Generation-Stars haben große Egos, weil sie seit ihrer Geburt im Business dabei sind. Also es ist wirklich eine große Sache dass er gewillt war, mir zu vertrauen.

WF: Warum glaubst du, ist es für dich nie für einen Spot im WWF (WWE) Main Roster gekommen und bist du sauer auf die WWE dass sie dir nie eine Chance für mehr gegeben haben?

TR: Ehrlich gesagt glaube ich, dass wenn ich während der Attitude-Era noch da gewesen wäre, hätte ich meinen Deal bekommen. Das war die Zeit als die meisten aus meiner „Jobber-Generation“ einen Push bekamen. Ich hatte einen guten Ruf bei allen dort und bin auch mit dem Office super ausgekommen. Leider starb meine Mutter im Jahr 1998 und ich hab in diesem Juli meine Wrestling Karriere schlagartig für beendet erklärt. Ich war ein Einzelkind und beschloss dass ich mich um meinen Dad kümmern müsse (weil wir sonst in den USA keine Familie hatten). Also habe ich eiskalt hingeschmissen. Nach einem Jahr Pause hatte ich meine Trauer überwunden und versuchte wieder ins Business reinzukommen, aber es war zu der Zeit des absoluten Wrestling-Booms. Alles und Jeder kämpften mittlerweile um einen Job bei der WWF, also wurde mir traurigerweise nur gesagt „Wir rufen dich an wenn wir etwas für dich haben.“ Aber ich weiß auch, dass man bei einer Firma wie der WWE nicht einfach „kündigt“ und später wieder reinzuspazieren zu deinen eigenen Konditionen. Außer dein Name ist Steve Austin oder CM Punk. LOL. Also bin ich selbst schuld daran. Die WWF war immer fair zu mir und kümmerten sich sehr um ihr Enhancement Talent. Ich glaube aus tiefstem Herzen, hätte ich das Business nicht verlassen, hätten sie zu ihrem Wort gestanden.

WF: Hattest du je Kontakt zur WCW oder warst du immer loyal gegenüber der WWE?

TR: Ich habe kurzzeitig nachgedacht zur WCW zu gehen, als Triple H (damals Jean-Paul Levesque) dort war. Er hat mich immer wieder angerufen und mir gesagt dass sie ein paar Spots frei haben und wenn ich mal wieder in Atlanta wäre könne ich dort ein paar Jobs machen. Aber mein guter Freund Bryan Walsh war mir ein abschreckendes Beispiel, er machte ein paar Jobs in der WCW mit dem Ultimo Dragon und als er dann wieder zur WWF wollte, wurde er gemieden. Aus diesem Fehler habe ich gelernt und blieb loyal zur Hand die mich fütterte. Von da an war die WCW kein Thema mehr für mich.

WF: Du hast gegen viele bekannte Wrestler geworkt, unter den bereits genannten auch Leute wie Diesel, Shawn Michaels, Mr. Perfect und viele mehr. Wer ist dein Lieblingsgegner aus all den Jahren bei der WWE und warum?

TR: Ich glaube ich habe 3 Favoriten. Owen Hart war unglaublich. Er gab mir 50% von manchen Matches (obwohl sie für TV editiert wurden). Er gestaltete seine Matches stets einzigartig und er arbeitete unglaublich reibungslos ohne jemals gemütlich zu wirken. Shawn Michaels war auch so leicht. Er konnte buchstäblich dich durch ein Match „führen“ ohne ein Wort zu sagen oder einen Spot zu callen. Jeder (Superstar oder Jobber) würde dir sagen, Shawn war „wie ein Tag Urlaub“. Und Bam Bam Bigelow, für ein Schwergewicht, war leicht wie eine Feder, immer gewillt das Match komplett durchzuworken und schützte immer seine Gegner. Einige Superstars haben sich einst beschwert als er in die WWE kam wäre er etwas grün und stiff gewesen, aber zu der Zeit als ich da war, war Scott Bigelow eine Ehre als Gegner.

WF: Glaubst du, du bist nicht mehr von der WWE gebookt worden weil sie einfach bevorzugt Superstar vs. Superstar haben wollten, wie in der WCW, oder hast du eine andere Theorie?

