Melanie Gray im WrestlingFever.de Interview (29.03.2018)

WF: Hallo Melanie! Vielen Dank, dass Du Dir erneut die Zeit für uns genommen hast. Wie geht es Dir im Moment?

M: Die Carat „Seuche“ hat mich derzeit ein wenig im Griff und auch der Carat Blues, denn nach so einem großen Mehrtages-Event ist es tatsächlich schwer ins „normale Leben“ zurückzukehren, aber wem sage ich das?

WF: Das Turnier um die neue wXw Women’s Championship ist Geschichte. Wie erinnerst Du Dich daran, was hältst Du vom Verlauf, den zahlreichen kurzfristigen Änderungen und dem Abschluss bei der 17th Anniversary?

M: Mir ging es vermutlich wie vielen da draußen, und zwar war ich zunächst einmal enttäuscht. Nach all den Jahren war endlich ein großes Ziel zu erkennen, auf das ich und andere hinarbeiten konnten, und dann war weder das Turnier selbst, noch das Finale der Einführung eines neuen Titels würdig, das muss ich an dieser Stelle ganz hart so sagen. Natürlich lag vieles daran nicht in der Macht der Ausführenden, aber nichtsdestotrotz war es eine Enttäuschung.

Was dann aber daraus entstanden ist, sieht schon weitaus rosiger aus. In meinen Augen ist es noch immer keine vollständige Women´s Division, aber momentan haben wir eine Basis geschaffen, auf der man sicherlich aufbauen kann und das stimmt mich deutlich positiver als noch zum Jahresende 2017.

Außerdem hat Christian Michael Jakobi hoffentlich noch immer meine Liste mit Namen von Mädels, die hervorragend zum wXw Produkt passen würden und falls nicht, schreibe ich ihm jederzeit nur allzu gerne eine Neue.

WF: Hast Du das MYC verfolgt, hat es Dir gefallen? Gegen einige der Teilnehmerinnen hast Du bereits selber im Ring gestanden…

M: Ich habe zugegebenermaßen nicht alle Matches gesehen. Dennoch bin ich froh, dass die WWE mit diesem Turnier einen weiteren Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Frauen gegangen ist.
Es war natürlich vor allem großartig Leute wie Toni, Kaylee oder Jazzy zu sehen und habe ihnen die Daumen ganz besonders gedrückt. Ich bin allerdings überrascht, dass nur wenige nach dem Turnier den Sprung zur WWE tatsächlich geschafft haben, bin aber gleichzeitig froh, dass mir so einige meiner bisherigen Lieblingsgegnerinnen noch etwas erhalten bleiben.

WF: Bei BTTR hattest Du ein wirklich sehenswertes Match mit der Session Moth geliefert, nicht zum ersten Mal eine härtere Gangart. Ging es Dir am nächsten Tag körperlich gut?

M: Überraschenderweise ja! Ich bin ja schon einmal gegen Kimber Lee durch einen Tisch gegangen etc. oder stand im 1. Women´s Cagematch oder man erinnere sich auch an den Intergender Tag Team Streetfight. Und auch, wenn immer auch ein bisschen die Angst da ist verletzt zu werden, ist es ein unfassbarer Adrenalinrausch, fast schon wie Achterbahnfahren. Ich müsste ein Match mit Stipulation nicht unbedingt jede Woche haben, aber wenn es zur Story passt, bin ich gerne wieder mit an Bord!

WF: Was kannst Du uns über die Zusammenarbeit mit Kazza erzählen?

M: Sagen wir so, sie lebt ihr Gimmick! Sie ist so eine liebe Person und hat zum Teil echt witzige Ideen. Es ist schön, dass im Wrestling einfach für jeden Platz ist.

WF: Dein neues Outfit, wie kam es dazu? War der Entwurf Deine Idee?

M: Ich entwerfe generell meine Gear selbst, so wie fast jeder Wrestler. Mittlerweile habe ich einen ganzen Ordner mit Disney Gear erstellt, den ich wahrscheinlich nie komplett realisieren können werde. Denn man muss an dieser Stelle einmal sagen, dass Airhead Diva in Holland zwar großartige Arbeit leistet und das jedes Mal, Qualität aber eben auch ihren Preis hat.

Mein pinkes Kleid ist an Maleficent als Drache angelehnt, deshalb auch der Stoff mit dem Animalprint. Mein Choker ziert ja auch ihre Silhouette. Mal sehen, welcher Charakter als nächstes realisiert wird, ich bin gern offen für Vorschläge.

