WrestlingFever Interview: Böhse Tante XDream (15.01.2012)

boehsetanteVor vielen Jahren ist er als Martin Grave in Österreich in den Ring gestiegen, war auch im Team der WSA. Dann folgte eine Pause und eine Geschlechtsangleichung. Von 2005-2007 folgte deshalb eine nötige Pause, um dann 2008 als „Böhse Tante XDream“ in den Ring zu steigen. WrestlingFever.de hat sich exklusiv mit ihr unterhalten!

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WF: Hallo „Bad Aunt“, ich freue mich, dass du WrestlingFever.de in diesem Interview ein paar Fragen beantworten willst. Was hat dich 1998 dazu bewogen, mit dem Wrestling zu beginnen?

BT: Hallo erstmals, nun ich behaupte, mein Interesse für Wrestling hat wie bei jedem angefangen, zunächst war ich ein Fan, mich haben die starken Typen im Ring fasziniert, in Ihren bunten Kostümen, wie sie das Publikum unterhalten. Ich habe damals bei uns in Wien schon den berühmten Heumarkt besucht, später dann kamen kleine Custom-Ligen in die Wiener Stadthalle, welche ich besucht habe. Ich wollte auch immer zum wrestlen beginnen, war aber zu feig jemanden zu fragen. In meiner Jugendzeit habe ich mit ein paar Freunden Backyardkämpfe gemacht, wir haben in einem Turnsaal eines Freundes die Matten aufgelegt und haben unsere Idole nachgespielt.

Die Zeit verging, aber das Interesse ist nie verschwunden, als ich bei Bundesheer war hat mir ein Leutnant erzählt, dass er American Football spielt, das sah ich als Möglichkeit um in das Wrestling einzusteigen. 1997 habe ich dann also bei den Vienna Vikings zu trainieren und zu spielen begonnen. 1999 hat mich ein Freund angerufen, dass es eine Wrestlingschule in Wien gibt, wir sind gemeinsam hingegangen und seitdem habe ich bei der WSA trainiert.

WF: Du hast bei der Wrestling School Austria angefangen und wurdest später sogar Vorstandsmitglied der WSA. Wie war das Training in der WSA und wie stehst du heute dazu?

BT: Ich bin in die WSA gegangen um PRO Wrestling zu erlernen, Vorstandsmitglied wurde ich nur, weil ich immer vollen Einsatz zeigte, sei es im Training als Trainer oder mit meinen kreativen Ideen. In den Jahren, indem ich in der WSA trainierte habe ich nebenbei Messerkampf, Stockkampf, Schwertkampf, und Shootfight trainiert. Ich fand das Training immer interessant, kannte ja nur das Training in der WSA, das Training beim American Football ist dazu kein Vergleich.

WF: Wenn wir von der WSA sprechen, so wurde die von vielen eher als Backyard betitelt. Wie siehst Du das?

BT: Ok, also wenn sich alle Independent Pro Wrestler, die für die WSA in den Ring gegangen sind als Backyard-Wrestler bezeichnen, war und ist die WSA eine Backyardliga. NEIN, die WSA war keine Backyard-Liga, ich weiß wovon ich spreche, die WSA hat nur immer wieder versucht ein anderes Produkt zu liefern, als es das Publikum gewohnt war, das Training in der WSA geht mehr in die Richtung der Selbstverteidigung und der Martial Arts (Kampfkunst).

Ich bin Neuem immer aufgeschlossen gewesen, natürlich war ich Hauptsächlich daran interessiert, Profi-Wrestler/in zu werden und habe nebenbei einige Kampfkünste trainiert. Leider blieb das Pro Wrestling Training etwas auf der Strecke. Da ich auch im Vorstand der WSA „war“, habe ich immer wieder versucht, das Training und das Produkt in die richtige Richtung zu lenken, das geht aber nicht, wenn der „CHEF“ zu sehr von sich und seinem Produkt überzeugt ist, das er nicht einmal auf die Wünsche des Publikums eingeht.