TR: Ja, absolut. Ich habe das bei einer vorherigen Frage bereits erwähnt. Ich glaube zu 100% die WCW trieb die WWF dazu ausschließlich Superstar vs. Superstar zu booken, dabei zerstörten sie eine Formel, die ein Leben lang einwandfrei funktionierte. Nun gibt es kein Zurück mehr. Du kannst nie wieder eine Show mit einfachen TV Squash-Matches verkaufen und Superstar vs. Superstar exklusiv bei House Shows und Pay Per Views. Die Fans sind hier kurzfristig der Gewinner. Aber langfristig gesehen, mit nur einer echten Federation im globalen TV, droht der Niedergang des Business. Die einzige „kleine“ Lösung kann es sein, dass man NXT in ein Territory wandelt. Wrestler brauchen einen Ort um sich zu verbessern und um sich einen Namen zu machen bevor sie ins weltweite Spotlight kommen.

WF: Aktuell sieht es so aus, als ob du fast exklusiv für Big Time Wrestling in Massachusetts arbeitest. Was ist deine Verbindung zu der Promotion? Arbeitest du dort als Trainer?

TR: Ich bin aus dem Wrestling nun fast ein Jahr raus. Ich behalte natürlich meine Kontakte und bin immer noch häufig bei den lokalen Shows für Big Time Wrestling um mit den alten WWF Starts Zeit nachzuholen (Hacksaw Jim Duggan und ich sind z. B. mittlerweile gut befreundet). Ich plane jedoch, im Sommer 2014 wieder in den Ring zurückzukommen. Ich habe mir ein Jahr Pause gegönnt um zu heiraten und mit meiner Frau in ein neues Haus zu ziehen.

Als Killer Kowalski aufhörte, Schüler in seinem Dojo zu trainieren, spaltete sich das Institut in 2 Gruppen auf, das war 2003. Der Besitzer von Killers Schule war Tae Kwon Do Großmeister Richard Byrnes. Er kontaktierte mich um zu sehen ob ich interessiert wäre, das Training fortzuführen wenn Kowalski aufhört. Ich wurde dann der Trainer der neu benannten „Superstar Pro-Wrestling“-Schule in Malden MA. Die Website ist sogar noch aktiv. Ich habe es geliebt, als Trainer zu arbeiten. An unserem Höhepunkt hatten wir 52 aktive Schüler in unserem Kader. Die BTW ist dann automatisch aus dieser Gruppe entstanden und wurde von Terry Allen, einem Schüler von Kowalski’s aus den frühen 70ern, und Steve Perkins betrieben. Die Schule war 9 Jahre lang aktiv und viele unserer Jungs wurden von der WWE beobachtet. Tony Delfonso war einer unserer Top-Leute, und er bekam zahlreiche RAW-Spots in verschiedenen Rollen, z. B. als Alberto Del Rio’s Butler und zahlreichen Vince „Security“-Rollen. Zudem viele Dark Matches. Richard Byrnes verstarb dann im Herbst 2012. Ich würde mich freuen, eine neue Trainerposition annehmen zu können. Mir hat dies sehr viel Freude bereitet. Ich glaube, das Wissen, dass mir Killer Kowalski eingeflößt hat ist eine aussterbende Art in heutigen Wrestlingschulen.

WF: Dein Charakter bei BTW ist der eines Franzosen (Antoine Roy), was sind die Hintergründe dieses Gimmicks?

TR: Das Franzosen-Gimmick stammt aus dem Jahre 1995 (Antoine Roy, gesprochen Ru-Wah). Ich bin 100% Französisch-Kanadier und spreche flüssig französisch. Ich habe Englisch erst gelernt als ich ca. 10-11 Jahre alt war. Zu Hause bei meinem Dad sprechen wir ausschließlich französisch. Also hatte ich das Gefühl, das Gimmick wäre passend und ich hatte außerdem seit meinem Debüt 1988 ausschließlich als Babyface geworkt. Franzose zu sein fand ich auch besser als Französisch-Kanadier, das gibt dem ganzen eine internationalere Note. Die Fans haben die glänzenden Roben und die Catch-Phrase „poo poo on you“ geliebt. Ich gründete ein Tag-Team mit meinem Co-Trainer Bob Rush im Jahre 2004 als French Connection. Wir sind immer noch ein respektiertes Team in diesem Teil des Landes.