WF: Wer performt Dein aktuelles Theme und wie lautet der Titel?

M: Ich wollte schon immer ein Theme mit Geige darin haben, hatte aber nie den passenden Song gefunden. In meiner Kindheit/Jugend mochte ich Vanessa Mae sehr gerne und wollte etwas in die Richtung. Ich bin dann durch Zufall auf Lindsey Sterling gestoßen und fand ihr Lied „Shatter Me“ sehr passend, verwende es aber ohne die Lyrics. Der Anfang des Themes hingegen ist aus dem Disney Film „The Descendants“ und heißt „Rotten to the Core“.

WF: Das Gummiband fürs Handgelenk, den originellen Haarschmuck, ein schickes Shirt, aber da kommt doch hoffentlich bald mehr Merch oder 😊?

M: Den Energydrink und die Autogrammkarten nicht zu vergessen! Ich hatte eigentlich nicht vor in naher Zukunft noch mehr Merchandise herstellen zu lassen, aber wenn die Nachfrage (gerne auch direkt mit Ideen) da ist, bin ich natürlich gerne dazu bereit.

WF: Der allererste Women’s Royal Rumble liegt hinter uns, ebenso die Premiere in der Elimination Chamber. Wie hat Dir das Match mit seinen Überraschungsgästen gefallen und wie siehst Du dadurch die Entwicklung des Damenwrestling innerhalb der WWE?

M: Es ist einfach schön zu sehen, dass die Damen mittlerweile die gleichen Chancen wie die Herren bekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob es auf die Dauer nicht zum „Overkill“ kommen könnte, wenn man die Serie fortführt, aber es war definitiv ein Statement! Ich bin gespannt, ob die WWE nun nach und nach wieder mehr Indywrestlerinnen, wie z.B. kürzlich Candice LeRae, verpflichten wird, da ich, ehrlich gesagt, gerade den Stand der Damen in NXT als recht dünn besiedelt ansehe.

Andererseits haben beide Main Roster gerade sehr viele talentierte Damen, sodass ein Aufstieg anderer aus NXT vielleicht auch gar nicht nötig ist. Ich bin jedenfalls froh, dass heutzutage nicht mehr nur im Indybereich gezeigt wird, was Frauen wirklich auf dem Kasten haben und Ladieswrestling endlich im Mainstream angekommen ist.

WF: Immer mehr Promotions führen neuerdings einen Damentitel ein, was ja grundsätzlich positiv zu betrachten ist. Allerdings kann so auch das Gefühl entstehen, dass jeder „Bauernverein“ einen Gürtel aus dem Hut zaubert ohne aber geeignete Mitstreiterinnen oder ein Konzept dahinter zu haben. Wie lautet Deine Meinung zu diesem Thema?

M: Natürlich freut es mich zu sehen, dass Women´s Wrestling immer mehr Aufmerksamkeit und Ansehen bekommt. Dennoch ist dies ein etwas heikles Thema. An sich kann jede Promotion ja so viele Titel einführen/haben wie sie möchte, ob das aber auch bei jedem Championship Sinn macht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ich habe ja auch lange genug in der wXw für eine Titeleinführung gekämpft und dennoch eingesehen, dass es lange Zeit einfach noch zu früh war. Generell finde ich, dass, solange eine Division nicht aus mehr als 2-3 Talenten besteht, ein Titelgürtel vielleicht doch etwas zu früh ist. Es muss einfach einen Sinn ergeben.

WF: Mittlerweile bist Du ein paar Mal bei der jungen Promotion Wrestlingkult, dessen Ziel u.a. der vernünftige Aufbau einer Damendivision ist, aufgetreten. Konntest Du diese Motivation der Verantwortlichen spüren?

M: Es ist schön zu sehen, dass Kult vor allem auch noch nicht zu 100% etablierten Wrestlerinnen eine Chance gibt, da es in Deutschland und auch sonst in Europa durchaus noch ein paar versteckte „Juwelen“ gibt. Es ist zudem sehr entspannt dort und generell einfach eine nette Atmosphäre, in die ich gut aufgenommen wurde.

WF: Hattest Du Spaß dort im Kulttempel?

M: Ja, denn sonst wäre ich nach dem 1. Besuch wohl kaum zurückgekehrt 😉

WF: Wie war die bisherige Zusammenarbeit mit den Kultministern?

M: Bisher war alles immer vollkommen unkompliziert und selbst bei „Schwierigkeiten“ wurde stets ein kühler Kopf bewahrt.

WF: Wo siehst Du die Unterschiede der Fans in der Tubse und denen nur ein paar Meter neben an?