In der WSA sind unter anderem, eine: Wesna – Blue Nikita – Sweet Saraya – Missy Blond, Darren Burridge – Viktor Krüger – Big van Walter – Murat Bosporus – Barish – Aykut – Cardinal Colen – Sick – Matt Summers – Mr. Erotic – Darksoul – Rattlesnake – Darksoul etc. angetreten – nur einige zu nennen.

WF: Viele leugnen das heute?!

BT: Ui, sie können es sowieso nicht leugnen, weil es über jeden einzelnen Videomaterial gibt, sogar vom Training. Aber die WSA hatte nie einen guten Ruf in der Szene, so gibt man auch nicht gerne damit an dort gekämpft zu haben, sondern leugnet es lieber. Da gibt es Einige, die sich verleugnen, obwohl sie im Internet auf Fotos oder auf Videos zu sehen sind. Dummheit oder fehlende Courage? Diese Frage sollte jeder für sich selbst beantworten. Ich selbst habe Ende 2012 ein Team auf die Beine gestellt, wir treten als Stable auf und trainieren jetzt bei M. Kovac, weil es für uns Zielführender ist. Wir wollen das Publikum als Indy Pro Wrestler unterhalten. 13 Jahre WSA sind genug, außerdem schreiben wir das Jahr 2013, das sind ein „Nexxus“ und eine magische Zahl für mich. Ich streite nicht ab in der WSA tätig gewesen zu sein aber es gibt zu vieles, persönliches was noch nicht aufgearbeitet wurde.
„Böhse Tante“ XDream 2012

WF: Die WSA hatte auch eine TV-Sendung auf einem kleinen Sender in Wien. Kannst du uns was über das Konzept der Shows und die Produktion der Sendungen erzählen?

BT: Die WSA, sprich der Chef wollte immer ein anderes Produkt liefern, als es in der Szene gewohnt war, die Mitglieder der WSA hatten immer so genannte Brainstormings abgehalten, so sind wir zum Beispiel auf die Idee gekommen, Wrestling mit Rockmusik zu verbinden, oder einen anderen Wrestlingring zu bauen als die Fans es gewohnt sind.

WF: 2003 hast du für die WSA einen Hexagon Ring entworfen und gebaut. Stimmt es, dass die WSA somit noch vor TNA einen 6-seitigen Ring hatte und woher kam die Idee dazu?

BT: Das war eines meiner Glanzstücke, ich war Maschinenschlosser und Schweißer, ich habe mir die Octgon-Käfige, welche von UFC bekannt waren als Vorbild genommen, die Konstruktion war sehr simpel, aber der Aufbau war jedes Mal sehr heftig. Ich war sehr erstaunt, als kurz nachdem die WSA den Ring fertig hatte, die TNA und deren Hexagon-Ring bekannt wurden. Da war ich natürlich sehr stolz auf meine Idee.

Wie schon erwähnt war der Aufbau jedes Mal sehr schwierig, der Chef der WSA hat dann einen viereckigen Ring mit zwei Seilen anfertigen lassen, und den Hexagon-Ring an die Italiener verkauft, leider habe ich für diesen Ring nie ein Geld gesehen.

WF: Hast du auch für andere Veranstalter gerungen?

BT: Ich habe zum Beispiel für RoE gearbeitet, es war damals ein Triple-Tag Team-Kampf „Team WSA“ (Preacher, Humungus) gegen Team „New Linz Order “ (Rattlesnake, Steven Keyn) gegen Team America (Ian Rotten)“. Ich habe erst in meinem zweiten Karrierestart begonnen, mich selber um Bookings zu kümmern, so habe ich für die CIL in Spanien, die DWA in Deutschland, aber natürlich auch für die WSA und WUW gearbeitet. WF: Du bist heute die einzige aktive Wrestlerin Österreichs, bist aber als Junge geboren worden und hast auch als Mann mit dem Sport begonnen.