WF: Deiner Meinung nach, ist das Wrestling Business derzeit im Aufwind oder nicht und falls nicht, was könnte es verbessern?

TR: Das ist eine knifflige Frage. Es hängt davon ab, von welcher Seite man es betrachtet. Mit dem Start des neuen WWE Networks versucht die WWE derzeit etwas, was noch nie da war. Es bringt jetzt mehr Geld ein als jemals zuvor. Es ist nun eine öffentlich gehandelte Firma, was eine Klasse für sich darstellt. Also an finanzieller Front ist man sehr stark aufgestellt.

Aber von der Fan-Sicht her, ist man derzeit auf dünnem Eis unterwegs meiner Meinung nach. Ich finde die WWE ist im TV unfassbar übersättigt. Sie haben 4 Shows pro Woche auf nationalem TV!!! Alles die selbe Company, die selben Superstars. Zu meiner Zeit (die 80er als Kind) hattest du mit Kabel die Möglichkeit aus vielen Wrestling Promotions auszuwählen. Wir hatten WWF, NWA, Georgia Championship Wrestling, World Class, International Championship Wrestling from Quebec, und AWA. Alles verfügbar je eine Stunde pro Woche. Das war zwar viel Wrestling, jedoch komplett unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Storylines, unterschiedliche Promotions und Territories. Es wurde nie langweilig. Stars würden das eine Gebiet verlassen und in einem anderen mit komplett neuem Gimmick auftauchen, einer kompletten Sammlung neuer Gegner etc.

In der heutigen Ära sind alle Fans bestrebt, die WWE zu füttern. Wenn du es nicht magst, was ist deine Alternative? Die Tage der Territories sind nun Geschichte. Ich habe das Gefühl, die Aufmerksamkeitsspanne des heutigen Fans ist viel kürzer. Und sie haben so viel weniger Auswahlmöglichkeiten. Wir sehen im Moment die selbe Gruppe von Superstars mit wiedergekauten Matches, manche sind geturnt von Baby zu Heel, zu Baby, zu Heel zu Baby etc… das verwässert das komplette Produkt, man steckt fest zwischen der „New Generation“ Ära und der „Attitude“-Ära. Ich habe richtig Angst vor der Zukunft des gesamten Business, langfristig gesehen. Ich hoffe ich liege dort falsch…

WF: Glaubst du, wenn das aktuelle WWE-Roster wieder beginnen würde, Jobbermatches bei Weeklies zu bringen und Superstar vs. Superstar den PPV’s & Houseshows überlässt, würde beim heutigen Publikum funktionieren? Wäre das eine Verbesserung des Standings von den heutigen Superstars?

TR: Das habe ich glaub ich auch bereits in einer vorherigen Frage angesprochen. Ich persönlich würde es LIEBEN, das alte Format der Squash Matches (Superstar vs. Jobber) ins TV zurückkehren zu sehen. Der Superstar könnte sich so viel besser einführen und etablieren bei den Fans, live in der Arena und vorm TV. Wie auch immer, ich glaube nicht, dass es den Sinn der heutigen Zeit noch trifft, weil die Fans nun schon so lange verdorben wurden, bis zum Punkt wo es kein Zurück mehr gibt. Es würde keinen Sinn mehr für die jüngeren Zuschauer machen, die Big Name vs. Big Name seit den Windeln im TV gesehen haben. Aber definitiv würden Squash Matches das Standing eines Superstars verbessern. Ich meine, in den Job-Match-Tagen hast du NIEMALS einen Superstar in TV verlieren gesehen. Sie machten im TV allesamt den Eindruck als wären sie unverwüstlich. Also MUSSTEST du ein Ticket kaufen, um solch einen Superstar auch mal verlieren zu sehen. Es bedeutete so viel für House-Shows und PPVs. Es schien einfach etwas Besonderes zu sein, etwas was man im TV nicht bekommt. Man fühlte sich als hätte man etwas gesehen, was dem Rest der Welt vorbehalten war. Und es machte so auch mehr Sinn sich ein Ticket für ein Show Special zu kaufen, denn wenn du es verpasst, dann konntest du es nirgendwo sonst sehen!!! Beim heutigen Format gehen die selben Matches vonstatten, Woche für Woche für Woche, im TV, PPV, House Shows…. das Mystische ist wirklich verschwunden…

WF: Hast du eine lustige Roadstory, die du mit unseren Lesern teilen willst?