M: Ehrlich gesagt, versuche ich solche Urteile zu vermeiden, da ich keine Unterschiede bei den Fans mache. Solange sie nur genug Stimmung machen, sind mir alle Recht.

WF: Wie verlief Dein Jahr 2017, bist Du zufrieden ins neue Jahr gerutscht?

M: Die 1. Hälfte war zum Teil noch etwas holprig, da nach dem Ende der Story mit Jazzy erst einmal nicht viel los war für mich. Nach und nach haben sich mir dann aber immer mehr neue Möglichkeiten eröffnet, die ich nur zu gerne wahrgenommen habe (z.B. GWF, CoW, GHW, …). Insgesamt kann ich, denke ich, sehr zufrieden sein und der Start in das Jahr 2018 war bisher schon einmal nicht zu verachten.

WF: Toni Storm hat bald ein Singles Match gegen Jimmy Havoc. Magst Du solche Kämpfe der Geschlechter oder betrachtest Du das etwas kritisch? Gäbe es denn auch einen Mann den Du gerne in die Finger bekommen würdest?

M: Ich hatte ja bereits mit Marius van Beethoven das zweifelhafte Vergnügen und es hat, ehrlich gesagt, ziemlichen Spaß gemacht. Generell muss ich eine solche Konstellation nicht unbedingt haben. Nicht, weil wir Frauen nicht mit den Männern mithalten könnten, was die In-Ring-Action angeht, sondern einfach, weil wir Frauen in meinen Augen etwas Besonderes sind und auch dementsprechend dargestellt werden sollten.

WF: Welchen Ratschlag kannst Du einer jungen Nachwuchswrestlerin mit auf dem Weg geben?

M: Nicht unterkriegen lassen! Es werden Tage kommen, an denen man am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte, aber genau dann wird es sich lohnen weitergekämpft zu haben!

WF: Mittlerweile gibt es ein weiteres Shirt, neue Autogrammkarten und den Alpha Lovers Energy Drink (übrigens eine sehr geile Idee). Hast Du Dich am Design des edlen Kleidungsstücks beteiligt?

M: Ich hatte eine Vorlage zu einer Grafikerin geschickt, die mir dann das Logo erstellt hat.

WF: Du hattest beim Carat ein großartiges Match vor über 1000 begeisternden Zuschauern und hast Toni alles, aber wirklich alles abverlangt. Am gleichen Tag konntest Du Dir vorher eine verdiente und schöne Belohnung erringen. Den neu eingeführten Damenchampion-Titel bei Wrestlingkult. Wie findest den Gürtel von der Optik her und die Tatsache das sich einige Fans finanziell an der Produktion beteiligt haben?

M: Ich muss sagen, es ist definitiv der hübscheste Titelgürtel von Wrestlingkult und ich finde, er steht mir hervorragend. Auch wenn das Design schon etwas an einen Damentitel einer anderen, recht bekannten englischen Promotion erinnert. 😉

WF: Wie war das Match gegen Amale, Shanna usw… Deiner Meinung nach? Wie fühlt es sich an die allererste Championesse zu sein?

M: Es war echt witzig und auch spannend, weil wir in dieser Konstellation vorher noch nie aufeinandergetroffen waren. Es hat sich schon etwas seltsam angefühlt nach all den Jahren meinen ersten Titel in den Händen zu halten. Es war, als wäre ein Elefant im Raum. Aber natürlich habe ich mich riesig darüber gefreut!

WF: Welche Ziele verfolgst Du weiterhin, worauf können sich Deine Gegnerinnen einstellen?

M: Es ist immer noch ein recht großes Ziel von mir mehr im UK anzutreten oder generell vermehrt im europäischen Ausland. Meine Gegnerinnen können sich allgemein auf weniger Reden und mehr Austeilen einstellen, wobei man mir nur allzu gerne jederzeit ein Mikrophon in die Hand geben darf, um mir die ein oder andere Sache von der Seele zu reden.

WF: Zum Abschluss bieten wir Dir hier noch etwas Platz, um rauszulassen was Du rauslassen möchtest.

M: Ich möchte mich gern an dieser Stelle bei all meinen Unterstützern bedanken. Auch bei denjenigen, die vielleicht erst vor Kurzem hinzugekommen sind. Ohne euch hätte ich vermutlich längst aufgegeben. Danke!

WF: Wir danken Dir recht herzlich für dieses erneut sehr offene und interessante Interview. Alles Gute, bleib‘ uns wohlerhalten und viel Spaß. Bis bald.

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