WF: Hast du dich immer schon als Frau gefühlt und wenn ja, war es nicht schwer für dich Martin „The Preacher“ Grave zu verkörpern?

BT: Tja, das ist ein langes Thema, ich versuche mich kurz zu halten. Ich habe mich immer etwas anders gefühlt, konnte aber nie sagen was mit mir los war, es gab ja nichts Vergleichbares und man traute sich Niemanden zu fragen. Nein, es war nicht schwer für mich Preacher oder Martin Grave zu verkörpern, ich habe all die Jahre ein Versteckspiel gespielt, weil man ja nicht wusste wie Freunde und Familie mit diesem Thema umgehen würden und man Angst hat sie zu verlieren.

Um es auf den Punkt zu bringen, ich habe damals mein Leben projiziert, ich versuche es zu erklären: wenn ich körperlich eine Frau gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich nie mit Wrestling begonnen und hätte mir einen Wrestler geangelt, sprich, den Mann den ich mir an meiner Seite gewünscht hätte, habe ich selber verkörpert.
Martin Grave

WF: Haben sich denn viele von Dir abgewandt?

BT: Nein, von mir hat sich niemand abgewandt, aber es war und ist noch „kein einfacher Weg“ für mich. In den zwei Jahren, in denen ich nicht aktiv war, war ich trotzdem im Backfield auch als Trainer/in tätig, und es gab keine Probleme. Jetzt allerdings ist es schwer für mich, weil Östereich ja nur „ein kleines Dorf“ ist, es gibt hier nicht so viele Wrestling Interessierte Mädels, bei der WSA waren zwar einige Mädels trainieren, die *Gründe* warum diese nicht mehr trainieren sind für mich nicht ersichtlich.

Desweiteren ist es auch für meine Wrestling Kollegen schwer mich einzuschätzen, sie trauen sich vl. auch nicht alle zu fragen. Sie wissen nicht ob ich nun „HALB-MÄNNLICH, MÄNNLICH, oder WEIBLICH“ bin. DIE ANTWORT IST EINFACH, ES GIBT FÜR MICH KEINE HALBEN SACHEN, ALSO „WEIBLICH“

WF: 2005 hattest du deinen letzten Kampf als Martin Grave und Ende 2007 kam dann nach 2 Jahren Therapie die Geschlechtsangleichung und du wurdest zur Frau. Was bedeutet das Leben als Frau für dich und wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

BT: Nun, was bedeutet das für mich? Dazu muss ich sagen, ich bin ja keine gewöhnliche Frau, ich bin kein Püppchen, wie man sie im Internet überall sieht, ich bin auch keine Diva (die bin ich nur im privaten Rahmen). Das Leben als Frau ist nicht so einfach wie es sich viele Männer vorstellen, das war mir auch schon vor der OP bewusst, es ist härter, weil Frauen emotionaler aber bedachter sind.

Mein Umfeld hat sehr gut darauf reagiert, so gab es auch keine Probleme beim Training. Nur jetzt wird es für mich allmählich schwieriger, Menschen, die mich schon unter Martin Grave oder Preacher kannten, können mich sehr schwer einschätzen, sie wissen nicht gegen wen ich nun antrete, ob gegen Männer oder Frauen, klar nerven mich diese Fragen, schließlich habe ich keinen leichten Weg gewählt, aber es geht mir mit meiner Entscheidung gut und wenn mir etwas nicht passt mache ich mir reine Luft und stelle es klar, DAS ICH ALS FRAU NUR GEGEN FRAUEN antrete, es sei denn das Booking verlangt es von mir, das ich gegen einen Mann antrete.

WF: Ich nehme an das Du auch ziemlich an Kraft verloren hast?

BT: Nun ja, ich nehme bis zu meinem Lebensende Östrogene zu mir, das bedeutet auch, dass ich Gefühlsschwankungen habe und ein Drittel meine Körperkraft verliere.