TR: Ich könnte ein Buch schreiben, so viele hab ich. Aber ich erzähle eine besonders Lustige, die mir auch die Jungs immer wieder erzählen wenn wir uns treffen.

Es war im Jahre 1996, Ich hatte ein Tag-Team-Match in New York. Es hieß ich und Bryan Walsh gegen New Diesel (der heutige Kane) und New Razor Ramon (Al Ramirez) für WWF TV. Wir trafen uns alle in der leeren Arena bevor die Zuschauer reingelassen wurden. Wir saßen also in der ersten Reihe beim Ring, und gingen die Spots durch. Walsh und Razor gingen schon backstage, aber Kane und ich haben uns verschwatzt und dabei die Zeit vergessen. Nun die Tore öffneten sich und wir sehen Jerry Brisco seinen Kopf zwischen dem Vorhang rausstrecken. Er schreit uns an: „Ihr zwei Idioten kommt sofort hierher, die Crowd ist gleich da!!!“ Er war so angepisst!!! Also rannten wir so schnell wir konnten Richtung Umkleide. Nun, es war das Jahr, bevor der TitanTron eingeführt wurde, damals kamen wir noch raus hinter den großen Lettern „R.A.W.“. Dort waren zwei schwarze, schwere Vorhänge, die wir wegstoßen mussten um rein- und rauszukommen. Nun… Kane war ein paar Schritte vor mir und schaffte es ohne Probleme backstage. Ich war ungefähr 4 Fuß dahinter, also war ich an der Reihe den Vorhang wegzustoßen. Das hab ich auch gemacht, so stark wie ich konnte, weil es wirklich ein sehr schwerer Vorhang war. Beim Wegstoßen fühlte ich bereits, dass mein Arm irgendetwas getroffen hat, was von der anderen Seite versucht hatte, reinzukommen Richtung Ring. Alles was ich dann hörte war „AUTSCH, AU, OH MEIN GOTT IST DAS HEISS..: AAAAAUUUUTSCH“ Ich realisierte dass ich nicht irgendetwas, sondern irgendjemanden getroffen habe, aber ich hatte keinen Plan wer das war, geschweige denn warum er schrie. Also hielt ich an und schob den Vorhang langsam zur Seite, um zu sehen, welcher Depp um 18 Uhr unbedingt Richtung Ring gehen musste… ich war kurz davor zu sagen „Pass doch auf du Volltrottel!“ Aber wer stand auf der anderen Seite mit einer Styropor-Tasse heißen Kaffees in der Hand, der nun KOMPLETT AUF SEINEM ANZUG VERTEILT WAR….. VINCE K. MCMAHON!!!!!!!!!!!!!!!