WF: Im Sommer 2008 standest du dann das erste Mal als Frau unter dem Namen „Xdream“ im Ring. Wie reagierten Fans und Kollegen?

BT: Nach einer dreijährigen Pause, war es natürlich geil, wieder im Ring stehen zu dürfen, und meine Kollegen haben ganz gut auf mich reagiert.

WF: Du hast mir mal erzählt, deinen schönsten Kampf hattest du gegen Murat Bosporus. Ich nehme an das war vor der Geschlechtsangleichung. Gegen wen trittst du heute gerne an?

BT: Stimmt das war ein Wunschkampf von mir, weil ich meine Karriere als Preacher beenden wollte und den Titel abgeben wollte, zu dem damaligen Zeitpunkt hat es keinen besseren Gegner für mich geben können. Ich sehe mir den Kampf heute noch gerne an und ich bin Murat dafür dankbar, dass wir den Kampf so durchgezogen haben.

Gegen wen ich heute gerne antreten würde? Also wenn ich so in das Internet rein sehe, gibt es ja viele Gegnerinnen, die sich da anbieten würden. Es gibt aber eine, die ich auch als Idol sehe, weil ich Ihre Arbeit schätze, ich spreche von ALPHA FEMALE, sie wäre meine Wunschgegnerin, aber natürlich sehe ich es so, das ich von jeder einzelnen Gegnerin lernen kann, und das finde ich toll, so ist mein Lernprogramm nie ausgeschöpft, und ich habe die Möglichkeit immer mehr zu lernen. Mein Ziel ist es, ganz oben zu stehen.

WF: Gegenwärtig trainierst du auch mit Michael Kovac in Wien. Wie ist das Training für dich im Vergleich zu dem der WSA?

BT: Nein, das ist nicht vergleichbar, ich möchte mich auch nicht dazu äußern, außer das mir das Training bei M. Kovac Spaß macht, und dass es für mich zielführend ist.

WF: Hast du das Gefühl, dass die Kollegen dich anders behandeln als früher?

BT: Klar behandeln sie mich anders, man ist mehr Leistung von mir gewohnt (ich auch), ich muss mir aber eingestehen, das sich als Frau die Leistung eines Mannes nicht erbringen kann. Einige tun sich noch damit schwer, ich bin Frau, und möchte auch als solche behandelt werden.

WF: Im Mainstream Wrestling spielen Frauen derzeit kaum eine Rolle. Warum denkst du, ist das so und was bedeutet das für dich persönlich?

BT: Ich bin froh Independent Wrestlerin zu sein, so habe ich ja doch die Möglichkeit auf eine vielseitige Damenrige zuzugreifen, ich halte nicht soviel von den Damen-Mainstream-Wrestling, dort sieht man hauptsächlich Modepüppchen, welche sich auch für den Playboy ausziehen, die haben Körperstaturen, die ich niemals erreichen werde, ich bin wie schon erwähnt keine Diva, ich bin Wrestlerin, und ich zeige gerne meine erlernte Technik.

WF: Was kann man 2013 noch von dir erwarten?

BT: Nun, ich habe große Pläne, Plan eins wurde schon realisiert, ich habe ein Team zusammengestellt, welches mit mir gemeinsam arbeitet, ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber eines ist gewiss, wir werden die Bühne und den Ring rocken. Plan zwei ist auch schon in Arbeit: es wird einen Wrestling-Ego-Wechsel bei mir geben.

Weiteres habe ich vor, mit meinem Team auf Trainingslager uns Seminare aber natürlich auch zu Bookings zu fahren.

WF: Gibt es noch etwas, dass du den Lesern von WrestlingFever.de gerne sagen möchtest?

Ich möchte Allen Mut machen, die in einer misslichen Lage stecken, bleibt Euch selber und Eurem Zielen treu.

***VIVA LA R3VOLUTION***

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