Ich war kurz vor einer Herzattacke!!! Er war auf dem Weg Richtung Ring zusammen mit Jim Ross für den Soundcheck des Broadcast Tables, und ich schlug ihm gerade den Kaffee aus seiner Hand über seinen Anzug, plus habe ich ihn verbrüht. Die einzigen Leute hier in der Gorilla Position waren zu diesem Zeitpunkt die Schneiderin Julie Youngberg, Sunny, Jim Ross und Kane. Ich nahm sofort ein wenig Stoff vom Tisch der Schneiderin und versuchte Mr. McMahons Anzug dürftig zu reinigen mit aufgebrachten Entschuldigungsversuchen „Es tut mir so leid Sir, ich wusste nicht, dass Sie dort waren. Ich werde für alles bezahlten, senden Sie mir einfach die Reinigungs-Rechnung, Sir. Ich fühle mich schrecklich, Sir.“ Vince warf mir einfach die Tasse vor die Füße und schrie Richtung Garderobe, man solle ihm einen neuen Anzug bringen. Meine Beine zitterten wie Espenlaub!!! Also schaute ich Kane und Sunny an und sagte „Leute, das ist demütigend, BITTE, die Geschichte bleibt hier. Sagt bitte NIEMANDEM etwas von dem hier, OK?“ Beide stimmten zu „Natürlich Tony, kein Problem, wir sagen nichts.“
Letztendlich fand ich eine Duschkabine in der Umkleide um mich an diesem Abend in der Dusche umzuziehen. Den Duschvorhang hab ich zugemacht, weil ich nicht wollte, dass mich irgendjemand nach dieser Aktion sieht. Vor allem nicht Vince und seine Leute. Plötzlich höre ich wie Barry Horowitz zu Bam Bam sagt „Hey, hast du das mit Vince gehört? Es wird erzählt Tony Roy hat ihn mit einer Clothesline auf den Boden geschickt und ihn dann mit heißem Kaffee übergossen!!! Der Typ ist so was von tot!!!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHH!!!!!! Die Story muss unter den Jungs weitergereicht und immer schlimmer gemacht worden sein! Bis heute weiß ich nicht, ob mich die Jungs verarscht haben oder ob wirklich so ein Gerücht die Runde machte, aber es war die ungemütlichste Nacht meiner kompletten Wrestling-Karriere!!! Am Ende ist gar nichts passiert. Wir hatten ein tolles Match und fuhren in die nächste Stadt. Aber das war meine persönliche Horrorstory mit dem WWF CEO!!!

WF: Hast du je von der europäischen Wrestlingszene gehört, besonders in Deutschland? Falls ja, was weißt du darüber?

TR: Traurigerweise wird hier in den Vereinigten Staaten wirklich nicht viel von der europäischen Szene übertragen. Allerdings sind viele Top-Talente die mittlerweile bei Vince sind, von dort. Ich erinnere mich, dass Owen Hart mir einst sagte, dass Europa der beste Ort sei, um Shoot Style Wrestling zu lernen. Auch Mike Shaw (Bastion Booger) hat mir das gesagt. Mein bester Freund Bryan Walsh workte ja einige Jahre in Deutschland für Otto Wanz in den frühen 90ern und er liebte es dort. Sie workten auf Jahrmärkten/in Festzelten dort und er sagte sie worken Matches in „Runden“, ähnlich wie beim Boxen.

Otto kam eines Tages in Killer Kowalski’s Schule, um Talente für seine Shows zu scouten, das war in 1989. Leider war ich zu der Zeit noch zu grün und unerfahren. Aber ich hatte die Freude ihn in diesem Jahr zu treffen.

WF: Hast du noch einige Worte an unsere Leser?

TR: Tony Roy wird in naher Zukunft wieder in irgendeiner Funktion zurück sein. Aktuell trainiere ich meinen Schwager, Johnathan Shippert für eine Karriere im Pro-Wrestling. Er war ein Top-Ringer auf College-Level in Chicago und möchte den Sprung in den Profibereich schaffen. Er ist 188cm groß, wiegt 100kg und ist erst 19 Jahre alt, ich sehe bei ihm großes Potenzial. Wenn er dafür bereit ist, denke ich darüber nach, mit ihm ein Tag-Team zu formen oder vielleicht schlüpfe ich in die Rolle seines Managers. Die Zeit wird es zeigen.
Und für alle Leser, ich möchte euch ermutigen, euch zurückzuerinnern und Matches der Vergangenheit anzusehen auf Orten wie Youtube und WWF Oldschool. Das Business war eine komplett andere Welt damals, und der kleinste Move hat eine Crowd begeistern können. Wenn man die heutigen tempogeladenen Matches ansieht wirkt das von damals zwar langsam im Vergleich, aber diese Veteranen ziehen immer noch ihre Kreise neben den heutigen Akrobaten und Stuntmen.

WF: Vielen Dank für deine Zeit, wir wünschen dir nur das Beste!

TR: Vielen Dank nochmals für die Einladung und Gott schütze euch alle. Meine Gebete gehen raus an die Menschen in der Ukraine. Frieden auf Erden!

Wir würden uns über Dein Feedback zu diesem Interview freuen!

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